Richtlinien für terminologische Diplomarbeiten

Univ.-Prof. Dr. Peter A. Schmitt
Universität Leipzig


Diese Richtlinien geben Hinweise für die Abfassung terminologischer Diplomarbeiten (DAT) hinsichtlich Themawahl, Materialbeschaffung, Gliederung, formale Gestaltung und Informationsangebot. Sie basieren auf den Erkenntnissen und Erfahrungen aus rund 500 DAT, die in der 50jährigen Geschichte des Fachbereichs Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft (FASK) der Universität Mainz/Germersheim erarbeitet wurden. Sie gelten für alle terminologischen Diplomarbeiten an allen Instituten des FASK Germersheim sowie am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Universität Leipzig. Für Arbeiten in der Englischen Abteilung des IALT sind die Richtlinien verbindlich. Ansonsten gilt: Unbegründete Nichtbeachtung verringert mit großer Wahrscheinlichkeit die Qualität, Nützlichkeit und Publikationschancen der Arbeit. Die Richtlinien werden nach Bedarf aktualisiert.
Für wissenschaftliche Arbeiten allgemein (Seminararbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen) sowie für die Bibliographie gibt es separate Richtlinien.


Inhalt dieses Dokuments:
 


1. Hintergrund

Die explosionsartige Vermehrung des Wissens, vor allem im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, bedeutet eine entsprechende Zunahme fachsprachlicher Begriffe. Für die praktische Arbeit des Übersetzers/Dolmetschers (im folgenden kurz: Translator) gewinnt die Terminologiearbeit, d.h. das Erfassen, die Pflege und die Bereitstellung ein- oder mehrsprachiger terminologischer Datenbestände, daher ständig an Bedeutung. Die Berufspraxis des Translators ist nahezu ausschließlich von Fachtexten bestimmt und verlangt daher eine vielseitige Qualifikation, zu der nicht nur das Übersetzen und Überprüfen von Fachtexten, sondern auch das Ausführen und Organisieren von Terminologiearbeit gehört. Diese Arbeit kann je nach Arbeitsbedingungen und Zeitrahmen vor, während oder nach einem Übersetzungsauftrag durchgeführt werden, d.h., Terminologiearbeit ist auftragsvorbereitend, -begleitend oder -auswertend.

Der für Übersetzungsaufträge zur Verfügung stehende Zeitrahmen ist allerdings in der Regel so knapp bemessen, daß dem Übersetzer oft keine Zeit für solide terminologische Vor- oder Nacharbeit bleibt. In der Praxis beschränkt man sich daher (zumindest bisher) meist auf auftragsbegleitende Terminologiearbeit. Da diese wiederum nur quasi "nebenbei" erfolgt, bleiben derart gewonnene terminologische Einträge häufig auf Wortgleichungen beschränkt, die im Grunde nur im jeweiligen Kontext Gültigkeit haben und sowohl für externe Benutzer als auch in anderen Texten wenig hilfreich sind. Ein derart rudimentäres terminologisches Informationsangebot ist nicht nur in firmeninternen Terminologiesammlungen üblich, sondern auch in teuren Fachwörterbüchern anzutreffen.

So ist einerseits aufgrund der immer kürzeren Innovationszyklen eine drastisch wachsende Nachfrage nach seriöser Terminologiearbeit festzustellen, andererseits aber trotz der Flut von Fachwörterbüchern ein für professionelles Arbeiten unbefriedigendes Informationsangebot zu beklagen. Dies gilt besonders für die sog. Neuen Technologien, aber auch in "klassischen" Bereichen gibt es erstaunliche Lücken: So existieren beispielsweise bis heute (1996) keine brauchbaren Wörterbücher zum Bereich Kraftfahrzeugtechnik im Sprachenpaar Deutsch-Portugiesisch.

Eine Lösung können terminologische Diplomarbeiten (DAT) darstellen. 



2. Nutzen von DAT

2.1 Grundsätzliches

Grundsätzlich gilt: Der Verfasser einer DAT liefert einen Beitrag zur Terminologieforschung. Diese ist Teil der Fachsprachenforschung und hat das Ziel, den Ist-Zustand fachsprachlicher Realität zu beschreiben. Die Erfassung fachsprachlicher Realität liefert eine der Grundlagen für die fachsprachliche Ausbildung von Diplom-Übersetzern und Diplom- Dolmetschern. Nach diesen Richtlinien erstellte DAT haben außerdem einen deutlichen Translationsbezug und liefern insofern auch einen Beitrag zur Übersetzungswissenschaft (Translatologie). Gute DAT können zum Aufbau der Terminologiebanken an den translatorischen Ausbildungsstätten (z.B. die Datenbank FASTERM am FASK mit bereits über 120.000 Einträgen) beitragen, die wiederum von Studenten und Lehrenden für Unterricht, Forschung und Übersetzungen genutzt werden können. DAT können auch die Qualität neuer Wörterbücher fördern oder im Rahmen konkreter Wörterbuchprojekte angefertigt werden. Insofern liefern DAT generell einen Beitrag zur Erleichterung fachsprachlicher Kommunikation und translatorischer Arbeit in Ausbildung und Praxis.

Die Erfassung des Ist-Zustandes ist aber auch Grundlage für die Terminologie-Normung, d.h. die Beschreibung des Soll-Zustandes mit Hilfe von Terminologieempfehlungen der Normenorganisationen (wie z.B. DIN, ÖNorm, ISO, ASTM etc). DAT dienen also auch der Verbesserung fachsprachlicher Realität.

Zu diesen Zwecken pflegen translatorische Ausbildungsstätten mit intensiver Terminologieforschung Kontakte mit den Normenorganisationen, mit den Sprachendiensten von Unternehmen und internationalen Organisationen und mit Wörterbuchverlagen.


2.2 Nachteile

Die Erstellung einer DAT ist - auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so aussehen mag - tendenziell eher zeit- und arbeitsaufwendiger als andere Formen von Diplomarbeiten. Erfahrungsgemäß wird dieser Aufwand von den meisten DAT-Verfassern zunächst unterschätzt. Generell gehört zu diesem Aufwand die Einarbeitung in ein Fachgebiet, dessen Komplexität in der Regel unterschätzt wird; dann die meist langwierige Phase der Materialbeschaffung - hierfür sind mindestens einige Monate anzusetzen; die terminologische Auswertung des Materials unter Beachtung terminologischer Prinzipien, die ebenfalls erst zu lernen sind; je nach Art der DAT kommt hinzu die terminographische Aufbereitung und Eingabe in die Terminologiedatenbank, das Verfassen einer textsorten- und adressatengerechten Einführung in das Fachgebiet und die Erörterung translatorisch relevanter Besonderheiten. Auch der Umfang wird in der Regel größer als vorgesehen - Arbeiten mit 200 bis 300 Seiten Umfang sind keine Seltenheit. Andererseits macht die Note einer Diplomarbeit meist nur einen Bruchteil der Gesamt-Examensnote aus.


2.3 Vorteile

Dem stehen einige Vorteile gegenüber:

(1) Durch die Einarbeitung in ein Fachgebiet und die zweisprachige terminologische Auswertung der Literatur dieses Fachgebiets hat der Verfasser zunächst den persönlichen Gewinn einer erheblichen Horizonterweiterung, die nicht selten im ganzen späteren Leben nützlich ist.

(2) Aufgrund der in der Berufspraxis wachsenden Bedeutung von Terminologiearbeit generell und computergestützter Terminologiearbeit speziell ist einschlägige Erfahrung, wie sie durch eine DAT nachgewiesen werden kann, bei einer Bewerbung grundsätzlich von Vorteil, immer häufiger ist sie sogar eine Einstellungsvoraussetzung. Dies gilt keineswegs nur, wenn das bearbeitete Fachgebiet/Thema unmittelbar relevant für den potentiellen Arbeitgeber ist, denn in jedem Fall hat der DAT- Verfasser die bewerbungsrelevante Fähigkeit nachgewiesen, sich relativ kurzfristig und gründlich in ein neues Fachgebiet einarbeiten zu können.

(3) Je nach Attraktivität des Themas und Qualität der Arbeit besteht die Möglichkeit, die DAT ganz oder teilweise zu publizieren. Die Zeitschrift Lebende Sprachen beispielsweise veröffentlicht seit vielen Jahren regelmäßig Glossare (meist auszugsweise) aus Terminologiearbeiten. Gelegentlich zeigen sich auch Fachzeitschriften des in der Arbeit behandelten Fachgebiets an diesen Glossaren interessiert.

(4) Mitunter sind Unternehmen, die den Verfasser mit Informationen unterstützt haben, nicht nur an einem Belegexemplar interessiert (was je nach Umfang der Unterstützung selbstverständlich zur Verfügung gestellt werden sollte), sondern bieten freiwillig eine Honorierung hierfür an. Den Bonus eines Honorars für die Diplomarbeit gibt es vor allem dann, wenn es sich um eine "Auftragsarbeit" für ein Unternehmen handelt - nach diesen Richtlinien erstellte DAT erwiesen sich als besonders erfolgreich. In manchen Fällen lassen sich solche Auftragsarbeiten mit einem Praktikum bei dem betreffenden Unternehmen verbinden. Neben etwaigen materiellen Vorteilen erleichtern diese Industriekontakte den späteren Berufseinstieg.

(5) Von diesen Sonderfällen abgesehen blieben die meisten DAT bisher relativ unzugänglich, insbesondere für externe Benutzer. Mit viel Mühe und Sorgfalt erarbeitetes terminologisches Material blieb daher entweder überhaupt ungenutzt oder war veraltet, bevor der Translator "draußen" von seiner Existenz erfuhr. Seit 1988 wird daher die Reihe "TexTerm" herausgegeben, die es ermöglicht, geeignete DAT mit einheitlichem Erscheinungsbild zu publizieren. Ähnliche Konstrukte auf der wirtschaftlich vertretbareren Basis des "Print-On-Demand" sind in Vorbereitung. DAT-Verfasser haben damit die Möglichkeit, bereits am Eintritt in das Berufsleben mit einer Publikation aufwarten zu können - was nicht nur gut für das Selbstbewußtsein ist, sondern wiederum ein Bewerbungsvorteil.


3. Prozedere

3.1 Betreuer

Der Verfasser bzw. die Verfasserin einer DAT (im folgenden kurz: Vf.) benötigt zunächst einen Betreuer der Arbeit, den sog. Referenten oder Gutachter. Dies ist der fachlich zuständige Lehrstuhlinhaber (Hochschullehrer). Je nach Thematik zieht dieser einen Korreferenten (Zweitgutachter) heran. Das ist meist der fachlich zuständige Dozent der betreffenden Fachrichtung oder der für das betreffende Sprachenpaar zuständige Dozent für fachsprachliche Übersetzungen. Referenten und Korreferenten können bei Bedarf auch externe Fachleute hinzuziehen. Am FASK ist für allgemein fachsprachliche und terminologische, und insbesondere computerterminographische Aspekte der Leiter der Fachgruppe Terminologie zuständig.


3.2 Thema

3.2.1 Grundsätzliches

Durch die Diplomarbeit soll der Nachweis erbracht werden, daß der/die Kandidat/in in der Lage ist, ein Problem seiner/ihrer Fachrichtung selbständig nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten. Aus dem Kriterium "Problem seiner/ihrer Fachrichtung" ergibt sich bereits, daß an translatorischen Ausbildungsstätten keine primär technischen, wirtschaftswissenschaftlichen, juristischen oder medizinischen Arbeiten geschrieben werden. Unser Gegenstand sind alle Aspekte, die beim Übersetzen von Fachtexten zu beachten sind; hierzu gehören auch, aber keineswegs ausschließlich, Terminologieprobleme. Ziel wissenschaftlicher Arbeit ist es generell, die Erkenntnis in einem bestimmten Bereich zu erweitern; bei DAT erfolgt dies also nicht auf dem technischen, wirtschaftlichen, juristischen oder medizinischen Fachgebiet an sich, sondern im Bereich der sprachlichen Abdeckung dieses Fachgebiets. Auch hierzu ist eine gründliche Einarbeitung in das betreffende Gebiet erforderlich.


3.2.2 Themawahl

Grundsätzlich gilt, daß es vorteilhaft ist, wenn der Vf. eine gewisse innere Affinität zum gewählten Thema mitbringt, also etwa Vorkenntnisse oder besonderes Interesse. Ansonsten ist weder mit Freude an der Arbeit noch mit der erforderlichen Qualität zu rechnen.

Es bestehen folgende Möglichkeiten, Themen zu erhalten:

Oft ergeben sich DAT-Themen aus Lehrveranstaltungen; so tauchen z.B. in Übersetzungsübungen untersuchenswerte Kommunikationsprobleme in Fachtexten auf, oder Dozenten weisen auf terminologisch interessante bzw. terminographisch unerschlossene Gebiete hin. Generell haben solche Themen Vorrang, über die noch keine oder nur unzureichende Literatur und Nachschlagewerke vorliegen; auf technischem Gebiet trifft dies derzeit vor allem auf die sog. Neuen Technologien und den High-Tech-Bereich zu. Nicht zuletzt können DAT auch in Zusammenarbeit mit Unternehmen erstellt werden, z.B. im Rahmen oder als Folge eines Praktikums oder Ferienjobs. Für Studierende am Lehrstuhl von Prof. Dr. Schmitt am IALT gibt es auch eine Desiderata-Liste mit bearbeitenswerten Themen.

Zunächst wendet sich VF. an den Terminologiekoordinator, um prüfen zu lassen, ob das anvisierte Thema nicht bereits vergeben bzw. ausgiebig bearbeitet wurde. Am FASK ist das der Leiter der Fachgruppe Terminologie, am IALT übernimmt diese Funktion Prof. Dr. Schmitt. Eine Liste der bis 1995 am FASK erstellten Terminologie-Diplomarbeiten kann über das Internet eingesehen werden; die Adresse lautet: http://www.fask.uni-mainz.de/ze/term/term.html

Von dort aus kann auch zu den entsprechenden WWW-Seiten anderer Institute verzweigt werden, wie z.B. zum IÜD der Universität Innsbruck. Ab 1997 werden die bibliographischen Daten von Terminologiediplomarbeiten zentral in einer Datenbank am IÜD Innsbruck erfaßt und via Internet bzw. WWW zugänglich gemacht unter: http:// info.uibk.ac.at/c/c6/c613/termlogy/bt12wwen.html

Doppelarbeit läßt sich hierdurch weitgehend vermeiden. Ist das anvisierte Thema noch "frei", wendet sich Vf. an den zuständigen Betreuer, um dort das Einverständnis mit dem Thema und der Betreuung der Arbeit einzuholen. Dann meldet Vf. das Thema beim Terminologiekoordinator an, wo es in der Datenbank gespeichert und damit "reserviert" wird. Diese Anmeldung ist völlig unabhängig von der formalen Anmeldung beim Prüfungsamt und damit unschädlich mit Blick auf von der Prüfungsordnung vorgegebene Abgabefrist.


3.3 Zeitrahmen

Für die Anfertigung von Diplomarbeiten ist de jure, d.h. durch die Prüfungsordnung, ein definierter Zeitrahmen zwischen offizieller Anmeldung und Abgabe beim Prüfungsamt vorgesehen. Am FASK beträgt dieser Zeitrahmen vier, am IALT sechs Monate. Aufgrund der bei DAT besonders zeitraubenden Materialbeschaffungsphase ist de facto in der Regel eher ein Zeitbedarf von rund einem Jahr anzusetzen. Vor allem das Anschreiben von Firmen und das Warten auf Rückantworten kann sich über Monate hinziehen, besonders dann, wenn die Arbeit seltene/spezielle Sachgebiete und, aus europäischer Sicht, "exotische" Sprachen behandelt.

Fremdsprachliche Fachliteratur, besonders im nichtenglischen Bereich, ist oft so schwierig zu beschaffen, daß es sich empfiehlt, zumindest einen Teil der DAT-Erstellungsphase in das Auslandssemester zu verlegen. Da vor Beginn der Arbeit an einer terminologischen Diplomarbeit (DAT) die Teilnahme an einer Vorlesung als Einführung in die Terminologie sowie ein Seminar zur Methodik computergestützter Terminologiearbeit sinnvoll und daher obligatorisch sind, sollte rechtzeitig eine Entscheidung über die Art der Diplomarbeit getroffen werden. Auch eine möglichst frühzeitige Wahl eines DAT-Themas erleichtert die Terminplanung und wirkt damit nicht nur streßmindernd, sondern verbessert zudem die Qualität der Arbeit.

Die Anmeldung beim Terminologiekoordinator und damit die Themareservierung sollte also spätestens zwölf Monate vor dem gewünschten Examenstermin erfolgen, die Anmeldung beim Prüfungsamt spätestens vier (FASK) bzw. sechs (IALT) Monate vor dem Examenstermin.


3.4 Quellenmaterial

Nach der Festlegung des Untersuchungsgebietes gehört es zu den Aufgaben des Vf., sich das nötige Quellenmaterial zu beschaffen. Bei DAT bedeutet das die themarelevante Fachliteratur in den untersuchten Sprachen. Die Fähigkeit, selbständig Zugang zu einem Fachgebiet zu gewinnen, sollte im Laufe des Studiums erworben werden und ist mit der Diplomarbeit nachzuweisen; Materialbeschaffung ist nicht Aufgabe desjenigen, der das Thema angeregt hat.

Um die Terminologie eines Fachgebiets zu erfassen, sind alle für dieses Gebiet relevanten Textsorten und Stiltypen zu berücksichtigen; nach Möglichkeit sollte das untersuchte Textkorpus Texte unterschiedlichen Fachlichkeits- und Fachsprachlichkeitsgrads umfassen; je nach Sprache und Fachgebiet ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte. Zu berücksichtigen sind vor allem: Fachbücher (z.B. Lehrbücher, Konferenzberichte), Fachzeitschriften, Firmendruckschriften (Prospekte, Kataloge), Spezifikationen, Bedienungs- und Betriebsanleitungen, Werbetexte, Patentschriften, Normen u.a. Dieses Material ist naturgemäß nicht nur aus Bibliotheken zu beschaffen, sondern auch von den entsprechenden Stellen in der Industrie und von Behörden.

Aktuelle Firmenanschriften und Kontaktpersonen findet man nicht nur in Nachschlagewerken, sondern vor allem auch in den Anzeigen einschlägiger Fachzeitschriften. Behilflich sind u.U. auch Organisationen wie der Bundesverband Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) und die Internationale Vereinigung Sprache und Wirtschaft (IVSW), sowie das Bundessprachenamt (BSprA), die Sprachendienste der EG und die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ).

Die Resonanz bei den angesprochenen Unternehmen/Behörden ist nahezu ausnahmslos positiv.


3.5 Computereinsatz

Für die Erstellung des Glossars stehen den DAT-Vf. die EDV-Einrichtungen des FASK bzw. IALT zur Verfügung. Insbesondere zählen hierzu Terminologieverwaltungsprogramme, darunter das Programm CATS, das speziell dafür konzipiert ist, die Erstellung von DAT erheblich zu erleichtern (s. Pkt. 4.2.6 und 7). Die gesamte Arbeit ist mit dem üblichen Instrumentarium am PC zu erstellen. Dies ist nicht nur einfacher, vom Ergebnis her ästhetisch ansprechender und billiger (es entfallen etwaige Kosten für das Erstellen der Reinschrift durch ein Schreibbüro), sondern Vf. erbringt damit auch den Nachweis, dem Stand der Technik entsprechende übersetzerische Arbeitsgeräte zu beherrschen.


3.6 Einreichung

Die Arbeit ist termingerecht (s.o.) beim Prüfungsamt einzureichen. Eine Nachfrist ist nur in bestimmten und begründeten Ausnahmefällen möglich. Zusätzlich zu den gebundenen Exemplaren (in der Regel drei Exemplare) der Diplomarbeit ist eine Diskette mit dem Glossar (in Form einer Komplettsicherung der Datenbasis oder als Export-Datei) abzugeben, damit die terminologischen Einträge nach Prüfung in die mehrsprachige Terminologiebank der Ausbildungsstätte überspielt werden können.


3.7 Gutachten

Die Bewertung der Arbeit wird in einem Gutachten durch den bzw. die Referenten begründet. Das Gutachten muß am FASK unabhängig vom Einreichungstermin der Arbeit erst vor Abschluß des Diplomprüfungstermins vorliegen, wird jedoch so bald wie möglich erstellt. Am IALT liegt das Gutachten in der Regel innerhalb von sechs bis acht Wochen nach Einreichung der Arbeit vor.


4. Inhalt

Es gibt zwei Grundtypen von DAT, die sich durch ihre Zielsetzung unterscheiden:

(1) Translationsorientierte Einführungen in die Terminologie eines Fachgebiets - mit dem Ziel, den Leser mit dem Fachgebiet selbst und mit der einschlägigen Terminologie in zwei Sprachen vertraut zu machen;

(2) Terminologische Detailanalysen - mit dem Ziel, fachsprachliches Vokabular exemplarisch unter bestimmten Gesichtspunkten zu untersuchen.


4.1 Grundsätzliches

Siehe hierzu vor allem auch die allgemeinen Richtlinien zur Abfassung wssenschaftlicher Arbeiten!

4.1.1 Sprachliche Darstellung

Es ist auf Anschaulichkeit und Klarheit zu achten. Der Gedanke des Lesers ist möglichst geradlinig zu führen; hierfür eignen sich klare Thema-Rhema--Strukturen (insbesondere solche mit linearer Progression). Auf Weitschweifigkeiten und Geistreicheleien ist zu verzichten, was nicht bedeutet, daß die Darstellung farblos und langweilig sein muß. Tadellose Orthographie und Interpunktion sind eine selbstverständliche Voraussetzung jeder akademischen Abschlußarbeit und insbesondere einer Diplomarbeit in einem Fach, dessen Gegenstand die Textproduktion ist.


4.1.2 Graphische Darstellungen

Technische Zeichnungen, Diagramme, Tabellen u. dgl. sind insbesondere bei technischen und naturwissenschaftlichen Gebieten geeignet, zur Anschaulichkeit beizutragen. Halbtondarstellungen (Fotos) sind wegen der nur eingeschränkten Reproduzierbarkeit nicht zu empfehlen. Graphische Darstellungen müssen auch als Kopie noch sauber aussehen und gut lesbar sein. Bei computergestützter Erstellung wird empfohlen, die graphischen Darstellungen direkt in den Text einzubinden, jedoch nicht als Bestandteil der Textdatei, sondern als separate Grafikdatei. Aus dem Korpus übernommene Grafiken sollten mit einer solchen Auflösung eingescannt werden, daß ein vernünftiges Verhältnis von Druckqualität und Dateigröße erzielt wird. In der Regel reicht eine Auflösung von 100 bis 200 dpi für ein sauberes Druckbild ohne "Sägezähne" bei Kurven/Diagonalen. Falls Grafiken unverändert aus Vorlagen übernommen werden, muß die Quelle angegeben werden.

Erstrebenswert sind Übersichts-Diagramme (Baumdiagramme), mit denen die begriffliche Strukturierung des Fachgebiets zweisprachig dargestellt wird. Verschiedene Darstellungsmöglichkeiten von Begriffssystemen zeigen Arntz/Picht (1991:75-115). Gegebenenfalls ist für jede Arbeitssprache eine andere Struktur erforderlich; dies verdeutlicht vorhandene oder nicht vorhandene interlinguale Inkongruenzen. Die sich daraus ergebenden Kommunikationsprobleme sollten kommentiert werden. Oft ist es ratsam, solche Diagramme auf ausklappbaren Seiten anzuordnen, um die Übersichtlichkeit zu wahren.

Abbildungen können entweder im Textteil integriert werden, oder - was oft sinnvoller für die Verwendung als Nachschlagewerk ist - sie können in einem separaten Abbildungsteil am Ende des Glossars zusammengefaßt werden.

Generell gilt: Abbildungen sind mit einem zweisprachigen Titel zu versehen und ggf. mit einer zweisprachigen Legende der abgebildeten Teile. Einfach und sauber ist eine Markierung der zu benennenden Teile mit Bezugspfeilen oder -linien und einer Ziffer in einem Kreis (Linieal/Schablone oder Grafikprogramm verwenden).

Die Abbildungen, Tabellen u. dgl. müssen in einem Verzeichnis (vorzugsweise direkt hinter dem Inhaltsverzeichnis) mit Seitenangaben aufgelistet sein. Ansonsten ist kein gezielter Zugriff auf Abbildungen möglich. Die Quellen der Abbildungen sind, soweit es sich nicht um vom Vf. selbst erstellte oder erheblich bearbeitete Abbildungen handelt, in einem separaten Verzeichnis (vorzugsweise hinter dem Literaturverzeichnis) anzugeben.


4.1.3 Zitate und Quellenangaben

Eine wissenschaftliche Leistung muß nachvollziehbar und überprüfbar sein. Wird fremdes Gedankengut übernommen, was im fachlichen Textteil die Regel ist, so ist dies durch Angabe der Quelle zu vermerken; bei wörtlicher Übernahme genau (mit Seitenangabe), bei Zusammenfassungen oder inhaltlicher Verarbeitung durch einen allgemeinen Hinweis (Vgl...) auf die Quelle(n).

Die Verwendung ausgewählter originaler Textpassagen (in beiden Arbeitssprachen) aus der bearbeiteten Literatur kann gelegentlich als Ersatz für die eigene Darstellung der Technologie des Fachgebietes dienen, eine etwaige unterschiedliche Vorgehensweise verschiedener Autoren und begriffliche Unterschiede in den Arbeitssprachen verdeutlichen und dem Leser authentischen (fach-)sprachlichen Kotext bieten.

Für die formale Aufbereitung von Zitaten gelten die Richtlinien (Style Sheets) der jeweiligen Institute bzw. Abteilungen. Priorität haben die Vorgaben des Betreuers der Arbeit. Ein Style Sheet für Seminar- und Diplomarbeiten ist unter folgender Adresse abrufbar:

Grundsätzlich besteht seit dem Ende der achtziger Jahre die Tendenz, auf Fußnoten möglichst zu verzichten und Quellenverweise nach folgendem Muster möglichst kurz in den laufenden Text zu integrieren:

im Gegensatz zu Gearloose (1995:12) vertreten Meier (1992a: 212-215) und Meyer (1989) das tradierte Konzept (Näheres hierzu bei Müller 1989, Schmidt 1992, Schulze/Schultze 1996).

Dies bedeutet auch, daß im Literaturverzeichnis das Publikationsjahr jeweils hinter dem Verfassernamen stehen muß (mit dem Vorteil, das Literaturverzeichnis mit dem Textverarbeitungsprogramm automatisch sortieren lassen zu können):

Näheres im Bibliographie-Merkblatt.
In allen Zweifelsfällen sollte Vf. von dem Gedanken geleitet sein, daß Quellenangaben einerseits zum Verifizieren der Darstellung dienen, andererseits auch den näheren Einstieg in die Materie ermöglichen sollen; kommen mehrere Quellen in Frage, so ist diejenige anzugeben, die für letzteren Zweck am geeignetsten ist.

Die Arbeit sollte sich nicht auf reine Quellenangaben beschränken, sondern auch Hinweise auf weiterführende Literatur liefern. Dies gilt insbesondere auch für spezielle Teilgebiete, die in der Arbeit nicht näher ausgeführt sind, und für Verweise auf bereits erstellte Diplomarbeiten, denn die Zahl von Berührungspunkten ("Schnittstellen") mit anderen DAT nimmt durch die angestrebte "flächendeckende" Themenvergabe ständig zu.


4.2 Einführungen in die Terminologie eines Fachgebiets

Diese Arbeiten sind auf einen Leser - oder eher: Benutzer - ausgerichtet, der auf dem behandelten Spezialgebiet mit Fachausdrücken in einer oder zwei Sprachen konfrontiert wird und diese übersetzen oder auch nur verstehen muß. Dies trifft auf Übersetzer/Dolmetscher ebenso zu wie auf Fachleute des betreffenden Gebiets.

Eine DAT dieses Typs soll beispielsweise einen Dolmetscher in die Lage versetzen, sich effizient auf einen Dolmetschtermin zu diesem Thema vorzubereiten, oder einem Übersetzer helfen, Texte aus diesem Bereich zu übersetzen. Der "richtige" Gebrauch von Fachausdrücken erfordert Fachkenntnis. Gleichgültig, ob Fachterminologie unter semantischem, pragmatischem oder etymologischem Aspekt untersucht wird, ob es sich um eine einzelsprachliche Untersuchung handelt oder um eine zwei- oder mehrsprachige Arbeit - terminologische Diplomarbeiten bestehen stets aus einer fachlichen und einer sprachlichen Komponente: Dem Leser der Arbeit müssen die Hintergrundinformationen geliefert werden, die man benötigt, um dem betreffenden ausgangssprachlichen Fachausdruck einen je nach Sachverhalt geeigneten zielsprachlichen Ausdruck zuordnen zu können. Hierzu gehören einerseits die zum Verständnis erforderlichen fachlichen Inhalte und Zusammenhänge, andererseits Hinweise auf Stilebenen, Kulturspezifika und andere semiotische Aspekte.

Die grundsätzliche Problemstellung lautet also (sofern nicht ein anderes, speziell umrissenes Problem untersucht wird): Gibt es auf dem untersuchten Fachgebiet für die Fachausdrücke der ausgangssprachlichen Kultur A entsprechende Ausdrücke in der Sprache der Zielkultur Z? Sind diese Ausdrücke semantisch deckungsgleich (kongruent), oder gilt es, je nach Kontext/Kommunika-tionssituation, Unterschiede zu machen? Gibt es textsortenspezifische oder sprecherspezifische Konventionen? Welche Ausdrucksmöglichkeiten können vorgeschlagen werden, wenn es zu bestimmten AS-Ausdrücken keine etablierten ZS-Entsprechungen gibt? Diese und ähnliche Überlegungen lassen sich beispielsweise in einer kontrastiven Gegenüberstellung der Verhältnisse in den untersuchten Kulturen so darstellen, daß sowohl fachliches Wissen als auch das für den Übersetzungsvorgang nötige kulturelle Hintergrundwissen vermittelt wird.

Wie diese Aufgabe gliederungsmäßig gelöst wird, hängt vom Untersuchungsgegenstand ab.


4.2.1 Gliederung

Es ist zu unterscheiden zwischen der fachlichen Einführung, der Erörterung translatorisch relevanter sprach- bzw. kulturspezifischer Aspekte und dem terminographischen Ergebnis der Untersuchung, dem Glossar. Je nach dem, ob die translatorischen Aspekte bereits von Fall zu Fall im fachlichen Teil angesprochen werden oder in einem separaten Kapitel, ergibt sich hieraus eine Gliederung in zwei oder drei Hauptteile. Welche Version geeigneter ist, hängt vom Thema ab; in "alten" Fachgebieten mit lange gewachsener und etablierter Terminologie, wie z.B. im Bergbau oder der Holzverarbeitung, sind interlinguale Inkongruenzen bzw. die Kulturspezifik oft so ausgeprägt, daß es meist zweckmäßig ist, schon bei der fachlichen Darstellung auf die andere Situation in der behandelten anderen Kultur/Sprache hinzuweisen. Ähnliches kann indes auch auf Neue Technologien zutreffen, wenn sie in den behandelten Sprachen (noch) einen unterschiedlichen Stellenwert haben.


4.2.2 Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis dient nicht nur der bloßen Auflistung des Inhalts, sondern sollte gleichzeitig eine logisch sinnvolle begriffliche Strukturierung des Fachgebietes darstellen. Es sollte die zentra-len Begriffe hierarchisch einordnen. Dem Benutzer erschließt sich die Arbeit dadurch zum einen alphabetisch durch das Glossar, zum andern hierarchisch/logisch durch das Inhaltsverzeichnis; das ermöglicht einen schnellen Zugriff. Das Inhaltsverzeichnis sollte daher möglichst übersichtlich sein; meist empfiehlt sich eine visuelle Strukturierung durch gestaffelte Dezimalgliederung und/oder durch Verwendung einzeiliger Zeilenabstände für Unterpunkte.


4.2.3 Vorbemerkungen zur Methodik und Struktur

Vor Beginn der fachlichen Einführung ist die gewählte Untersuchungsmethode und Struktur der Arbeit zu erläutern. Hierzu gehören Angaben über das zugrundegelegte Quellenmaterial (z.B. Selektionskriterien für das untersuchte Textkorpus und Hinweise auf fachgebietsspezifisches Vorherrschen oder Fehlen bestimmter Textsorten). Eine Begründung der im Glossar verwendeten Deskriptoren (Sachgebietskürzel) kann entweder hier oder im Vorspann zum Glossar erfolgen.

Manche DAT liefern bereits im fachlichen Teil zielsprachliche Entsprechungen für die verwendeten Fachausdrücke, andere Vf. verzichten bewußt hierauf; dergleichen methodische Vorüberlegungen sollten dem Leser mitgeteilt werden, um auch hier einen Erkenntnisfortschritt zu erzielen. Ein etwaiges Bezugssystem innerhalb der Arbeit - z.B. zwischen fachlicher Einführung und Glossar - ist zu erläutern und zu begründen. Die früher übliche Markierung derjenigen Ausdrücke im Textteil, die auch als Lemma im Glossar enthalten sind, ist verzichtbar und nicht erstrebenswert (ein dadurch erzielbarer Informationsgewinn steht in keinem sinnvollen Verhältnis zum Aufwand und Verlust an Lesbarkeit).


4.2.4 Fachlicher Teil

Tiefe und Breite der fachlichen Einführung sind auf den intendierten Leser, Textsorte und Zweck der Arbeit abzustimmen. Um nicht bei der rein fachlichen Erläuterung stehen zu bleiben, ist es - auch um dem Benutzer ein umfassenderes Bild zu bieten - ratsam, z.B. einen Abriß der historischen Entwicklung des Fachgebietes, einen Ausblick auf neueste Forschung und zukünftige Entwicklung, und (bei technischen Themen) Beispiele für konkrete Anwendungen der dargestellten Technologie miteinzubeziehen.

Je nach Gebiet kann es erforderlich sein, bereits in der fachlichen Einführung etwaige kulturelle Unterschiede herauszuarbeiten. So kann das untersuchte Fachgebiet in verschiedenen Kulturen einen unterschiedlichen Stellenwert haben (z.B. Bausparen, Baseball, Boccia), geologische Gegebenheiten können zu Begriffsinkongruenzen führen (z.B. Bergbau); ebenso können historische, politische und andere Faktoren semantische Konsequenzen haben (z.B. Bauweise von Pkw, Häusern und KKW in den USA und Deutschland).


4.2.5 Translatorische Aspekte

Soweit die translatorisch relevanten Aspekte nicht bereits im fachlichen Teil behandelt wurden, ist hierfür ein eigenes Kapitel vorzusehen. Generell gilt, daß es wohl kein Fachgebiet gibt, das translatorisch völlig problemlos wäre. Es ist ein unverzichtbarer Teil von DAT, solche Probleme aufzuzeigen, zu erörtern und ggf. Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Typische Problembereiche sind z.B.: interkulturelle Kommunikationsprobleme im untersuchten Fachgebiet; lexikalische Lücken in einer der untersuchten Sprachen; Fragen der Wortbildung bei neuen Begriffen; Interferenzphänomene, z.B. Anglizismen; innersprachliche (intralinguale) und zwischensprachliche (interlinguale) Inkongruenzen; unterschiedliche Begriffssysteme; pragmatische Aspekte der Terminologieverwendung, z.B. Norm und tatsächlicher Sprachgebrauch, kulturspezifische Konventionen bestimmter Textsorten; terminographische Behandlung des Fachgebiets in Wörterbüchern (Wörterbuchanalyse).

Es ist für den DAT-Benutzer von großem Interesse zu erfahren, welchen Wert die einschlägigen Wörterbücher auf dem untersuchten Fachgebiet haben. Der DAT-Vf. wiederum ist durch die intensive terminologische Beschäftigung mit dem Fachgebiet prädestiniert für eine Analyse dieser Wörterbücher. Es bieten sich hierzu zwei Grundvarianten an: (1) Ausführliche Analyse eines Wörterbuchs, im Stil einer Rezension; - evtl. später verwendbar zur Publikation, z.B. in Lebende Sprachen); (2)Vergleich mehrerer Wörterbücher anhand sinnvoll selektierter Fachausdrücke. Hierzu eignet sich z.B. eine Matrix aus nach Spezialisationsgrad gestaffelten Wörterbüchern und einer etwa 10-20 Ausdrücke umfassenden Liste fachgebietstypischer Ausdrücke mit ebenfalls unterschiedlichem Spezialisierungsgrad.


4.2.6 Glossar

Das zweisprachige Glossar wird computergestützt erstellt. Hierfür steht den Studierenden ein spezielles Terminologieverwaltungsystem (CATS) zur Verfügung, mit dem alle translationsrelevanten terminologischen Kategorien systematisch erfaßt und verwaltet werden können. Durch die vorgegebene einheitliche Eintragssystematik wird eine größtmögliche Kompatibilität und Portabilität der terminologischen Daten erzielt, gleichzeitig wird der Eingabeaufwand minimiert (vgl. Pkt. 7). Für die terminographische Aufbereitung der terminologischen Daten gelten die Eingaberichtlinien des CATS-Handbuchs; bloße Wortlisten sind kein Glossar! Der Ausdruck des Glossars erfolgt - automatisch formatiert - im zweispaltigen Lexikonformat.
Andere Programme als CATS sind zur Anfertigung von DAT-Glossaren zulässig, wenn sie die gleiche terminologische Qualität und ein Datenaustauschformat bieten, das mit vertretbarem Aufwand und möglichst verlustfrei den Datenimport in die Datenbank des Instituts erlaubt.


4.3 Exemplarische Detailanalysen

4.3.1 Gegenstand und Titel

Hier geht es weniger um die Erstellung ein-, zwei- oder mehrsprachiger Wortlisten oder Glossare, sondern primär um die gründliche Untersuchung bestimmter fachsprachlicher Erscheinungen anhand geeigneter Beispiele. Es ist anzustreben, aus der exemplarischen Untersuchung einen Beitrag zu grundsätzlichen theoretischen Fragen (Übersetzungstheorie, Metapherntheorie, Pragmatik, Interferenzforschung, Wortfeldtheorie u.a) abzuleiten. Arbeiten mit Titeln wie Anglizismen in der Mineralölindustrie; Anglizismen in der Sprache des Windsurfings; Neuere Einflüsse des Englischen auf die deutsche Sprache der Kraftfahrzeugtechnik liefern einen Beitrag zur Interferenzforschung, d.h. zum Problem der Wechselwirkung zwischen einzelnen Sprachen. Zu beschreiben wären beispielsweise Ursachen, Erscheinungsformen und Konsequenzensolcher Einflüsse. Untersuchenswerte sprachliche Phänomene sind u.a. auch die Entstehungsgeschichte bestimmter Fachwörter, ihre Verbreitung in der Umgangssprache, der Stilwert von Fachausdrücken, usw. Typische Arbeitstitel sind: Metaphern in der Börsensprache; Popularisierung von Fachlexik im Roman; Die Begriffsfelder "Control" und "Kontrolle": Eine diachronische Studie; Affektive Konnotationen in der Terminologie der Kernenergiekontroverse.


4.3.2 Gliederung und Darstellung

Bei Untersuchungen dieser Art hat der Vf. völlig freie Hand. Gliederung und logische Vorgehensweise ergeben sich individuell aus dem jeweiligen Untersuchungsgegenstand. So ist es beispielsweise durchaus möglich, sich auf die gründliche exemplarische Untersuchung von nur fünf schwierigen Begriffen auf je etwa zehn Seiten zu beschränken. Den Einstieg erleichternde nützliche Anregungen finden sich z.B. in bereits vorliegenden DAT.


5. Literaturverzeichnis

Den Abschluß der Arbeit bildet ein Literaturverzeichnis, in welchem sämtliche verwendeten Quellen mit Ausnahme von Korrespondenz (also auch Normen und Zeitschriften sowie "graue Literatur" wie Industrie- und Behördendruckschriften, Prospekte, Kataloge) aufzuführen sind. Da das Literaturverzeichnis auch den Zweck hat, einen Überblick über die themarelevante Literatur in den beiden Sprachen zu liefern, kann es sinnvoll sein, zwischen Quellen und weiterführender Literatur zu unterscheiden. Grundsätzlich gilt für terminologische Diplomarbeiten: Die Literaturangaben sind zu trennen in: (1) Sprach- und übersetzungswissenschaftliche sowie terminologische Literatur; (2) Themaspezifische Fachliteratur, möglichst getrennt nach Sprachen und eventuell getrennt in die Gruppen: - Normen - Fachbücher und Fachzeitschriftenartikel - Fachzeitschriften global (ohne Autor) - Druckschriften; (3) Nachschlagewerke.

Für die formale Gestaltung des Literaturverzeichnisses gelten die Richtlinien des jeweiligen Instituts bzw. der betreffenden Abteilung; diese Richtlinien sind in den Sekretariaten separat erhältlich; am IALT-Lehrstuhl von Prof. Dr. Schmitt sind Bibliographie-Richtlinien vorgegeben, die besonders arbeitserleichternd sind.


6. Formale Aspekte

Mit der DAT soll nebenbei gezeigt werden, daß Vf. in der Lage ist, einen Text auch formal in professioneller Qualität zu erstellen. Hierzu gehören selbstverständlich auch tadellose Orthographie und Interpunktion sowie ein sauberes Schriftbild und eine optisch ansprechende Formatierung mit einem übersichtlichen Textlayout. Zu letzterem gehört ein ansprechender Satzspiegel. Da Diplomarbeiten einseitig gedruckt und gebunden werden, sollte der linke Rand einerseits breit genug sein, um übliche Bindeverfahren und Kommentare des Referenten zu erlauben, andererseits aber auch nicht zu platzverschwendend. Die anderen Randeinstellungen sollten berücksichtigen, daß die Seiten nach dem Binden beschnitten werden. Bewährt hat sich ein linker Rand von 4 bis 5 cm, ein rechter Rand von 1,5 bis 2 cm, ein oberer und Rand von 1,5 bis 2 cm.


7. Umfang

Für Diplomarbeiten am FASK und ISÜW gilt heute ein Umfang von etwa 100 Schreibmaschinenseiten als typisch. Für exemplarische terminologische Detailanalysen wird ein Umfang dieser Größenordnung ebenfalls realistisch sein. Für DAT des in Pkt. 4.2 beschriebenen dreiteiligen Typs sind erfahrungsgemäß etwa 180 Seiten anzusetzen, d.h. etwa 60 Seiten für die fachliche Einführung inkl. Abbildungen, 20 Seiten für die translatorischen Aspekte und etwa 100 Seiten für das Glossar in beiden Richtungen. Da die mit CATS erstellten Glossare seit einigen Jahren automatisch wörterbuchähnlich formatiert und zweispaltig ausgedruckt werden, reduziert sich der Seitenumfang des Glossars auf weniger als die Hälfte (insgesamt also statt 180 S. ca. 130 S.). Der tatsächliche Umfang bisheriger DAT liegt zwischen 100 und über 500 Seiten, die Anzahl der Glossareinträge zwischen 200 und über 1000 je Übersetzungsrichtung.

Soweit das Glossar mit CATS erstellt wird, gilt: Durch die spezifische Datenstruktur erfolgt die Umkehrung der Übersetzungsrichtung ohne Qualitätseinbuße automatisch, d.h., von 100 Seiten Glossar werden 50 Seiten automatisch generiert. Die begriffsorientierte CATS-Datenbankstruktur aus Haupt- und Nebeneinträgen in Verbindung mit der automatischen Generierung von Nebeneinträgen bedeutet, daß von 50 Seiten einer Übersetzungsrichtung in der Regel mindestens 50 % auf automatische erzeugte Querverweise entfallen. Ein 100-Seiten-Glossar entspricht also einem tatsächlichen Eingabeaufwand von rund 30 Seiten; gegenüber traditioneller Arbeitsweise ist das eine Arbeitsersparnis von 70 %. Damit liegt auch eine 180-Seiten-DAT hinsichtlich des Schreibaufwands nicht über dem Aufwand einer "normalen" 100-Seiten-Diplomarbeit.

Das sind nur Anhaltspunkte - manche Erkenntnisse bedürfen einer umfangreichen Darstellung, andere sind das Ergebnis umfangreicher Recherchen und lassen sich dennoch auf kleinem Raum darstellen. Für die Beurteilung ist nicht der Umfang entscheidend, sondern die Qualität der Arbeit.


Literatur

Albrecht, Jörn (1995): "Terminologie und Fachsprachen". Realities of Translating. (Anglistik & Englischunterricht Bd. 55/56). Heidelberg: Winter, 111-161.

Arntz, Reiner, und Picht, Heribert (1991): Einführung in die Terminologiearbeit. (Studien zu Sprache und Technik 2). Hildesheim, Zürich, New York: Olms.

Schmitt, Peter A. (1989): "Terminologische Diplomarbeiten: Richtlinien des Fachbereichs Angewandte Sprachwissenschaft in Germersheim". Lebende Sprachen 4: 153-159. 


1. Es handelt sich hier um eine gekürzte und aktualisierte Fassung der in Lebende Sprachen veröffentlichten Richtlinien für Terminologie-Diplomarbeiten (vgl. Schmitt 1989), die 1985 am Fachbereich für Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft in Germersheim eingeführt wurden; ähnliche Richtlinien gelten inzwischen auch am IÜD Heidelberg (vgl. Albrecht 1995).