Erschließung und Nutzbarmachung der Abguss-Sammlung der Universität

Das Projekt hat die Erschließung der rund 650 nach dem Krieg erhalten gebliebenen historisch wertvollen Gipse der Abguss-Sammlung der Universität Leipzig und deren Nutzbarmachung für die Lehre und Forschung zum Gegenstand. Ziel ist die seit Jahrzehnten überfällige, inhaltlich qualifizierte Neuinventarisierung des Bestandes, wobei durch die Anwendung elektronischer Medien die Sammlung anderen Altertumswissenschaftlern leicht zugänglich gemacht werden soll. Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Abguss-Sammlung ist neben der Reinigung und Restaurierung der Gipse die Wiedergewinnung der authentischen Gipsoberfläche durch Entfernung alter Farbanstriche vorgesehen. Bei der Analyse der Farbanstriche und der Entwicklung von geeigneten Verfahren zu deren Entfernung wird die interdisziplinäre Kooperation mit naturwissenschaftlichen Disziplinen angestrebt.

Literatur:

  • H.-U. Cain, Gipsabgüsse. Zur Geschichte ihrer Wertschätzung, in: Realität und Bedeutung der Dinge im zeitlichen Wandel. Werkstoffe: ihre Gestaltung und ihre Funktion, Akten der interdisziplinären Tagung Nürnberg 6.-8.10.1993, Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1995, 200-215 Abb. 1-13.
  • H.-P. Müller, Das Akademische Gypsmuseum. Zur Geschichte einer vergessenen Skulpturensammlung, in: Leipziger Blätter 27 (1995) 56-59
  • H.-U. Cain, Interpretierende Linien und das Ethos eines ehrlichen weißen Gipses, in: Faszination der Linie. Griechische Zeichenkunst auf dem Weg von Neapel nach Europa, hg. v. H.-U. Cain - H.-P. Müller - St. Schmidt, Ausstellungskatalog Antikenmuseum der Universität Leipzig 2004/05 (Leipzig 2004) 33-36. 58 (Lit.) Abb. 28-30.
  • H.-U. Cain, Arbeiten in Gips. Zu einer schöpferischen Methode der Archäologie, in: H.-U. Cain (Hrsg.), AUREA AETAS. Die Blütezeit des Leipziger Antikenmuseums zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Begleitheft zu einer Sonderausstellung des Antikenmuseums anlässlich des 600-jährigen Juniläums der Universität Leipzig 2009 (Leipzig 2009) 16-21 Abb. 11-18.

(H.U. Cain, H.-P. Müller)

Reinigungsproben an einer Porträtbüste mit Farbüberzug: Versuche am Sockel mit Wasser, Agar-Agar, Naturlatex und Aceton brachten nicht das gewünschte Ergebnis, den Farbüberzug zu entfernen. Die Behandlung mit Wasserdampf (linke Schulter) brachte bisher die besten Erfolge. Nachteil dieses Verfahrens ist, dass die Gipsoberfläche minimal angegriffen wird. Außerdem sind für den Gips schädliche Reaktionen zwischen den Lösungs- und den in ihrer Konsistenz noch unbekannten Bindemitteln nicht auszuschließen.
Reinigungsprobe am Sockel und Fuß einer Porträtstatue: Mit Ammoniaklösung ließ sich der Überzug entfernen. Das Verfahren ist jedoch problematisch, da Erfahrungen über die Langzeitwirkung von Ammoniak auf Gips nicht vorliegen.