Albrecht-Daniel-Thaer-Institut
für Agrar- und Veterinärwissenschaften e.V.
an der Universität Leipzig

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„Untersuchungen zur Wirksamkeit emissionsmindernder Maßnahmen bei alternativen Legehennenhaltungsverfahren zur Reduzierung der Gase, Stäube und Keimbelastungen“

 

Bearbeiter: 

Dr. Jens Lippmann

Auftraggeber: 

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft Dresden

Auftragsdauer: 

1.September 2004 bis 30.November 2006

Auftragnehmer: 

Albrecht-Daniel-Thaer-Institut für Agrarwissenschaften e. V. an der Universität Leipzig

Problemstellung

Mit der ersten Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vom 28. Februar 2002 (BGBl. Jahrgang 2002 Teil 1 Nr. 16) wurde die notwendige Umsetzung der EU-Richtlinie zum Schutz von Legehennen (Richtlinie 1999/74/EG) in deutsches Recht vollzogen. Mit dem Verbot der Hennenhaltung in konven­tionellen Käfiganlagen ab 2007 und ab 2012 auch in ausgestalteten Käfigen nimmt Deutsch­land eine Vorreiterrolle in Europa ein. Da gegenwärtig lediglich ca. 20 % der Hennen in Deutschland in alternativen Haltungsverfahren stehen, leitet sich eine Forcierung der Forschungsarbei­ten zu den Alternativ­ver­fah­ren insbesondere in Deutschland ab.

Mit Bezug zum Stallklima sind in dieser VO u. a. Grenzwerte zum Ammoniakgehalt in der Stallluft verankert. Die Ammoniak­konzentration soll 20 ppm dauerhaft und 10 ppm im Aufenthaltsbereich der Tiere nicht überschreiten.

Die grundlegenden Anforderungen zum Immissionsschutz sind in der Ersten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz - der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA-Luft) - verankert. Um Anwohner zu schüt­zen, sind Geruchs-, Staub- und Keimbelastungen zu minimieren. Hauptemittent an Ammoniak ist in Deutschland mit etwa 81 % der Gesamtemissionen die Tierhaltung. Der Anteil der Geflügelhaltung an diesen Emissionen beträgt etwa 5 %. Dennoch kann eine Bewertung des Emissionsniveaus von standortspezifischer Bedeutung sein, wenn sich im Umfeld einer Tierhal­tungs­anlage N-sensible Ökosysteme befinden. Die TA-Luft gibt zur Vermeidung von Schadwirkungen durch Tierhaltungsanlagen Mindestabstände zu Ökosystemen vor. Dabei wird bereits zwischen konventionellen und alternativen Haltungssystemen für Lege­hennen unterschieden. Die maximal zulässige Gesamtbelastung in einem Ökosystem beläuft sich auf 10  mg / m³ Luft. Zur Begrenzung von Ammoniakemissionen bei genehmigungsbedürftigen Anlagen sind Grenzwerte für Massenstrom und Massen­kon­zentration von 150 g/h  bzw. 30 mg/m³ in der TA-Luft verankert. Ein Manko der Abstandsermittlung ist, dass hierbei insbe­son­dere emissionsmindernde Verfahren unberücksichtigt bleiben.

Spezifische Obergrenzen für Schwebstaubkonzentrationen (PM 10-Staub) und Gesamtstaubemissionen sind ebenfalls in der TA-Luft zu finden. Zur Vorsorge gegen schädliche Umwelt­einwirkungen sind die Emissionen aus Tierhaltungsanlagen an Gesamtstaub in der Abluft auf 0,2 kg / h (Massenstrom) bzw. auf 20 mg / m³ Luft (Massenkonzentration) zu begrenzen.

Erste Ergebnisse zeigen, dass bezüglich Massenkonzentration und Massenstrom insbesondere in Bodenhaltungssystemen  mit Ammoniak und in Volieren mit Staub Probleme auftreten.

In diesem Kontext ist es für die produzierende und genehmigende Praxis unverzichtbar, einen gesicherten Kenntnisstand zu emissionsmindernden Lösungsansätzen wie z. B. der Lüftungssteuerung und Stallluftbe­feuchtung zu haben.

 

Zielstellung:

Das Projekt hat das Ziel, ausgewählte Gestaltungsvarianten auf ihre Umweltwirkung zu prü­fen und entsprechende Empfeh­lun­gen abzuleiten. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der verfahrensbegleitenden Entstehung von Ammoniak, Staub und Geruch. Die entstehenden Bioaerosole bilden ein Trägermedium für Keime. Der Umfang und die Art der Umweltwech­selwirkung soll unter Berücksichtigung ökonomischer Gegeben­heiten und der Tiergesundheit für die Haltungssysteme bewertet werden. Mit den darzustellenden Optimierungsansät­zen bezüglich der Balance zwischen Lufttemperatur bzw. -feuchte, Gaskonzentrationen im Stall und im Zusammenspiel mit dem Lüftungsmanagement entstehende Emissionen soll der Wissensvorlauf zu einem um­weltoptimierenden Lüftungsmanagement gesichert werden.

 

Methodisches Vorgehen:

In die Untersuchungen werden 3 Standorte mit alternativen Haltungsformen für Legehennen aufgenommen. Dabei handelt es sich um eine Volierenhaltung mit systemtypischer Ausstattung und einer Luftbefeuchtungsanlage zur Staubreduzierung. Die 2. Volierenanlage ist ein für Sachsen repräsentativer Rekonstruktionsumbau mit einem in der Ebenengestaltung vom system­typischen Volierenblock abweichenden Ausführung (erweiterte Scharrraumhöhe) und Tunnellüftung. Die zu untersuchenden Haltungsformen komplettiert ein Bodenhaltungssystem mit Kotbunker und hier speziell geführten Abluft zur Kotbelüftung. Die Haltungen repräsentieren bezüglich Herdengröße und Tierbesatz in Sachsen existierende und künftig in der Anzahl expandie­ren­de Verfahrensgestaltungen.

Zur Beurteilung des Emis­sions­verhaltens dieser Haltungen werden Innen- und Außentemperatur, komplettiert mit der Luft­feuch­te, kontinuierlich über die gesamte Stallbelegung erfasst. Die Stalltemperatur als Regelgröße für die Lüftungsanlage wird als Basis der Jahreskalkula­tio­nen von Volumenstrom und Gaskonzentration benutzt. In Abhängigkeit vom Außenklima (>22 °C, <8 °C, Übergangsbereich 8 – 15 °C) werde je Herde und Stallbelegung in 14-tägigen Zeitfenstern die Gaskonzentrationen und Volumenströme gemessen.

In Zeitfenstern von jeweils mindestens 3 Stunden werden die Emissionsmessungen begleitend Staubmessungen durchgeführt. Hierbei werden die Fraktionen PM-10, einatembar und alveolengängiger Staub qualitativ bestimmt. Diese Messungen werden stichprobenhaft auf einen Zeitraum über 24 h ausgedehnt, um einen Verlauf der Staubkonzentration zu bestimmen. Hieraus können Aussagen zu praxisrelevanten Messzeitpunkten bzw. Schlüsse auf die Konzentrationsverteilung im Tagesgang gezogen werden. Diese Messungen werden durch gravimetrische Bestimmungen der Fraktionen PM-10, einatembar und alveolen­gängi­ger Staub in parallelen Zeitfenstern von 3 Stunden begleitet. Hierdurch sind Massebestimmungen der auftretenden Stäube möglich. In der Probe werden Endotoxine, aerobe Gesamtkeimzahl und Schimmelpilze bestimmt. Diese Spezialuntersuchungen werden durch ein Team der Freien Universität Berlin durchgeführt.

Die Bestimmung des Geruchs erfolgen als Momentaufnahme je Standort und Emissionsmessserie. Hierdurch wird eine zeitli­che Zuordnung der Volumenströme möglich. Die Bewertung findet am Olfaktometer über ein etabliertes Probandenteam der Universität Halle statt.

Die Tiergesundheit und Stallhygiene wird mittels einer vierteljährlichen Stallbegehung und Tierbonitur bewertet. Neben der Auswertung von Stallunterlagen werden zu mindestens 6 Terminen im Jahr Blutproben an bis zu 20 Hennen gewonnen. Hierbei soll über den Nachweis von Avidin auf den immunologischen Belastungszustand der Tiere geschlossen und eine Aussage zum Gesundheitszustand getroffen werden. Hiermit wird der Versuch unternommen, den Gesundheitszustand in den Herden im Kontext mit den gemessenen Stallklimaten zu diskutieren.

Im Zusammenhang mit der Tiergesundheit werden Stall- und Auslaufverluste auch für die betriebswirtschaftliche Bewertung der Naturalleitung benutzt. Mittels Kostenblockmethode wird eine Stückkostenbetrachtung für die untersuchten Verfahren vorgenommen.

Die Ergebnisse der Teilgebiete werden gesondert und in den Beziehungen zueinander bewertet.