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Steuerpflicht in Deutschland

Aufenthalt mit Stipendium
Aufenthalt mit Arbeitsvertrag
Doppelbesteuerungsabkommen
Unbeschränkte und beschränkte Steuerpflicht
Steuererklärung
Arten von Steuern

Stipendium

Falls Sie Ihren Forschungsaufenthalt in Deutschland im Rahmen eines Stipendiums verbringen, sind Sie unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen des deutschen Einkommenssteuergesetzes von der Steuer befreit; so sind beispielsweise Stipendiaten des DAAD oder der Alexander-von-Humboldt-Stiftung steuerbefreit. Um sicherzugehen, wie die steuerlichen Regelungen im Falle Ihres Stipendiums sind, fragen Sie bitte bei Ihrem Stipendiengeber oder im Welcome Centre/International Office Ihrer Forschungseinrichtung nach.

Aufenthalt mit Arbeitsvertrag

Haben Sie für Ihren Forschungsaufenthalt einen Arbeitsvertrag mit einer deutschen Forschungseinrichtung und arbeiten länger als ein halbes Jahr in Deutschland, so werden Sie grundsätzlich in Deutschland nach Ihrem insgesamt weltweit erwirtschafteten Einkommen und Vermögen für das Kalenderjahr besteuert. Mit manchen Ländern gibt es die Vereinbarung, dass Hochschullehrende und Forschende, die für höchstens zwei Jahre ins Ausland gehen, um dort in einer öffentlichen Forschungseinrichtung zu forschen, ihre Steuern im Heimatland zahlen können. Diese Regelungen knüpfen an das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen an.

Doppelbesteuerungsabkommen

Um zu verhindern, dass Ausländer gleichzeitig in Deutschland und ihrem Heimatland besteuert werden, gibt es mit vielen Ländern sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen. Darin wird geregelt, in welchem Land Steuern gezahlt werden müssen. Hier finden Sie die einzelnen Abkommen mit verschiedenen Ländern.

Unbeschränkte und beschränkte Steuerpflicht

In Deutschland unterscheidet man zwischen beschränkter und unbeschränkter Steuerpflicht, abhängig davon, ob man einen festen Wohnsitz in Deutschland hat und sich gewöhnlich hier aufhält.

Unbeschränkte Steuerpflicht

Unbeschränkte Steuerpflicht gilt, wenn eine Person dauerhaft einen Wohnsitz in Deutschland hat oder sich länger als sechs Monate im jeweiligen Steuerjahr hier aufhält.

Die zu zahlenden Steuern werden bereits durch den Arbeitgeber abgeführt, also vom Gehalt abgezogen. Auch die Einkünfte, die nach Zuzug nach Deutschland noch in einem anderen Land erwirtschaftet werden, müssen in der Steuererklärung aufgeführt werden (Welteinkommensprinzip).

Wichtig ist in diesem Falle, welche steuerlichen Abkommen zwischen Deutschland und Ihrem Heimatland bestehen. Hier greift oft das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen, was besagt, dass Einkünfte oder Kapitalanlagen nur in einem Land versteuert werden müssen, je nach Regelungen hinsichtlich der jeweiligen Abkommen. Informationen über die alle Abkommen mit einzelnen Staaten finden sich hier.

Beschränkte Steuerpflicht

Beschränkte Steuerpflicht gilt dann, wenn die betreffende Person zunächst keinen dauerhaften Wohnsitz in Deutschland hat und sich auch nicht für eine Zeit von mehr als 6 Monaten in Deutschland aufhält. Voraussetzung ist jedoch, dass die Person Einkünfte aus einer selbstständigen oder nichtselbstständigen Tätigkeit erzielt oder sonstige Einkünfte aus Deutschland hat.

Die Einkünfte des Arbeitnehmers werden direkt an der sogenannten Quelle der Einkünfte besteuert (Arbeitsortprinzip), da die Finanzverwaltung auf den Steuerpflichtigen und sein Vermögen nicht zugreifen kann, weil er keinen Wohnsitz und keinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Ist jemand beispielsweise an der Universität angestellt, so ist der Lohn direkt dort zu versteuern; der Steuersatz beträgt hier derzeit pauschal 15 Prozent. Allerdings können alle Werbungskosten, die mit der Tätigkeit in Zusammenhang stehen, mindernd bescheinigen lassen, sofern dies zeitnah beantragt wird.

Relevant für die beschränkte Steuerpflicht sind nur Einkünfte, die in und aus Deutschland erzielt werden.

Steuererklärung

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Die gute Nachricht ist: Nicht jeder muss eine Steuererklärung abgeben.

Sind Sie verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben, so nimmt das Finanzamt an, dass es den Arbeitnehmern nicht genug Steuern abgezogen hat. Das trifft zum Beispiel auf folgende Fälle zu:

  • Wenn Sie über ihren Arbeitslohn hinaus zusätzliche Einkünfte von insgesamt mehr als 410 Euro im Jahr haben. Das können zum Beispiel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder Renten sein.
  • Wenn Sie und Ihr Ehe- oder Lebenspartner Arbeitslohn bezogen haben und einer von Ihnen nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wird oder wenn Sie und Ihr Ehe- oder Lebenspartner die Steuerklasse IV mit Faktor gewählt haben.
  • Wenn das Finanzamt bei Ihnen einen Freibetrag eingetragen hat, beispielsweise für die Fahrtkosten zur Arbeit oder für Kinderbetreuungskosten, und Ihr Arbeitslohn als Single mehr als 11.000 Euro oder als Ehepaar mehr als 20.900 Euro im Jahr beträgt.
  • Wenn Sie von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig Lohn erhalten haben.

Wenn Sie also als ledige_r Gastwissenschaftler_in aus dem Ausland kommen und in Deutschland bei einem einzigen Arbeitgeber arbeiten, so müssen Sie keine Steuererklärung abgeben.

Eine freiwillige Steuererklärung kann sich jedoch unter Umständen lohnen. Eine Steuererklärung abzugeben lohnt sich vor allem, wenn Sie

  • als Arbeitnehmer während eines Kalenderjahres nicht ununterbrochen in einem Dienstverhältnis gestanden haben.
    (z.B. Treten Sie Ihre Arbeitsstelle erst im August an, so zahlen Sie Steuern für das ganze Jahr. Mit einer freiwilligen Steuererklärung haben Sie die Möglichkeit, sich die bereits gezahlten Steuern zurückzuholen.)
  • die Höhe Ihres Arbeitslohns im Laufe des Kalenderjahres variiert.
  • Ihre Steuerklasse im Laufe des Jahres geändert haben

Steuererklärung

Am Ende eines Kalenderjahres haben Sie die Möglichkeit (bei einem Aufenthalt über 183 Tagen) eine Einkommensteuererklärung bei dem Finanzamt an Ihrem Wohnort einzureichen. Mit diesem können Sie unter Umständen einen Teil der gezahlten Steuern zurückerstattet bekommen. Die dafür benötigten Unterlagen erhalten Sie beim örtlichen Finanzamt oder im Rathaus. Die Steuererklärung sollte bis Mai des folgenden Jahres beim örtlichen Finanzamt abgegeben werden, spätestens aber bis zum 31. Dezember. Nach Bearbeitung durch das Finanzamt bekommen Sie einen Steuerbescheid, in dem steht, ob und in welcher Höhe Ihnen Steuern zurückerstattet werden. Die wichtigsten Unterlagen für die Steuererklärung sind die Steuer-Identifikationsnummer, Ihre Bankverbindung sowie ein Ausdruck der elektronischen Lohnsteuer-Bescheinigung. Welche Unterlagen Sie in den Bereichen Arbeit, Versicherung etc. brauchen, finden Sie hier

Arten von Steuern

Einkommenssteuer

Die Einkommenssteuer wird direkt von Ihrem Gehalt abgezogen und vom Arbeitgeber an den Staat abgeführt. Die Höhe der Einkommenssteuer ist abhängig davon, in welcher Steuerklasse Sie sind. Außerdem sind Einkommen und Familienstand entscheidend. Jeder in Deutschland gemeldeten Person wird eine sogenannte Identifikationsnummer zugewiesen, die ein Leben lang ihre Gültigkeit behält. Diese Nummer erhalten Sie in der Regel per Post ein paar Tage nach der Anmeldung im Bürgeramt. Sie ist notwendig, damit Sie eine steuerpflichtige Tätigkeit aufnehmen können.

Kirchensteuer

Eine Besonderheit in Deutschland ist die staatlich eingezogene Kirchensteuer. Religionsgemeinschaften haben unter bestimmten Umständen die Möglichkeit, Kirchensteuern durch das Finanzamt einziehen zu lassen. Für die großen Kirchen wird die Kirchensteuer (ca. 9 % der Einkommensteuer) vom Staat zusammen mit der Lohnsteuer eingezogen und automatisch von Ihrem monatlichen Gehalt abgeführt. Daher müssen Sie bei der Anmeldung im Einwohnermeldeamt Ihre Religionszugehörigkeit angeben.

Für weiterführende Informationen mit ausführlichen Beispielen zu den beiden Besteuerungsarten, lesen Sie bitte unseren Informationsflyer, der uns von Fischer / Fechner / Almasi Steuerberater Rechtsanwalt Partnerschaftsgesellschaft zur Verfügung gestellt worden ist.

Quellen:

Bundesfinanzministerium, Euraxess Germany, Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.  


letzte Änderung: 15.05.2017 

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Dr. Annemone Fabricius
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