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Kunst auf dem Campus

Moderne Architektur und historische Kunst im Dialog

Der Neubau des Universitätscampus am Augustusplatz eröffnete die Möglichkeit, Universitätsgeschichte aus sechs Jahrhunderten zu präsentieren. Insbesondere Kunstwerke, die durch die Sprengung der Universitätskirche und des Augusteums in sozialistischer Zeit ihres Kontextes beraubt worden waren, konnten an ihren angestammten Ort zurückgeführt werden. Während sich die 600-jährige Geschichte der Universität an ihren Bauten kaum mehr ablesen lässt, ist sie in den Werken der Kunstsammlung unmittelbar erlebbar. Der Dialog moderner Architektur mit historischer Kunst verkörpert die Zukunftsorientierung der Hochschule vor dem Hintergrund einer facettenreichen Vergangenheit.

Fünf räumlich zusammenhängende Erinnerungskomplexe veranschaulichen wesentliche Aspekte der Universitätsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart:

Fragmente spätmittelalterlicher Fresken aus dem Dominikanerkloster St. Pauli

Als Zeugen der Frühzeit der Universität stehen die Überreste des Dominikanerklosters heute in einem Gang, der das Hauptgebäude mit dem Hörsaalgebäude verbindet. Bis zu seinem Abriss im 19. Jahrhundert befand sich das Kloster am Ort des heutigen Universitätscampus. Die Wandmalereien stammen aus dem Kreuzgang eines Klostergebäudes, das später die Universitätsbibliothek beherbergte. Sie entstanden im 15. und 16. Jahrhundert und zeigen Szenen aus dem Marienleben, die Kreuzigung Christi, Heiligenlegenden sowie einen Dominikanerstamm­baum. Es handelt sich um die einzigen figürlichen Wandmalereien Leipzigs aus dem Mittelalter und den größten Zyklus mittelalterlicher Wandmalerei in ganz Sachsen.

Grabplatten, Epitaphien und Altar aus der Universitätskirche St. Pauli

Sechzehn wandgebundene Grabplatten haben an der Südwand des Paulinums im nördlichen Foyerbereich des Neuen Augusteums Aufstellung gefunden. Dort befand sich bis zur Kirchensprengung 1968 ein Kreuzgang, dessen Nordwand die Erinnerungsmäler zierten. Schon zu Zeiten der Dominikaner war die Paulinerkirche begehrter Bestattungsort einer städtischen Elite, und nach der Reformation wurden hier bevorzugt Universitätsangehörige begraben. Die Grabsteine beleuchten anrührende Einzelschicksale oder liefern Einblicke in die Universitäts- und Stadtgeschichte.

In den Andachtsraum des Paulinums wurden Kunstwerke integriert, die kurz vor der Sprengung im Jahr 1968 aus der Universitätskirche St. Pauli gerettet werden konnten. Ausgewählte Epitaphien präsentieren sich an schwebenden Hängeflächen: Kunstwerke von der Reformation bis zum Rokoko,  Gedächtnismale aus Holz, Stein und Metall sowie Gemäldeepitaphien. Das vielfältige und qualitätvolle Ensemble ist ein Spiegel der Leipziger Stadt- und Universitätsgeschichte. Bei einigen Epitaphien waren aufgrund des fragmentischen Erhaltungszustands Rekonstruktionen und Ergänzungen erforderlich.
Der spätgotische Paulineraltar ist das bedeutendste mittelalterliche Altarwerk der Stadt Leipzig. Er wurde wohl zwischen 1485 und 1490 vom Dominikanerorden in Auftrag gegeben. Der Flügelaltar zeigt Szenen aus dem Leben des Apostel Paulus und der Passion Christi.

Galerie mit Professorenbildnissen aus der Universitätsbibliothek

Auf der Galerie im Zwischengeschoss des Neuen Augusteums werden 21 Bildnisse bedeutender Professoren des 17. und 18. Jahrhunderts gezeigt. Die zwischen ca. 1600 und 1780 entstandenen Gemälde waren Bestandteil einer Professorengalerie der historischen Universitätsbibliothek im Mittelpaulinum (im Bereich des heutigen Auditorium maximum), bis 1891 das Herz der Campusanlage. In einem Standardformat von ca. 60 x 50 cm werden die Porträtierten in schwarzer akademischer Gewandung als Brustbild ohne Hände und ohne Attribute vor neutralem, dunklem Hintergrund gezeigt. Offenbar waren die Professoren gehalten, ihr Bildnis auf eigene Kosten beim Maler ihrer Wahl anfertigen zu lassen und der Bibliothek zu stiften. Nachweisbar sind derzeit 87 Gemälde, von denen nach Kriegsverlusten noch 69 erhalten sind.

Kunst des 19. Jahrhunderts

Skulpturen und Baufragmente aus dem alten Augusteum im Foyer des Neuen Augusteums

Vier „Regententugenden“ von der Hand des klassizistischen Bildhauers Ernst Rietschel (1804-1861) blicken von Konsolen aus in das Foyer hinunter. Sie verkörpern Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Milde und Weisheit – Tugenden, die dem Regenten besonders ans Herz gelegt wurden. Angefertigt wurden sie 1832 als Gussmodelle für ein Bronze-Denkmal zu Ehren des sächsischen Königs Friedrich August I. (den Gerechten/ 1750-1827), das 1843 im Innenhof des Dresdener Zwingers Aufstellung fand. Die Gipsmodelle hingegen waren bereits 1836 der Universität Leipzig geschenkt und in der Aula des nach dem König benannten Universitätshauptgebäudes „Augusteum“ aufgestellt worden. Nach der Überarbeitung des Baus durch den Universitätsbaumeister Arved Roßbach in den 1890er Jahren zierten sie die Ballustrade der großzügigen Wandelhalle.

Vor dem Auditorium maximum stehen drei Kolossalbüsten aus Marmor, die teilweise aus der Aula des historischen Augusteums stammen und nach dessen Umbau in die Wandelhalle umgesetzt wurden. Sie stellen drei der berühmtesten Studenten der Leipziger Universität dar: Gottfried Wilhelm Leibniz studierte in Leipzig 1661 bis 1663, seine Büste schuf der Leipziger Bildhauer Immanuel A. H. Knaur 1847 anlässlich des 200. Geburtstags des Universalgelehrten. Die Büste Gotthold Ephraim Lessings (Studium in Leipzig 1746 bis 1748) entstand 1909 zum 500. Gründungsjubiläum der Universität und wurde von Carl Ludwig Seffner geschaffen. Johann Wolfgang von Goethe nahm das Studium in Leipzig 1765 auf und musste aus gesundheitlichen Gründen 1768 in seine Heimatstadt Frankfurt am Main zurückkehren. Seine Büste, die ebenfalls von Knaur stammt, wurde 1865 zum Gedenken an die Immatrikulation des Dichters vor 100 Jahren in Auftrag gegeben.

Das "Schinkeltor" ist heute hofseitiges Eingangsportal vom "Leibniz-Forum" aus zum Hauptgebäude. Somit konnte seine ehemalige repräsentative Funktion wieder hergestellt, zierte es doch ursprünglich den Eingang zur Universität vom Augustusplatz aus. Das von dem berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel entworfene Hauptportal ist das einzige erhaltene originale Baufragment des klassizistischen Augusteums. Geplant wurde der Bau ab 1830 von dem Universitätsbaumeister Albert Geutebrück, dessen Entwurf allerdings von Schinkel überarbeitet und korrigiert wurde. Ausgeführt wurde es von dem Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel.

Sozialistische Kunst

Das monumentale Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz" (2,68 x 13,7 Meter) entstand in den Jahren 1970 bis 1973 als Auftragsarbeit für die Karl-Marx-Universität zur Ausstattung des soeben nach sozialistischen Vorstellungen neu erbauten innerstädtischen Universitätsareals am Augustusplatz. Für den damals 41-jährigen Maler Werner Tübke kam das Werk einem Durchbruch gleich. Die Interpretation des Werkes oszilliert zwischen einer Betonung der ideologischen Vorgaben einerseits und der Hervorhebung der von Tübke intendierten Vision einer freiheitlichen Gesellschaft andererseits. Als authentisches Zeugnis seiner Entstehungszeit bildet das Wandbild einen guten Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Hochschule der DDR.

"Aufrecht stehen" von Reinhard Minkewitz

Das Bild "Aufrecht stehen - für Herbert Belter, Ernst Bloch, Werner Ihmels, Hans Mayer, Wolfgang Natonek, Georg-Siegfried Schmutzler" (2,60 x 9,20 Meter) wurde von Erich Loest bei dem Leipziger Künstler in Auftrag gegeben. Loest hatte sich ein Gemälde gewünscht, das beispielhaft an Menschen erinnert, die sich zu DDR-Zeiten der SED-Politik und ihrer Umsetzung durch die damalige Universitätsleitung widersetzten. Es folgten mehrjährige Diskussionen über die Präsentation des Werkes. Im Jahr 2014 übernahm die Stiftung Friedliche Revolution das Projekt und stellte der Universität das Bild als langfristige Leihgabe zur Verfügung. Mit der Hängung im Hörsaalgebäude erfüllt sich ein dringender Wunsch von Erich Loest.

Gemälde "Aufrecht stehen" von Reinhard Minkewitz

Wandbild Arbeiterklasse und Intelligenz von Werner Tübke

Rede zur Vernissage am 30. März 2015 - Prof. Dr. Frank Zöllner


letzte Änderung: 13.12.2017 

Kontakt

Leibnizforum, Neues Augusteum und Paulinum
Augustusplatz 10
04109 Leipzig

Telefon +49 0341 97-30 170
Telefax +49 0341 97-30 179
E-Mail

Öffnungszeiten Neues Augusteum
Montag bis Freitag 7 bis 22 Uhr, Sonnabend 7 bis 14 Uhr

Öffnungszeiten Paulinum
Dienstag bis Freitag, 11 bis 15 Uhr,  Sonnabend, 10 bis 14 Uhr

Führungen durch das Paulinum können gebucht werden bei
LEIPZIG DETAILS

Sonntags ist der Campus geschlossen.

Weitere Informationen zum Paulinum erhalten Sie auf
www.campus-augustusplatz.de/paulinum

 

 

 

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