Besuchen Sie uns  

Besuchen Sie uns

Kunst auf dem Campus

Moderne Architektur und historische Kunst im Dialog

Der Neubau des Universitätscampus am Augustusplatz bietet der Kustodie zugleich die Möglichkeit, künftig auf dem neuen Campus Kunstwerke aus sechs Jahrhunderten Universitätsgeschichte zu präsentieren. Dabei gilt es insbesondere Kunstwerke, die durch die Sprengung der Universitätskirche und des Augusteums in sozialistischer Zeit ihres Kontextes beraubt worden waren, an ihren angestammten Ort zurückzuführen. Während sich die 600-jährige Geschichte der Universität an ihren Bauten kaum mehr ablesen läßt, ist sie in den Werken der Kunstsammlung oftmals unmittelbar erlebbar. Der Dialog moderner Architektur mit historischer Kunst verkörpert die Zukunftsorientierung der Hochschule vor dem Hintergrund einer facettenreichen Vergangenheit.

Eine vom Rektorat eingesetzte Kunstkommission erarbeitete ein ambitioniertes Kunstkonzept, das in fünf räumlich zusammenhängenden Erinnerungskomplexen wesentliche Aspekte der Universitätsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart veranschaulichen soll. Mit Fertigstellung des neuen Universitätscampus am Augustusplatz nimmt das Projekt nach und nach Gestalt an.

Der erste Erinnerungskomplex - die Fresken des mittelalterlichen Dominikanerklosters - wurde 2010/11 realisiert. Als Zeugen der Frühzeit der Universität sind die Überreste des Dominikanerklosters nun in einem Gang zu besichtigen, der das Hauptgebäude mit dem Hörsaalgebäude verbindet. Bis zum Abriss im 19. Jahrhundert hatte sich das Kloster am Ort des heutigen Universitätscampus befunden. Das  tonnenschwere Mauerwerk, bestehend aus spitzbogigen Wandfeldern musste in den Neubau transportiert wer­den, bevor Türen und Eingänge fertiggestellt werden konnten. Die Aufstellung der sechs Wandfelder erfolgte in zwei Etappen im Februar und März 2010 noch auf der Baustelle. Nach Fertigstellung dieses Gebäudeteils konnten dann auch die letzten Retuschen durch den Restaurator Albrecht Körber erfolgten. Die Wandmalereien stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert und zeigen Szenen aus dem Marienleben, die Kreuzigung Christi, Heiligenlegenden sowie einen Dominikanerstamm­baum. Es handelt sich um die einzigen figürlichen Wandmalereien Leipzigs aus dem Mittelalter und den größten Zyklus mittelalterlicher Wandmalerei in ganz Sachsen.

Grabplatten im nördlichen Bereich des Foyers

Mit der Wiederaufstellung einer umfänglichen Gruppe wandgebundener Grabplatten durch den Leipziger Bildhauer Markus Gläser konnte im Mai 2012 eine weitere Etappe des Kunstkonzepts realisiert werden. Als erster Teilabschnitt des „Erinnerungskomplexes Universitätskirche St. Pauli“ wurden sechzehn Grabplatten an der Südwand des Paulinums im nördlichen Foyerbereich des Neuen Augusteums angebracht. Der zweite Teilabschnitt dieses Erinnerungskomplexes beinhaltet die Aufstellung der Epitaphien im Innenraum des Paulinums. Die Grabplatten sind praktisch an ihren Originalstandort zurückgekehrt: Bis zur Kirchensprengung 1968 befand sich an diesem Platz ein Kreuzgang, dessen Nordwand die Erinnerungsmäler zierten. Schon zu Zeiten der Dominikaner war die Paulinerkirche begehrter Bestattungsort einer städtischen Elite, und nach der Reformation wurden hier bevorzugt Universitätsangehörige begraben. Die Grabsteine beleuchten bis heute anrührende Einzelschicksale oder liefern Einblicke in die Universitäts- und Stadtgeschichte.

Noch in der Bauphase wurden das Leibniz-Denkmal auf dem nach dem berühmten Universalgelehrten benannten Innenhof ("Leibniz-Forum") sowie das "Schinkeltor" aufgestellt. Das Schinkeltor erhielt seinen Platz als hofseitiges Eingangsportal zum neuen Hauptgebäude im Juni 2010. Damit konnte seine ehemalige repräsentative Funktion wieder hergestellt werden, auch wenn es nun den Innenhof und nicht mehr, wie im 19. Jh., den Eingang zur Universität vom Augustusplatz ziert. Das Schinkeltor ist das einzige erhaltene originale Baufragment des klassizistischen Augusteums, wie es ab 1830 von dem Universitätsbaumeister Albert Geutebrück errichtet wurde. Karl-Friedrich Schinkel hatte allerdings Geutebrücks Entwurf für das Hauptportal korrigiert, und nach Schinkels Entwurf wurde es von dem Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel ausgeführt. Aus diesem Grund trägt das Tor noch heute den Namen des berühmten preußischen Architekten. Als Torgewände zierte es das klassizistische Hauptgebäude, bis es dann beim Umbau des Augusteums in den 1890er Jahren durch Arwed Roßbach als Dreiflügelanlage südlich neben das Gebäude versetzt wurde.

Drei der vier Regententugenden kurz nach der Montage

Im Mai 2012 konnten auch die vier „Regententugenden“ von der Hand des klassizistischen Bildhauers Ernst Rietschel (1804-1861) an den ursprünglichen Ort ihrer Aufstellung zurückkehren. Nach zweijähriger Restaurierung durch die Diplomrestauratorin Daniela Arnold wurden die lebensgroßen, aus Gips gefertigten Stuckfiguren in das neue Universitätshauptgebäude transportiert und dort montiert. Von Konsolen aus blicken sie nun ins Foyer hinunter. Die Figuren verkörpern Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Milde und Weisheit – Tugenden, die dem Regenten besonders ans Herz gelegt wurden. Angefertigt wurden sie 1832 als Gussmodelle für ein Bronze-Denkmal zu Ehren des sächsischen Königs Friedrich August I. (den Gerechten/ 1750-1827), das 1843 im Innenhof des Dresdener Zwingers aufgestellt wurde. Die Gipsmodelle hingegen waren bereits 1836 der Universität Leipzig geschenkt und in der Aula des nach dem König benannten, von Albert Geutebrück und Karl-Friedrich Schinkel entworfenen Universitätshauptgebäudes „Augusteum“ aufgestellt worden. Nach der Überarbeitung des Baus durch den Universitätsbaumeister Arved Roßbach in den 1890er Jahren zierten sie die Ballustrade der großzügigen Wandelhalle.

Im Oktober 2012 fanden drei Kolossalbüsten aus Marmor Aufstellung im Foyer vor dem Auditorium maximum. Die von antiken Gelehrtenbüsten inspirierten überlebensgroßen Kunstwerke befanden sich teilweise in der Aula des historischen Augusteums, nach dessen Umbau in der Wandelhalle. Sie stellen drei der berühmtesten Studenten der Leipziger Universität dar: Gottfried Wilhelm Leibniz studierte in Leipzig 1661 bis 1663, seine Büste schuf der Leipziger Bildhauer Immanuel A. H. Knaur 1847 anlässlich des 200. Geburtstags des Universalgelehrten. Die Büste Gotthold Ephraim Lessings (Studium in Leipzig 1746 bis 1748) entstand 1909 zum 500. Gründungsjubiläum der Universität und wurde von Carl Ludwig Seffner geschaffen. Johann Wolfgang von Goethe nahm das Studium in Leipzig 1765 auf und musste aus gesundheitlichen Gründen 1768 in seine Heimatstadt Frankfurt am Main zurückkehren. Seine Büste, die ebenfalls von Knaur stammt, wurde 1865 zum Gedenken an die Immatrikulation des Dichters vor 100 Jahren in Auftrag gegeben. Entlang der Außenwand des großen Hörsaals sollen noch weitere im 19. Jahrhundert für das historische Augusteum geschaffene Gelehrtenbüsten platziert werden.

Einbringung des Tübke-Wandbildes in die Vitrine

Im März 2015 wurden im Foyer des Hörsaalgebäudes das Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz" von Werner Tübke (im 2. Obergeschoss) und das Gemälde "Aufrecht stehen ..." von Reinhard Minkewitz (im 1. Obergeschoss) angebracht.

Das monumentale Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz" (2,68 x 13,7 Meter) entstand in den Jahren 1970 bis 1973 als Auftragsarbeit für die Karl-Marx-Universität (KMU) zur Ausstattung des soeben nach sozialistischen Vorstellungen neu erbauten innerstädtischen Universitätsareals am Augustusplatz. Für den damals 41-jährigen Maler Werner Tübke kam das Werk einem Durchbruch gleich. Die Interpretation des Werkes oszilliert zwischen einer Betonung der ideologischen Vorgaben einerseits und der Hervorhebung der von Tübke intendierten Vision einer freiheitlichen Gesellschaft andererseits. Als authentisches Zeugnis seiner Entstehungszeit bildet das Wandbild einen guten Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Hochschule der DDR.

Das Bild "Aufrecht stehen - für Herbert Belter, Ernst Bloch, Werner Ihmels, Hans Mayer, Wolfgang Natonek, Georg-Siegfried Schmutzler" (2,60 x 9,20 Meter) wurde vor rund neun Jahren von Erich Loest bei dem Leipziger Künstler Reinhard Minkewitz in Auftrag gegeben. Loest hatte sich ein Gemälde gewünscht, das beispielhaft an Menschen erinnert, die sich zu DDR-Zeiten der SED-Politik und ihrer Umsetzung durch die damalige Universitätsleitung widersetzten. Es folgten mehrjährige Diskussionen über die Präsentation des Werkes. Im Jahr 2014 übernahm die Stiftung Friedliche Revolution das Projekt und stellte der Universität das Bild als langfristige Leihgabe zur Verfügung. Mit der Hängung im Hörsaalgebäude erfüllt sich ein dringender Wunsch von Erich Loest.

Gemälde "Aufrecht stehen" von Reinhard Minkewitz

Wandbild Arbeiterklasse und Intelligenz von Werner Tübke

Rede zur Vernissage am 30. März 2015 - Prof. Dr. Frank Zöllner


letzte Änderung: 01.02.2017 

Kontakt

Leibnizforum und Neues Augusteum
Augustusplatz 10
04109 Leipzig

Telefon +49 0341 97-30 170
Telefax +49 0341 97-30 179
E-Mail

Die Kunstwerke sind während der Öffnungszeiten der Gebäude frei zugänglich.
Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 7.00 bis 22.00 Uhr und Sonnabend 7.00 bis 14.00 Uhr. Am Sonntag ist der Campus geschlossen.

Download Kunstkonzept

pages