studium universale in Leipzig  

studium universale
in Leipzig

Übersicht


Grundlagen, Aufgaben und Organisation des studium universale

Vor mehr als einem halben Jahrhundert beklagte der englische Kulturkritiker C. P. Snow die Spaltung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften und sprach von den "Zwei Kulturen". Die Grenzziehung mag heute an einigen Stellen undeutlicher geworden sein und vielleicht müssen wir sogar von mehr als zwei Kulturen reden, doch festzuhalten bleibt, dass sich die Spaltung der Kulturen – nicht zuletzt durch fachliche Spezialisierung – vertieft hat.

In einer Zeit zunehmender Spezialisierung und Beschleunigung wird es immer wichtiger, innezuhalten, um Selbstverständlichkeiten zu befragen und einen Überblick über den Zusammenhang zwischen Gesellschaft, Wissenschaft, Technologie und Weltanschauung zu gewinnen. Das Bedürfnis nach Orientierung wächst. Während die Disziplinen an der Universität zur Vertiefung des Wissens führen sollen, muss es Ebenen geben, die nicht nur die Verbindungen zwischen den einzelnen Forschungsrichtungen in den Blick rücken, sondern auch das ethisch-politische und kulturelle Feld beleuchten, in dem Wissenschaft stattfindet. Wir sind der Meinung, dass Wissenschaft verpflichtet ist, ihre Erkenntnisse verständlich zu formulieren und öffentlich zur Diskussion zu stellen. Dieser Aufgabe hat sich das studium universale verschrieben, und zwar im Sinne Humboldts, der zu einer allseitigen Bildung einlädt, um die Einseitigkeiten der Ausbildung auszugleichen.

1992 wurde das studium universale von der Ägyptologin Prof. Dr. Elke Blumenthal zusammen mit engagierten Wissenschaftlern an der Universität Leipzig ins Leben gerufen, um eine solche allgemeine Bildung zu ermöglichen. Inzwischen ist es fester Bestandteil der Grundordnung der Universität Leipzig, in der es heißt: "Die Universität richtet ein studium universale ein, das sich ethischen und gesellschaftlichen Spannungsfeldern der Wissenschaft widmet." (§ 33) 
Es ist zudem Teil eines Netzwerks allgemeinbildender Studien an den sächsischen Hochschulen (Studia generale), hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Dozenten über die Landesgrenzen hinaus. In der gemeinsamen Präambel des sächsischen Netzwerks wird die zentrale Aufgabe darin gesehen, eine enge Verbindung zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften und den Natur- und Formalwissenschaften herzustellen, den interdisziplinären Dialog zu befördern und die Wechselwirkung von Wissenschaft und Gesellschaft kritisch zu reflektieren.

Das studium universale möchte somit zu einem Dialog zwischen den Fächern, aber auch zwischen der Stadt Leipzig und der Universität anregen. Die Veranstaltungen, die jedes Semester angeboten und in denen Themen und Fragen der Zeit aus unterschiedlichen Fachperspektiven vorgestellt und diskutiert werden, stehen allen Studierenden und Universitätsangehörigen ebenso wie den Leipziger Bürgern offen.

Das jeweilige Thema der Veranstaltungsreihen wird von der Arbeitsgruppe studium universale festgelegt und vorbereitet; die Themenwahl orientiert sich an aktuellen ebenso wie an zeitübergreifenden, an lokalen wie globalen Fragestellungen. Referenten stammen aus der Universität, der Stadt sowie dem gesamten Bundesgebiet oder dem Ausland.
Bisherige Themen waren unter anderem: Umgang mit unserer Vergangenheit, Chaos, Klangerlebnis, Zeitskalen, Spiel, Grenzen und Grenzüberschreitungen.

Die Arbeitsgruppe selbst setzt sich aus etwa zehn Vertretern der unterschiedlichsten Fächer zusammen und wird von einem Hochschullehrer geleitet (1992–2001: Prof. Dr. Elke Blumenthal, Ägyptologie; 2001–2005: Prof. Dr. Klaus Bente, Mineralogie; seit 2005: Prof. Dr. Elmar Schenkel, Anglistik). Leitung und Arbeitsgruppe stehen in enger Verbindung mit dem Prorektorat für Lehre und Studium. Die Gruppe wird unterstützt durch studentische/wissenschaftliche Hilfskräfte. Das Büro befindet sich im Geisteswissenschaftlichen Zentrum der Universität in der Beethovenstraße 15.

Wir würden uns freuen, wenn unsere Veranstaltungen auch in diesem Semester auf Interesse stoßen. Bei Rückfragen können Sie sich gerne an uns wenden; in jedem Fall sind wir für weitere Anregungen offen.

Elmar Schenkel

Das studium universale zwischen 2000–2005

In Nachfolge von Frau Prof. Blumenthal übernahm 2000 Prof. Klaus Bente die Leitung der Vorbereitungsgruppe. Nach der Neustrukturierung der Hochschullandschaft von 1990 bis 1994 sowie einer sehr kurzen Konsolidierungsphase der Hochschulen in den neuen Bundesländern wurden  erstmals auch im Freistaat Sachsen seit 1998 Mittelreduzierungen verordnet. Darauf zeitlich folgend wurde von 1999 bis etwa 2005 die nahezu 1:1-Umsetzung des sog. Bologna-Prozesses von der europäischen auf die Hochschulebene durchgesetzt, wodurch  die Studien mit Prüfungen überflutet und verschult wurden.

Nach Übernahme der Leitung der Vorbereitungsgruppe durch Prof. Bente in 2000 reagierte das studium universale auf diese Randbedingungen mit stärkerer Präsenz im Internet sowie in den Druckmedien. Zudem wurden die Themen der Vortragsreihen stärker antizyklisch gewählt, um Denkanstöße zu geben und nicht ohnehin vorhandenen Trends zu folgen. Um den Bildungsansprüchen der Studienreform tatsächlich Geltung zu verschaffen, sollten auch allgemeinbildende Ansätze des studium universale in Veranstaltungen zu Schlüsselqualifikationen Eingang finden.  Allerdings blieben diese Bemühungen der Vorbereitungsgruppe u.a. durch den Kongress „Quo vadis universitas", der an der TUBA Freiberg von dem  2000 gegründeten Arbeitskreis der Studia generales in Sachsen durchgeführt wurde, erfolglos. Die örtliche, regionale und überregionale Vernetzung wie z. B. mit dem Studium generale der HTWK,  in dem genannten sächsischen Arbeitskreis sowie durch Ringveranstaltungen im Universitätsverbund Jena-Halle-Leipzig und durch außeruniversitäre Veranstaltungen schufen allerdings eine neue und breitere Wirkungsgrundlage des studium universale. Durch einen Antrag von Prof. Bente im Konzil 2001 wurde das studium universale in der Grundordnung bzw. Verfassung der Universität Leipzig verankert.

Prof. Klaus Bente trat 2005 als Leiter der Vorbereitungsgruppe wegen vereinbarungskonträrer Stellenstreichungen an dem von ihm geleiteten Institut zurück, um sich verstärkt den Fachaufgaben widmen zu können.

Prof. Klaus Bente

Zum 20. Jubiläum des studium universale

Am Anfang der Geschichte des studium universale an der Universität Leipzig stand eine Pressekontroverse. In den Zeiten des großen Umbruchs nach der politischen Wende von 1989 publizierte die allwöchentlich erscheinende „Universitätszeitung“ im Wintersemester 1990/91 einen Artikel über ein anzustrebendes Studium generale zu vielseitiger Bildung und Meinungsbildung. Als Referenten boten sich die Dozenten an, die bisher den Marxismus-Leninismus als allein zugelassene Weltanschauung auf allen Ebenen der Universität gelehrt und über seine Befolgung gewacht hatten. Dieser plötzliche Gesinnungswandel empörte mich derart, dass ich mich zu einem Gegenartikel hinreißen ließ. Er brachte mir den Auftrag des damaligen Rektoratskollegiums ad interim ein, ein studium universale (zu deutlicher terminologischer Unterscheidung vom vorgeschlagenen Studium generale) aufzubauen, was ich mit einer kleinen Arbeitsgruppe in Angriff nahm. So kam es zu der ersten Ringvorlesung „Was ist der Mensch?“, die damals in vierzehntäglichem Turnus mittwochs im Hörsaalgebäude stattfand.

Ein studium universale/generale gab es längst an den Universitäten der alten Bundesrepublik; es wäre in Leipzig auch ohne diese Episode ins Leben gerufen worden. Aber sie scheint mir typisch für die Anfangssituation zu sein, in der die Tore zur geistigen Freiheit eben erst aufgestoßen waren. Natürlich sollte auch hier maßgebend sein, den Studierenden anhand übergreifender Themen Ausblicke aus der begrenzten eigenen Fachdisziplin und Einblicke in Gegenstände, Fragestellungen und Methoden anderer Fächer zu geben, ihnen die Vielfalt der Zugänge zu einem Problem zu zeigen und bei der eigenen Standortbestimmung zu helfen. Hinzu kam aber, dass Lernende und Lehrende im Bannkreis einer totalitären Ideologie aufgewachsen waren, über die sie sich durch Zustimmung oder Ablehnung definiert hatten, nun aber einer schier unübersehbaren Pluralität intellektueller Möglichkeiten gegenüber standen. So schien es geboten, vorrangig Orientierungswissen zu vermitteln, wozu sich, da sich der Lehrkörper der Universität noch im Aufbau befand, meistens Referenten aus den alten Bundesländern mit großem persönlichen Einsatz zur Verfügung stellten.

Elke Blumenthal, 05.09.2011
Mitbegründerin des studium universale in Leipzig
Ägyptologisches Institut/Ägyptisches Museum – Georg Steindorff –

Zusammensetzung des Arbeitskreises studium universale in Leipzig

Aktuell setzt sich der Arbeitskreis studium universale in Leipzig wie folgt zusammen:


Prof. Dr. Frank Gaunitz

Prof. Dr. Frank Gaunitz

Leiter der Forschungslabore der
Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Leipzig
Liebigstraße 20
04103 Leipzig

Telefon:
+49 341 97-17953
Empty
Empty
  • neuer Leiter des Arbeitskreises studium universale seit Sommersemester 2015

Dominik Becher

Dominik Becher

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Institut für Anglistik
Beethovenstr. 15
04107 Leipzig

Haus 2 3.13

Telefon:
+49 341 97-37312
Telefax:
+49 341 97-37347
Empty
Empty
  • Empty

Weitere Mitglieder des Arbeitskreis studium universale

Weitere Mitglieder im Arbeitskreis studium universale

letzte Änderung: 29.09.2017 

Kontakt

Leiter des Arbeitskreises
Prof. Dr. Frank Gaunitz
Leiter der Forschungslabore
Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Leipzig
Liebigstraße 20
04103 Leipzig

Telefon: +49 341 97-17953
E-Mail

Koordination studium universale, Kinderuni, Sonntagsgespräch
Dominik Becher
Ritterstraße 12
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-37395
E-Mail

Studentische Hilfskraft
Alexandra Bär

Spendenkonto

Inhaber: Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V

Verwendungszweck (Bitte unbedingt angeben): studium universale; KW1342stduniv13

COMMERZBANK AG Leipzig

BLZ: 860 800 00

Kto: 01 187 867 00

IBAN: DE98 8608 0000 0118 7867 00

BIC: DRES DE FF 860

pages