Baugeschehen 1990–2015  

Baugeschehen
1990–2015

Inhaltsübersicht


Leitlinien zur Neugestaltung

Mit dem politischen Umbruch im Herbst 1989 und der deutsch-deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wird ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Universitätscampus am Augustusplatz aufgeschlagen.

Ende der neunziger Jahre entwickelt ein Arbeitskreis unter Leitung von Rektor Professor Volker Bigl erste  konkrete Leitvorstellungen in Form von neun Thesen zur „zukünftigen Funktion und baulichen Gestaltung des Universitätshauptgebäudes am Leipziger Augustusplatz“. Die Leitvorstellungen werden veröffentlicht und nach Diskussion im Februar 2000 vom Konzil beschlossen. Auch angesichts des nahenden 600-jährigen Jubiläums der Universität im Jahr 2009 soll der alte und zusehends marode werdende DDR-Universitätskomplex möglichst schnell einem modernen, zukunftsorientierten Universitätscampus weichen.

Für den innerstädtischen Campus wird am 27. August 2001 vom Freistaat Sachsen in Zusammenarbeit mit der Universität und der Stadt Leipzig ein EU-weiter Realisierungswettbewerb in zwei Phasen zur Neu- und Umgestaltung des innerstädtischen Universitätskomplexes am Augustusplatz ausgeschrieben. Ziel des Wettbewerbs ist die „funktionale und gestalterische Neu- und Umgestaltung des innerstädtischen Universitätskomplexes, der Vorentwurf für den Neubau eines Institutsgebäudes mit kommerziellen Bereichen, einer Aula, eines großen Hörsaals und einer Mensa sowie die bauliche Integration von Haupt-, Seminar- und Hörsaalgebäude“.
Der Wiederaufbau der historischen Universitätskirche St. Pauli gehört ausdrücklich nicht zur Aufgabenstellung. Darauf hatten sich die Gremien der Universität 1999 mit großer Mehrheit geeinigt. Die neue Aula soll eine lebendige Begegnungsstätte und zentraler Ort akademischer Veranstaltungen, der Universitätsgottesdienste und der universitären Musikpflege werden. An dem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligen sich fast ausschließlich deutsche Architekturbüros.

Jury-Entscheidung für den Entwurf von behet + bondzio

Der zweitplatzierte Siegerentwurf des Architekturbüros behet + bondzio

In der Preisgerichtssitzung der 2. Phase am 22. Mai 2002 entscheidet sich die Jury, zu der unter anderem Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, Rektor Volker Bigl und Vertreter der Landesregierung gehören, für die Vergabe eines zweiten Preises an den Beitrag des Architektenbüros
behet + bondzio aus Münster. Ein erster Platz wird nicht vergeben, um Raum für die Überarbeitung des Entwurfes zu haben.

Qualifizierungsverfahren: Neues Augusteum und Paulinum

Infolge einer öffentlich geführten Diskussion über den originalgetreuen Wiederaufbau der Universitätskirche St. Pauli beschließt die Sächsische Staatsregierung am 28. Januar 2003, den Wiederaufbau zu fördern.

Uni-Rektor Volker Bigl sieht in der Dresdner Kehrtwende eine „beispiellose Einmischung in die universitäre Selbstverwaltung“ und tritt aus Protest am 30. Januar 2003 von seinem Rektorenamt zurück. Ihm folgen einen Tag später seine drei Prorektoren. In der Folge erreichen die öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten ihren Höhepunkt. In Leipzig finden  zahlreiche Kundgebungen und öffentliche Diskussionen statt.

Am 24. März 2004 kürt die Jury der Universität den Entwurf des Rotterdamer Architekturbüros Erik van Egeraat associated architecs EEA mit zehn zu drei Stimmen zum endgültigen Sieger des Architekturwettbewerbs. Am 26. September 2008 beschließt die Baukommission der Universität den Einbau der Trennwand zwischen Aula und Andachtsraum.

Der neue Campus wird gebaut

Ende 2004 beginnen die Arbeiten für den neuen innerstädtischen Campus.

Mit der Grundsteinlegung für die neue Mensa an der Südspitze des neuen Campus beginnen am 15. Juli 2005 die Arbeiten am Neubau Universitätscampus. Ab Mai 2006 werden alle sich noch im Haupt- und Seminargebäude befindlichen Nutzer sowie die Mensa in Interime ausgelagert. Mit Ende Wintersemester 2006/2007 wird der universitäre Betrieb am bisherigen Standort komplett eingestellt. Ab Februar 2007 werden das Hauptgebäude und die Mensa abgerissen.

Bis 2009 entstehen auf dem Campus Augustusplatz das neue Institutsgebäude der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Grimmaischen Straße und die neue Mensa am Park, Seminar- und Hörsaalgebäude mit Campus-Bibliothek werden umgebaut und modernisiert und 2009 an die Nutzer übergeben. Das Neue Augusteum und das Paulinum befinden sich zu dieser Zeit im Rohbau. Der Festakt zum 600-jährigen Jubiläum der Universität Leipzig findet am 2. Dezember 2009 auf der Baustelle der künftigen Aula • Universitätskirche St. Pauli statt. Zwei Jahre später feiert die Universität ihren Dies academicus im fast fertiggestellten Neuen Augusteum; die Festveranstaltung findet im Auditorium Maximum statt. Die Nutzer ziehen ab April 2012 ins Neue Augusteum und die oberen Etagen des Paulinums ein: Fakultät für Mathematik und Informatik, Universitätsrechenzentrum, Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management, Sprachkabinette, Computerpools, Personalrat. Die Kustodie eröffnet eine Galerie für Wechselausstellungen. Im Wintersemester 2012/2013 beginnt der Studienbetrieb im Neuen Augusteum.

Die Arbeiten auf dem Leibnizforum finden im Oktober 2012 ihren Abschluss mit der Pflanzung von drei Säulengleditschien vor dem Auditorium Maximum. Zeitgleich eröffnet die zweite Fahrradgarage mit 1.100 Fahrradstellplätzen im Untergeschoss des Paulinums.

Mit dem raumbildenden Ausbau der Aula • Universitätskirche St. Pauli im Paulinum wird im Sommer 2012 begonnen. Die gesamte Ausgestaltung des Innenraums lehnt sich an die Gestaltung in der ehemaligen Paulinerkirche an. Aus raumklimatischen Gründen wird die Aula • Universitätskirche durch einen transparenten Raumteiler in einen Ost- und einen Westteil unterteilt. Der Westteil soll hauptsächlich akademischen und musikalischen Veranstaltungen dienen; der Ostteil bleibt Universitätsgottesdiensten vorbehalten und wird die aus der gesprengten Paulinerkirche geretteten Kunstwerke präsentieren. Bei Bedarf können Ost- und Westteil gegenseitig zugeschaltet werden. Im September 2013 beschließt der Akademische Senat der Universität die Nutzungsgrundsätze für Paulinum und Augusteum.

Im Juni 2014 werden die Glasschiebetüren des transparenten Raumteilers in Betrieb genommen. Der Altar wird Mitte Oktober 2014 aus der Thomaskirche ins Paulinum überführt, bedeutende Epitaphien werden wieder aufgehängt. Die Altargrundsteinlegung findet am 2. Dezember 2014 statt. Die Schwalbennestorgel wird im März 2015, die Jehmlich-Orgel im März 2016 spielfähig fertiggestellt und abgenommen. Die Expertenkommission unter Leitung des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen zur Anbringung der historischen Kanzel gibt am 2. Februar 2015 ihre Empfehlung ab: Zunächst sollen über drei Semester nach Aufnahme des Regelbetriebs des Paulinums die dortigen Raumklimabedingungen beobachtet werden. Danach wäre eine Anbringung an der ersten Stütze im Aulabereich möglich. Die endgültige Entscheidung liegt beim Senat der Universität. Zwischenzeitlich hat die Universität den Korb der Kanzel restauriert und interimsmäßig im Zimeliensaal des Museums für Musikinstrumente ausgestellt. Der Innenausbau ist im Frühjahr 2016 fertiggestellt. Die Glasverkleidung der hängenden und stehenden Säulen wurde im Juli 2017 vorgenommen. Am 23. August würdigte in Anwesenheit des Architekten Erick van Egeraat der Freistaat Sachsen als Bauherr mit einer Bauabschlussfeier die Leistungen aller am Bau Beteiligten. Die Nutzung und der Betrieb des Paulinums – Aula und Universitätskirche St. Pauli sind am 14. September 2017 auf die Universität Leipzig übergegangen.

Die Vorbereitungen für die feierliche Eröffnung am ersten Dezemberwochenende 2017 laufen auf Hochtouren:

1. Dezember: Festakt und Empfang mit geladenen Gästen 

2. Dezember: Bürgertag, an dem interessierte Leipziger und Gäste das Paulinum in verschiedenen Facetten erleben können, 11:00-15:00, Konzert 16:00 – 18:00 Uhr, Science Slam 20:00 -22:00 Uhr 

3. Dezember: Akademischer Festgottesdienst zur Einweihung am Sonntag, 11:00 – 12:00 Uhr

Bildergalerie 1973-2016


letzte Änderung: 17.10.2017 

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