Frühes Fremdsprachenlernen ist jetzt seit rund einem halben Jahrzehnt fester Bestandteil des Fächerkanons in der Grundschule. Damit scheint es sich in mancher Hinsicht etabliert zu haben. Zugleich befinden sich viele seiner spezifischen Ausprägungen aber auch noch immer im Erprobungsstadium oder sind laufenden Veränderungen unterworfen, z.B.:
- Der Beginn des Fremdsprachenunterrichts scheint immer weiter vorzurücken. Von der Jahrgangsstufe 3 wird er zunehmend auf die Jahrgangsstufe 1 vorverlegt, und die Zahl der vorschulischen Einrichtungen mit Fremdsprachenangebot nimmt zu.
- Die Ausbildung von Sprachbewusstheit nimmt zunehmend größeren Raum ein. Phonologischer Bewusstheit kommt immer mehr Aufmerksamkeit zu, um die frühe Empfänglichkeit für sprachspezifische Lautmuster nutzen und die Aussprache der Lernenden verbessern zu können. Die Förderung grammatikalischer Bewusstheit rückt in den Vordergrund, um z. B. den Einsatz vorformulierter Versatzstücke sinnvoll ergänzen zu können.
- Die Vermittlung der Schriftform wird verstärkt als notwendig zu Beginn des Fremdsprachenunterrichts angesehen, denn ausgedehnte mündliche Anfangsphasen scheinen den Weg für negativen orthographischen Transfer und Motivationsverlust zu ebnen.
Diese Entwicklungen sind sowohl für die Fremdsprachenforschung als auch für Hochschulen und Studienseminare eine enorme Herausforderung: Wie können fremde Sprachen sehr jungen Lernenden vermittelt werden? Welche Kompetenzen können bzw. sollen am Ende der Grundschulzeit erreicht sein? Wie lässt sich der Übergang von der Primarstufe zu weiterführenden Schulen gestalten?
Diese Arbeitsgemeinschaft dient der Vorstellung aktueller empirischer Forschungsergebnisse aus den genannten Bereichen. Abstracts zu weiteren Schwerpunkten sind jedoch ebenso willkommen.
Zeitlicher Ablauf
Donnerstag, 1. Oktober 2009: |
| 16:30 – 17:00 |
Sylvie Meron-Minuth: Kommunikationsstrategien von Lernenden im Französischunterricht der Grundschule - Eine vierjährige Longitudinalstudie zu lernersprachlichen Äußerungen |
| 17:00 – 17:30 |
Constanze Weth: Die Nutzung von Schrift als Chance im frühen Fremdsprachenunterricht |
| 17:30 – 18:00 |
Johanna Hochstetter: Der Einsatz von Beobachtungsbögen im Englischunterricht der Grundschule |
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Freitag, 2. Oktober 2009: |
| 16:30 – 17:00 |
Almud Stärk: Unterrichten mit Geschichten - ein Modell zur Unterrichtsplanung mit narrativen Formen im Englischunterricht der Klassen 1 und 2 |
| 17:00 – 17:30 |
Stefanie Frisch: Zum Umgang mit dem englischen Schriftbild im Englischunterricht der Grundschule |
| 17:30 – 18:00 |
Christina Bouwmeester: Problems of early foreign language learning in practice |
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Sylvie Meron-Minuth (Augsburg)
Kommunikationsstrategien von Lernenden im Französischunterricht der Grundschule - Eine vierjährige Longitudinalstudie zu lernersprachlichen Äußerungen
Donnerstag, 1. Oktober 2009, 16:30 – 17:00 Uhr
In meinem Vortrag werde ich die Ergebnisse meines Dissertationsprojektes präsentieren, das sich im institutionalisierten Kontext baden-württembergischer Grundschulen mit dem Erlernen einer neuen verpflichtenden Fremdsprache – hier: Französisch – zu Beginn der ersten Klasse beschäftigt hat. Im Zusammenhang der vierjährigen Longitudinalstudie wurde beobachtet und festgestellt, wie sich eine Gruppe von Grundschülerinnen und -schülern in einem immersiv angelegten Französischunterricht kommunikationsstrategisch einbringt und wie sie fremdsprachliche Äußerungen entsprechend ihrer Lernersprache auf dem Weg zu einer umfassenderen Zielsprachenkompetenz realisieren.
Es handelt sich hierbei um eine explorativ-deskriptive Studie, die mit dem ethnomethodologischen Ansatz der qualitativen Sprachlehrforschung gearbeitet hat. Sie gibt eine empirisch belegte Antwort auf die Frage nach Typen von Kommunikationsstrategien, die sich in der Lerngruppe während der Longitudinalstudie gezeigt haben. Besonderes Augenmerk galt der Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler, die bereits im Grundschulalter eine Fremdsprache lernen, die genannten Kommunikationsstrategien entwickelten, um sich an der unterrichtlichen Interaktion zu beteiligen.
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Constanze Weth (Freiburg)
Die Nutzung von Schrift als Chance im frühen Fremdsprachenunterricht
Donnerstag, 1. Oktober 2009, 17:00 – 17:30 Uhr
Der frühe Fremdsprachenunterricht (FSU) ist in den meisten Bundesländern bis zum Ende der Grundschule auf die mündlichen Fertigkeiten fokussiert. Dennoch wird im Klassenraum und im Unterricht auf eine bestimmte Art und Weise mit Schrift umgegangen: Im Klassenraum hängen oft Bilder, die die graphische Form von französischen Wörtern und Phrasen zusammen mit der bildlichen Darstellung des genannten Gegenstands abbilden. Ab der dritten Klasse wird (z.B. in Baden-Württemberg) die graphische Form von Wörtern eingeführt und die Kinder beginnen, Vokabeln zu lesen und abzuschreiben, sowie kleinere Texte zu lesen und Lückentexte zu vervollständigen. Eine Thematisierung der spezifischen Struktur der französischen Orthographie geschieht jedoch nicht. Infolgedessen geht der Schrifterwerb im FSU der Grundschule nicht über die logographische Stufe hinaus und unterstützt die Schüler nicht beim Entdecken der spezifischen orthographischen Struktur der Fremdsprache. Die geschriebene Form jeder Fremdsprache unterscheidet sich von der graphischen Repräsentation des Deutschen grundlegend. Wenn diese Unterschiede im Unterricht nicht sichtbar gemacht werden, kann das bei Kindern, die gerade erst beginnen, die Strukturen der deutschen Rechtschreibung zu entdecken, nur zur Verwirrung führen. Besonders schwächeren Schülern gelingt es infolge dessen bis zum Ende der vierten Klasse nicht, einen Bezug zwischen dem bekannten Lautbild eines Wortes mit dem entsprechenden Schriftbild herzustellen. In meinem Vortrag soll der beobachtete Umgang mit Schrift in Französischklassen (4. Klasse) vorgestellt werden, um anschließend Möglichkeiten zu zeigen, wie Schrift im Unterricht für den Fremdsprachenerwerb genutzt werden kann. Ziel des Vortrags ist zu zeigen, welche Strukturierungshilfe Schrift im frühen Fremdsprachenunterricht im Kontext von Mehrsprachigkeit leisten kann. Eine strukturierte Einführung von Schrift im FSU der Grundschule birgt bisher nicht genutzte Möglichkeiten: Durch den regelhaften Bezug zu phonologischen, morphologischen und syntaktischen Strukturen und deren stabiler Darstellung kann das Schriftbild phonologische und phonetische Unterschiede zwischen der deutschen Sprache und der Fremdsprache sichtbar machen und die Sprachwahrnehmung und -produktion des Fremdsprachenlerners unterstützen. Dies geschieht idealerweise sprachkontrastiv unter Einbeziehung der in der Klasse vertretenen Sprachen, da so auf das Strukturwissen der Schüler in der Erstsprache aufgebaut werden kann. Darüber hinaus bietet die Einführung einer weiteren Schriftsprache im Erstschreibunterricht die Möglichkeiten, die sprachenübergreifende Funktion von Orthographie zu entdecken: Schrift als ein sekundäres Zeichensystem, das sich in besonderer Weise auf die Lautung bezieht und vom kompetenten Leser entsprechend rekodiert wird.
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Johanna Hochstetter (Berlin)
Der Einsatz von Beobachtungsbögen im Englischunterricht der Grundschule
Donnerstag, 1. Oktober 2009, 17:30 – 18:00 Uhr
In den letzten Jahren hat eine flächendeckende Einführung von Fremdsprachen als Pflichtbereich in den Grundschulen der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden. Zu Beginn der Einführung sahen die Schulverwaltungen keine Bewertung oder Benotung des Faches vor. Ein einfacher Eintrag zur Teilnahme wurde in die Zeugnisse aufgenommen. Mit der Einführung einer Verpflichtung zur schriftlichen Beurteilung und/oder Benotung im Zeugnis entbrannte eine Debatte über Sinn und Unsinn von Notenzeugnissen für die Grundschule, die an vorangegangene Diskussionen anknüpft (vgl. z.B. Behr & Kierepka 2002, Bartnitzky & Christiani 1994, Benner & Ramseger 1985). Diese Debatte überlagert zum Teil die Diskussion darüber, welche Ziele ein früher Fremdsprachenunterricht verfolgt und wie Lernentwicklungen von Schülerinnen und Schülern durch Lehrkräfte systematisch erfasst und begleitet werden können. Für den Englischunterricht der Grundschule wird der Einsatz von Beobachtungsbögen diskutiert. Es gibt bisher erste Entwürfe für Beobachtungsbögen in der fachdidaktischen Literatur, mit denen mündliche Leistungen im Englischunterricht der Grundschule erhoben werden sollen (vgl. u.a. Hoffmann 2001; Mindt & Wagner 2007). Der Beitrag stellt Ergebnisse einer Studie „Zum Einsatz von Beobachtungsbögen im Englischunterricht der Klassen 1-4“ vor. Es handelt sich um Interview- und Gruppendiskussionsbeiträge von Lehrkräften, die Beobachtungsbögen im eigenen Unterricht einsetzten. Dabei wird die Bedeutung von Einstellungen zum systematischen Beobachten und zur Leistungsbeurteilung deutlich.
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Almud Stärk (Weingarten)
Unterrichten mit Geschichten - ein Modell zur Unterrichtsplanung mit narrativen Formen im Englischunterricht der Klassen 1 und 2
Freitag, 2. Oktober 2009, 16:30 – 17:00 Uhr
Das im Rahmen einer qualitativen Fallstudie entstandene Modell zur Unterrichtsplanung stellt das Kind in den Mittelpunkt des Planungsprozesses. Ausgehend von den Bedürfnissen des Grundschulkindes bietet der Einsatz narrativer Formen im Englischunterricht der Grundschule die Möglichkeit, in der Interaktion Kommunikationsstrategien zu trainieren und dabei - quasi auf dem Rücken der Handlung – Sprache zu erwerben. Es geht nicht wie beim „herkömmlichen“ Englischunterricht darum, Wortschatz und Grammatik in einer Geschichte verpackt darzubieten. Vielmehr sollen sich die Kinder an der Geschichte emotional beteiligen und so zu einem tiefer gehenden Umgang mit der Fremdsprache gelangen. Diese Auseinandersetzung dient nicht nur dem Spracherwerb, sondern stellt gleichzeitig einen ersten Schritt zur Entwicklung literarischer Kompetenz in der Fremdsprache dar. Das Planungsmodell gliedert sich in drei Entscheidungsfelder: Das narrative, das emotionale und das kommunikative Entscheidungsfeld. Diese drei Entscheidungsfelder werden für die Unterrichtsplanung mit Hilfe von Fragenkatalogen erschlossen. Auf diese Weise werden wichtige Elemente der Unterrichtsplanung miteinander verknüpft und gleichzeitig zu den kindlichen Bedürfnissen in Beziehung gesetzt. Das Modell ermöglicht eine auf die individuelle Zielgruppe abgestimmte Planung des Unterrichts mit narrativen Formen. Mein Vortrag stellt die Schritte der Unterrichtsplanung für den Englischunterricht in einer zweiten Klasse mit Hilfe des Modells an einer ausgewählten Geschichte vor.
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Stefanie Frisch (Wuppertal)
Zum Umgang mit dem englischen Schriftbild im Englischunterricht der Grundschule
Freitag, 2. Oktober 2009, 17:00 – 17:30 Uhr
Der Einsatz des Schriftbildes im Englischunterricht der Grundschule wurde in den letzten Jahren kontrovers diskutiert. Die Meinungen reichen von einem gänzlichen Ausklammern des Schriftbildes bis hin zu einer parallelen Alphabetisierung Deutsch – Englisch. In den jüngsten Publikationen wird eine Tendenz zu einem lernunterstützenden Einbezug der Schrift von Anfang an sichtbar. Bisher liegen jedoch nur wenige empirische Erkenntnisse über die Entwicklung des Lesens unter den Bedingungen des frühen Fremdsprachenlernens vor. Dies führt dazu, dass zum Beispiel Fragen zum geeigneten Umgang mit dem Schriftbild noch unbeantwortet bleiben. Eine Fragebogenstudie, die im Juni 2008 durchgeführt wurde und eine Analyse der aktuellen Lehrwerke ergab, dass derzeitig das Schriftbild vorwiegend nach der Ganzwortmethode eingeführt wird. Aus der Forschung zum Schriftspracherwerb ist jedoch bekannt, dass englische Muttersprachler Verbindungen zwischen Graphemen und Phonemen herstellen, um Wörter zu lesen und sich Wörter nicht als Bild einprägen. In diesem Beitrag werden erste Ergebnisse der LiPs Studie (Lesen im Englischunterricht der Primarstufe) vorgestellt, die seit Februar 2009 in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird. Das Ziel der Studie besteht unter anderem darin, den Einfluss von zwei unterschiedlichen Methoden auf das Leseverstehen und die Fähigkeit zur phonologischen Re-/Transkodierung von Zweitklässlern zu untersuchen. Eine Klasse wurde nach der Ganzwortmethode, die Parallelklasse nach einem phonics -basierten Ansatz unterrichtet.
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Christina Bouwmeester (Tübingen)
Problems of early foreign language learning in practice
Freitag, 2. Oktober 2009, 17:30 – 18:00 Uhr
In the last decades, Germany has been highly concerned about putting into practice the idea that language learning is more efficient and successful the earlier the learner starts his or her learning process. Though many studies from different areas of research seem to prove this point, my experiences as a teacher – thus a practice-orientated person –, however, do not always confirm these theoretical approaches. I would like to discuss several problems why theory and practical experience sometimes differ widely with regard to the benefits of early language learning. For this purpose, I will make reference to the current situation in Baden-Württemberg. First of all, it must be said that the introduction of “Grundschulenglisch” (English in primary school) was to some extent overhasty and not well thought out. The two basic consequences are that many teachers who are teaching English in primary school right now do not have a specific formation and lack knowledge both in the area of the English language itself and with regard to didactic knowledge about teaching English as a second language. The other direct consequence based on education policy is a missing homogeneity in the way the pupils are actually taught at primary school. There is an obligatory curriculum, but in many aspects, it is rather open to interpretation and, as both my questionnaires and my observations in the classroom show, in reality the language pedagogy of the respective primary school and primary school teacher can make a big difference. Additionally, this has inevitable consequences for teaching English at secondary school. To begin with, an enormous variety of skills is noticeable. This means then, on the one hand, that the teacher has to be very sensitive not to frustrate those whose knowledge is very basic, and on the other hand, that he or she finds a way of keeping up motivation for those who are used to a more complex learning environment. Furthermore, motivation is also a problem in general. The whole learning atmosphere at primary school is very different from the situation in a secondary school classroom. Of course, secondary school teachers are eager to motivate their pupils, too, but especially at the beginning, it is hard to motivate pupils whose lessons used to consist primarily of singing songs and playing games, whereas at once at secondary school they are supposed to write and learn words (which is another source of trouble, as some primary school teachers allow their pupils to write words according to how they are pronounced). Consequently, in the worst case this can lead to “fossilization”. But not only when it comes to writing, primary school education can have a negative impact, but especially in the area of phonetics/phonology and grammar, many pupils show a deficit. This is certainly not only due to the teachers, though I had to find out that a number of primary school teachers do have deficits themselves, but also because of the widespread idea that pupils at primary school should not be corrected in order to avoid discouragement, and since correction is often seen as “unnatural”. All in all, it should become obvious that there are still many problems in practice which reduce or even endanger the benefits of early foreign language learning.
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