23. DGFF-Kongress in Leipzig • 30. September bis 3. Oktober 2009
 
     
 
   Aktuelle Informationen
   Programm
   Plenarvorträge
   Sektionen
   Arbeitsgemeinschaften
   Nachwuchstagung
   Anmeldung
   Tagungsorganisation
   Tagungsort
   Anreise
   Unterkunft
   Stadt Leipzig
   Abendveranstaltung
 
Logo Der 23. DGFF-Kongress wird durchgeführt mit Unterstützung des Cornelsen Verlags.

Sektion 1: „Frühes Fremdsprachenlernen“

im Hörsaal 2

Markus Kötter, Münster (kotterm@uni-muenster.de)

Jutta Rymarczyk, Heidelberg (rymarczyk@ph-heidelberg.de)

Zeitlicher Ablauf

Frühes Fremdsprachenlernen ist jetzt seit rund einem halben Jahrzehnt fester Bestandteil des Fächerkanons in der Grundschule. Damit scheint es sich in mancher Hinsicht etabliert zu haben. Zugleich befinden sich viele seiner spezifischen Ausprägungen aber auch noch immer im Erprobungsstadium oder sind laufenden Veränderungen unterworfen, z.B.:

  • Der Beginn des Fremdsprachenunterrichts scheint immer weiter vorzurücken. Von der Jahrgangsstufe 3 wird er zunehmend auf die Jahrgangsstufe 1 vorverlegt, und die Zahl der vorschulischen Einrichtungen mit Fremdsprachenangebot nimmt zu.
  • Die Ausbildung von Sprachbewusstheit nimmt zunehmend größeren Raum ein. Phonologischer Bewusstheit kommt immer mehr Aufmerksamkeit zu, um die frühe Empfänglichkeit für sprachspezifische Lautmuster nutzen und die Aussprache der Lernenden verbessern zu können. Die Förderung grammatikalischer Bewusstheit rückt in den Vordergrund, um z. B. den Einsatz vorformulierter Versatzstücke sinnvoll ergänzen zu können.
  • Die Vermittlung der Schriftform wird verstärkt als notwendig zu Beginn des Fremdsprachenunterrichts angesehen, denn ausgedehnte mündliche Anfangsphasen scheinen den Weg für negativen orthographischen Transfer und Motivationsverlust zu ebnen.

Diese Entwicklungen sind sowohl für die Fremdsprachenforschung als auch für Hochschulen und Studienseminare eine enorme Herausforderung: Wie können fremde Sprachen sehr jungen Lernenden vermittelt werden? Welche Kompetenzen können bzw. sollen am Ende der Grundschulzeit erreicht sein? Wie lässt sich der Übergang von der Primarstufe zu weiterführenden Schulen gestalten? Diese Sektion dient der Vorstellung aktueller empirischer Forschungsergebnisse aus den genannten Bereichen.

Zeitlicher Ablauf

Donnerstag, 1. Oktober 2009:

11:30 – 12:30 Markus Kötter: Lern(er)biographien im Frühbeginn: Fallbeispiele aus der Begleitforschung von Englischunterricht in Klasse 3 und 4
14:00 – 15:00 Bärbel Diehr: Mark their words. Ergebnisse der TAPS-Studie und ihre Bedeutung für die Weiterentwicklung des Englischunterrichts in der Grundschule
15:00 – 16:00 Bettina Imgrund: Lehrerseitige Unterstützungsmaßnahmen beim Erwerb der Kompetenz Sprechen im Französischunterricht für Anfänger/innen
   

Freitag, 2. Oktober 2009:

10:00 – 11:00 Dieter Mindt und Gudrun Wagner: Bewusstmachung und Schriftbild im Englischunterricht der Klassen 1 und 2
11:30 – 12:30 Helga Haudeck und Götz Schwab: Merkmale bedeutungsvoller Interaktion im frühen Fremdsprachenunterricht
   

Samstag, 3. Oktober 2009:

9:00-10:00 Michaela Sambanis: Neurowissenschaftliche Reflexionen zum Fremdsprachenunterricht in der Grundschule
10:00-11:00 Daniela Elsner und Jörg Keßler: Bilinguales Lernen im Elementar- und Primarbereich: Begleitforschung des offenen Immersionsunterrichts am Beispiel der Zukunftsschule Flachsland, Hamburg
   
Die Sektion 1 wird fortgeführt mit Vorträgen in der AG 1

nach oben

Markus Kötter (Münster)

Lern(er)biographien im Frühbeginn: Fallbeispiele aus der Begleitforschung von Englischunterricht in Klasse 3 und 4

Donnerstag, 1. Oktober 2009, 11:30 – 12:30 Uhr

Hatte Piepho dem frühbeginnenden Fremdsprachenunterricht (FFU) in Deutschland 2003 noch "jede empirische Basis für die [...] Angebote von Lehrwerken und Anforderungen der Richtlinien" abgesprochen, so wurden seitdem speziell im Rahmen der FFF-Tagungen diverse Projekte vorgestellt, von denen Ansätze zum Schließen dieser Lücke zu erwarten sind (vgl. auch die von Schlüter (2006) und Böttger (2008) edierten Tagungsbände). Trotz des inzwischen auch unter Didaktikern wiedererwachten Interesses am Frühbeginn wurden Fragen nach den Fortschritten, die individuelle Lerner qua Teilnahme am FFU gemacht haben und nach den spezifischen Lernwegen, welche diese Schüler beschritten haben, bislang jedoch kaum in nennenswerter Ausführlichkeit thematisiert. Ein Kernanliegen dieses Vortrags ist es, an Hand von zwei Jahre lang im Abstand von ca. einem Monat angefertigten Mitschnitten von FFU in Klasse 3 und 4 Lern(er)biographien zu erstellen, die es erlauben nachzuvollziehen, warum sich diese Schülerinnen und Schüler in der skizzierten Weise entwickelt haben, das heißt u.a.,

•  warum sie sich häufiger oder seltener am FFU beteiligt haben;

•  wann sie dabei Beiträge welcher sprachlichen und inhaltlichen Komplexität zum Unterricht beigesteuert haben;

•  wie sie nach ihrer eigenen Wahrnehmung im Verlaufe dieser zwei Jahre Englisch gelernt haben.

Zugleich soll gerade durch die referierte Heterogenität noch einmal besonders gezeigt werden, welche Desiderata an die Weiterentwicklung von FFU auf der Primarstufe (fort)bestehen und welche Forderungen es nach wie vor an die Sekundarstufe zu richten gilt.

Literatur:

Böttger, H. (Hrsg.) (2008). Fortschritte im frühen Fremdsprachenlernen. Ausgewählte Tagungsbeiträge Nürnberg 2007 . München: Domino.

Piepho, H.-E. (2003). "Fremdsprachliches Wachstum im Englischunterricht auf der Grundschule durch langfristige Ziele und Planungen." Vortrag gehalten auf der 2. Bundesweiten Netzwerk-Konferenz: Abschlussprofile und Leistungsfeststellungen im Fremdsprachenunterricht der Grundschule . Erfurt, 03.-05. September 2003.

Schlüter, N. (Hrsg.). Fortschritte im Frühen Fremdsprachenlernen. Weingarten 2004 . Berlin: Cornelsen.

nach oben

Bärbel Diehr (Wuppertal)

Mark their words. Ergebnisse der TAPS-Studie und ihre Bedeutung für die Weiterentwicklung des Englischunterrichts in der Grundschule

Donnerstag, 1. Oktober 2009, 14:00 – 15:00 Uhr

Die Forderung, dass im Englischunterricht der Grundschule produktive Sprachäußerungen und sogar kohärente Diskurse im Mittelpunkt stehen sollen, ist weder neu noch strittig. Allerdings melden sich vermehrt Kritiker des frühen Fremdsprachenlernens zu Wort, die nicht nur Zweifel an der Umsetzbarkeit dieser Forderung, sondern an der Sinnhaftigkeit des frühen Englischunterrichts im Grundsätzlichen hegen. Schlagzeilen wie „Stoppt den Fremdsprachenunterricht an Grundschulen“ (DIE ZEIT 17.12.2008), „Effekt gleich null“ (SPIEGEL 19.01.2009) oder “Can you say ‚useless'?“ (FAZ 08.02.2009) haben in der Öffentlichkeit zu erheblicher Verunsicherung geführt. Zwar muss die so genannte Frühbeginn-Forschung immer noch als lückenhaft bezeichnet werden, dennoch liegen inzwischen Ergebnisse aus verschiedenen Studien vor, die eine empirisch begründete Zurückweisung der pauschalen Kritik am Grundschulenglisch erlauben.

Die TAPS-Forschung (Testing and Assessing Spoken English in Primary School) zeigt auf, dass das Potenzial von Englischlernern in der Grundschule bisher unterschätzt wurde und dass zunehmend produktives und kohärentes Sprechen erfolgreich entwickelt werden kann. Der Beitrag stellt Erkenntnisse aus empirisch gewonnenen Lernerdaten zusammen, die zwischen 2004 und 2008 erhoben wurden. Er unterstreicht die Auffassung, dass ein Ignorieren des Lernzuwachses im Grundschulenglisch vollkommen unangebracht ist und dass die Erkenntnisse der vorhandenen Studien in die aktuelle Diskussion um Bildungsstandards und Kompetenzniveaus einbezogen werden müssen.

nach oben

Bettina Imgrund (Zürich)

Lehrerseitige Unterstützungsmaßnahmen beim Erwerb der Kompetenz Sprechen im Französischunterricht für Anfänger/innen

Donnerstag, 1. Oktober 2009, 15:00 – 16:00 Uhr

Schweizweit ist die Vermessung des Sprachunterrichts ein sehr populäres Thema. Die Definition von Niveaus und produktorientierten Kompetenzen in Anlehnung an ein adaptiertes Kompetenzmodell des Europäischen Referenzrahmens soll dabei die Garantin für einen qualitativ hochwertigen Fremdsprachenunterricht sein. Diesem out-come orientierten Ansatz stehen im Fremdsprachenunterricht empirisch wenig gesicherte Lehr-Lernprozesse gegenüber (Lüdi, 2004).

Vordingliches Ziel des laufenden Dissertationsprojekts in der Französischdidaktik ist es deshalb, Lehr-Lernprozessqualitäten für Primarschüler/innen im fremdsprachlichen Anfangsunterricht Französisch zu erfassen (Klieme and Rakoczy 2008) sowie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Sozialformen im Fremdsprachenunterricht anzuregen. Perspektivisch möchte die Studie außerdem einen fachdidaktischen Beitrag zur Unterrichtsforschung leisten, welche das Erfassen von Prozessqualitäten als wichtige Voraussetzung für deren Implementierung und damit zum Erreichen von produktorientierten Kompetenzen versteht.

Gegenstand der Untersuchung sind demzufolge fachlich-basierte mündliche Unterrichtsinteraktionen in öffentlichen Unterrichtssituationen mit der zentralen Forschungsfrage: Wie werden Lernende beim Erwerb der Kompetenz Sprechen durch ihre Lehrkräfte unterstützt? (Dolz, 2008; Fasel Lauzon, Pochon-Berger, & Pekarek Doehler, 2008; Sambanis, 2007). Dabei sind folgende Fragen wegleitend:

- Inwiefern adaptieren Lehrkräfte ihr Lehrverhalten an bestimmte Lernphasen?

- Welches sprachliche und kognitive Anspruchsniveau intendieren ihre Lehreräußerungen?

- Inwiefern finden Lernervoraussetzungen bei der Erarbeitung und Entwicklung des Unterrichtsgegenstandes eine Berücksichtigung?

- Welche Rolle spielt die Lerngemeinschaft beim Erwerb der Kompetenz Sprechen?

- Welche unterrichts- und fachbezogen Merkmale nehmen Schüler/innen als Lernunterstützung beim Erwerb mündlicher Kompetenzen wahr?

Zur Bearbeitung der Fragen werden Videosequenzen aus insgesamt 24 videografierten Unterrichtslektionen, jeweils acht fokussierte Lehrer- und Schülerinterviews sowie Ergebnisse aus Lehrer- und Schülerfragebögen herangezogen. Der Vortrag gibt einen Einblick in den Forschungsstand zum Thema, erläutert die Organisation der Datenaufnahme und den methodischen Zugriff der Datenauswertung. Zu erwarten sind außerdem erste Forschungsergebnisse zur schülerseitigen Wahrnehmung von kompetenzunterstützenden Maßnahmen.

Literaturverzeichnis

Dolz, J. (2008). Forme scolaire, objet enseigné et formes sociales du travail de l'enseignement. Babylonia, 03, 41 - 45.

Fasel Lauzon, V., Pochon-Berger, E., & Pekarek Doehler, S. (2008). Le débat: dispositif d'enseignement ou forme interactive émergente. Babylonia, 03, 46 - 51.

Lüdi, G. (2004). Innovationsbedarf und Forschungsbedarf in der Sprachausbildung in der Schweiz. Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften, 3(26), 477 - 486.

Sambanis, M. (2007). Sprache aus Handeln. Englisch und Französisch in der Grundschule. Landau: Verlag Empirische Pädagogik.

Stöckli, G. (2004). Motivation im Fremdsprachenunterricht. Eine theoriegeleitete empirische Untersuchung in 5. und 6. Primarschulklassen mit Unterricht in Englisch und Französisch. Aarau: Sauerländer Verlag.

nach oben

Dieter Mindt und Gudrun Wagner (Berlin)

Bewusstmachung und Schriftbild im Englischunterricht der Klassen 1 und 2

 Freitag, 2. Oktober 2009, 10:00 – 11:00 Uhr

Der Vortrag stellt einen völlig neuen Ansatz vor. Er geht dabei vier Fragestellungen nach: (1) Ist es möglich, bewusstmachende Verfahren anzuwenden? (2) Bei welchen Sprachelementen können bewusstmachende Verfahren eingesetzt werden? (3) Welchen Beitrag zur Bewusstmachung leistet das Schriftbild? (4) Mit welcher Methodik wird das Schriftbild vermittelt?

•  Die Ergebnisse der Spracherwerbsforschung machen deutlich, dass Kinder dieses Alters über Fähigkeiten verfügen, die für den Einsatz bewusstmachender Verfahren erforderlich sind.

•  Bewusstmachende Verfahren kommen in Frage für grammatische Strukturen, große Bereiche der Wortbildung, die Einordnung von Wörtern in Bedeutungsfelder, das Lernen von abwandelbaren Redemitteln für Sprachfunktionen und das Lernen des englischen Schriftbildes.

•  Das Schriftbild gliedert den Lautstrom der Sprache in Wörter und Sätze. Es stellt ein Zeichensystem auf der visuellen Wahrnehmungsebene zur Verfügung, das die Grundlage für neue Einsichten in die Struktur der Sprache bereitstellt.

•  Methodik: Das Verhältnis von Phonemen zu Graphemen des Englischen dient der Heranführung an das Lesen mit analytischen Verfahren. Die Zuordnung von Phonemen zu Graphemen im Anlaut, Inlaut und Auslaut bildet die Grundlage für die Verwendung von Konsonantengerüsten. Es folgt der Einsatz von patchwords . Den Abschluss bilden ganze Wörter. Danach erfolgt die Heranführung an das Lesen mit synthetischen Verfahren. Abschließend wird auf das Schreiben eingegangen.

Der frühe Einsatz des Schriftbildes stützt sich methodisch auf Alphabetisierungsverfahren des Erstsprachenerwerbs. Die Kinder gelangen zu Einsichten über die Sprache, die ihnen bisher lange verborgen blieben. Das Sprachbewusstsein ( language awareness ) der Kinder wird systematisch erweitert. Den Kindern werden neue Wege eröffnet, das Lernen zu lernen.

nach oben

Helga Haudeck & Götz Schwab (Ludwigsburg)

Merkmale bedeutungsvoller Interaktion im frühen Fremdsprachenunterricht

Freitag, 2. Oktober 2009, 11:30 – 12:30 Uhr

Erfolgreicher früher Fremdsprachenunterricht basiert auf der sinnvollen und situativ eingebetteten Verbindung von Sprechen und Tun, die für den Lerner ein ganzheitliches und handlungsorientiertes Erlebnis darstellt. Was sich jedoch hinter dieser "bedeutungsvollen Interaktion" als multimodalem Unterrichtsgeschehen verbirgt, soll in diesem Beitrag konkretisiert werden.

Die Datenbasis entstammt einem Projekt der PH Ludwigsburg, in dem insgesamt 32 Englischstunden in einer Grundschulklasse während der ersten vier Schuljahre videographiert wurden. Mithilfe einer primär gesprächsanalytischen Vorgehensweise soll zunächst aufgezeigt werden, wie in einer 1. Klasse Verstehensprozesse im frühen Fremdsprachenunterricht kindgemäß und bedürfnisorientiert ermöglicht und gefördert werden können. Ob sich die auf diese Weise nachgezeichneten Merkmale auch in den sprachproduktiven Beiträgen der Lerner widerspiegeln, soll anschließend über die Analyse von Mitschnitten aus den Klassenstufen 3/4 beantwortet werden.

nach oben

Michaela Sambanis (Ulm)

Neurowissenschaftliche Reflexionen zum Fremdsprachenunterricht in der Grundschule

Samstag, 3. Oktober 2009, 9:00 – 10:00 Uhr

Der Beitrag reflektiert Prinzipien des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule im Licht neurowissenschaftlicher Erkenntnisse und setzt sie in Bezug zu Kernaussagen der Neurodidaktik. Ausgangspunkt bildet der ko-aktive Ansatz, ein Lehr- und Lernkonzept für den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule, das im Rahmen einer Studie im jahrgangshomogenen und jahrgangsheterogenen Unterricht in den Zielsprachen Englisch und Französisch entwickelt und erprobt wurde.

Die Referentin leitet an dem von Prof. M. Spitzer gegründeten Institut ZNL (Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen) ein polydisziplinäres Forscherteam, welches das Modell Bildungshaus 3-10 zur Verzahnung von Kindergarten und Grundschule wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Daneben ist die Referentin in der Fremdsprachenlehreraus- und -fortbildung an der PH Karlsruhe tätig, seit 2007 als Privatdozentin (Didaktik der englischen und der französischen Sprache).

nach oben

Daniela Elsner und Jörg Keßler (Ludwigsburg)

Bilinguales Lernen im Elementar- und Primarbereich: Begleitforschung des offenen Immersionsunterrichts am Beispiel der Zukunftsschule Flachsland, Hamburg

Samstag, 3. Oktober 2009, 10:00 – 11:00 Uhr

Seit dem 3. September 2008 ist es in Betrieb - „Hamburgs innovativstes Schulprojekt“. In der Flachsland Zukunftsschule in Ohlsdorf, Hamburg werden seit dem Schuljahr 2008/09 45 Kinder von einem Jahr bis zum Ende der Grundschulzeit in altersgemischten, bilingualen Gruppen betreut und unterrichtet. Bei voller Auslastung sollen 120 Schulkinder und 60 Krippen- und Elementarkinder dort einen Platz finden. Trotz fester Grundregeln und dem Hamburger Lehrplan konformer Unterrichtsinhalte ist die Mitbestimmung der Kinder an der Auswahl und Umsetzung der Lerninhalte ein zentrales Prinzip der Institution.

Nach dem Prinzip „one person - one language“ tragen deutsche und englischsprachige Pädagogen dafür Sorge, dass der Alltag in der Einrichtung zu 50 % in der englischen Sprache stattfindet. Während dies im Krippen- und Elementarbereich in Form spielerischen und entdeckenden Lernens erfolgreich praktiziert wird, werfen sich bei der Umsetzung des bilingualen Ansatzes im Grundschulbereich jedoch eine Ansammlung von Fragen und Herausforderungen für die Umsetzung des bilingualen Lernens auf: offener Unterrichtsansatz, der keinem strengen Stundentakt folgt; die Aufteilung des Tages in Projekt- und Kernkompetenzzeiten sowie frei wählbare Angebote verschiedener Arbeitsgemeinschaften.

Während der bilinguale Unterricht an teilimmersiven Schulen üblicherweise fachbezogen in der Fremdsprache abgehalten wird, ist eine solch „enge Struktur“ mit dem Erziehungsansatz in der Flachslandschule nicht vereinbar. Das wirft eine Reihe neuer Forschungsfragen auf, von denen in unserem Beitrag u. a. die folgenden diskutiert werden:

•  Wie ist der Lernfortschritt in der Fremdsprache Englisch bei Lernenden, die die Fremdsprache bislang ausschließlich im Rahmen der bilingualen Sachfachprojekte anwenden?

•  Wie wirkt sich die Alphabetisierung der Kinder von der ersten Klasse an auf ihren Lernfortschritt in der Fremdsprache Englisch und in der Muttersprache Deutsch aus im Vergleich zu denjenigen Kinder, die erst ab dem zweiten Jahr in der Fremdsprache alphabetisiert werden?

In unserem Beitrag stellen wir das bisher einmalige bilinguale Gesamtkonzept von Flachsland detailliert vor und erläutern die von uns durchgeführte Begleitforschung. Besonders das mehrstufige Untersuchungsverfahren (Querschnitts- und Längsschnittstudien zum L2-Erwerb; begleitende Lernentwicklungsdokumentation; Evaluation von bilingualen Lehrmaterialien; etc. werden in unserem Vortrag vorgestellt und mit ersten Daten unterfüttert.

Die Sektion 1 wird fortgeführt mit Vorträgen in der AG 1

nach oben

zurück