Das Literaturinstitut
und seine Geschichte
1955
Das erste Literaturinstitut in Leipzig wurde 1955 gegründet. 1958 erhielt es Hochschulstatus. Im Jahr darauf wurde ihm der Name des damaligen Kulturministers der DDR verliehen, so dass fortan vom »Johannes R. Becher-Institut« die Rede war.
In vier Studienrichtungen wurden hier fast 1000 Direkt- und Fernstudenten ausgebildet. Im Mittelpunkt standen die so genannten schöpferische Seminare für Lyrik, Prosa und Dramatik.
Der Lyriker Georg Maurer (1907-71), der von 1955 bis 1970 die schöpferischen Seminare leitete gilt als einer der wichtigsten Lehrer des Johannes R. Becher-Institutes. Nicht nur damalige Absolventen sind der Meinung, er habe einer ganzen Dichtergeneration wichtige Arbeitsimpulse verliehen. Der Lyriker Bernd Jentzsch schrieb 1971 über Maurer: »Ein zigarrenrauchendes Kind von vierundsechzig Jahren, in dem/die auf den Teppich fallende Asche philosophisch-poetische Blitze zündet.«
Zu den Studenten, die sich später als Schriftsteller einen Namen machten gehören unter anderen: Heinz Czechowski, Kurt Drawert, Adolf Endler, Ralph Giordano, Kerstin Hensel, Sarah Kirsch, Rainer Kirsch, Angela Krauß, Erich Loest, Dieter Mucke, Andreas Reimann, Gerti Tetzner, Fred Wander.
1990
Nach der Wende sollte das Literaturinstitut auf Beschluss des Freistaats Sachsen zum 31. Dezember 1990 aufgelöst werden. Daraufhin gab es Proteste von Studenten, namhaften Literaten und Publizisten, unter ihnen Hans Mayer und Walter Jens. Ehemalige Studenten erinnerten sich der Freiräume, die sie am Johannes R. Becher-Institut genossen hatten. So bezeichnete der Lyriker Bernd Rump das Literaturinstitut nicht »als Kaderschmiede der SED«, sondern als »Schule der Dissidenten«. Angela Krauß nannte es »einen Ort, an dem man frei reden und schreiben konnte«.
1995
Die Landesregierung musste neu über das Fortbestehen dieser »Schreibschule« nachdenken. Das Johannes R. Becher-Institut wurde in der Folge zwar zunächst aufgelöst, aber als zentrale Einrichtung der Universität Leipzig unter dem Namen »Deutsches Literaturinstitut Leipzig« wieder gegründet. Der Lehrbetrieb wurde 1995 wieder aufgenommen.
Unter dem Motto »Gottsched plus Beuys« setzte der Gründungsdirektor und Lyriker Bernd Jentzsch auf ein Miteinander von Tradition und Moderne. Bernd Jentzsch blieb Direktor bis 1999. Seither wechseln sich die Professoren des Instituts, Josef Haslinger, Michael Lentz und Hans-Ulrich Treichel, alle zwei Jahre in der Position des Direktors ab.
2005
Inzwischen hat das Deutsche Literaturinstitut Leipzig selbst sein 10jähriges Jubiläum hinter sich, das 2005 während der Leipziger Buchmesse ganz unprätentiös mit einem wissenschaftlichen Kongress, dem "1. Kongress für Literarisches Schreiben" gefeiert wurde, zu dem sich Lehrende und Lernende von Creative Writing Studiengängen aus ganz Europa und den USA in Leipzig zum Austausch trafen.
seit 2006
Im Zuge der Studienreform wurde der frühere künstlerische Diplom-Studiengang Literatur zum Wintersemester 2006 in einen Bachelor-Studiengang (B.A. Literarisches Schreiben) umgewandelt. Seit dem Wintersemester 2009 bietet das DLL außerdem ein zweijähriges Masterstudium in Form einer Romanwerkstatt an.
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