Film im Unterricht. Eigentlich nichts Neues. Seit Jahrzehnten wird der Film im Unterricht benutzt. Für die sachliche Bildung der Schüler. Aber:


Filmsprache als Unterrichtsfach?


Wir leben in einer von Medien bestimmten Wirklichkeit, in der die Grenzen zur Realität aufgehoben sind. In dieser Welt kann die Wirklichkeit nur der gewinnen, der fähig ist, einen eigenen Standort und eine eigene Sicht zu entwickeln. Er muss sehen können, er muss sehen lernen: die Filmsprache lernen.

Ein Unterrichtsfach für den Film? Vielleicht beim nächsten Generationswechsel der Kultusminister. Aber das scheint nach deutscher Erfahrung unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist die Neustruktuierung der Lehrpläne an deutschen Schulen. Schon lange vor der Pisa-Studie sprachen auch die Kultusminister von einem Bilderanalphabetismus (nicht nur) der heranwachsenden Generation. Das ist besonders in einer mediendominierten Welt kontraproduktiv für die Demokratie. Erst sprachen die Jünger der Medienpädagogik vom Schutz der Heranwachsenden, einer Art Bewahrpädagogik, jetzt sprechen sie, selbst von der Flut überrollt, von notwendiger Kompetenzvermittlung. Aber wie denn? Mit der Beseitigung medialen Oberflächenwissens über Schauspieler, Soaps und Sendezeiten hin zum Tiefenwissen über Kapitalanteile in der Medienbranche? Oder mit theorielastigem Unterricht über Einstellungen, Storyboard, Drehbücher und Schnitte hin zu „Was will uns der Regisseur damit sagen?“.


Wir am Institut für Politikwissenschaften der Universität Leipzig machen das anders. Wir vermitteln eine Unterrichtsdidaktik, die den Film auf zwei Ebenen einsetzt.

Einmal den Spielfilm. Um ihn im regulären Unterricht lehrplangerecht einsetzen zu können, muss er lehrplangerecht aufbereitet werden. Sein Einsatz darf den Rahmen einer 45-Minuten-Stunde nicht sprengen. Und vor allem soll der dort ansetzen, wo unser rational orientiertes Schulsystem sich meist verweigert - bei den Emotionen.

Zum anderen geht es um das selber machen, das narrative wieder zu beleben. Aber mit den Mitteln unseres Zeitalters, das heißt mit dem Film. Wie funktioniert Filmsprache? Wie baue ich eine Geschichte, ein Storyboard? Wie schreibe ich ein Drehbuch? Und das alles mit learning by doing.


(Das Pladoyer für das Filmemachen an der Schule wurde von Ulrich Burow und Uta Gullnick geschreiben)