Forschungsprojekte / Research Projects
Professur Allgemeine Psychologie I
Zeitliche Grundmechanismen kognitiver und perzeptiver Prozesse
Temporal mechanisms of cognitive and perceptual processes
Prof. Dr. H.-G. Geißler (
geissler@psychologie.uni-leipzig.de), Dr. R. Kompaß, Dr.
B. Altmann
Es werden allgemeine Gesetze diskreter zeitlicher Organisation
und spezifische aufgabenabhängige Strategien kognitiver und perzeptiver
Prozesse experimentell untersucht und mathematisch simuliert. Frau
Dr. Altmann nahm Untersuchungen zur Synchronisation von oszillatorischen
Komponenten des EEG in zeitlichen Antizipationsaufgaben auf.
Weiterführung: nein
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Untersuchungen zur Nutzung von struktureller Information über
Objektmengen bei visuellen Vergleichsanforderungen
Using of structural information of object sets for visual comparison
tasks
Prof. Dr. H.-G. Geißler (geissler@psychologie.uni-leipzig.de),
Dr. T. Lachmann
Die in früheren Untersuchungsphasen nachgewiesenen Gedächtnissuchprozesse
bei visuellen Vergleichsaufgaben wurden weiter untersucht. Es wurden
u.a. Häufigkeitseffekte nachgewiesen, die den Gruppencode-Charakter
der Objektrepräsentation im Gedächtnis belegen. Die Ergebnisse
wurden auf zwei internationalen Tagungen vorgestellt und mit großem
Interesse aufgenommen.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Elektrische Hirnpotentiale und dynamisches Gedächtnis
Human brain potentials and the dynamics of memory
Prof. Dr. H.-G. Geißler (geissler@psychologie.uni-leipzig.de)
EEG-Untersuchungen gemeinsam mit E. Basar; Lübeck, wurden 1997
abgeschlossen. Das in Leipzig bearbeitete Teilprojekt wurde im März
1999 abgeschlossen. Von besonderer Bedeutung sind Ergebnisse zur quantenhaften
Feingliederung der Zeitstruktur von Scheinbewegungen, die international
publiziert wurden.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG)
Invariante Zeitstrukturen in Bewegungswahrnehmung, Figurerkennung
und Gedächtnissuche
Temporal invariants in motion perception, shape recognition and memory
search
Prof. Dr. H.-G. Geißler (geissler@psychologie.uni-leipzig.de),
Prof. Dr. H. Müller
Die Genehmigung erfolgte zunächst auf 2 Jahre. Die Projektbearbeitung
wurde zum 01.07.1999 aufgenommen. Hauptbearbeiter: Dr. Raul Kompaß.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG)
Zeitverarbeitung bei der Tonhöhenwahrnehmung
Temporal mechanisms of pitch perception
PD Dr. C. Kaernbach (chris@rz.uni-leipzig.de)
Projekt im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms "Zeitverarbeitung
im zentralen auditiven System" zu den temporalen Mechanismen bei der
Tonhöhenwahrnehmung. Bearbeitungsbeginn September 1998. Erfolgreiche
Zwischenverteidigung im Dezember 1999.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG)
Frühe auditive Kodierung
Early auditory feature coding
PD Dr. C. Kaernbach (chris@rz.uni-leipzig.de)
Mit einer aufwendigen behavioralen Untersuchung werden diejenigen
Signalanteile ermittelt, die in einem auditiven Zufallssignal hörbare
Perzepte auslösen. Diese werden als Gegenpart der frühen
auditiven Kodierung interpretiert.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG)
Wirkung von Langzeiterfahrung auf präattentive auditive Verarbeitung
Effects of long-term experience on preattentive auditory processing
Prof. Dr. Erich Schröger ( schroger@rz.uni-leipzig.de
), PD Dr. Christian Kaernbach
In dem Forschungsprojekt werden die Wirkungen von Langzeiterfahrung
auf die präattentive sensorische Verarbeitung in der auditiven
Modalität mittels ereigniskorrelierter Gehirnpotentiale (EKP)
und evozierter Magnetfelder sowie mit Verhaltensmaßen untersucht
werden. Dabei werden in einer Serie von geplanten Experimenten die
Verarbeitungsleistungen von hochgradig trainierten "Experten" mit
denen von "Novizen" verglichen werden (z.B. Musiker vs. Nicht-Musiker;
Deutsch als Muttersprache vs. Deutsch als spät erlernte Zweitsprache).
In anderen Experimenten wird untersucht werden, inwiefern unterschiedliche
Arten von Reizmaterial (z.B. hoch eingeübtes Material wie sprachliche
Laute oder Musikalisches Material versus unvertraute künstliche
Tonkomplexe) in spezifischen Hirnarealen verarbeitet wird.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DAAD: "Förderung des projektbezogenenen
Personenaustauschs mit Finnland" aus Mitteln des Bundesministeriums
für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie)
Professur Allgemeine Psychologie II
Arbeitsgruppe "Aufmerksamkeit und kognitive Kontrolle"
Funktionale Architektur und Dynamik der Vermittlungsprozesse
zwischen präattentiver und attentiver visueller Verarbeitung
Functional architecture and dynamics of the processes mediating between
preattentive and attentional visual procesing
Prof. Dr. H.J. Müller (mueller@psy.uni-muenchen.de),
Prof. Dr. D. Heller (RWTH Aachen), Dr. J. Krummenacher (RWTH
Aachen) (2 WiMi, ½ BAT IIa), 1 StuHi
Das Projekt befaßt sich mit der Frage der funktionalen
Architektur und Dynamik der Prozesse, die zwischen präattentiver
und attentiver visueller Verarbeitung vermitteln. Die experimentellen
Arbeiten hierzu verwenden als Grundparadigma die visuelle Suche nach
sog. "Singleton"-Zielreizen, die in einer von mehreren möglichen
Stimulusdimensionen, wie z.B. Farbe, Orientierung, Bewegung, stereoskopische
Tiefe, definiert sind (Müller, Heller & Ziegler, 1995; Found
& Müller, 1996). (In der Singleton-Suche besteht Unsicherheit
hinsichtlich der Identität des Zielreizes, z.B. hinsichtlich
der Dimension, in der er sich von den Nichtzielreizen unterscheidet.)
Die Klärung der an der Suche "über Dimensionen hinweg"
beteiligten Prozesse verspricht neben dem grundlagenwissenschaftlichen
Erkenntnisgewinn zu wichtigen Prinzipien für die Gestaltung von
visuellen Displays in Mensch-Maschine-Systemen zu führen, die
eine rasche und präzise Zielreizentdeckung gewährleisten
(Anwendungsgebiet: kognitive Ergonomie).
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG)
Attentionale Modulation von dimensionspezifischen Inputprozessen
in das visuelle Arbeitsgedächtnis – eine kombinierte fMRI- und
Patientenstudie
Attentional modulation of dimension-specific input processes into
visual working memory – a combined fMRI and patient study
Prof. Dr. H.J. Müller (mueller@psy.uni-muenchen.de),
_Dr. S. Pollmann (MPI Neuropsychologie Leipzig), Prof. Dr.
D.Y. von Cramon (MPI Neuropsychologie Leipzig), R. Weidner (WiMi
½ BAT IIa/O), 1 StuHi.
Das Projekt befaßt sich mit den Gehirnmechanismen, die an der
attentionalen Dimensionsgewichtung in der sog. "Singleton"-Suche
beteiligt sind. (In der Singleton-Suche besteht Unsicherheit hinsichtlich
der Identität des Zielreizes, z.B. hinsichtlich der Dimension,
in der er sich von den Nichtzielreizen unterscheidet.) Während
das Konzept der Dimensionsgewichtung experimentalpsychologisch gut
fundiert ist (Müller, Heller & Ziegler, 1995; Found &
Müller, 1996; Pollmann, Weidner, Müller, & von Cramon,
2000), bleibt unklar, wie die attentionale Gewichtung im Gehirn realisiert
ist. Ziel des Projekts ist es, dieses Verständnisdefizit zu beheben,
und zwar durch die Ergänzung der experimentalpsychologischen
Arbeiten (siehe Projekt "Funktionale Architektur und Dynamik
der Vermittlungsprozesse zwischen präattentiver und attentiver
visueller Verarbeitung") durch funktionelle magnetresonanztomographische
(fMRI) Untersuchungen sowie neuropsychologische Untersuchungen mit
hirngeschädigten Patienten. (Anwendungsrelevanz: neuropsychologische
Diagnostik und Rehabilitation.)
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG Forschergruppe "Arbeitsgedächtnis"
am Zentrum für Kognitionswissenschaften der Universität
Leipzig)
Priming von Figur-Bindungsprozessen durch synchrone 40 Hz-Oszillation
figuraler Elemente
Priming of figure-binding processes through synchronous 40 Hz oscillation
of figural elements
Prof. Dr. H.J. Müller (mueller@psy.uni-muenchen.de),
PD Dr. A. Mecklinger (MPI Neuropsychologie Leipzig), Dr. M.A.
Elliott (WiMi, BAT IIa/O), 1 StuHi.
Das Projekt befaßt sich mit der Rolle temporaler Kodierungsmechanismen
bei der Erzeugung kohärenter figuraler "Objekt"-Repräsentationen
in der visuellen Wahrnehmung. Insbesondere wird die Hypothese der
"temporalen Bindung" durch Synchronisation objekt-bezogener
Merkmalsdetektoren mittels eines neuen psychophysischen Paradigmas
untersucht (Elliott & Müller, 1998, 1999a, 1999b, 2000; Elliott,
Becker, Boucart, & Müller, 2000; Elliott, Hermann, Mecklinger,
& Müller, 2000; Müller & Elliott, 1999): Der Versuchsperson
wird ein temporal moduliertes, reaktionsneutrales Prämaskendisplay
dargeboten, gefolgt von einem Display mit einer zu entdeckenden Zielreizfigur
("Kanizsa-quadrat"). Erscheint die Figur in einem Teil des
Displays mit vorher synchron oszillierenden Prämaskenelementen,
so ergibt sich ein Synchronizitätspriming-Effekt, d.h. beschleunigte
Zielreizentdeckung gegenüber einer Bedingung mit asynchonen Prämaskenelementen
- aber nur, wenn die Prämaskenelemente mit einer Wiederholungs-frequenz
von 40 Hz dargeboten werden. Dieser Befund unterstützt ein Modell
der präattentiven Figur-Grund-Segmentierung, das einen extern
induzierbaren 40 Hz-Mechanismus annimmt. Das Projekt untersucht die
Arbeitsweise sowie die neuronalen Grundlagen dieses Mechanismus unter
Verwendung experimentalpsychologischer sowie elektro-physiologischer
Methoden. (Anwendungsgebiet: kognitive Ergonomie).
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG Forschergruppe "Arbeitsgedächtnis"
am Zentrum für Kognitionswissenschaften der Universität
Leipzig)
Präattentive visuelle Repräsentation
Preattentive visual representation
Prof. Dr. H.J. Müller, e-mail: mueller@psy.uni-muenchen.de,
A. Busch (WiMi, ½ BAT IIa/O), 1 StuHi.
Das Projekt befaßt sich mit der Frage, welche Repräsentationen
der Objektgröße in der parallelen, d.h. das gesamte Sehfeld
umfassenden, frühen visuellen Verarbeitung generiert werden.
Im Detail untersucht das Projekt: ob eine global kohärente Repräsentation
von Tiefeninformation über das gesamte Display Voraussetzung
ist für die effektive Extraktion von Information scheinbarer
Größe für die dargebotenen Objekte; welche Rolle Objektattribute
(wie Helligkeitsgradienten, Schatten etc.) für die Entstehung
von Effekten scheinbarer Größe spielen; wie effizient Targets,
die durch retinale bzw. scheinbare Größe definiert sind,
entdeckt werden - zur Klärung der Frage, ob die Suche den Anforderungen
der Instruktion gemäß ("top-down") gesteuert
werden kann; ob zweidimensionale illusionäre Größenveränderungen
auf der paralellen Stufe verarbeitet werden und ob solche Illusionen
auf denselben Wahrnehmungsprozessen basieren, die scheinbare Größen-unterschiede
in der Wahrnehmung normaler visueller Szenen generieren. (Anwendungsrelevanz:
ergonomische Gestaltung von visuellen Displays in Mensch-Maschine-Systemen).
4 ja
5 Drittmittel (DFG)
Integration von visueller Form- und Bewegungsinformation
Integration of visual form and motion information
Prof. Dr. H.J. Müller (mueller@psy.uni-muenchen.de),
Dr. A. von Mühlenen
Das Projekt befaßt sich mit den Prozessen, die der perzeptuellen
Integration, oder "Bindung", von visueller Form- und Bewegungs-information
zugrunde liegen (wie erkennen wir die Form eines bewegten Objektes?)
(Müller & Maxwell, 1994; Müller & Found, 1996; Müller
& von Mühlenen, 1999; von Mühlenen, 1996; von Mühlenen
& Müller, 1999, 2000). Insbesondere geht es um die Untersuchung
der Frage, ob Formaspekte bewegter Objekte im Bewegungssystem kodiert
werden, oder ob Objektform in einem einheitlichen Formsystem verarbeitet
wird (unabhängig davon, ob das Objekt bewegt oder stationär
ist). Eine weitere Frage betrifft die Natur der Aufmerksamkeitsprozesse,
die die visuelle Wahrnehmung selektiv auf bewegte bzw. auf stationäre
Umweltobjekte einstellen. Auch die Ergebnisse dieser Untersuchungen
leisten einer Beitrag zur Gestaltung von visuellen Displays in Mensch-Maschine-Systemen
(Anwendungsgebiet: kognitive Ergonomie).
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
FG Kognitive Sozialpsychologie
Social Cognition
Implizite und explizite Bewertung der sozialen Kategorien "männlich"
und "weiblich".
Implicit and explicit evaluation of male and female gender
Prof. Dr. Gernot von Collani (collani@rz.uni-leipzig.de)
Bei der Bewertung der Geschlechter scheint in den letzten Jahren
ein Wandel in Richtung auf eine zunehmend egalitäre Einstellung
stattgefunden zu haben. Dies legen zumindest Ergebnisse aus Meinungsbefragungen
und Einstellungsmessungen nahe, die verbale Verfahren zur expliziten
Bewertungen der Geschlechter verwenden. Es gibt jedoch Hinweise dafür,
daß die impliziten Einstellungen gegenüber Männern
immer noch generell positiver sind als gegenüber Frauen. Mit
einer neu entwickelten Methode zur Erfassung impliziter Einstellungen,
dem 'Implicit Association Test' (IAT) wird mit Reaktionszeitmessung
untersucht, ob das soziale Stereotyp 'weiblich' eher mit weniger positiven
Eigenschaften, das Stereotyp 'männlich' dagegen eher mit positiven
Eigenschaften assoziiert ist. Die Ergebnisse bestätigen diese
Zusammenhänge sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen
Probanden. Gleichzeitig scheinen diese impliziten Einstellungen nur
geringe bis keine Zusammenhänge zur expliziten Fragebogenmaßen
(Geschlechtsrollenorientierung, typisch männliche vs. typisch
weibliche Selbstbeschreibung) zusammenzuhängen.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Evaluatives Priming von Einstellungen und EKP-Aktivität
Affective priming and ERP-activity
Prof. Dr. Gernot v. Collani (collani@rz.uni-leipzig.de),
Thomas Jacobsen, Erich Schröger (gemeinsam mit FG Biologische
Psychologie)
Das Projekt befaßt sich mit der automatischen Aktivierung von
Einstellungen durch evaluatives Priming nach dem Paradigma von Fazio
et al. sowie Bargh et al. In einer evaluativen Entscheidungsaufgabe
muss auf ein kurzzeitig (700 ms) auf dem Bildschirm dargebotenes target
(Adjektive) eine von zwei Antworttasten gedrückt werden, nachdem
ein kurzzeitig dargebotenes Wort (Substantiv) unmittelbar vorher als
prime erschienen ist. Parallel zur Messung der Reaktionszeit erfolgt
- erstmalig bei diesem experimentellen Paradigma - die Ableitung evozierter,
ereigniskorrelierter Potentiale. Die Ergebisse zeigen bei evaluativ
konsistenten prime/target-Paaren (positiver prime / positives target)
eine relative Reaktionserleichterung (kürzere Entscheidungszeiten).
Auch im EKP-Muster finden sich entsprechende Unterschiede zwischen
evaluativ konsistenten und inkonsistenten prime / target - Kombinationen
sowie zwischen positiven und negativen Targetreizen.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Erstellung einer deutschsprachigen Skala zum Konstrukt "Need
for Cognitive Closure" (NFCC)
Developing a German scale of the construct 'Need for Cognitive
Closure'
Prof. Dr. Gernot v. Collani (collani@rz.uni-leipzig.de)
Das Konstrukt 'Need for Cognitive Closure' beschreibt individuelle
Unterschiede bei der sozialen Informationsverarbeitung und Urteilsbildung
(persuasive Kommunikation, soziale Stereotype, Attributionsprozesse).
Es charakterisiert das spezielle kognitive Bedürfnis von Personen,
möglichst schnell ohne großes Abwägen zu einer eindeutigen
Antwort auf komplexe soziale Sachverhalte zu kommen und Ambiguität
und Unentschlossenheit zu vermeiden. Angenommen wird dabei, daß
es sich um ein einheitliches Konstrukt handelt mit mehreren faktorenanalytisch
unabhängigen Facetten wie Bedürfnis nach Regelhaftigkeit
und Ordnung, Vorhersehbarkeit, Entschiedenheit und Engstirnigkeit.
Dagegen fanden wir auf dimensionsanalytischem Wege (explorative und
konfirmatorische Faktorenanalysen) Belege für eine sparsamere
und prägnantere Konzeptualisierung des Konstrukts mit zwei (geringfügig
korrelierenden) aber hoch reliablen Faktoren, nämlich Bedürfnis
nach Regelhaftigkeit, Struktur, Ordnung, Vorhersagbarkeit einerseits
sowie Entschiedenheit des Urteils andererseits. Diese zwei Faktoren
korrelierten hoch mit Konstrukten wie Rigidität, Ambiguitätsintoleranz,
Mangel an Offenheit für Erfahrungen sowie mit dem Lebensalter
bzw. mit Handlungsorientierung andererseits.
Weiterführung: Nein
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Kognitive und soziale Beeinflussung von Zeugenerinnerungen
Cognitive and social factors influencing eyewitness testimony
Dr. Hartmut Blank
Das Erinnerungsvermögen von Zeugen unterliegt einer Reihe von
möglicherweise verzerrenden Einflüssen. Dazu gehört
u.a. der Einfluß falscher Zusatzinformationen, die irgendwann
nach dem beobachteten Ereignis enkodiert werden. Ein integrativer
Ansatz zur Beeinflußbarkeit von Zeugenerinnerungen (Blank, 1998)
hebt hier vor allem auf den Einfluß von situativen Faktoren
beim Abruf der enkodierten Information ab (so soll z.B. nach situativen
Determinanten von Quellenfehlattributionen gesucht werden). Der Vorteil
dieses Ansatzes liegt darin, daß sich daraus evtl. optimistischere
Perspektiven für die Verbesserung von Zeugenaussagen ergeben
als aus Erklärungsansätzen, die irreversible Gedächtnisveränderungen
postulieren. Weitere mögliche Verzerrungen von Zeugenaussagen
könnten entstehen durch soziale Einflüsse während der
Befragungssituation (z.B. soziale Aktivierung durch die Anwesenheit
von Autoritätspersonen) oder bestimmte Formen der Gestaltung
polizeilicher Gegenüberstellungen.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Interferenz bei kategorisiertem und nicht kategorisiertem Wortmaterial
Inferences observed in categorically ordered and unordered
verbal material
Dr. Hartmut Blank
Interferenz meint die Beeinträchtigung der Erinnerung an etwas
Gelerntes, wenn vorher oder nachher etwas Ähnliches gelernt wurde.
Meist wurde Interferenz mit relativ künstlichem Material untersucht
(Bsp. Wortpaare der Art "zat-schief" in Liste 1 und "zat-schnell"
in Liste 2). In der natürlichen Sprache sind aber sinnvolle Beziehung
zwischen Wörtern die Regel. In Abwandlung klassischer Designs
wurden deshalb kategorisierte Wortpaare verwendet (z.B. "Obst-Birne"
in Liste 1 und "Obst-Pflaume" in Liste 2). Es zeigt sich,
daß bei kategorisiertem Material praktisch keine Interferenz
auftritt.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Untersuchungen zur politischen Erinnerung im Zusammenhang mit
der Landtagswahl 2000 in Nordrhein-Westfalen
Investigations on political memory for the results of a federal
election in Northrhine-Westfalia in 2000.
Dr. Volkhard Fischer (Hannover), Dr. Edgar Erdfelder (Bonn), Dr.
Hartmut Blank
Im Anschluß an eine frühere Untersuchung bei der Bundestagswahl
1998 wurde geprüft, ob der sog. Rückschaufehler (Anpassung
der Erinnerung an das tatsächlich eingetretene Ergebnis) auch
in einem experimentellen Design nachgewiesen werden kann, in dem eine
Hälfte der Personen kurz vor der Wahl und die andere kurz nach
der Wahl ihre ursprünglichen Prognosen (vom Februar 2000) erinnert.
Es konnte nachgewiesen werden, daß der Rückschaufehler
tatsächlich auftrat, und zwar in gleicher Höhe wie in der
früheren Untersuchung zur Bundestagwahl 1998.
Weiterführung: Folgeuntersuchung bei den Landtagswahlen
2001 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Professur Biologische Psychologie
Biological Psychology
Entstehung und Modulation "obligatorischer" Prozesse in der frühen
visuellen Informationsverarbeitung
Establishment and modulation of obligatory processes in early
vision
PD Dr. Cristina Meinecke (LMU München) ( meinecke@psy.uni-muenchen.de
), Prof. Dr. Erich Schröger ( schroger@rz.uni-leipzig.de
), Dr. Martin Eimer (Birkbeck-College, UK), Dr. Anna Schubö,
1 Studentische Hilfskraft
Im Rahmen einer DFG-Forschergruppe zum Thema "Wahrnehmungsplastizität"
wird untersucht, ob und inwiefern die Segmentierung des visuellen
Inputs (ein relativ früh lokalisierter Prozeß) aufgabenabhängig
modulierbar ist. Damit soll festgestellt werden inwiefern vermeintlich
fest "verdrahtete" Prozesse früher visueller Informationsverarbeitung
durch intentionale Prozesse einer Veränderung zugänglich
sind bzw. inwiefern diese "Verdrahtung" erst durch kognitive Prozesse
geleistet werden kann.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG)
Integration und Segregation von Information bei der Verarbeitung
auditiver Reize
Integration and segregation of information in auditory processing
Prof. Dr. Erich Schröger ( schroger@rz.uni-leipzig.de
), Dipl. Psych. Andreas Widmann, 2 Studentische Hilfskräfte
Ziel des Projekts ist es, Prozesse der Integration und Segregation
zeitlich, spektral und räumlich strukturierter auditiver Information
vorwiegend mittels elektro-physiologischer Indikatoren zu untersuchen.
In der einen Fragestellung dieses Projekts sollen dabei präattentiv
ablaufende Prozesse erforscht werden, die Grouping- und Streaming-Phänomenen
zugrunde liegen. Es geht also um die automatsich ablaufende Organisation
des akustischen Inputs in durch das auditorische System geschaffene
Entitäten, die die informationale Grundlage für weitere
Verarbeitungsprozesse bilden. Verhaltensuntersuchungen zu dieser unter
das Gebiet der auditorischen Szeneanalyse fallenden Thematik sind
relativ neu, elektrophysiologische Untersuchungen haben gerade erst
begonnen. Nachdem räumliche Information eine zentrale Rolle bei
der Organisation der akustischen Umwelt spielt, soll in der zweiten
Fragestellung dieses Projekts speziell auf die beim binauralen räumlichen
Hören stattfindenden kortikale Prozesse eingegangen werden.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG: im Rahmen des DFG- Schwerpunktprogramms
"Zeitgebundene Informationsverarbeitung im zentralen auditorischen
System", Sprecher: Prof. Dr. Rudolf Rübsamen)
Auditives sensorisches Gedächtnis als informationale Basis
des Arbeitsgedächtnisses
Auditory snesory memory as informational basis for working memory
Prof. Dr. Erich Schröger ( schroger@rz.uni-leipzig.de
), Dipl. Psych. Stefan Berti, 2 Studentische Hilfskräfte
Ziel des Projekts ist es, die Grundlagen des präattentiven auditiven
sensorischen Gedächtnisses und dessen Bedeutung für das
Arbeitsgedächtnisses zu untersuchen. Innerhalb der ersten und
zweiten Fragestellung wird den bottom-up bzw. top-down Einflüssen
von sensorischem Gedächtnis und Arbeitsgedächtnis nachgegangen,
die nützlich im Sinne der Aufgabenstellung sind. Das heißt,
es werden auf der einen Seite Aspekte des sensorischen Gedächtnisses
untersucht, die vermutlich die informationale Basis für Prozesse
des Arbeitsgedächtnisses konstituieren (bottom-up). Auf der anderen
Seite werden die im Sinne der Aufgabenstellung zielführenden
aufgabenabhängigen Modulationen des sensorischen Gedächtnisses
bzw. der "obligatorischen" Verarbeitung erforscht (top-down). Im Rahmen
der dritten Fragestellung wird hingegen gefragt, ob und inwiefern
Prozesse des sensorischen Gedächtnisses (obligatorische Verarbeitung)
die Prozesse des Arbeitsgedächtnisses beeinträchtigen können.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG: im Rahmen der DFG-Forschergruppe
"Arbeitsgedächtnis")
Wirkung von Langzeiterfahrung auf präattentive auditive Verarbeitung
Effects of long-term experience on preattentive auditory processing
Prof. Dr. Erich Schröger ( schroger@rz.uni-leipzig.de
), PD Dr. Christian Kaernbach
In dem Forschungsprojekt werden die Wirkungen von Langzeiterfahrung
auf die präattentive sensorische Verarbeitung in der auditiven
Modalität mittels ereigniskorrelierter Gehirnpotentiale (EKP)
und evozierter Magnetfelder sowie mit Verhaltensmaßen untersucht
werden. Dabei werden in einer Serie von geplanten Experimenten die
Verarbeitungsleistungen von hochgradig trainierten "Experten" mit
denen von "Novizen" verglichen werden (z.B. Musiker vs. Nicht-Musiker;
Deutsch als Muttersprache vs. Deutsch als spät erlernte Zweitsprache).
In anderen Experimenten wird untersucht werden, inwiefern unterschiedliche
Arten von Reizmaterial (z.B. hoch eingeübtes Material wie sprachliche
Laute oder Musikalisches Material versus unvertraute künstliche
Tonkomplexe) in spezifischen Hirnarealen verarbeitet wird.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DAAD: "Förderung des projektbezogenenen
Personenaustauschs mit Finnland" aus Mitteln des Bundesministeriums
für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie)
Wirkung von Langzeiterfahrung auf präattentive auditive Verarbeitung
Effects of long-term experience on preattentive auditory processing
Prof. Dr. Erich Schröger ( schroger@rz.uni-leipzig.de
), Dr. Thomas Jacobsen
In dem Forschungsprojekt wird aufmerksamkeitsunabhängige auditive
Merkmalsverarbeitung untersucht. Im Bereich der Sprachverarbeitung
wurde der Aspekt der automatischen Verarbeitung in Abhängigkeit
der Vorerfahrung mit der Sprache als Muttersprache bzw. ohne Vorerfahrung
untersucht.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DAAD: "Förderung des projektbezogenen
Personenaustauschs mit Ungarn" aus Mitteln des Bundesministeriums
für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie)
Rehearsal-Prozesse im Arbeitsgedächtnis und EEG-Kohärenz
Rehearsal in working memory and EEG-coherence
Prof. Dr. Erich Schröger (schroger@rz.uni-leipzig.de),
Dr. Sigrid Lipka, Dipl.-Psych. Franziska Kopp, 1 Studentische Hilfskraft
Eine zentrale Funktion des Arbeitsgedächtnisses besteht darin,
Informationen kurzfristig zu behalten und zu verarbeiten. Nach dem
weithin anerkannten Modell von Baddeley (1999) wird diese Funktion
durch ein System, bestehend aus einer zentralen Steuerinstanz sowie
modalitätsspezifischen Speichersystemen und Rehearsal-Mechanismen,
erfüllt. Neurophysiologische Parameter dieses Rehearsal-Prozesses
– speziell zeitliche Charakteristika – sind bisher nur wenig untersucht
worden. Mit Hilfe der Ableitung hirnelektrischer Signale (EEG) und
einer speziellen frequenzanalytischen Auswertung (Kohärenzanalyse),
die den Grad von Synchronisationen zwischen den Ableiteorten bestimmt,
sollen funktionelle Merkmale von verbalen Rehearsal-Prozessen bestimmt
werden.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (DFG)
Dozentur Methoden der Psychologie
Psychological Methods
Kooperation von Hirnregionen als Funktion von Aufgabenkomplexität
und Aufgabenschwierigkeit : EEG-Kohärenzanalyse
Cooperation of brain regions as a function of task complexity and
task difficulty: EEG coherence analysis
Doz. Dr. Erdmute Sommerfeld (sommerf@uni-leipzig.de),
½ studentische Hilfskraft
Das Projekt befaßt sich mit der Frage nach Parametern, die
Änderungen im kognitiven Aufwand für Prozesse der exekutiven
Kontrolle im Arbeitsgedächtnis beim Vergleich relationaler Information
mit einer eingelernten linearen Ordnung anzeigen. Es werden Experimente
zur Dissoziation von Operationen der exekutiven Kontrolle, des aktiven
Behaltens und der Suche durchgeführt. In Kombination mit einer
Analyse von Verhaltensdaten wird dabei die Änderung der synchronen
Aktivität von Hirnarealen als Funktion der Komplexität und
der Schwierigkeit der kognitiven Anforderung analysiert. Die Messung
von Unterschieden im dafür modellmäßig berechneten
kognitiven Aufwand erfolgt durch die Bestimmung von Kohärenzen
im EEG auf der Basis hochauflösender adaptiver Auswertstrategien
neurophysiologischer Signale nach dem Verfahren von Schack et al.
(1995, 1999). Die Ergebnisse der Untersuchungen schaffen die Möglichkeit
der Differenzierung und Messung geistiger Leistungen auf der Basis
mentaler Parameter und könnten eine Grundlage für neuartige
Verfahren zur Messung von Intelligenz sein.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
Kooperation von Hirnregionen als Funktion kognitiven Trainings:
EEG-Kohärenzanalyse
Cooperation of brain regions as a function of cognitive training:
EEG coherence analysis
Doz. Dr. Erdmute Sommerfeld (sommerf@rz.uni-leipzig.de),
Dipl.-Psych Andrea Simmel, ½ studentische Hilfskraft
Gegenstand des Projektes sind Untersuchungen zur Bestimmung von Parametern,
die eine trainingsabhängige Reduktion des kognitiven Aufwands
für kontrollierte Prozesse anzeigen. In Kombination mit einer
Analyse von Verhaltensdaten wird die trainingsabhängige Änderung
der synchronen Aktivität von Hirnarealen analysiert. Dazu werden
EEG-Kohärenzen in unterschiedlichen Frequenzbereichen mit dem
Verfahren von Schack et al. (1995, 1999) berechnet. Mit diesen Untersuchungen
wird ein Beitrag zur Aufklärung von Vereinfachungen kognitiver
Prozesse im Denken geleistet. Dabei erzielte Ergebnisse könnten
eine Grundlage für die Beurteilung des Erfolgs einer Lehr- oder
Trainingsmethode auf der Grundlage mentaler Parameter bilden.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Haushaltfinanzierte Forschung
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