Forschungsprojekte / Research Projects
Geschichte der Juden im 19. und 20. Jahrhundert
History of the Jews in the 19th and 20th century
Prof. Dr. Dan Diner ( hammer@dubnow.de ), Markus Kirchoff M.A.
Das Forschungsprojekt sucht jüdische Geschichte neu zu interpretieren
und sie in universalhistorischer Absicht als Historie von Juden dem
Korpus allgemeiner Geschichte zu integrieren. Solche universelle Kontextuierung
erlaubt die Erfahrungsgeschichte von Juden als Indikator und Seismograph
der großen historischen Entwicklungen des 19. wie des 20. Jahrhunderts
zu verstehen. Schließlich zeichnet sich am jüdischen Schicksal
die Dialektik der Moderne von der Emanzipation bis zur Katastrophe
der Vernichtung in besonders dramatischer Weise ab. Es gilt also,
den jüdischen "Text" als spezifische und von Juden
gemachte Erfahrung in den Kontext der universellen historischen Zeitbewegung
hinein zu versetzen. Dies soll anhand der zentralen Achse der Migration
erfolgen.
Geplant ist eine zweibändige Veröffentlichung der Forschungsergebnisse.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst)
Editionsprojekt: Simon Dubnow "Buch des Lebens. Erinnerungen
und Gedanken. Materialien zur Geschichte meiner Zeit"
German edition of Simon DubnowÆs "The Book of my life. Materials
for a history of my time." [in Russian]
Dr. Verena Dohrn ( hammer@dubnow.de )
Geplant ist eine dreibändige textkritische Edition der Erinnerungen
Simon Dubnows (1860-1941) nach der russischen Ausgabe Viktor E. KelÆners
(St. Petersburg 1999). Simon Dubnow ist nicht nur einer der ersten
und bekanntesten Forscher auf dem Gebiet der russisch-jüdischen
Geschichte und Verfasser einer zehnbändigen "Weltgeschichte
des jüdischen Volkes", sondern zugleich auch Namensgeber
des Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der
Universität Leipzig. Mehr noch als seine Geschichtswerke geben
Dubnows
Lebenserinnerungen den Blick auf die Brüche und Widersprüche
in seinem politischen Denken und Handeln frei. Dubnow erscheint darin
nicht nur als Historiker und geistiger Vorkämpfer eines nationalen
jüdischen Selbstbewußtseins, sondern außerdem als
aufmerksamer Zeitzeuge von Erstem Weltkrieg, Russischer Revolution,
Stalinismus und aufkommendem Nationalsozialismus.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltsmittel
Mandat, Fürsprache, Vormundschaft. Repräsentanz sozialer
Minderheiten am Beispiel europäischer Judenheiten vom ausgehenden
18. Jahrhundert bis 1921
The dialectics of mandatation. Representing French, German and Polish
Jewries from 18th to 20th century
Dr. François Guesnet ( guesnet@dubnow.de )
Das Habilitationsvorhaben verfolgt Erscheinungsformen jüdischer
politischer Kultur in Europa von der Mitte des 18. Jahrhunderts an
bis zu den Ergebnissen des Ersten Weltkriegs. Ausgangsthese ist die
Annahme, dass die Spitzen der traditionalen jüdischen Hierarchie
in Europa über ihre Formen der Kommunikation mit den nichtjüdischen
Machteliten sowohl eine eigene politische Sphäre wie auch eine
kollektive Auffassung von Judenheit schufen. Diese These wird anhand
der großen Umwälzungen in der europäisch-jüdischen
Geschichte überprüft. Beginnend mit der ersten internationalen
Intervention zugunsten einer bedrohten Gemeinde (Prag 1744/45) über
die Erschütterungen, die mit dem Ende des Ancien Régime
verbunden waren, zur Damaskus-Affaire 1840 und dem Wendejahr 1881
werden jüdische Interventionen auf Mandatierung, Legitimation,
Vertretungsanspruch und Kollektivgedanke, wie er im Handeln der Beteiligten
zum Ausdruck kam, untersucht.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltsmittel
Die rumänischen Juden und die Interventionen der Großmächte
zwischen 1830-1920
The Romanian Jews and the interventions of the great powers between
1830-1920
PD Dr. Mariana Hausleitner
Für dieses viermonatige Projekt wurde ein Zeitabschnitt
gewählt, der für die spätere Position der Juden in
der rumänischen Gesellschaft zwar prägend war, in der Forschung
bisher aber nur sehr wenig Beachtung gefunden hat . Dabei wurde auf
der Basis rumänischer Parlamentsdebatten des 19./20. Jahrhunderts,
zeitgenössischer Darstellungen sowie wissenschaftlicher Fachliteratur
eine Synthese über die rechtliche und soziale Stellung der Juden
in Rumänien zwischen Aufhebung des osmanischen Handelsmonopols
1829 und der Pariser Friedenskonferenz bzw. den Minderheitenschutzverträgen
des Jahres 1919 erarbeitet.
Weiterführung: nein
Finanzierung: Haushaltsmittel
Diskursgeschichte der Assimilation. Jüdisch-deutsche Angleichungsprozesse
und das Wissen vom Lebendigen 1780 - 1848
The discursive history of assimilation. Jewish-German processes
of assimilation and the knowledge of living 1780 - 1848
Dr. Susanne Omran ( omran@dubnow.de )
Das Projekt thematisiert eine seit 1800 bestehende Deutungstradition
deutsch-jüdischer Geschichte, die sich auf das Konzept der "Assimilation"
bezieht. Untersucht werden die vielfältigen, bisher vernachlässigten
Diskurskontexte, die dem Assimilationsbegriff seine außerordentliche
historische Wirksamkeit verliehen haben. "Assimilation"
erweist sich dabei als eine Schlüsselkategorie von Interkulturalität,
deren historisch-systematische Analyse einen entscheidenden Aspekt
der Vorgeschichte gegenwärtiger kultureller Identitätsbildungen
und einer damit verbundenen Inklusion und Exklusion von "Fremdem"
zutage fördern kann.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Drittmittel (Volkswagenstiftung, Hannover)
BÆnai BÆrith in Mitteleuropa. Zur Geschichte der jüdischen
Logenorganisation
BÆnai BÆrith in Central Europe. On the history of the Jewish lodge
Dr. Andreas Reinke ( reinke@dubnow.de )
Ziel des Projektes ist es, die Tätigkeit und Aktivitäten
der Logenorganisation BÆnai Brith in Deutschland sowie in den angrenzenden
mitteleuropäischen Regionen und Ländern zu untersuchen.
Die Organisation, 1843 in den USA begründet, faßte in Europa
zuerst 1882 in Deutschland Fuß und etablierte sich von hier
in der Folgezeit u.a. in der Habsburger Monarchie bzw. in den hieraus
hervorgegangenen Nachfolgestaaten Österreich, der Tschechoslowakei
und Polen. Was die verschiedenen nationalen Logenorganisationen zunächst
miteinander verband, waren ihre karitativen, sozialen, erzieherischen
und geselligen Zielsetzungen. Aufgrund einer relativ exklusiven Aufnahmepraxis
hatten die Logen zwar - gemessen an der Zahl der jüdischen Gesamtbevölkerung
in den einzelnen Ländern - nur eine geringe Mitgliederzahl. Dennoch
übten sie einen erheblichen Einfluß aus und stellten einen
wichtigen Faktor innerhalb des Aufbaus der modernen jüdischen
Wohlfahrtspflege dar.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltsmittel
Juden , Reisen, Heimat. Von der Frühen Neuzeit bis zur Staatsgründung
Israels 1948
Jews, travels, homeland. From the early modern period to the foundation
of the state of Israel in 1948.
Dr. Desanka Schwara , in Kooperation mit dem Historischen
Seminar der Universität Basel (Schweiz)
Gefühle der Zugehörigkeit stehen im Mittelpunkt des Habilitationsvorhabens
über Reisen und das Heimatverständnis der jüdischen
Bevölkerung in der osteuropäischen Diaspora. Die Juden galten
meist als Inbegriff des "Fremden". Von behördlicher
Seite wurden sie in der Regel nicht als Individuen, sondern kollektiv
als (die fremde) Bevölkerungsgruppe erfaßt. Ihre soziale
Position wurde ihnen pauschal als "Juden", nicht aber personal
aus sachlichen Gründen zugewiesen. Dieses Projekt setzt sich
deshalb mit der Frage auseinander, wie die jüdische Bevölkerung
selbst ihre Stellung in den Gebieten empfand, in denen sie lebte.
Es wird untersucht, ob auch diese "Fremden" enge gefühlsmäßige
Bindungen, Heimatgefühle, zu ihren Wohngegenden entwickelten,
und ob sich diese Empfindungen von denen der nichtjüdi-schen
Bevölkerungsmehrheiten unterschieden. Außerdem werden Kontakte
zwischen Juden und Reisenden, die innerhalb ihrer eigenen Gruppe ebenfalls
isoliert und fremd waren, mit einbezogen.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushalts- u. Drittmittel (Schweizerischer Nationalfond
zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses)
Von den Rechtsnormen zur Rechtspraxis. Ein neuer Zugang zur Rechtsgeschichte
der Juden im Heiligen Römischen Reich?
From legal norms to their application by the courts. A new approach
to the legal history of the Jews in the Holy Roman Empire?
Das Projekt wird gemeinsam vom Max-Planck-Institut für Europäische
Rechtsgeschichte (Frankfurt/Main), dem Lehrstuhl für Judaistik
der Universität Erfurt und dem Simon-Dubnow-Institut für
jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig
getragen. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Andreas
Gotzmann, Dr. Stefan Ehrenpreis und Dr. Stephan Wendehorst,
federführend (wendeho@rz.uni-leipzig.de ).
Primäres Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Juden betreffende
Rechtsprechung durch nicht-jüdische sowie durch jüdische
Gerichte zu untersuchen und dadurch einen neuen Zugang zur rechtlichen
Lage der Juden in der frühen Neuzeit zu eröffnen. Die Juden
betreffende Rechtspraxis wird anhand von Fallstudien, der Rechtsprechung
ausgewählter christlicher und jüdischer Gerichte systematisch
erschlossen und analysiert. An der Schnittstelle von deutscher, italienischer
und jüdischer Geschichte sowie der Rechtsgeschichte der frühen
Neuzeit gelegen, zielt das Vorhaben auch darauf ab, Diskussionen,
die innerhalb dieser historischen Teildisziplinen oft in völliger
Isolation voneinander geführt werden, miteinander zu verknüpfen.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltsmittel
Jüdische Historiker in Lemberg 1900-1939 (Promotionsvorhaben)
Jewish Historians in Lemberg 1900-1939
Maria Dold M.A. ( dold@dubnow.de )
In dem Dissertationsprojekt wird dem Leben und Wirken jüdischer
Historiker in Lemberg in der Zeit von 1900 bis 1939 nachgegangen.
Dabei geht es zum einen um so bekannte Namen der jüdischen-polnischen
Historiographie, wie Mojżesz Schorr oder Ignacy Schipper. Zum
anderen wird aber auch das weitere Umfeld einer Beschäftigung
mit jüdischer Geschichte, also der Bereich der historiographischen
und kulturellen Aktivitäten von geschichtsinteressierten Laien
in Lemberg, mit einbezogen. Aus einer derartigen mikrohistorischen
Betrachtungsweise ergeben sich neuartige Zusammenhänge zwischen
dem Gebrauch von Geschichte und der Ausbildung eines jüdischen
Eigenbewußtseins in Ostmitteleuropa während der kulturellen
Blütezeit der jüdischen Gemeinschaft in Lemberg.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltsmittel
Ursachen und Folgen der Kosakenaufstände von 1591 - 1648
für das ukrainische Judentum (Promotionsvorhaben)
Causes and consequences of the revolts of Cossacks between 1591
- 1648 for Ukrainian Jewry
Robert Friedl M.A. ( friedl@dubnow.de )
Ziel der Dissertation ist die Untersuchung der politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklungen in der ukrainischen Gesellschaft des 17.
Jahrhunderts, die starke soziale Spannungen auslösten und 1648/49
schließlich zu den größten Judenmassakern seit den
Pestpogromen des Spätmittelalters führten. Die Erforschung
der Problematik der Kosakenaufstände beinhaltet eine vergleichende
Analyse der ökonomischen und sozialen Fragen, die gleichzeitig
in den beiden gesellschaftlichen Gruppen der Juden und der Kosaken
vorkamen. Während die Juden immer mehr Privilegien oder rechtliche
Vergünstigungen erhielten, beschnitten die polnischen Magnaten
zunehmend die Rechte und traditionellen Freiheiten der Kosaken. Die
Kosaken setzten dieser angespannten und für sie unerträglichen
Situation mit dem größten und zugleich letzten Aufstand
der Jahre 1648/49 ein gewaltsames Ende. In dessen Verlauf wurden etwa
30.000 Juden umgebracht. Das einstmals blühende und gut organisierte
Judentum in der Ukraine hörte zu existieren auf.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltsmittel
Odessa 1871 - 1921. Ein Beitrag zur Erfindung jüdischer Nation
auf rußländischem Boden (Promotionsvorhaben)
Odessa 1871 - 1921. The invention of Jewish nation in an imperial
Russian city
Alexis Hofmeister M.A. ( hammer@dubnow.de )
Die Dissertation fragt nach der Stellung der jüdischen Intellektuellen
Odessas zwischen dem Pogrom von 1871und dem Beginn der Sowjetherrschaft.
Ihre Reaktionen auf interethnische Gewalt und Akkulturation, demographischen
Wandel und sozialen Aufstieg werden dabei als exemplarisch für
ihre Generation verstanden. Herkunft und Lebenswelt ihrer Ideengeber
spielten eine Rolle bei der Entstehung der säkularen jüdischen
Nationalbewegung. Der in Odessa vergleichsweise bedeutende Sektor
jüdischer Selbstorganisation im ökonomischen und pädagogischen
Bereich steht als Indikator eines säkularen Ethnizitätsverständnisses
im Zentrum einer strukturellen Untersuchung, welche den chronologisch
angelegten generationellen Teil abrundet. Die Verbindung von Ideen-
und Kulturgeschichte unter Berücksichtigung der Veränderung
der sozialen Strukturen, in denen sich Jüdinnen und Juden des
Russischen Reiches bewegten, kann als Versuch einer Kollektivbiographie
zweier Generationen jüdischer Odessiten gewertet werden.
Weiterführung. ja
Finanzierung: Haushaltsmittel
Immigration und Integration der "Litwaken" in Kongreßpolen
1861-1939 unter dem Gesichtspunkt von Sprache als Indikator für
Integration (Promotionsvorhaben)
Immigration and integration of the "Litvaks" in Poland
1861 - 1939 from the vantage point of language as indicator of integration
Veronika Lindenthal M.A.
Im Mittelpunkt der Dissertation steht die Untersuchung des Integrationsprozesses
der aus Rußland nach Kongreßpolen in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts in großer Zahl abwandernden bzw. abgeschobenen
russischen Juden. Mit dem Beginn der hinsichtlich ihrer Dimension
umstrittenen, aber in ihrem Einfluß, besonders auch auf das
damalige Denken, nicht zu unterschätzenden Immigration der sogenannten
"Litwaken" setzte in Kongreßpolen eine neue Phase
in der Akkulturation der Juden ein. Die Einwanderungsbewegung der
"Litwaken" wird aus einer gesamthistorischen Perspektive
betrachtet. Es wird untersucht, welche schicht- und nationalitätsspezifischen
Veränderungen sich hier im Zusammenhang mit der Reibungsfläche
zwischen Kongreßpolen und dem Russischen Reich ergaben. Gefragt
wird auch nach nach einer Intensivierung möglicher Russifizierungs-
bzw. Polonisierungstendenzen infolge des gesellschaftlichen Integrationsprozesses.
Weiterführung: ja
Finanzierung: Haushaltsmittel
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