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Forschungsbericht 1996 |
Institute, Kliniken und Einrichtungen der Fakultät
Forschungstätigkeit an der Fakultät
Im Jahr 1996 konnte die Entwicklung einer modernen klinischen und
Grundlagenforschung an den Kliniken und Instituten der Medizinischen Fakultät
weiter
fortgesetzt werden. Dazu hat wesentlich beigetragen, daß die C4- und C3-
Neuberufungen weitestgehend abgeschlossen wurden und sich
Schwerpunktprogramme der Forschung stabilisiert haben und Impulse setzen. Dazu
gehören:
Die insgesamt eingeworbenen Drittmittel der Medizinischen Fakultät betragen
12,8 Mio DM. Diese Angabe enthält nicht den Anteil an Drittmitteln, der in
Projekten von Einrichtungen der Medizinischen Fakultät im Hochschulbereich
oder in anderen Universitäten geführt wird. Details können den
Übersichten
entnommen werden.
In der Medizinischen Fakultät Leipzig konnte am 1.1.1996 das IZKF
gegründet
werden, das sich im Wettbewerb der deutschen Universitätsklinika um eines der
sechs derartigen Zentren, die vom BMBF im Rahmen des
Regierungsprogrammes "Gesundheitsforschung 2000" ausgeschrieben wurden,
behauptet hatte. Mit dieser Gründung dokumentiert die Medizinische
Fakultät
der Universität Leipzig ihre Anwartschaft auf einen vorderen Platz in der
medizinischen Forschungslandschaft Deutschlands. Die erste Förderperiode hat
eine Laufzeit von 3 Jahren bei einem Finanzvolumen von 18 Mio DM. Im
Forschungszentrum sind 22 Wissenschaftler und 8 medizinisch-technische
Assistenten beschäftigt. Das Gesamtprojekt mit einer Laufzeit von 8 Jahren
wird mit einem Gesamtvolumen von 54 Mio DM finanziert. Mit diesem Zentrum
wurde ein Instrument geschaffen, welches neben der Fokussierung des
Forschungsprofils vor allem die interdisziplinäre Erforschung klinischer
Fragestellungen durch einen Verbund von Arbeitsgruppen der
Grundlagenforschung und der Kliniken voranbringt. Das übergeordnete Thema
lautet "Rolle von Zell-Zell- und Zell-Matrix-Interaktionen für diagnostische und
therapeutische Strategien". Im Vordergrund stehen zellbiologische,
biomedizinische und molekularbiologische Arbeiten auf den Gebieten
Bindegewebsforschung/Rheumatologie, Endokrinologie/Diabetes und
Neurowissenschaften.
Ende 1995 erfolgte die Ausschreibung des BioRegio-Wettbewerbes im Rahmen
des Programmes "Biotechnologie 2000" des BMBF. Neben 16 anderen
Regionen beteiligte sich auch die Region Halle-Leipzig unter maßgeblicher
Mitwirkung von Kliniken und Instituten der Medizinischen Fakultät an diesem
Wettbewerb. Insgesamt wurden fünf Projektkonzepte aus der Medizinischen
Fakultät eingereicht. Antragsteller war die Bioregion Halle-Leipzig-Dessau
GmbH, deren Gesellschafter der Förderverein Leipziger Initiative für
Biotechnologie e.V. ist, dem u.a. die Universität Leipzig, aber auch eine Reihe
von Wissenschaftlern als persönliche Mitglieder angehören. Obwohl es der
Region Halle-Leipzig nicht gelungen ist, unter die drei ausgewählten
Modellregionen zu gelangen, konnten eine Reihe von Projekten weiterentwickelt
werden. Dazu gehören unter maßgeblicher Förderung der
Wirtschaftsministerien Sachsen-Anhalt und Sachsen der Aufbau einer
Management GmbH für Biotechnologie in der Region Halle-Leipzig, die
Planung für ein Internationales Biomedizin-Zentrum in Leipzig und
verschiedene Einzelprojekte (z.B. Aufbau eines Kommunikationsnetzwerkes
Biotechnologie in der Region, Vorbereitung des ersten
länderübergreifenden
Verbundprojektes zum Thema "Produktion von Antikörperfragmenten mit
alternativen Expressionssystemen"). Im Rahmen des Wettbewerbes haben sich
zehn länderübergreifende Projektgruppen gebildet und Projekte definiert.
Obwohl die direkten Förderungen an andere Regionen vergeben wurden, hat
die Vorbereitung zu einer Bündelung und Konzeption der biotechnologischen
Forschungen der Medizinischen Fakultät und anderer Fakultäten der
Universität
Leipzig geführt, woraus weitere Entwicklungen möglich sind.
Das Zentrum für Umweltmedizin und Umweltepidemiologie an der
Universität
Leipzig ist eine Gemeinschaftseinrichtung von Universität und
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle. Es koordiniert Forschungs- und
Entwicklungsarbeiten zum Forschungsschwerpunkt "Präpathologie
umweltbeeinflußter Erkrankungen". Die Forschungsergebnisse finden
unmittelbare Anwendung in der umweltmedizinischen Beratung und in der seit
1995 für Erwachsene und seit 1997 für Kinder etablierten
umweltmedizinischen
Ambulanz. Die Etablierung und Akzeptanz dieser Ambulanz ist Ausdruck der
gewachsenen Bedeutung des Zentrums. Schwerpunkte der Forschung sind die
Selektion spezifischer Einflußfaktoren auf Bronchitis, Allergie und Asthma im
Kindesalter, die Entwicklung nichtinvasiver diagnostischer Testverfahren, die
Selektion sensitiver Parameter und die Entwicklung von Testsystemen zum
Nachweis der Wirkungen von Expositionen und zur Klärung ablaufender
physiologisch/biochemischer Prozesse.
Von der Gründung des Max-Planck-Institutes für neuropsychologische
Forschung und seiner engen Assoziation an die Medizinische Fakultät durch
Aufbau einer Tagesklinik für kognitive Neurologie gehen wesentliche Impulse
für die klinische Forschung auf diesen Gebieten aus. Zahlreiche Fragen der
Grundlagenforschung zur Hirnorganisation bedürfen der ergänzenden
Untersuchung von Patienten. Theoretische Modelle bezüglich kognitiver
Prozesse sowie Hypothesen zur Repräsentation kognitiver Funktionen im
Gehirn werden durch die Untersuchung von Patienten mit umschriebenen
Hirnläsionen überprüft und evaluiert. Aus der Klinik für
Neurologie kommen
Projekte, die sich mit den kognitiven Störungen bei Parkinson-Patienten und
der Charakterisiertung von nekrotischem und überlebendem Gewebe im akuten
und chronischen Stadium der fokalen zerebralen Ischämie beschäftigen.
Moderne Verfahren wie Magnetenzephalographie und funktionelle
Magnetresonanztomographie werden für die Forschung eingesetzt.
Ein aussichtsreicher Schwerpunkt der Forschung hatte sich 1995 aus der
Mitwirkung von zwei Arbeitsgruppen der Fakultät im Forschungsverbund Public
Health Sachsen entwickelt. Nach inhaltlichen Neuorientierungen des
Forschungsverbundes im Jahr 1996 hat sich im wesentlichen die Medizinische
Fakultät der Universität Dresden mit diesem Verbund identifiziert. Aus der
Medizinischen Fakultät Leipzig sind ein Projekt der Klinik für Psychiatrie zu
Untersuchungen der subjektiven Bedürfnisstruktur und Lebensqualität
chronisch
schizophrener Patienten und ein Projekt aus der Poliklinik für zahnärztliche
Prothetik und Werkstoffkunde, das sich in einer
bevölkerungsrepräsentativen
Studie mit Risiko- und Schutzfaktoren kranimandibulärer Dysfunktionen
beschäftigt, in diesem Verbund verblieben. Für die zweite Phase der
Förderung
ab 1997 sind drei weitere Projekte als förderungswürdig begutachtet
worden.
In der Medizinischen Fakultät, insbesondere in deren vorklinischen und
klinischen Instituten, gibt es ein beträchtliches naturwissenschaftliches
personelles und methodisches Potential. Daraus hat sich schon immer eine
Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Nutzung von Geräten und
Ausrüstungen mit den naturwissenschaftlichen Fakultäten ergeben.
Besonders
bemerkenswert ist die Entwicklung zu gemeinsamen Projekten der
Drittmittelforschung im Rahmen eines Sonderforschungsbereiches und der
Innovationskollegs der Universität Leipzig. Eine enge Zusammenarbeit
zwischen den Fakultäten ergibt sich außerdem bei den Graduierungen, da
innerhalb von Drittmittelprojekten der Medizinischen Fakultät auf 179
Drittmittelstellen und Stipendien im Jahr 1996 auch zahlreiche
naturwissenschaftliche Doktoranden beschäftigt waren, die ihre Promotionen in
den entsprechenden naturwissenschaftlichen Fakultäten verteidigen. Damit wird
ein hoher naturwissenschaftlicher Anspruch an die Promotionen gewahrt. Diese
Promotionen werden in den Statistiken der naturwissenschaftlichen Fakultäten
geführt.
Im Jahr 1996 sind in der Medizinischen Fakultät 201 Promotionen von
Medizinern und Zahnmedizinern verteidigt worden. Die Forschungsarbeiten für
diese Promotionen werden in der Regel während des Studiums begonnen und
erfordern eine intensive Mitarbeit in den Forschungsgruppen der Kliniken und
Institute. Teilweise wird das Studium für die Durchführung der
experimentellen
Arbeiten für ein oder zwei Semester unterbrochen, weil die Anforderungen stark
gestiegen sind. Damit ist eine frühe Einbindung von Medizinstudenten in die
Forschung gegeben, und diese Studenten können später die erlangte
wissenschaftliche Qualifikation in die Klinik einbringen. Zusammen mit den
bestehenden zwei Graduiertenkollegs der Medizinischen Fakultät und der
Förderung durch Stipendien des Graduiertenstudiums des Freistaates Sachsen
haben sich damit wichtige Instrumente der Förderung des wissenschaftlichen
Nachwuchses und der Forschung entwickelt. Für die besten Promotionen
werden von der Medizinischen Fakultät jährlich drei Preise vergeben.
Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Forschung ist neben der
personellen Ausstattung die Entwicklung der Ausrüstungen, Forschungslabors
und die Einrichtung von methodischen Zentren, die größere Investitionen
erfordern. Obwohl die Fortschritte unübersehbar sind, hat es bei der
Realisierung geplanter Vorhaben größere Verzögerungen gegeben.
Das betrifft
vor allem das Max-Bürger-Zentrum für klinische Forschung, dessen
Baubeginn
sich schon zwei Jahre verzögert hat. Der geplante Aufbau eines Zentrums
für
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) konnte nicht realisiert werden und
verzögert sich weiter, weil auch die Bauleistungen nicht erbracht wurden. Die
auf diesem Gebiet gebildete Forschungsgruppe führt im Rahmen eines SMWK-
Projektes in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Rossendorf
Untersuchungen zum Dopaminstoffwechsel des Gehirns mittels PET durch. Die
in der Fakultät und im MPI geplanten breiten Anwendungen von PET für
die
Forschung und die Klinik können aber nur realisiert werden, wenn die Methode
in Leipzig verfügbar ist.
Eine starke methodische Erweiterung hat es auf dem Gebiet der Magnetischen
Resonanz-Tomographie (MRT) gegeben. Im August 1996 wurde an der Klinik
für Diagnostische Radiologie ein offener Magnetresonanztomograph der Firma
General Electric installiert, der einen bedeutend erweiterten Einsatz dieser
Methode ermöglicht. Unter der Federführung von General Electric sind
weltweit
8 Universitäten in ein internationales Forschungsprojekt eingebunden. In
Leipzig werden Verfahren zu funktionellen Studien der Gelenke und der
Wirbelsäule (erstmals auch im Sitzen) und vor allem diagnostische und
minimalinvasive therapeutische Eingriffe unter Echtzeitbildgebung vorbereitet.
Im Forschungslabor des Max-Planck-Institutes wurde ein 3 Tesla MRT
aufgestellt. Damit sind wichtige Voraussetzungen für den Einsatz des
funktionellen MR-Imaging (fMRI) bei zahlreichen kognitiven und klinischen
Fragestellungen (Tagesklinik für kognitive Neurologie) und für die
neuropsychologische Forschung im Bereich "Arbeitsgedächtnis" und "Sprache"
geschaffen worden.
Im Beschluß der Kultusministerkonferenz von 1995 zu den "Überlegungen über die Neugestaltung von Struktur und Finanzierung der Hochschulmedizin" wird im Hinblick auf die Zuteilung des Forschungsbudgets die Erarbeitung von Bemessungskriterien gefordert, um den Landeszuschuß für Forschung und Lehre an die einzelnen Kliniken und Institute der Medizinischen Fakultät gerecht zu verteilen. Erstmalig ist in der Medizinischen Fakultät 1996 die Verteilung des Landeszuschusses für Forschung und Lehre erfolgs- und leistungsbezogen für die Kliniken und Institute vorgenommen worden. Als Kriterien kamen die Zahl und Qualität der Publikationen, eingeworbene Drittmittel, Dissertationen, Habilitationen und Patente zur Anwendung. In einem zweiten Verfahren wurden aus Haushaltsmitteln Einzel- und Gemeinschaftsprojekte gefördert, die für den weiteren Auf- und Ausbau einer leistungsfähigen Wissenschafts- und Forschungsstruktur der Fakultät eine große Bedeutung haben und nicht durch Drittmittel gefördert werden. Es wurden mehr als 100 Anträge auf Förderung gestellt. Ein besonderer Aspekt war die Unterstützung laufender Habilitationsarbeiten und die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Fachgebieten und Einrichtungen der Fakultät.
Forschungskontaktstelle, Roland Krause - Oktober 1997