Forschungsbericht 1997

Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie

  • Habilitationen und Promotionen: 1997 und Vorjahre [ = ]
  • Institute

    Projekte Veröffentlichungen Gremien
    Institut für Politikwissenschaft
    Institut für Soziologie
    Institut für Kulturwissenschaften
    Institut für Philosophie
    Institut für Logik und Wissenschaftstheorie
    Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
    Deutsches Literaturinstitut Leipzig

    Forschungstätigkeit an der Fakultät

    Die Forschungen im Bereich der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie laufen in der Regie und unter der Verantwortung der einzelnen Institute, die ein weites Spektrum wissenschaftlicher Gebiete repräsentieren. Die Fakultät fördert dabei Bestrebungen interdisziplinärer Zusammenarbeit nach Kräften.

    Die Forschungsschwerpunkte der Fakultät erläutert die folgende Aufstellung:

    1.
    Das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft wendet sich in seiner Forschung insbesondere Grundfragen der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie der Ethik der Massenkommunikation in der Gegenwart und ihren grundlegenden Veränderungen auf dem Gebiet der privaten und gesellschaftlichen Kommunikation zu. Historische Untersuchungen widmen sich der Geschichte des Faches sowie der Geschichte der Kommunikation des 19. und 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkt auf der Frage nach der Entwicklung der medial vermittelten Kommunikation und ihren Zusammenhängen mit sozialen Wandlungen.
    Die aktuelle Medienproduktion wird u.a. durch Untersuchungen zur Medienrezeption und zur Inhaltsanalyse kritisch begleitet. Auf die Ermittlung aktueller Trends in Hörfunk und Fernsehen konzentriert sich eine Programmbegleitforschung, die Erkundung der aktuellen Medienentwicklung durch die Analyse der Presseentwicklung in Ostdeutschland sowie die stilistische Entwicklung des Dokumentarfilms.
    Eingefügt in die Forschungsarbeit des Instituts sind Nachforschungen zur PR-Berufsfeldforschung wie zu theoretischen Grundlagen der Public-Relations und Öffentlichkeitsarbeit überhaupt.

    2.
    Im Zentrum der Forschung am Institut für Kulturwissenschaften steht die Analyse der Kultur moderner Gesellschaften vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Ausgehend von einer eingehenden Beschäftigung mit den spezifischen Merkmalen der Entwicklung der deutschen Kultur werden diese unter einer komparativen Perspektive in Beziehung gesetzt zu Kulturen anderer west- und osteuropäischer Länder.
    Im Bereich der Kulturgeschichte finden Forschungen zur Konsumkultur, zur Sozial- und Kulturgeschichte des Eigentums, zur Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule, zur Amerikanisierung und Sowjetisierung in der Bundesrepublik und in der DDR und zur vergleichenden Gesellschafts- und Kulturgeschichte West- und Osteuropas statt.
    Die Schwerpunkte der Forschungen im Bereich der Kulturphilosophie liegen auf einer systematischen Rekonstruktion kulturphilosophischer und ästhetischer Traditionslinien vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Forschungen zu Kant, Dilthey, Lazarus, Simmel und Cassierer bzw. zu Baumgarten bis hin zur Postmoderne stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses.
    Die Kultursoziologie in Leipzig versteht sich als eine empirisch orientierte Soziologie. Mit Hilfe von systematischen Inhaltsanalysen und Befragungen wird versucht, Unterschiede zwischen westlichen Kulturen einerseits und der Entwicklung moderner Kultur in den letzten 100 Jahren andererseits zu beschreiben und ursächlich zu erklären. Prozesse der Säkularisierung, der Entverwandtschaftlichung, der Individualisierung und der Globalisierung von Kultur und die Ausbildung einer demokratischen Kultur stehen im Fokus der Analyse.

    3.
    Die Forschungen am Institut für Logik und Wissenschaftstheorie konzentrieren sich auf folgende Schwerpunkte: einerseits betreffen sie im Rahmen der nichtklassischen Logik insbesondere Anwendungen der mehrwertigen Logik und beweistheoretische Untersuchungen intensionaler Logiken; andererseits erörtern sie im Bereich der Logikgeschichte sowohl traditionelle als auch nichtklassische Ansätze in der Logik im Zeitraum von ca. 1830 bis etwa 1925 mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Frege-Forschung; zum dritten befassen sie sich mit Problemen der logischen Hermeneutik, d.h. der logisch fundierten kohärenten Deutung von Texten; und schließlich widmen sie sich im Bereich der Wissenschaftstheorie und logischen Methodologie der Konstruktion einer Theorie der wissenschaftlichen Erklärung mit modelltheoretischen Hilfsmitteln. Zu diesem Zweck wird die strukturalistische Wissenschaftsauffassung eingesetzt und für die Erklärungstheorie der größere Rahmen einer Kohärenzkonzeption erarbeitet, in dem Erklärungsbeziehungen eine zentrale Rolle zukommt.

    4.
    Am Institut für Philosophie gliedert sich die Forschung entsprechend den vorhandenen Professuren.
    Der Schwerpunkt im Bereich der Theoretischen Philosophie sind Theorien der Intentionalität und des gemeinsamen Handelns. Im Zusammenhang damit stehen Arbeiten zur interkulturellen Kommunikation und den universitären Bedingungen des philosophischen Diskurses.
    Eng damit verbunden sind die Arbeitsgebiete des Bereiches Philosophische Anthropologie und Kognitionswissenschaften, zu dessen zentralen Themen die Handlungs-, Kommunikations- und Sprachtheorie gehören sowie Theorien zu interpersonellen Beziehungen, zur Rolle von Präferenzen in der praktischen Philosophie und Theorien des Bewußtseins. Beide Bereiche arbeiten eng in einer interdisziplinären Forschergruppe "Kommunikatives Verstehen" zusammen.
    In der Praktischen Philosophie konzentrieren sich die Forschungen auf Probleme der Ethikbegründung. In der Philosophiegeschichte steht die Arbeit an einer Ausgabe des Kant-Vorläufers J.N. Tetens im Mittelpunkt.

    5.
    Die Forschungen am Institut für Politikwissenschaft konzentrieren sich auf die Bereiche Internationale Beziehungen, Politische Theorie und Politisches System in der Bundesrepublik.
    Im Mittelpunkt der Forschungen im Bereich Internationale Beziehungen stehen die Frage der Herausbildung internationaler Netzwerke und der Transformation nichtmarktwirtschaftlich organisierter Strukturen in der Peripherie unter dem Druck der Globalisierung. Dabei wird gezeigt, daß Netzwerke sich unterschiedlich verhalten je nach Politikfeldbereich. Je wichtiger das Politikfeld, je wichtiger die Interessen politischer Akteure, desto unwahrscheinlicher die Autonomie sich selbst organisierender zivilgesellschaftlicher Netzwerke. Dies belegt die Bedeutung politischer und kultureller Faktoren auf den innenpolitischen Ebenen.
    Der Bereich Politische Theorie führt diese Fragestellung fort. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Frage, welche Konsequenzen die Globalisierung auf das Staatsbild wirtschaftlicher und politischer Eliten in ausgewählten Industrieländern hat. Dabei werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie eine "Gesellschaft der zwei Geschwindigkeiten" organisiert werden könnte, in der globale und lokale Lebensformen friedlich koexistieren.
    Im Bereich Politisches System der Bundesrepublik und Analyse und Vergleich politischer Systeme wurde eine Arbeit über Politische Kultur und Parteiensysteme unter besonderer Berücksichtigung Schwedens abgeschlossen. Als Fortsetzung wird an eine vergleichende Studie "Kulturen der Demokratie" gedacht. Parallel dazu richtet sich das Interesse auf die Analyse der Diktaturen in Deutschland in ihrem Verhältnis zu den Demokratien. In diesem Kontext stehen eine Untersuchung der Reformdiskurse in der SED und Überlegungen zu konträren Modi der Legitimation und Zwecksetzung moderner Bürokratien.

    6.
    Die Forschungen am Institut für Soziologie umfassen ein breites Spektrum unterschiedlicher Projekte, die neben der Erörterung von Aspekten soziologischer Theorien insbesondere aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen begleitend analysieren.
    Ein Schwerpunkt dabei ist die Transformation der Verhältnisse in den neuen Bundesländern im Umfeld der Wende 1989/90, wozu z.B. die Entwicklung des politischen Engagements, Funktionsmechanismen wirtschaftlichen Handelns und sozialer Wandel in sächsischen Betrieben, berufliche Selbständigkeit in den neuen Bundesländern oder auch studentischer Drogengebrauch sowie Netzwerke und Berufserfolg in Ostdeutschland gehören.
    Im Rahmen des Schwerpunktes allgemeinerer soziologischer Studien sind wichtige Teilprojekte z.B. Gerechtigkeitsvorstellungen in der Sozialpolitik, die Kooperation beruflich Selbständiger mit ihren Ehepartnern, die Mißbrauchsdiskussion in Massenmedien, EU-Erweiterung und Umweltschutz, oder auch Pfänder und institutionelle Regelungen als Kooperationsmechanismen.


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