Forschungsbericht 1997

Fakultät für Mathematik und Informatik

  • Habilitationen und Promotionen: 1997 und Vorjahre [ = ]
  • Institut

    Projekte Veröffentlichungen Gremien
    Mathematisches Institut
    Institut für Informatik

    Forschungstätigkeit an der Fakultät

    Die Fakultät für Mathematik und Informatik gliedert sich in das Mathematische Institut und das Institut für Informatik. Das Mathematische Institut blickt auf eine über 100jährige verpflichtende Tradition mathematischer Forschung zurück. Das Institut für Informatik ist aus der im Jahre 1989 an der Leipziger Universität gegründeten Sektion Informatik hervorgegangen und hat mit der Neuordnung der Universität einen tiefgreifenden Strukturwandel vollzogen. Beide Institute untergliedern sich in Abteilungen, welche wissenschaftliche Heimstatt einer oder mehrerer Professuren darstellen. Aufgrund der am Institut für Informatik noch nicht besetzten Lehrstühle ist hier die endgültige Struktur noch nicht festgelegt worden.

    Am Mathematischen Institut konnten im Berichtszeitraum die Berufungsverfahren der Professuren für Mathematische Optimierung (C4) und für Diskrete Mathematik (C3) erfolgreich abgeschlossen werden. Prof. Stephan Luckhaus und Prof. Rüdiger Schultz nahmen jeweils den Ruf an unsere Fakultät an. Leider mußte die Besetzung der Professur für Numerik und Wissenschaftliches Rechnen (C4) auf das Jahr 1998 verschoben werden. Ausgeschrieben wurde die Professur für Mathematik in den Naturwissenschaften (C4), deren Besetzung ebenfalls für 1998 vorgesehen ist. Zwischen dem Mathematischen Institut und dem MPI entwickeln sich vielfältige Bande der gemeinsamen Arbeit in Forschung und Lehre. Davon zeugen die Durchführung gemeinsamer Seminare und Workshops genauso wie das Halten von Vorlesungen innerhalb der studentischen Ausbildung durch die Professoren Jost, Müller und Zeidler des MPI. Auf Antrag der Fakultät wurden Prof. Jost und Prof. Müller zu Honorarprofessoren unserer Fakultät ernannt. Das Spektrum der Forschung am Mathematischen Institut umfaßt solche Gebiete wie Konstruktive Methoden der kommutativen Algebra, Eigenwerttheorie elliptischer Operatoren, Freie Randwertaufgaben in der Hydrodynamik, Integrierbare nichtlineare partielle Differentialgleichungen, Nichtlineare Erhaltungssätze, Mathematische Theorie der Kapillarität, Existenz- und Regularitätsprobleme für Variationsungleichungen, Modular-Theorie und Quantenfeldtheorie, Lie-Gruppen, Krümmungsoperatoren (Jacobi-Operator, schiefsymmetrischer Krümmungsoperator), Spektralgeometrie, Twistor Spinoren, Periodische Bahnen Hamiltonscher Systeme, Holonomie affiner Zusammenhänge und Supersymmetrische Strukturen, Konform parallele Spinoren auf Kählermannigfaltigkeiten, Ambitwistorräume für Spinmannigfaltigkeiten, Matrixversionen klassischer Interpolationsprobleme und ihre Anwendungen auf die Vorhersagetheorie stochastischer Prozesse, Stochastische Entscheidungsprozesse, Positiv definite Funktionen. Hierfür konnten Forschungsfördermittel des DFG, des DAAD und der EU eingeworben werden.

    Der Aufbau der Informatik ging im Berichtszeitraum weiter voran. Im August erfolgte die Besetzung der Professur "Parallelverarbeitung und Komplexe Systeme" durch Frau Prof. Rünger. Damit sind unter Einrechnung der langfristigen Vertretung durch Herrn Prof. Spruth sieben der zehn Professuren am Institut besetzt. Für zwei weitere Professuren sind die Rufe erteilt und angenommen worden, nämlich für die Lehrstühle "Bildverarbeitung und Computergrafik" (Prof. Saupe) sowie "Rechnernetze und Verteilte Systeme" (Prof. Irmscher). Beide Kollegen werden ihre Tätigkeit am Institut zum Sommersemester 1998 aufnehmen. Das Berufungsverfahren für die Professur "Technische Informatik" wurde begonnen und kann möglicherweise noch 1998 erfolgreich abgeschlossen werden.

    Herausragendes Ereignis im Berichtsjahr war die Gründung des Leipziger Informatik- Verbundes (LIV), der auch in den Medien beachtliche Resonanz fand. Er stellt ein Zentrum der Informatikkompetenz der Universität Leipzig dar, in dem neben dem Institut für Informatik vier weitere universitäre Informatik-Einrichtungen als Gründungsmitglieder beteiligt sind. Über den Verbund wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Lehre und Forschung intensiviert sowie der Innovationstransfer in die Wirtschaft vorangetrieben. Schon nach kurzer Zeit sind 18 Unternehmen sowie sonstige außeruniversitäre Einrichtungen dem LIV als Mitglieder beigetreten, darunter namhafte Firmen wie die Deutsche Telekom, Sun, Microsoft und die Leipziger Messe, aber auch Forschungseinrichtungen wie die beiden Leipziger Max-Planck-Institute. Neben konkreten Kooperationen unter den Mitgliedern betrafen erste Aktivitäten des LIV die Ausrichtung einer Eröffnungsveranstaltung, Auftritte auf der Leipziger Messe, die Einführung einer Kolloquienreihe und eines Newsletters sowie die Einrichtung einer Internet-Börse zur Plazierung von Angeboten für studentische Arbeiten, Praktika und Mitarbeiterstellen.

    Die Einwerbung von Drittmitteln konnte im Berichtsjahr weiter ausgebaut werden. Neue Projekte werden insbesondere von der DFG, von Industriepartnern sowie aus dem Hochschulsonderprogramm HSP3 gefördert, u.a. zu Elektronischen Bibliotheken, Video-Conferencing und Hochgeschwindigkeitsnetzen. Die technische Infrastruktur für die Forschungsaufgaben wurde über einen HBFG-Antrag nachhaltig verbessert. Es liegt jetzt eine moderne Rechnerversorgung mit leistungsstarken Servern und Workstations sowie zahlreichen PCs der neuesten Generation vor. Ein weiterer HBFG-Antrag wurde dem Institut bewilligt, über den im Jahre 1998 ein CIP-Pool für die Lehre eingerichtet wird. Neben verschiedenen Vorträgen fanden wiederum wissenschaftliche Workshops und Tagungen am Institut statt. Besonders hervorzuheben ist dabei die im März erfolgreich ausgerichtete Jahrestagung der GLDV (Gesellschaft für linguistische Datenverarbeitung).

    Sehr erfreulich ist die Entwicklung der Studentenzahlen im Diplomstudiengang Informatik. Nach der Verdoppelung der Anfängerzahlen im Vorjahr konnte nochmals eine deutliche Steigerung auf 115 Anfänger im WS97/98 verzeichnet werden. Damit ist das Institut bundesweit eine der wenigen Informatikeinrichtungen mit Überlast. Zurückzuführen ist diese Entwicklung u.a. auf die anwendungsorientierte Ausrichtung des Leipziger Informatikstudiums mit attraktiven Vertiefungsmöglichkeiten wie Medizinische Informatik oder Informatik im Versicherungswesen. Dem Informatik-Studenten Sergej Melnik wurde für seine hervorragenden Leistungen der DAAD-Preis der Universität verliehen.

    Zur Unterstützung der versicherungswissenschaftlichen Arbeiten an der Universität, darunter im Bereich der Versicherungsinformatik, wurde ein Förderkreis Versicherungen unter Beteiligung von rund einem Dutzend Versicherungsunternehmen gegründet. Nach dem im Vorjahr abgeschlossenen Kooperationsvertrag mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wird damit erneut die Unterstützung der Versicherungswirtschaft für die Universität Leipzig als geeigneter Standort für ein Branchenzentrum der Versicherungswissenschaften deutlich. Ein solches im Aufbau befindliches Zentrum umfaßt neben der Versicherungsinformatik zunächst die an der Universität ebenfalls abgedeckten Bereiche Versicherungsmathematik und Versicherungsbetriebslehre.

    Leider hatte die Fakultät auch 1997 stark unter unzureichenden Haushaltsmitteln zu leiden. Der Anstieg der Anzahl von besetzten Professuren und insbesondere der Studierenden der Informatik hat zu einer bedrohlichen Verschärfung der Ausstattungsengpässe geführt. Diese Probleme sind natürlich durch uniweit rückläufige Haushaltsmittel mitverursacht. Dennoch muß festgestellt werden, daß die der Fakultät zur Verfügung gestellten laufenden Mittel in nahezu allen Bereichen prozentual unter den Anteilen bei den Studenten, Beschäftigten oder Drittmitteleinwerbungen liegen. Dies ist erst recht inakzeptabel, wenn man berücksichtigt, daß eine Ingenieur-Disziplin wie die Informatik eine besonders umfassende Ausstattung erfordert, insbesondere für Hard- und Software, Räumlichkeiten, studentische Hilfskräfte zur Betreuung von Labor-Praktika und Übungen, Dienstreisen zu internationalen Kongressen etc. Besonders gravierend ist die Situation bei den laufenden Bibliotheksmitteln, wo die minimalen Erfordernisse weit unterschritten werden. Ein kontinuierliches Absenken von jährlichen Haushaltsansätzen auf schon geringem Niveau ist nicht hinnehmbar. Handlungsbedarf besteht weiterhin bei der Verbesserung der Raumsituation der Fakultät.


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