Forschungsbericht 1997

Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

  • Habilitationen und Promotionen: 1997 und Vorjahre [ = ]
  • Institute / Einrichtungen

    Projekte Veröffentlichungen Gremien
    Institut für Biochemie
    Institut für Botanik
    Institut für Pharmazie
    Institut für Zoologie
    Bereich Mikrobiologie und Genetik
    Sächsisches Institut für Angewandte Biotechnologie e. V. an der Universität
    Institut für Allgemeine Psychologie
    Institut für Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitspsychologie und
    Institut für Angewandte Psychologie

    Forschungstätigkeit an der Fakultät

    INSTITUT FÜR BIOCHEMIE

    Im Arbeitskreis Hahn konnten durch Zufallsmutagenese von sechs Aminosäure-Codons innerhalb der Substraterkennungsschleife von RNase T1 zahlreiche neue, aktive Enzym-Varianten gewonnen werden, von denen eine in ihrer Spezifität, sowohl hinsichtlich RNA-Spaltung als auch Synthese deutlich verändert war. In Zusammenarbeit mit R. Rigler gelangen in Stockholm mit Hilfe der Fluoreszenz-Korrelations-Spektroskopie (FCS) erste Aktivitätsmessungen an freier RNase T1 und an einem Enzym, welches von M13-Phagen präsentiert wird.

    Im Mittelpunkt der Arbeiten des Arbeitskreises Hofmann standen Untersuchungen zur Sekundärstrukturbildung in Peptiden mit Hilfe quantenchemischer, molekülmechanischer und moleküldynamischer Methoden. Dabei interessierten sowohl generelle Strukturbildungsphänomene, wie z. B. das Zustandekommen verschiedener Helixtypen und die Wechselbeziehungen zwischen ihnen, als auch die Beeinflussung der Ausbildung der verschiedenen Sekundärstrukturtypen durch das Einführen nichtproteinogener Aminosäuren (D-Aminosäuren, Dehydroaminosäuren, Azaaminosäuren) in die Sequenz. Im Rahmen des Innovationskollegs „Chemisches Signal und Biologische Antwort" war die Arbeitsgruppe Kooperationspartner bei zahlreichen Fragestellungen der Molekülmodellierung und theoretischen Strukturanalyse.

    Im Arbeitskreis Jakubke konnten die Arbeiten zu den Forschungskomplexen A1(Nichtkonventionelle Enzymkatalyse: Einfluß von Temperatur und Reaktionsmedium auf Enzym-Substrat-Interaktionen) und A2 (Nichtkonventionelle Katalyse mit Zymogenen: Entwicklung programmierter Biokatalysatoren für C-N-Knüpfungen mittels Protein-Design) des Innovationskollegs „Chemisches Signal und biologische Antwort" planmäßig weitergeführt werden. Besonders hervorzuheben sind die im erfolgreich abgeschlossenen Promotionsverfahren von Herrn Dr. Frank Bordusa vorgelegten neuen Erkenntnisse über die Cysteinprotease Clostripain sowie vom Doktoranden Torsten Kurth während seines einjährigen Forschungsaufenthaltes an der Brandeis University (Waltham, MA, USA) erarbeiteten Resultate über die strukturellen Determinanten der S'-Bindungsortspezifität in den Serinproteasen Trypsin und Chymotrypsin, die inzwischen als Beitrag in der international bedeutenden Zeitschrift „Biochemistry" publiziert wurden. Von der Habilitandin Dr. Marion Hänsler wurden weitere interessante Resultate auf dem Gebiet der Eisenzymologie erarbeitet und veröffentlicht. Mit dem publizierten innovativen Konzept der Substratmimetika-vermittelten C-N-Ligationskatalyse (F. Bordusa et al., Angew. Chem. 1997, 109, 2583) wurden die Grundlagen für ein erfolgversprechendes zweites Habilitationsprojekt in diesem Arbeitskreis geschaffen.

    Herausragendes Ergebnis des Arbeitskreises Kleber waren im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation mit 3 Forschungsgruppen in den USA (Department of Chemistry, Los Angeles; Chemistry Department, Brookhaven National Laboratory, New York; Albert Einstein College of Medicine, New York) durchgeführte Neutronendiffraktionsmessungen, die zur Ermittlung der sterischen Konfiguration des aus Crotonobetain mittels L-Carnitindehydratase aus E. coli gebildeten L-Carnitins führten (Bau et al., J. Am. Chem. Soc. 1997, 119, 12055-12060). Gemeinsam mit Universität Murcia (Spanien) wurde ein Verfahrenspatent zur Herstellung von L-Carnitin aus Crotonobetain angemeldet. Die Arbeitsgruppe ist am Graduiertenkolleg „Mechanistische und Anwendungsaspekte nichtkonventioneller Oxidationsreaktionen" beteiligt.

    INSTITUT FÜR BOTANIK

    Vom Arbeitskreis Reißer ( Allgemeine und Angewandte Botanik ) wurde in Zusammenarbeit mit dem UFZ ein Forschungsprojekt "Untersuchungen zur Schadstoffmobilisierung und -festlegung in Tailingsmaterialien durch Algen, Moose und Makrophyten" begonnen und ein zweites Projekt in Kooperation mit dem UFZ "Aerophytische Algen als Bioindikatoren luftgetragener Schadstoffe" fortgesetzt. Neu begonnen wurde auch eine Zusammenarbeit mit den Tetra-Werken (Melle), bei der es u.a. um die Entwicklung von Methoden geht, übermäßiges Algenwachstum in Aquarien, Becken, etc mit umweltverträglichen Methoden einzudämmen. Das vom SMWK geförderte Projekt zur Risikoforschung an transgenem Raps (Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Schlegel, Institut für Zoologie) wurde fortgesetzt.

    Der Arbeitskreis Wilhelm (Pflanzenphysiologie) hat ein DFG-Forschungsvorhaben begonnen, in dem die grundlegenden Mechanismen der biologischen Leistung der Photosynthesepigmente untersucht werden. Ein vom BMBF gefördertes Vorhaben ("Entwicklung einer HPLC-gestützten Methode der Phytoplanktonanalyse zur Bestimmung der Wassergüte") wurde abgeschlossen und die Ergebnisse in die Broschüre "Spitzenforschung in Sachsen" aufgenommen. Ein neu entwickeltes In-situ-Verfahren zur Primärproduktion wurde unter Praxisbedingungen im Rahmen wissenschaftlicher Begleitforschung an der Bleilochtalsperre erfolgreich getestet. Mit einem neuartigen Instrumentarium zur Bestimmung der biologischen Aktivität neuer Substanzen konnte die Nachweisgrenze so optimiert werden, daß jetzt Mengen ausreichend sind, die keine chemische Strukturaufklärung mehr erlauben.

    Im Arbeitskreis Morawetz ( Spezielle Botanik) wurden vor allem tropenökologische Projekte durchgeführt. Dabei steht der Beobachtungskran im Regenwald von Südvenezuela weiter im Mittelpunkt. Die bearbeitete Grundfrage lautet "Wie funktioniert der Regenwald?". Phänologische und reproduktionsökologische Untersuchungen bilden den Anfang der Arbeiten, dann sollen interdisziplinäre Tier-Pflanzen-Interaktionen und ökologische Populationsgenetik etabliert werden. Simulationsmodelle und phytogeographische Analysen begleiten das Feldforschungsprogramm als theoretischen Hintergrund. Im Bereich der Chromosomenanalyse wird nunmehr die in situ-Hybridisation routinemäßig durchgeführt und vergleichende DNA-Untersuchungen werden vorbereitet.

    Im Arbeitskreis Gehlhaar (Biologiedidaktik) erfolgten Untersuchungen zur Entwicklung von Biologieinteressen bei Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 5-10. Im Rahmen einer kombinierten Quer- und Längsschnittstudie erfolgte eine Befragung an Leipziger Gymnasien und Mittelschulen hinsichtlich spezifischer Biologieinteressen und deren Attributionen. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt (Biologie-Didaktik/Pädagogische Psychologie) wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Gießen (einheitliches Instrumentarium, vergleichbare Populationen, angezielter Ost - West - Vergleich) realisiert und soll letztendlich Konsequenzen für Lehrplanrevisionen und Unterrichtsarbeit im Fach Biologie ermöglichen. Die Ergebnisse der ersten Befragungswelle (N=1034) wurden ausgewertet. Die zweite Befragungswelle befindet sich noch in der Auswertung und eine dritte um eine Retrospektivbefragung erweiterte Befragungswelle wird in Kürze erfolgen.

    INSTITUT FÜR PHARMAZIE

    Die Pharmazeutische Chemie im Institut für Pharmazie beschäftigt sich mit Struktur-Wirkungs-bezogenen Synthesen. An die Bearbeiter sind hohe Anforderungen gestellt, da einmal gezielt Derivate hergestellt und diese danach in ausreichender Menge für unterschiedliche Testsysteme zur Verfügung gestellt werden müssen (Arbeitskreis Eger, Eger mit Gütschow, Leistner, Briel). Der Arbeitskreis Eger ist mit zwei Projekten im Innovationskolleg "Chemisches Signal und biologische Antwort" vertreten, welches 1996 gestartet ist. Es handelt sich um die Suche nach untoxischen und leicht zugänglichen Proteinphosphatase-Hemmstoffen und um Adenosinrezeptor-Antagonisten. Bei letzteren geht es vor allem darum, in vitro aktive Antagonisten in bioverfügbare Derivate umzuwandeln. Ein weiteres Projekt wird im Graduiertenkolleg "Mechanistische und Anwendungsaspekte nichtkonventioneller Oxidations-Reaktionen" bearbeitet, wobei es hier um oxidative Metabolisierungsreaktionen geht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Synthese von Arzneistoffmetaboliten; diese werden entweder als Referenzsubstanzen benötigt oder mit Spacern als Haptene eingesetzt. Es wurden hochwirksame Inhibitoren für die Serin-Protease Cathepsin G entwickelt (Gütschow). Im analytischen Bereich steht die Qualitätsprüfung von Arzneistoffen im Vordergrund. Durch die zunehmende Verlagerung der Arzneistoffproduktion in asiatische Länder bzw. Herstellung patentfreier Arzneistoffe in diesen Ländern kommen in zunehmendem Maße Rohstoffe auf den Markt, die nicht Arzneibuchqualität aufweisen und von den Behörden nicht akzeptiert werden, wenn nicht die Syntheseverunreinigungen bekannt sind. Verschiedene Arzneistoffe wurden untersucht, die Verunreinigungen abgetrennt und spektroskopisch untersucht. Im Zweifelsfall wurden Gegensynthesen durchgeführt und Verbesserungsvorschläge erarbeitet (Arbeitskreis Eger).

    Die Mitarbeiter der Pharmakologie für Naturwissenschaftler (Arbeitskreis Nieber) beschäftigten sich mit elektrophysiologischen Untersuchungen zur Signalfunktion von intra- und extrazellulären ATP an zentralen noradrenergen und dopaminergen Neuronen sowie mit der Aufklärung von grundlegenden Mechanismen der Hypoxietoleranz an corticalen Neuronen. Besonders interessierten die Wirkungen von Immunmodulatoren und Nukleosidanaloga auf die Hypoxie-induzierten elektrophysiologischen Veränderungen an der Zellmembran. Diese Arbeiten sind u. a. Bestandteil des Teilprojektes C4 (gemeinsam mit P. Illes, Institut für Pharmakologie) im "Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF)". Ein weiterer Schwerpunkt des AK Nieber war die Mitarbeit an der Etablierung eines Verbundprojektes mit dem Arzneimittelwerk Dresden (AWD), das durch das Sächsische Wirtschaftsministerium gefördert wird. Das Projekt "Neuartige PDE4-Inhibitoren zur Behandlung allergischer Erkrankungen" hat das Ziel, Wirkstoffe zu entwickeln und zu charakterisieren, die das Phosphodiesterase 4-Isoenzym spezifisch hemmen, als Voraussetzung von präklinischen und klinischen Studien.

    Die Pharmazeutische Technologie (Arbeitskreis Süß) beschäftigt sich mit der Optimierung von peroralen Arzneiformen mit kontrollierter bzw. modifizierter Wirkstoffliberation. Die Arbeiten zum Einsatz von Perlcellulose als Hilfsstoff zur Herstellung von Retardarzneiformen konnten zum Abschluß gebracht werden, die Untersuchungen zur Herstellung von Pellets mittels Fluid-Bed-Rotorgranulierung und deren Anwendung weitergeführt werden. Dabei konnten in Zusammenarbeit mit dem Frauenhofer Institut für zerstörungsfreie Prüfverfahren, Dresden, durch Raster-Kraft-Mikroskopie interessante Einblicke in die Porenstruktur von Polymerfilmen, die als Überzugsmaterial Verwendung finden, erhalten werden.

    INSTITUT FÜR ZOOLOGIE

    Das Institut für Zoologie hat ein außerordentlich breites Forschungsspektrum, das von der Zellbiologie über die systemische Biologie bis zur Systematik und Ökologie reicht. Hier seien drei Schwerpunkte genannt.

    1) In den Arbeitsgruppen Drößler ( Tierphysiologie) und Hauschildt (Immunbiologie) werden monoklonale Antikörper gegen verschiedene Antigene ( Virulenzfaktoren bei Fischen, Vitellin- Antikörper beim Hühnchen und Moenomycin bei Mäusen ) hergestellt und getestet. Zum anderen werden funktionelle Analysen zu verschiedenen zellbiologischen Problemen durchgeführt ( Mechanismen der Apoptose, Funktion von Neuropeptiden bei Myeloidzellen, Aktivierung humaner Makrophagen, Signaltransduktion bei humanen Monocyten).

    2) In der Arbeitsgruppe Schlegel (spezielle Zoologie) werden Verwandtschaftsbeziehungen verschiedener Tiergruppen mit modernen molekularbiologischen Methoden untersucht ( z.B. bei Myxozoa, Hemichordata und Isopoda). Außerdem werden Genflußanalysen natürlicher Populationen z.B. von Mollusken und Coleoptera durchgeführt.

    3) Die Arbeitsgruppen Rübsamen ( Neurobiologie) und Schildberger (Verhaltensbiologie) beschäftigen sich mit Mechanismen und Funktionen der Informationsverarbeitung im ZNS. Mit neurobiologischen Methoden und Verhaltensanalysen werden Probleme wie Zeitverarbeitung in der Hörbahn von Säugern und Insekten, Mechanismen der inneren Uhr bei Mollusken und neuronale Grundlagen aggressiver Verhaltensweisen bei Insekten untersucht.

    Die Arbeitsgruppen des Instituts sind an vielfältigen regionalen, nationalen und internationalen Kooperationen beteiligt. Genannt seien hier Kooperationen mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, mit dem sächsischen Institut für angewandte Biotechnologie, mit den DFG-Schwerpunkten Funktionelle und adaptive Mechanismen circadianer Systeme und Zeitgebundene Informationsverarbeitung in zentralen auditorischen Systemen.

    Wissenschaftsbereich Mikrobiologie und Genetik

    In der Abteilung Genetik (Arbeitskreis Sass) wurden die in den vergangenen Jahren begonnenen Arbeiten über aktivierungsabhängig exprimierte Gene und Genprodukte in humanen Lymphozyten fortgesetzt. Mittels Untersuchungen von mRNA-Konzentration sowie unter Einsatz von monoklonalen Antikörpern (mAk) konnte das Expressionsverhalten von Zelloberflächenmolekülen charakterisiert werden, die eine neue Gruppe innerhalb der Sekretinrezeptor (SecR)-Superfamilie bilden. Dabei wurden nicht nur zelluläre Voraussetzungen für eine Expression von CD97 in Lymphozyten untersucht, sondern auch die Expression dieses Moleküls in nichthämatopoietischen Zellen nachgewiesen. Weiterhin wurden funktionelle Studien durchgeführt, die zur Aufdeckung eines Ca2+-abhängigen Adhäsionsvermögens von CD97 führten. Um Bindungsstudien mit Vertretern der Gruppe durchführen zu können, erfolgten Arbeiten zur gentechnischen Herstellung löslicher und gleichzeitig Epitop-markierter Konstrukte. Dies trifft ebenfalls für einen weiteren Aktivierungsmarker, CD69, zu, der nicht zur SecR-Familie gehört. Die Arbeiten an diesem Molekül innerhalb eines DFG-Projektes wurden fortgesetzt, wobei die Abhängigkeit der sehr frühen aktivierungsabhängigen CD69-Expression von einer de novo-Transkription und Proteinsynthese etabliert werden konnte. Zusätzlich konnte gezeigt werden, daß eine über dieses Molekül induzierte zelluläre Proliferation von intrazellulären Protein-Tyrosinkinasen abhängig ist. Weitere Anstrengungen konzentrierten sich auf Klonierung und Sequenzierung von Genen, die für neuartige Zelloberflächenantigene kodieren, welche mit Hilfe von mAk identifiziert werden.

    Die Abteilung Mikrobiologie (Arbeitskreis Tauchert) hat insbesondere Erfolge auf dem Gebiet der Endosymbiose - Forschung von Insekten (Sogatodes orizicola) mit hefezellartigen Symbionten erreicht. Das überaus interessante Phänomen der Übertragung von Symbionten auf die Nachfolgegenerationen der Insekten ist seit etwa 3 Mill. Jahren etabliert. Ein Vergleich der genetischen Struktur (rDNA) der Symbionten mit rezenten Hefen ist aus der Sicht der Evolution niederer Organismen von Bedeutung. Durch Kooperation mit dem Arbeitskreis Schlegel (Institut für Zoologie) und dem Arbeitskreis Eschrich (Biochemisches Institut, Universitätsklinikum) sind dazu molekulargenetische Ergebnisse erarbeitet worden. In Kooperation mit dem Arbeitskreis Kleber (Institut für Biochemie) wurden Untersuchungen zum Abbau von D-Carnitin aus DL-Carnitin durch Wildstämme und Mutanten von Bodenbakterien (Agrobacterium spec. ) durchgeführt. Es ist interessant, daß mit dem D-Carnitin-Abbau eine Bildung von PHB (Poly-ß-hydroxy-Buttersäure) gekoppelt ist. Beide Prozesse sind biotechnologisch relevant und sollen weiterhin bearbeitet werden.

    Sächsisches Institut für Angewandte Biotechnologie e.V. an der Universität Leipzig

    Die engagierte wissenschaftliche Tätigkeit der bis Juni 1997 im Rahmen des Wissenschaftler-Integrationsprogramms (WIP) der Fakultät angegliederten Forschungsgruppe ist besonders hervorzuheben. Diese Abteilung Biotechnologie verkörpert die einzige größere Forschungseinheit an der Universität im Freistaat Sachsen, die auf der Grundlage eines breiten Methodenspektrums verschiedenartige biotechnologische Forschungsthemen drittmittel-finanziert bearbeitet. Im Juli 1997 entstand aus dieser Abteilung das An-Institut „Sächsisches Institut für Angewandte Biotechnologie e.V." an der Universität Leipzig. Die Arbeitsgebiete stellen ein Bindeglied zwischen der Grundlagenforschung und der wirtschaftlichen Verwertung der Ergebnisse dar. Tätigkeitsfelder sind die Synthese von Enzymen für Zellstoff- und Textilindustrie, die Herstellung umweltverträglicher Produkte (Polyhydroxyalkansäuren, Metabolite), das Monitoring und die Steuerung bakterieller Populationen und die Metabolisierung von Schadstoffen. Die Geräteausstattung entspricht dem fortgeschrittenen internationalen Standard.

    Die Bemühungen zur Gründung eines Instituts für Isotopenforschung (IIF) als einem weiteren An-Institut der Universität Leipzig kommen hoffentlich bald zu einem erfolgreichen Abschluß.

    INSTITUTE FÜR PSYCHOLOGIE

    Im Institut für Allgemeine Psychologie hat die Besetzung der Professuren Allgemeine Psychologie II (Prof. H.J. Müller) und Biologische Psychologie (Prof. E. Schröger) zum WS 1997/98 das Forschungsspektrum wesentlich erweitert. Allgemeine Psychologie I (Arbeitskreis Geißler): Im Bereich visueller Informationsverarbeitung lag der Schwerpunkt bei Untersuchungen zur Bewegungswahrnehmung und zur Gedächtnissuche beim Vergleich strukturierter Objekte. Mit Hilfe eines neu entwickelten Paradigmas wurden Ergebnisse zum Nachweis ultrafeiner Zeitstrukturen in der Bewegungswahrnehmung erzielt und international publiziert. Zur akustischen Verarbeitung wurden in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Schröger (Biologische Psychologie) und dem MPI für neuropsychologische Forschung erstmals elektrophysiologische Untersuchungen zur Entdeckung von Periodizitäten im Rauschen durchgeführt und gemeinsam publiziert. Ein Projektantrag von C. Kaernbach zur Tonhöhenwahrnehmung im Rahmen eines DFG-Schwerpunkts wurde dem Hauptausschuß der DFG zur Annahme empfohlen. In der Allgemeinen Psychologie II (Arbeitskreis H.J. Müller) wurde mit der Einrichtung des Labors der Arbeitsgruppe "Aufmerksamkeit und Kognitive Kontrolle" begonnen, und es wurden Vorarbeiten für mehrere Drittmittelprojektanträge durchgeführt. Zwei Forschungsprojekte wurden im Rahmen der DFG Forschergruppe "Arbeitsgedächtnis" (Zentrum für Kognitionswissenschaften) gewährt: "Attentionale Modulation von dimensionspezifischen Inputprozessen in das visuelle Arbeitsgedächtnis - eine kombinierte fMRI und Patientenstudie" (Müller, Pollmann* & von Cramon*) und "Priming von Figur-Bindungsprozessen durch synchrone 40 Hz Oszillationfiguraler Elemente" (Müller & Mecklinger* [*MPI Neuropsychologische Forschung Leipzig]). Im Forschungsbereich Methoden der Psychologie wurde mit der Erprobung einer neuen Methode zur Messung des kognitiven Aufwandes (Segmentierung) begonnen (Sommerfeld). Im Rahmen eines DFG-Projektes zur Geschichte der Psychologie erfolgte die Auswertung des Nachlasses von G. Th. Fechner (Meischner-Metge). In der Kognitiven Sozialpsychologie (Arbeitskreis von Collani) wurden bestehende Forschungsschwerpunkte fortgeführt :

    Im Institut für Allgemeine Psychologie hat in der Biologischen Psychologie (Arbeitskreis Schröger) der Aufbau eines EEG-Labors begonnen. Für 1998 sollen aus Berufungs- und Drittmitteln weitere apparative Voraussetzungen für Untersuchungen aus dem Bereich der kognitiven Psychophysiologie geschaffen werden. Im Rahmen einer DFG-Forschergruppe zum Thema "Arbeitsgedächtnis" und eines DFG-Schwerpunktprogramms zum Thema "Zeitgebundene Informationsverarbeitung im zentralen auditorischen System" (Initiator: Prof. Rübsamen) werden demnächst zwei Projekte zum sensorischen Gedächtnis und zur präattentiven auditiven Informationsverarbeitung beginnen.

    Im Institut für Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychodiagnostik konzentrierten sich in der Differentiellen Psychologie und Psychodiagnostik (Arbeitskreis Guthke) die Arbeiten auf Intelligenz- und Lernfähigkeitsdiagnostik. 1997 wurde eine umfangreiche Monografie zur Diagnostik schlußfolgernden Denkens fertiggestellt, die 1998 beim Hogrefe Verlag veröffentlicht wird. In der Entwicklungspsychologie (Arbeitskreis Ettrich) gibt es eine zunehmende Forschungsaktivität sowohl im Kleinkindalter als auch im höheren Lebensalter. Diese Untersuchungen sind als interdisziplinäre Forschungen (Kooperation von Medizin und Entwicklungspsychologie sowie Sportwissenschaften) und als Verbundforschungen zwischen mehreren Universitäten in Deutschland angelegt. Zur Intensivierung der Kleinkindforschung wurde eine spezielle Beratungsstelle für Eltern mit Kleinstkindern (0-3 J.) eingerichtet. Die Problematik der Prävention und Bekämpfung von Drogenerkrankungen bildet ein wesentliches Arbeitsgebiet der Persönlichkeitspsychologie und Psychologischen Intervention (Arbeitskreis Petermann). Hier wurden sowohl epidemiologische, präventive als auch interventive Studien durchgeführt, die zukünftig im Rahmen der Public-Health-Forschung weitergeführt werden.

    Im Institut für Angewandte Psychologie wurde in der Arbeits- und Organisationspsychologie (Arbeitskreis Mohr) mit den Forschungsarbeiten zum Thema berufliche Veränderungsbereitschaft von Un- und Angelernten begonnen. In Kooperation mit anderen Universitäten wurde ein Curriculum entworfen für die Fort- und Weiterbildung von Diplompsychologinnen und Diplompsychologen, die in diesem Berufsbereich ein Zertifikat erwerben wollen. Die Studentin im Hauptstudium Jördis Hollnagel wurde mit dem Wolfgang-Natonek-Preis ausgezeichnet. Besonders erwähnenswerte Forschungsergebnisse der Pädagogischen Psychologie (Arbeitskreis Witruk) wurden im Rahmen der Forschungszusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe "Pädagogische Psychologie" der Chinese University Hong Kong (Frau Prof. Dr. Ho) auf dem Gebiet der Legasthenieforschung erzielt. Hervorzuheben ist ebenfalls der Bearbeitungsbeginn innerhalb des EU-Forschungsprojektes "IMAGINE - Integrated Multimedia Applications Generating Innovative Networks in European Digital Towns". In der Klinischen und Gesundheitspsychologie (Arbeitskreis Schröder) wurden substantielle Ergebnisse bei der Ausarbeitung, dem Praxiseinsatz und der Evaluation von Kursprogrammen zu folgenden Interventionsgegenständen erreicht: "Podiumsangst", "Umgang mit Tod und Sterben", "Regulierung negativer Gefühle", "Selbstprojektierende Reflexionsfähigkeit" und "Streßbewältigung".


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