Forschungsbericht 1997

Veterinärmedizinische Fakultät

  • Habilitationen und Promotionen: 1997 und Vorjahre [ = ]
  • Institute / Kliniken / Einrichtungen

    Projekte Veröffentlichungen Gremien
    Veterinär-Anatomisches Institut
    Veterinär-Physiologisches Institut
    Veterinär-Physiologisch-Chemisches Institut
    Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie
    Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik
    Institut für Virologie
    Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen
    Institut für Parasitologie
    Institut für Bakteriologie und Mykologie
    Institut für Lebensmittelhygiene
    Institut für Veterinär-Pathologie
    Klinik und Poliklinik für kleine Haus- und Heimtiere
    Medizinische Tierklinik
    Chirurgische Tierklinik
    Ambulatorische und Geburtshilfliche Tierklinik
    Lehr- und Versuchsgut Oberholz

    Forschungstätigkeiten an der Fakultät

    Ein wesentlicher institutsübergreifender Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten ist der Verband mehrerer Arbeitsgruppen im Graduiertenkolleg "Schlachttierbelastung und Produktsicherheit".

    Die Zielstellung des Graduiertenkollegs besteht darin, Zusammenhänge zwischen dem Ausmaß prämortaler Belastungen (z. B. Tiertransport) und der Gefahr mikrobieller Kontamination des von diesen Tieren gewonnenen Fleisches herauszuarbeiten. Durch interdisziplinäres Herangehen sollten dabei u. a. die Belastung näher charakterisiert (Tierverhaltensstudien, Blutparametererfassung), morphologisch erfaßbare Veränderungen an der Darmbarriere untersucht, die Rolle des Endotoxins als Wegbereiter für bakterielle Translokationen bestimmt, die Abwehrleistung nach Streß und die streßbedingte Besiedlung des Fleisches mit Bakterien und Viren geprüft werden.

    Das seit dem Jahre 1995 geförderte Graduiertenkolleg umfaßt 9 Kollegiaten (Doktoranden) und zwei assoziierte Doktoranden. An der Betreuung sind die Institute für Lebensmittelhygiene, Bakteriologie und Mykologie, Virologie, Pathologie und Physiologische Chemie beteiligt. Im Jahre 1998 läuft die erste Förderperiode aus; über den gestellten Fortsetzungsantrag ist noch nicht entschieden.

    Ansonsten sind die Richtungen der Forschung naturgemäß durch die einzelnen Professuren gegeben. Besondere Schwerpunkte ergeben sich hierbei durch intensive Kooperationen mit anderen akademischen bzw. industriellen Institutionen. Unter diesem Gesichtspunkt sind folgende Vorhaben hervorzuheben.

    Die Arbeitsgruppe "Immunologie" befaßt sich mit infektions-immunologischen Studien zur Rolle von Zytokinen, die als hochwirksame hormonähnliche Moleküle bei der Steuerung der Immunreaktion gegen Infektionserreger eine kritische Rolle spielen. Aus einer Reihe von Publikationen der letzten zehn Jahre ist klar geworden, daß Immunreaktionen bei Infektionen von sog. Helfer-T-Lymphozyten und deren Zytokinen gesteuert werden. Typ 1-Helfer-T-Zellen (Th1) schützen vor allem gegen viele intrazelluläre (bakterielle und virale) Infektionen, während Typ 2-Helfer-T-Zellen (Th2) Schutz gegen extrazelluläre (bakterielle und parasitäre) Infektion ausüben. Interleukin-12 ist von essentieller Bedeutung für die Reifung von Th1-Zellen, wogegen Interleukin-4 die Bildung von Th2-Zellen induziert.

    Konkret werden derzeit zwei Projekte zu dieser Thematik bearbeitet:

    - Bedeutung von Zytokinen in der Pathogenese der Bornaschen Krankheit

    - Rolle von Interleukin-12 und von Interleukin-12p40 in der Immunantwort gegen Cryptococcus neoformans

    Im Projekt der Bornaschen Krankenheit wurde in Wildtyp-Mäusen ein Infektionsmodell aufgebaut. Es ist geplant, die Rolle von Zytokinen in der Immunpathologie der Krankheit anhand von infizierten Zytokin-Knockout-Mäusen zu analysieren.

    Im Cryptococcus-Infektionsmodell konnte gezeigt werden, daß Interleukin-12 essentiell ist für eine schützende Th1-Zell-Antwort. Eine Langzeitbehandlung infizierter Mäuse mit Interleukin-12 ist in der Lage, die Entwicklung einer Enzephalomyelitis zu verhindern. Interleukin-12 - defiziente Mäuse zeigen eine erhöhte Empfindlichkeit gegen C. neoformans. Die Experimente zeigen darüber hinaus zum ersten Mal, daß eine der Untereinheiten (p40) des heterodimeren Interleukin-12 unabhängig vom Heterodimer eine biologische Funktion ausüben kann. Zu diesem Resultat wurde ein europäischer Patentantrag gestellt.

    Diese Projekte werden in interdisziplinären Kooperationen mit veterinär- und humanmedizinischen Instituten der Universität Leipzig, mit den Instituten für Pathologie bzw. für Medizinische Mikrobiologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und mit dem Institut für Virologie der Veterinärmedizinischen Fakultät an der Universität Zürich durchgeführt.

    Die F.Hoffmann-La Roche AG (Schweiz, USA) hat während der letzten zwei Jahre mit nicht unerheblichen Personal- und Sachmitteln die Studien zu Interleukin-12 gefördert.

    Die seit 1993 an der Fakultät angesiedelten Untersuchungen zu Endotoxinen bzw. die durch diese ausgelösten Endotoxämien werden weiter fortgesetzt. Endotoxine sind Bestandteile der äußeren Membran gramnegativer Bakterien. Ihre Toxizität hängt von vielen Einflußfaktoren wie Herkunft, Konformation, Kettenlänge der Fettsäuren- und Zuckerkomponenten im Molekül, Verteilung und Art der Fettsäuren sowie den Bedingungen der Kultivierung ab. Im Vordergrund der Untersuchungen stehen endotoxinassoziierte Erkrankungen in Beziehung zu Milchleistung, Ansatzleistung aber auch Transportstreß, Temperaturbelastung, Leistungssport sowie nach Darmfloraveränderungen infolge Fütterung und Antibiosen. An diesen Untersuchungen sind außer zahlreichen Universitätsinstituten des deutschsprachigen Raumes auch verschiedene Firmen beteiligt.

    Ein in die Humanmedizin ausstrahlendes Thema sind die Untersuchungen zu degenerativen und regenerativen Prozessen im ZNS. Unfälle können Verletzungen zentralnervöser Strukturen, verbunden mit Querschnittslähmungen und schweren Schädel-Hirntraumen, auslösen. Dies führt zu irreversiblen funktionellen Defiziten, da nach Abschluß der embryonalen und frühen postnatalen Entwicklungsphase ihre Fähigkeit zu weiteren Mitosen bei Säugern erlischt.

    Als Modell für die Untersuchung degenerativer und regenerativer Prozesse im ZNS dient das retino-tectale System der adulten Ratte nach Durchtrennung des Sehnerven. Über eine Vertiefung des Wissens zur axonalen Regeneration des visuellen Systems werden funktionelle Regenerationsmodelle für das ZNS erarbeitet.

    An dem Projekt sind außer dem Veterinär-Anatomischen Institut der Fakultät auch das Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung, Abteilung Neurophysiologie, der Universitäts-Augenklinik Leipzig und die Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universität Münster beteiligt.

    Ein virologisch ausgerichteter Schwerpunkt an der Fakultät stellt ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft umfangreich gefördertes Projekt mit dem Thema "Virus-Wirtszell-Wechselwirkungen beim Virus der infektiösen Bursitis (IBDV)" dar. Das der Familie der Birnaviridae angehörende Virus verursacht weltweit erhebliche Verluste in der Geflügelindustrie. Bei den eine Infektion mit pathogenen Stämmen überlebenden Tieren führt es durch Zerstörung der Lymphozyten der Bursa Fabricii zu einer Beeinträchtigung der humoralen Immunantwort ("Gumboro-Krankheit"). Neben nekrotischen Veränderungen in diesem Zielorgan werden auch apoptotische Veränderungen in anderen lymphatischen Organen für die Immunsuppression verantwortlich gemacht. Die Untersuchungen haben zum Ziel, die unterschiedliche Zelltypspezifität pathogener und apathogener IBDV-Stämme und deren Auswirkungen auf die infizierten Zellen aufzuklären. Durch die Infektion isolierter Lymphozytenfraktionen aus der Bursa Fabricii konnte gezeigt werden, daß die Virusvermehrung pathogener Stämme in einer Population proliferierender B-Lymphozyten erfolgt. In anderen lymphatischen Zellen findet keine Replikation statt. Mit Adsorptions- und Bindungsstudien gelang der Nachweis, daß diese Zelltypspezifität nicht durch das Vorhandensein spezifischer Rezeptorstrukturen determiniert wird. Ein nach der vollständigen Aufklärung der Primärstruktur des Genoms pathogener und apathogener Stämme zur Verfügung stehendes "reverses genetisches System" wird dazu verwendet, die genetischen Grundlagen für diese unterschiedlichen Eigenschaften zu ermitteln. Die erhaltenen Ergebnisse sind die Voraussetzung zur Herstellung einer sicheren und schützenden Vakzine. Zur Bekämpfung dieser wirtschaftlich bedeutsamen Virusinfektion wurde vom Institut für Virologie eine Zusammenarbeit zwischen europäischen und außereuropäischen Forschungseinrichtungen initiiert.


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