Forschung Forschungsbericht 2001  
   
 

Vorwort

Der Forschungsbericht der Universität Leipzig für das Jahr 2001 legt Zeugnis ab, daß sich die Universität Leipzig zunehmend zu einem international anerkannten Ort der Spitzenforschung entwickelt. Dabei reicht die universitäre Forschung von Themen der Grundlagenforschung bis hin zur angewandten Forschung. Dem Charakter einer Universitas litterarum entsprechend ist das Spektrum der Forschung sowohl strukturell als auch inhaltlich breit gefächert. Dieser Tatsache Rechnung tragend gibt der Forschungsbericht einen Überblick über die aktuellen Forschungsaktivitäten aller 14 Fakultäten der Universität.

Grenzüberschreitungen zwischen den herkömmlichen Wissenschaftsdisziplinen prägen zunehmend das Bild unserer Universität. Diese finden nicht zuletzt ihren Ausdruck in interdisziplinären Zentren, die fakultätsübergreifend Projekte bündeln und vernetzen und von denen einige im Zentrum für Höhere Studien zusammengeschlossen sind. Sie prägen ebenso die enge Zusammenarbeit mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Leipzig wie den Max-Planck-Instituten, dem Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH und anderen.

Das Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum (BBZ) als universitärer Teil der BioCity Leipzig hat deutliche Konturen angenommen. Entsprechend dem im Rahmen der Biotechnologie- / Gentechnologie-Initiative des Freistaates Sachsen Ende 2000 bestätigten wissenschaftlichen Konzept des BBZ wurden die entsprechenden Professuren ausgeschrieben. Sechs wissenschaftliche Nachwuchsgruppen haben ihre Arbeit aufgenommen. Beteiligt sind die Medizinische Fakultät, die Fakultät für Physik und Geowissenschaften, die Fakultät für Chemie und Mineralogie, die Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie und die Veterinärmedizinische Fakultät. Darüber hinaus gibt es eine enge Kooperation mit dem Interdisziplinären Zentrum für Bioinformatik und der Fakultät für Mathematik und Informatik, ebenso mit dem neuen Sonderforschungsbereich „Protein-Zustände mit zellbiologischer und medizinischer Relevanz“.

Nachdem die Universität Leipzig im Jahre 2000 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft den Zuschlag für den Aufbau eines Bioinformatikzentrums erhielt, beschloß der Senat der Universität Leipzig im Dezember 2001 die Gründung des Interdisziplinären Zentrums für Bioinformatik (IZBI). Als übergreifende Institution hat das IZBI begonnen, eine enge Zusammenarbeit zwischen biologischen und medizinischen Disziplinen und der Informatik innerhalb der Universität zu praktizieren. Insbesondere gilt das für das Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum, das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung und das Koordinierungszentrum für Klinische Studien, für die in Leipzig angesiedelten Max-Planck-Institute sowie weitere Forschungseinrichtungen und Industriepartner.

Zwei neue Sonderforschungsbereiche - beide gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - prägen seit 2001 maßgeblich das wissenschaftliche Profil der Universität Leipzig: im Bereich der Geisteswissenschaften mit dem Thema „Differenz und Integration. Wechselwirkungen zwischen nomadischen und seßhaften Lebensformen in Zivilisationen der Alten Welt“, im Bereich der Lebenswissenschaften mit dem Thema „Protein-Zustände mit zellbiologischer und medizinischer Relevanz“.

Ein ganz besonderer Erfolg ist, daß 2001 durch den erstmals von der Alexander von Humboldt-Stiftung vergebenen Wolfgang-Paul-Preis, dem bisher höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreis, gleich zwei international renommierte Wissenschaftler für die Universität Leipzig gewonnen werden konnten, Prof. Dr. Barry Smith und Prof. Dr. Josef A. Käs.

Mit dem Ziel einer stärkeren Öffnung nach außen entwickelte die Universität Leipzig vielfältige Ansätze erfolgreich weiter. Verwiesen sei an dieser Stelle auf den jährlichen Tag „campus – eine Universität zum Anfassen“ oder die öffentliche Präsentation der Universität Leipzig bei der Großveranstaltung „Brennpunkt Körper – Eigenes und Fremdes“ im Rahmen des BMBF-Projektes „2001 – Jahr der Lebenswissenschaften“ mit Vorträgen und Ausstellungsobjekten auf dem Leipziger Hauptbahnhof.

Erfolgreich war die Universität Leipzig auch bei der erstmaligen Ausschreibung des neuen Programms „Promotion an Hochschulen in Deutschland“ (PHD), mit dem der Deutsche Akademische Austauschdienst und die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Attraktivität und Internationalität des Promotionsstudiums fördern wollen. Der internationale Promotionsstudiengang „Transnationalisierung und Regionalisierung“, an dem vier geistes- und sozialwissenschaftliche Fakultäten sowie zwei außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt sind, wurde im Oktober 2001 eröffnet.

Die von den Wissenschaftlern der Universität Leipzig eingeworbenen Drittmittel sind im Haushaltsjahr 2001 um mehr als 30 % auf 43,6 Mio. EUR gesteigert worden. Das ist das bislang beste Ergebnis der Universität. Es geht auf die überdurchschnittliche Zunahme der eingeworbenen Drittmittel durch die Medizinische Fakultät und die Philologische Fakultät sowie die Förderung neuer Einrichtungen wie des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums zurück.

Bei den begutachteten öffentlichen Projekten von EU, Bund und DFG betrug der Anteil der Drittmitteleinnahmen, bezogen auf das Gesamtaufkommen, immerhin 52 %. Rund 27 % der Fördermittel erhielt die Universität Leipzig von der DFG, dem damit wichtigsten Drittmittelgeber.

Aus der Einwerbung von Drittmitteln ergibt sich für die Universität die Möglichkeit, zusätzlich Personal für die Bearbeitung von Forschungsprojekten einzustellen. Fast 800 Arbeitsverträge (10 % mehr gegenüber dem Vorjahr) sind - wenn auch befristet - im Jahr 2001 abgeschlossen worden.

Selbstverständlich kann und darf Qualität von Forschung nicht ausschließlich anhand eingeworbener Drittmittel bewertet werden, auch wenn diese ein wichtiger Indikator sind. Wie immer in Zeiten knapper Kassen ist die weniger drittmittelträchtige geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung einem besonders großen Legitimationsdruck ausgesetzt, trotz hoher, vielfach an der Grenze des Möglichen liegender Studentenzahlen. Gerade in der Vielfalt der Geistes- und Sozialwissenschaften, ihrer Internationalität und Interdisziplinarität, ihrer besonderen Rolle bei der Vermittlung der im Zeitalter der Globalisierung zunehmend vom Arbeitsmarkt benötigten interkulturellen und kommunikativen Fähigkeiten liegt die besondere Spezifik der Universität Leipzig. Diese Potenzen für eine in Sachsen einmalige Kompetenzbündelung gilt es auszubauen. Das verlangt, und hier sind alle an der Universität Leipzig vertretenen Wissenschaftsdisziplinen angesprochen, bisherige Gewohnheiten der Forschungsfinanzierung zu überdenken und neue Möglichkeiten zu erschließen.

Professor Dr. Volker Bigl
Rektor
Professor Dr. Helmut Papp
Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs
 
home Forschungskontaktstelle, fkst@uni-leipzig.de, 27.10.2002