Forschungstätigkeit an den Fakultäten
Die Forschung an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät
ist strukturell dadurch gekennzeichnet, dass einerseits gegenstandsbedingt
die Möglichkeit der Drittmitteleinwerbung beschränkter
ist als in anderen Fachbereichen (eine Förderung durch die
Privatwirtschaft ist quasi inexistent), dass andererseits aber Forschung
verstärkt in praxiszugewandten Arbeitsbereichen stattfindet
(Schulbegleitforschung, Erwachsenenbildung, Sozialpädagogik,
Wirtschaftspädagogik und Förderpädagogiken). Die
Situation wird dadurch erschwert, dass im Jahr 2002 drei wichtige
Professuren vakant wurden, weitere krankheitsbedingt in ihren Aktivitäten
langfristig eingeschränkt waren.
Angesichts dieser Prämissen ist es nicht selbstverständlich,
dass die Fakultät die Zahl der Drittmittelprojekte im
Berichtsjahr sogar noch auf 49 erhöhen konnte, obgleich die
Gesamtzahl der gemeldeten Forschungsprojekte aufgrund der vakanten
Professuren auf 90 zurückging. Auch in der Frage der Internationalität
der Forschung ist diesem Faktum ein leichter Rückgang (von
25 % auf 20 %) geschuldet.
Dagegen hat sich die wissenschaftliche Publikationsfähigkeit
der Fakultätsmitglieder 2002 deutlich intensiviert. Die Zahl
der Bücher hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf 22 verdoppelt,
die Zahl der Artikel auf 71 erhöht.
Institut für Allgemeine und Vergleichende Pädagogik,
Schulpädagogik und Pädagogische Psychologie
Im Bereich der pädagogischen Grundlagenwissenschaften
wurden die bisherigen Forschungsschwerpunkte im wesentlichen weitergeführt.
So blieben die Themen des Verhältnisses von Region/Nation/Europa
im Bildungswesen sowie Auswirkungen der Transformationsprozesse
auf das Bildungswesen bestimmend auch für neue Projekte im
Bereich der Allgemeinen und Vergleichenden Bildungsforschung.
Im Rahmen der historisch ausgerichteten Projekte bleibt eine gewisse
Schwerpunktsetzung im Bereich der Rezeptionsforschung und
der Untersuchung des Einflusses bestimmter Rezeptionen auf pädagogische
Akteure (Lehrer bzw. Bildungspolitiker) zu beobach-ten. Im schulpädagogischen
Arbeitsfeld sind Lehrerforschung, Ethikunterricht, Didaktik und
Theorie der Schule Themen, die Forschungsaktivitäten bündeln.
Die Thematik Pädagogik in der DDR in retrospektiver Sicht wird
sowohl von schulpädagogischer Seite als auch von Seiten der
Allgemeinen und der Vergleichenden Pädagogik verfolgt.
In diesen Zusammenhang gehört auch die Theodor-Litt-Forschungsstelle,
die auch 2002 wieder durch ein hochkarätig besetztes Symposium
auf sich aufmerksam machte. Zu nennen ist aber auch das aus der
Fakultät hervorgegangene "Zentrum zur Erforschung und
Entwicklung pädagogischer Berufspraxis", das neben seinen
Koordinationsaufgaben auch wieder über die Durchführung
von Kolloquien die päda-gogische und bildungspolitische Öffentlichkeit
der Region einbezog.
Der dem Arbeitsbereich Schulpädagogik II zugeordnete
fakultätsübergreifende For-schungsbereich Umweltbildung
konnte seine Arbeit im Berichtsjahr fortsetzen. Das von der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt zur Umweltbildung,
Umweltkommunikation und nachhaltigen Stadtentwicklung wurde erfolgreich
weiter-geführt.
In der Pädagogischen Psychologie wurden die kulturvergleichenden
Untersuchungen des Vorjahres fortgesetzt. Dabei ging es um Disziplin
und Autonomie im Jugendalter als gegensätzliche Pole des Verhaltens
sowie um die moralische und religiöse Entwicklung im Kindes-
und Jugendalter, ein Themenkomplex, der auch komplementär zur
historischen Untersuchung von Konzeptionen des Ethikunterrichts
im Bereich der Schulpädagogik gesehen werden muss. Weitere
inhaltliche Schwerpunkte liegen in der Erforschung von Spielen und
Lernen (aus der Sicht von Lehrern und Schülern).
Umfangreiche Forschungsanstöße kamen aus dem Bereich
Psychologie in Schule und Unterricht, der in Zusammenarbeit
mit einem bedeutenden Fachbuchverlag eine Reihe kooperativer (auch
universitätsübergreifender) Forschungsprojekte durchführte,
die insbesondere der Entwicklung von Tests im Bereich des Lesen-
und Schreibenlernens dienen sollen. Neu dabei war das Aufgreifen
des Themas der internationalen Schulleistungsmessung, das durch
die TIMS- und PISA-Studien aktuell wurde. Auch das Thema schulformvergleichende
Testentwicklung im Lesen und in der Mathematik steht in einem engen
Bezug zur aktuellen bildungspolitischen Diskussion, da es ebenfalls
durch die Ergebnisse der PISA-Studie angestoßen wurde.
Institut für Grundschulpädagogik
Das Institut für Grundschulpädagogik konnte seinen vom
Sächsischen Staatsministe-rium für Kultus übernommenen
Forschungsauftrag zur Optimierung der Schulein-gangsphase weiterführen
und durch andere Projekte zum frühen Lernen bzw. zur Kooperation
zwischen Kindergarten und Schule ergänzen. In den Grundschuldidakti-ken
ist infolge der nichtbesetzten Stellen allein noch im Arbeitsbereich
Grundschul-mathematik ein eigener Forschungsfokus (in der Disziplingeschichte)
vorhanden.
Institut für Erwachsenen-, Sozial- und Wirtschaftspädagogik
Das Institut für Erwachsenen-, Sozial- und Wirtschaftspädagogik
hat ein breites und elaboriertes Forschungsprofil entwickelt, das
aktuelle Probleme aus Theorie und Praxis aufgreift und durch eine
Reihe von Drittmittelprojekten ausgestaltet wird. Einen allgemeinen
Schwerpunkt des Forschungsinteresses bildet die Begleitung und Evaluation
von Praxisprozessen. Dabei liegt in quantitativer Hinsicht der Forschungsschwerpunkt
im Bereich der Erwachsenenpädagogik. Dort ist der Fokus
der Forschung neben der Entwicklung erwachsenenspezifischer Lernverfahren
vor allem auf die Entwicklung innovativer Bildungsprojekte, insbesondere
im Bereich neuer Lernkultur und betrieblicher Weiterbildung einschließlich
der gesellschaftlich immer bedeutungsvoller werdenden Frage zur
Nutzung der Innovationspotentiale älterer Menschen gerichtet,
ein Thema, das sozusagen quer zu dem Trend des "Zeitgeistes"
geht, der den Älteren innovative Fähigkeiten abspricht.
Der aus den anderen Ar-beitsbereichen der Fakultät bekannte
Regionalaspekt wird in der Thematik der regio-nalen Lernagenturen
in spezifischer Weise aufgegriffen. Die im Arbeitsbereich schon
länger verankerte Thematik des Qualitätsmanagements wird
in Gestalt der selbstge-steuerten Qualitätssicherung weitergeführt.
Im Bereich der Sozialpädagogik stehen die Thematik
des abweichenden Verhaltens und die Drogenproblematik im Mittelpunkt
des Forschungsinteresses. Da diese Fragen auch im Bereich der Schule
eine nicht unbedeutende Rolle spielen, schlägt der Arbeitsbereich
auf diese Weise eine Brücke zum Bereich Schulpädagogik
und versucht, erste Bausteine zur Konstruktion eines Konzepts der
Schulsozialarbeit zusammenzutragen.
Die Forschung im Bereich Wirtschaftspädagogik fokussiert
unterschiedliche Schwerpunkte. Ein zentrales Arbeitsfeld bildet
das Lernen und Lehren mit neuen Medien, insbesondere mit Computer
und Internet. Dabei geht es einerseits um die Konstruktion, Implementation
und Evaluation multimedialer, netzbasierter Lernumgebungen und andererseits
um Auswahl, Test, Bewertung und Einsatz von Bildungssoftware. In
diesen Schwerpunkt sind auch die Arbeiten zur curricularen und didaktisch-methodischen
Aufbereitung des elektronischen Geschäftsverkehrs einzuordnen,
die im Rahmen eines BMBF-Verbundprojektes durchgeführt werden.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist darauf gerichtet, Curriculumentwicklung
und Lehr-Lern-Prozessgestaltung in der kaufmännischen Aus-
und Weiterbildung durch moderne Instruktionsansätze miteinander
zu verknüpfen, um so die Entwicklung von Expertise sowie von
transferfähigem Wissen und Können zu fördern.
Institut für Förderpädagogik
Neben der Grundschulpädagogik hat die Förderpädagogik
auch im Hinblick auf die Forschungsaktivitäten am stärksten
unter der Nichtbesetzung der Professuren gelitten. Die verbleibenden
Ressourcen fokussieren sich neben der wissenschaftlichen Begleitung
der berufsbegleitenden Weiterbildung schwerpunktmäßig
auf die Entwick-lung von Diagnose und Therapieinstrumenten für
die verschiedenen Arten von Be-hinderung. Im Berichtsjahr bezog
sich dies insbesondere auf den Arbeitsbereich Verhaltensgestörtenpädagogik
(Schulverweigerer, Gewaltprävention, Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten).
Ein zentrales Thema für die Bereiche der Körperbehinderten-
wie der Geistigbehindertenpädagogik war die Entwicklung
und Anwendung von Instrumenten und Maßnahmen unterstützter
Kommunikation (auch hier unter Einschluss moderner Kommunikationsinstrumente
und entsprechendem Medieneinsatz). Das vom Arbeitsbereich Erwachsenenpädagogik
angestoßene Thema Qualitätsmanagement wurde auch im Bereich
der Förderpädagogik aufgegriffen.
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