Forschungstätigkeit an den Fakultäten
Die Fakultät für Mathematik und Informatik gliedert sich
in das Mathematische Institut und das Institut für Informatik.
Das Mathematische Institut blickt auf eine weit über 100jährige
verpflichtende Tradition mathematischer Forschung zurück. Das
Institut für Informatik ist aus der im Jahre 1989 an der Leipziger
Universität gegründeten Sektion Informatik hervorgegangen
und hat mit der Neuordnung der Universität einen tiefgreifenden
Strukturwandel und Neuaufbau vollzogen. Beide Institute untergliedern
sich in Abteilungen, in denen ein oder mehrere Professoren und Mitarbeiter
mit benachbarten fachlichen Interessen zusammenarbeiten.
Mathematisches Institut
Das Spektrum der Forschung am Mathematischen Institut in den einzelnen
Abteilungen Algebra, Analysis, Didaktik, Geometrie, Funktionalanalysis
und Mathematische Physik, Numerik und Wissenschaftliches Rechnen,
Optimierung, Wirtschaftsmathematik/Stochastik betrifft solche Gebiete
wie
- arithmetische Geometrie, algebraische Theorie der Singularitäten,
Computeralgebra, konstruktive Methoden der kommutativen Algebra,
- analytische, geometrische und numerische Methoden in der Hydrodynamik
und Kontinuumsmechanik, Eigenwerttheorie elliptischer Operatoren,
freie Randwertaufgaben in der Hydrodynamik, nichtlineare Erhaltungssätze,
mathematische Theorie der Kapillarität, Existenz- und Regularitätsprobleme
für Variationsungleichungen,
- Geometrie und Analysis auf Mannigfaltigkeiten, Krümmungsoperatoren
(Jacobi-Operator, schiefsymmetrischer Krümmungsoperator),
Spektralgeometrie, Twistor und Spinoren, periodische Bahnen Hamiltonscher
Systeme, Holonomie affiner Zusammenhänge und Supersymmetrische
Strukturen, konform parallele Spinoren auf Kählermannigfaltigkeiten,
Ambitwistorräume für Spinmannigfaltigkeiten,
- Operatorentheorie und Operatorenalgebren, Nichtkommutative Geometrie,
Modular-Theorie und Quantenfeldtheorie, Lie-Gruppen,
- Mehrgitterverfahren, Effiziente Löser für Integralgleichungen,
- Phasenübergänge und Entropiemaximierung, Verfahrensoptimierung
mit stochastischen Daten
- Probleme der Vorhersage, Interpolation und Approximation, Statistik
und Steuerung stochastischer Prozesse auf Finanzmärkten und
bei Versicherungen, stochastische Entscheidungsprozesse, positiv
definite Funktionen,
- Sprache und Kommunikation im Mathematikunterricht, Computer
im Mathematikunterricht.
Hierfür konnten in einer Reihe von Projekten Forschungsfördermittel
der DFG, des DAAD und der EU eingeworben werden.
Zwischen dem Mathematischen Institut und dem Max-Planck-Institut
für Mathematik in den Naturwissenschaften haben sich in den
letzten Jahren vielfältige Bande der gemeinsamen Arbeit in
Forschung und Lehre entwickelt. Davon zeugen die Durchführung
gemeinsamer Forschungsseminare und Workshops (z.B. Arbeitsgemeinschaft
Geometrie, Arbeitsgemeinschaft Mikrostrukturen, Oberseminar Analysis,
Arbeitsgemeinschaft neuronale Netze und kognitive Systeme, Oberseminar
Mathematische Physik, Oberseminar Geometrie) ebenso wie das Angebot
von Spezialvorlesungen zu aktuellen Forschungsgebieten durch die
Professoren Jürgen Jost, Stefan Müller vom Max-Planck-Institut
zur Ausbildung unserer Studenten.
Gute Tradition gemeinsamer Forschungsarbeit ist die nunmehr zum
siebten Male gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Mathematik
in den Naturwissenschaften durchgeführte Tagung "Prospects
in Geometry". Aktuelle Entwicklungen in der Differentialgeometrie
und benachbarten Gebieten waren Gegenstand der Vorträge und
Diskussionen. Tradition werden soll der zum ersten Male gemeinsam
vom Mathematischen Institut, der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
sowie der Handelshochschule Leipzig organisierte Workshop on Mathematics
and Economics. Dieser Workshop soll der Intensivierung des wissenschaftlichen
Dialogs zwischen Wirtschaftswissenschaftlern und Mathematikern dienen.
Seit Mai 2000 existiert am Mathematischen Institut das Graduiertenkolleg
"Analysis, Geometrie und ihre Verbindung zu den Naturwissenschaften".
Im Jahre 2002 waren acht Stipendiaten und ein post-doc-Student am
Kolleg tätig. Ziel des Graduiertenkollegs ist es, die wechselseitige
Befruchtung zwischen Naturwissenschaften und Mathematik aufzuzeigen
und in der Ausbildung von Doktoranden der Mathematik nutzbar zu
machen. Hier besteht heutzutage durch die weitgehende Trennung der
Ausbildungsgänge von Naturwissenschaftlern und Mathematikern
im Graduiertenstudium ein erhebliches Defizit. Das Forschungsprogramm
ist grob unterteilt in einen analytischen und einen geometrischen
Bereich. Dies sind traditionell stark vertretene Fächer am
Mathematischen Institut der Universität Leipzig. Leipzigs besondere
Stärke liegt im naturwissenschaftlichen Bezug, den nicht nur
die üblicherweise der Angewandten Mathematik zugerechneten
Abteilungen haben. Diese Stärke wurde auch durch die Ansiedlung
des Max-Planck-Instituts für Mathematik in den Naturwissenschaften
dokumentiert, nach Bonn ist dies das zweite mathematische Max-Planck-Institut
in Deutschland. Im Einzelnen kommen die Forschungsgegenstände
aus den Materialwissenschaften und der Hydrodynamik, der Thermodynamik
und der statistischen Mechanik, der klassischen Mechanik, der Bildverarbeitung,
von Neuronalen Netzen und aus der Allgemeinen Relativitätstheorie.
Das Forschungsprogramm ist natürlich ein mathematisches, die
Variationsmethode, das Wechselspiel von Geometrie, partiellen Differentialgleichungen
und globaler Analysis sowie der enge Zusammenhang Analysis-Numerik-Mechanik
prägen das Forschungsprogramm in vielen Punkten. Wichtiges
Anliegen des Studienprogramms ist es, die Doktoranden mit mehr als
einer Anwendung und mit mehr als einer mathematischen Methodik enger
vertraut zu machen. Durch das vielfältige Gästeprogramm
am MPI für Mathematik in den Naturwissenschaften ergeben sich
für Doktoranden hervorragende Gelegenheiten, mit bedeutenden
Wissenschaftlern in unmittelbaren Kontakt zu treten. Eine große
Rolle spielen auch die Arbeitsgemeinschaften von Mitarbeitern der
Universität und des MPI für Mathematik in den Naturwissenschaften.
Institut für Informatik
Das Jahr 2002 war neben der Konsolidierung des bisher Erreichten
und der Einwerbung neuer Forschungsprojekte vor allem gekennzeichnet
durch die Besetzung von 3 Professuren: Prof. Dr. Volker Gruhn (Stiftungsprofessur
der Deutschen Telekom, Angewandte Telematik), Prof. Dr. Martin Middendorf
(Parallelverarbeitung) und Prof. Dr. Peter F. Stadler (Stiftungsprofessur
DFG, Bioinformatik). Damit fanden die langjährigen intensiven
Bemühungen zum Ausbau des Instituts von 10 auf 12 ordentliche
Professuren ihren erfolgreichen Abschluss. Zugleich sind drei Institutsangehörige
auf externe Professuren berufen worden: Prof. Dr. Dietmar Saupe,
Professur Computergraphik und Bildverarbeitung und bis Februar 2002
Direktor des Instituts für Informatik, hat einen Ruf an die
Universität Konstanz angenommen, PD Dr. Christian Wolff, Mitarbeiter
an der Abteilung für Automatische Sprachverarbeitung, hat einen
Ruf auf die Professur für Medieninformatik an der Technischen
Universität Chemnitz angenommen und PD Dr. Frank Wolter, Mitarbeiter
an der Abteilung für Intelligente Systeme, hat einen Ruf an
die Universität Liverpool angenommen.
Mit der Wahl von Professor Heyer ist erstmals in der Geschichte
der Fakultät ein Mitglied des Instituts für Informatik
zum Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik gewählt
worden.
Zur Zeit werden am Institut 14 DFG-Projekte, 7 BMBF-Projekte und
16 Industrie-Projekte sowie mehrere Projekte auf Basis von Bewirtschaftungsbefugnissen
bearbeitet. Bei gegenüber dem Vorjahr nahezu unveränderter
Mitarbeiteranzahl konnte die Summe der eingeworbenen Drittmittel
auf 1.413 Mio. Euro gesteigert werden (Vorjahr: 1.966 Mio. DM).
Gleichzeitig stabilisierte sich die Anzahl der in den Informatik-Studiengängen
eingeschriebenen Studenten auf deutlich über 1.000. (Im Wintersemester
2002/2003 allein 281 Studenten im 1. Fachsemester.) Damit ist die
Überlast für die Mitarbeiter des Instituts bei den Lehraufgaben
unverändert hoch. Da nach wie vor ein universitätsbezogener
numerus clausus für die Informatik-Studiengänge nicht
genehmigt wurde, bemüht sich das Institut um die Einführung
einer Eignungsfeststellungsprüfung als Studienvoraussetzung.
Die organisatorischen und inhaltlichen Arbeiten zur Einrichtung
des Interdisziplinären Zentrums für Bioinformatik (IZBI)
an der Universität Leipzig sind angelaufen. Erste wissenschaftliche
Mitarbeiter wurden eingestellt und einige interdisziplinäre
Forschungsprojekte begonnen.
Erfolgreich konnte die Arbeit des Graduiertenkollegs "Wissensrepräsentation"
im zweiten Förderungszeitraum fortgeführt werden. Forschungsgegenstand
sind nach wie vor Grundlagen, Methoden und Anwendungen von Techniken
der Wissensrepräsentation. Im Berichtsjahr wurden regelmäßig
Kolloquia und ein Workshop durchgeführt.
Aus der Arbeit in den Abteilungen des Instituts entstanden im Berichtsjahr
2 Bücher, 16 Artikel in referierten Fachzeitschriften, 71 Beiträge
in Sammel- bzw. Proceedingbänden, 4 Technische Reports, 5 Implementierungen
und 1 Softwarepaket. Die einzelnen Forschungsergebnisse wurden in
81 Vorträgen auf Tagungen, Workshops und Kolloquia außerhalb
des Instituts vorgestellt.
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