Forschungstätigkeit an den Fakultäten
Für die Fakultät für Physik und Geowissenschaften
war das Jahr 2002 im Bereich der Forschung wiederum erfolgreich.
Besonders wichtig ist der fakultätsüber-greifende und
stark interdisziplinär orientierte Charakter der Arbeiten,
der in glei-chem Maße die komplexen Forschungsschwerpunkte
als auch zahlreiche Einzel-projekte und Forschungsvereinbarungen
betrifft. Hervorzuheben ist die mit der erfolgten Berufung für
den Lehrstuhl "Physik der weichen Materie" (Prof. Dr.
J. Käs) und die wesentliche Vergrößerung der zugehörigen
Abteilung geschaffene Möglich-keit, an der Fakultät sich
in größerem Umfang dem Problemkreis der Biomedizin und
Biotechnologie zu widmen. Eine größere Zahl von Projekten
hat eine enge Ver-bindung zur Region und zu überregionalen
Schwerpunkten im Freistaat Sachsen.
Komplexe Forschungsschwerpunkte der Fakultät
Sonderforschungsbereich SFB 294: "Moleküle in Wechselwirkung
mit Grenzflächen", Sprecher: Prof. Dr. D. Michel (Institut
für Experimentelle Physik II)
Das Anliegen des Sonderforschungsbereiches ist die Klärung
des Einflusses von Grenzflächen auf die Eigenschaften von Molekülen
und molekularen Systemen. Bei den festen Grenzflächen steht
das Verhalten der Moleküle (Struktur, lokale Dynamik, Diffusivität,
Transporteigenschaften, Reaktivität) im Vordergrund. Modelle
der Dyna-mik und des Transportverhaltens werden in Verbindung zwischen
experimentellen und theoretischen Untersuchungen (molekulardynamische
und Monte-Carlo-Simu-lationen) geprüft. Die Wechselwirkung
von Molekülen und mit aktiven Zentren an Festkörperoberflächen
ist Grundlage des Verständnisses der Reaktivität von Molekülen
im Zusammenhang mit der heterogenen Katalyse. Bei der Wechsel-wirkung
"weicher" Materie mit Grenzflächen und bei fluiden
Systemen spielt auch die Rückwirkung der Moleküle auf
das Verhalten der grenzflächennahen Region eine wichtige Rolle.
Das Forschungsprogramm war für die Jahre 2000 bis 2002 wie
folgt gegliedert:
- Projektbereiche F "Strukturbildung und strukturelle Charakterisierung"
mit vier Projekten (Wechselwirkung von Biosurfactanten mit Phospholipid-Oberflächen-monoschichten;
Struktur und Dynamik freitragender flüssigkristalliner Filme;
17O-NMR-Spektroskopie zum Studium der Wechselwirkung von Molekülen
mit dem Zeolithgerüst; ESR-, ENDOR- und ESEEM-Spektroskopie
zur Struktur und Dynamik von Molekülen in Wechselwirkung
mit aciden Zentren an Festkörper-oberflächen);
- Projektbereich G "Reaktivität und Dynamik" mit
neun Projekten (Untersuchungen von Elementarschritten der heterogenen
Katalyse - Aufklärung des Reaktionsmechanismus der n-Buten-Isomerisierung;
In-situ MAS-NMR-Untersuchungen zur Aufklärung der n-Buten-Umwandlung
in Zeolithen; Gemischdiffusion in Zeolithen; Molekularer Transport
und Struktur in mehrphasigen Polymersystemen; Moleku-lare Dynamik
des makromolekularen Grundgerüstes und der flüssigen
Phase in Knorpel und Polymergelen; Dynamik und Mobilität
in (ultra-)dünnen Polymer-filmen; Dynamik, Ordnungsverhalten
und Reaktivität von Molekülen in mikro- und mesoporösen
Materialien; Flüssigkristalline Phasen in einschränkenden
Geo-metrien; Polyelektrolyte in eingeschränkter Geometrie);
- Projektbereich H "Theorie und Simulation" mit drei
Projekten (Statistische Theorie und Simulation zu molekularen
Prozessen an Grenzflächen (Zeolithe); Statistische Theorie
und Simulation inhomogener Fluide: Strukturbildung und Phasenverhalten
in starren und molekular flexiblen Grenzflächen; Strukturbe-schleunigte
Reaktion).
Beteiligt waren die Institute für Experimentelle Physik I
und II, das Institut für Theoretische Physik, das Institut
für Technische Chemie (Fakultät für Chemie und Mineralogie)
und das Institut für Medizinische Physik und Biophysik (Medizinische
Fakultät). Die Arbeiten innerhalb des SFB 294 wurden im Dezember
2002 erfolg-reich abgeschlossen.
Graduiertenkolleg: "Quantenfeldtheorie: Mathematische Struktur
und Anwendungen in der Elementarteilchen- und Festkörperphysik"
Sprecher: Prof. Dr. B. Geyer (Institut für Theoretische Physik)
Das Forschungsprogramm des Graduiertenkollegs ist in die Themenkomplexe
Mathematische Struktur der Quantenfeldtheorie, Quantenfeldtheorie
der Elementar-teilchen und Quantenfeldtheorie des Festkörpers
untergliedert und umfasst neun Teilprojekte. An der Arbeit beteiligt
sich neben dem Institut für Theoretische Physik (federführend)
die Fakultät für Mathematik und Informatik. Es besteht
eine enge Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Mathematik
in den Naturwissenschaften Leipzig. Diese Arbeiten sind in das Naturwissenschaftlich-Theoretische
Zentrum im Rahmen des Zentrums für Höhere Studien der
Universität eingebunden, an dessen Arbeit das Institut für
Theoretische Physik sehr maßgeblich beteiligt ist.
Graduiertenkolleg: "Physikalische Chemie der Grenzflächen"
Sprecher: Prof. Dr. R. Szargan (Fakultät für Chemie und
Mineralogie)
Die Institute für Experimentelle Physik I und II waren an
den Arbeiten dieses Graduiertenkollegs beteiligt, das federführend
an der Fakultät für Chemie und Mineralogie bearbeitet
wurde. Das Ziel des Kollegs bestand darin, ein interdis-ziplinär
angelegtes Qualifizierungsvorhaben zu verwirklichen, das einer größeren
Zahl von Doktoranden auf der Grundlage eines komplexen Forschungsprogrammes
die Promotion ermöglicht. Bearbeitungsschwerpunkte sind Grenzflächen
poröser Festkörper, Halbleitergrenzflächen und Fluidgrenzflächen.
Das Graduiertenkolleg beendete seine Arbeit erfolgreich mit Ablauf
des Jahres 2002.
Drittmittelgeförderte Forschung
Zahlreiche Forschungsvorhaben der Fakultät werden im Rahmen
verschiedener Förderprogramme unterstützt, wie Projekte
der Europäischen Union, Schwerpunkt-programme der Deutschen
Forschungsgemeinschaft, Programme des Bundesministeriums für
Bildung und Forschung und Programme des Freistaates Sachsen. Unter
Berücksichtigung von zahlreichen Projekten im Normalverfahren
der DFG wurden in der Fakultät im Jahre 2002 insgesamt 227
Forschungsprojekte bearbeitet. In dieser Zahl sind auch viele Projekte
enthalten, die auf Verträgen mit Städten und anderen kommunalen
Verwaltungen im Freistaat Sachsen und darüber hinaus mit Industriebetrieben
beruhen.
Kooperationspartner
Die wichtigsten Kooperationspartner im Bereich außeruniversitärer
Forschungseinrichtungen sind (in Klammern die kooperierenden Institute):
- Institut für Länderkunde (Institut für Geographie),
- Institut für Oberflächenmodifizierung Leipzig (Institute
für Experimentelle Physik I und II),
- Institut für Troposphärenforschung Leipzig (Institut
für Meteorologie),
- Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften
Leipzig (vorrangig Institut für Theoretische Physik),
- Max-Planck-Institut für Neuropsychologische Forschung (Institute
für Experimentelle Physik I und II) und
- Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (Institute für Experimentelle
Physik I und II, Institut für Meteorologie, Institut für
Geophysik und Geologie und Institut für Geographie).
Publikationen
Mit 317 im Druck erschienenen Publikationen (darunter eine hohe
Zahl von Originalarbeiten in Zeitschriften mit Gutachter-System
bzw. in international erfassten Monographien) ist wiederum eine
hohe Zahl an Veröffentlichungen zu verzeichnen, die als Beleg
für die Leistungsfähigkeit der Fakultät dienen kann.
Öffentlichkeitsarbeit
Zwei besonders wichtige Aktivitäten der Fakultät im Bereich
der Öffentlichkeitsarbeit, die bundesweites Interesse fanden,
seien benannt:
- Im Jahre 2002, das durch das Bundesministerium für Bildung
und Forschung zum Jahr der Geowissenschaften erklärt wurde,
fand in Leipzig eine Hauptveranstaltung im Leipziger Hauptbahnhof
statt. Weiterhin gestaltete die Fakultät einen wesentlichen
Beitrag zum Leipziger campus 2002 unter dem Motto "Jahr der
Geowissenschaften". Die Koordinierung und Leitung dieser
Beiträge lag in den Händen von Professor Tetzlaff.
- Vom 18. bis zum 22. März 2002 wurde in Leipzig die 66.
Jahreshaupttagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft durchgeführt.
Hieran beteiligten sich insgesamt neun Fachverbände und vier
Fachkommissionen. Zu dieser Tagung kamen etwa 1000 Mitglieder
der Gesellschaft und Gäste. Als örtlicher Tagungsleiter
war Professor Janke, als Tagungsgeschäftsführer Dr.
Bachmann tätig.
Forschungsgebiete der Einrichtungen der Fakultät
Das umfangreiche Forschungsspektrum der Fakultät umfasst die
im folgenden angegebenen Gebiete, gegliedert nach Instituten und
Abteilungen:
Institut für Theoretische Physik [Direktor: Prof. Dr. W.
Janke (bis 30.09.02) / Prof. Dr. K. Sibold (ab 1.10.02)]
- Quantenfeldtheorie (Leiter: Prof. Dr. G. Rudolph)
Die Untersuchungen zur relativistischen Quantenfeldtheorie beschäftigen
sich mit den Wechselwirkungen von Teilchen im Rahmen allgemeiner
Eichtheorien und unter äußeren Einflüssen, insbesondere
mit harten hadronischen Prozessen und Renormierungseffekten, sowie
den Grundzustandsenergien und dem Casimir-Effekt. Gegenstand der
Arbeiten der Mathematischen Physik sind die mathematische Struktur
und Dynamik von Modellen der Quantentheorie der Eichfelder und
der Unifizierung der fundamentalen Wechselwirkungen.
- Theorie der Elementarteilchen (Leiter: Prof. Dr. K. Sibold)
Arbeiten zur Theoretischen Elementarteilchenphysik werden vor
allem auf den Gebieten der Quantenfeldtheorie der Elementarteilchen,
der Renormierung des Standardmodells, zu supersymmetrischen Theorien,
zur Quantenchromodynamik und zur Gittereichtheorie durchgeführt.
Im Zusammenhang mit Experimenten an Großbeschleunigeranlagen
werden theoretische Untersuchungen zu Strukturfunktionen von Hadronen
durchgeführt und Programme zur Simulation hadronischer Streuprozesse
entwickelt.
- Theorie der kondensierten Materie (Leiter: Prof. Dr. D. Ihle)
Die Arbeiten auf dem Gebiet der Theorie der kondensierten Materie
erfolgen in zwei Bereichen. Im Teilgebiet Strukturbildung werden
Forschungen zu rausch-induzierten Phänomenen, zur Strukturbildung
in Flüssigkristallen, zur multifraktalen Charakterisierung
ungeordneter Systeme, zur nichtlinearen Dynamik biologischer Systeme
und zum Immunsystem vorgenommen. Innerhalb des Teilgebietes Starke
Elektronenkorrelationen werden magnetische Eigenschaften von Übergangsmetalloxiden
und die Quantenfelddynamik für die Supraleitung untersucht.
- Statistische Physik (Leiter: Prof. Dr. M. Salmhofer)
Die Hauptforschungsgebiete sind die Konstruktion wechselwirkender
Modelle der Quantenfeldtheorie und Quantenstatistischen Mechanik
mit Renormierungsgruppenmethoden und die Theorie korrelierter
Fermionsysteme im Zusammenhang mit der Hochtemperatur-Supraleitung.
- Moleküldynamik/Computersimulation (Leiter: PD Dr. S.
Fritzsche)
Strukturelle Daten, thermodynamische Größen, das Phasenverhalten
und die Transportkoeffizienten spezieller Vielteilchensysteme
und ihre Abhängigkeit von inter- und intrakristalliner Wechselwirkung
und der Struktur der Moleküle und Grenzflächen werden
mittels molekularer Methoden der Statistischen Physik sowie der
Perkolationstheorie und der Computersimulation erforscht. Die
Theorie wird hinsichtlich der Berücksichtigung von nichtlinearen
Effekten und des Nichtgleich-gewichtsverhaltens weiterentwickelt.
Berücksichtigt wird die Kopplung verschiede-ner molekularer
Vorgänge wie Mischung, Adsorption, Beweglichkeit, Benetzung,
chemische Reaktion, Selbstdiffusion und Transportdiffusion.
Institut für Experimentelle Physik I (Direktor: Prof. Dr.
F. Kremer)
- Physik anisotroper Fluide (Leiter: Prof. Dr. F. Kremer)
Ziel der Arbeiten ist die Erforschung der Struktur und Dynamik
supramolekularer Anordnungen, wie sie von Flüssigkristallen,
niedermolekularen und polymeren Verbindungen gebildet werden.
Diese Systeme besitzen einen hohen Grad an Kooperativität,
der sich in der Ausbildung von molekularen Überstrukturen
sowie in einer kollektiven Relaxationsdynamik niederschlägt.
Als Untersuchungsmethoden werden die dielektrische Spektroskopie
(im Frequenzbereich von 0,001 Hz bis 10 GHz), die magnetische
Kernresonanzspektroskopie, die Kraftmikroskopie, die Oberflächen-Kraftmessung
und die Polarisationsmikroskopie eingesetzt. In enger Kooperation
mit dem Institut für Biochemie (Prof. Dr. U. Hahn) werden
Experimente mit "Optischen Pinzetten" zum Studium der
Faltungsdynamik von RNA-Aptamer-Komplexen durchgeführt, die
durch die "Sächsische Biotechnologische Initiative"
gefördert werden.
- Grenzflächenphysik (Leiter: Prof. Dr. J. Kärger)
Die Erforschung der Wechselwirkung von Molekülen mit Festkörperoberflächen,
insbesondere mit der inneren Oberfläche mikro- und mesoporöser
Festkörper, steht im Mittelpunkt der Arbeiten. Untersucht
werden Anordnung, Struktur, Transport-prozesse und Reaktivität
von Molekülen in Abhängigkeit von dem sie umfassenden
Festkörper (vor allem Zeolithe). Als experimentelle Methoden
dienen die kernmagnetische Resonanz, insbesondere die Pulsed-Field-Gradient
(PFG)-NMR und die hochauflösende Festkörper-NMR, die
Infrarot-Spektroskopie und die Interferenzmikroskopie. Die Forschungsarbeiten
sind bei einer Vielzahl technischer Prozesse wie energiesparende
und umweltverträgliche Stofftrennung und -vered-lung, der
Entwicklung von Funktionsmaterialien und der Lagerstättenerkundung
von unmittelbarer praktischer Bedeutung. Eigene apparative Arbeiten
konzentrierten sich auf den Aufbau eines weiteren PFG-NMR-Spektrometers.
- Physik weicher Materie (Leiter: Prof. Dr. J. Käs)
Die Projekte der Abteilung der Physik der weichen Materie befassen
sich mit der Physik der Polymere und der Membranen in biologischen
Zellen. Diese Polymere (Aktinfilamente, intermediäre Filamente,
Mikrotubuli) bilden das Zytoskelett, das in allen Zellen, die
höher entwickelt sind als Bakterien, zu finden ist. Die Zellmembran
wiederum ist direkt mit diesem intrazellulären Skelett gekoppelt.
Die direkte Verbindung von grundsätzlich neuer Physik der
weichen Materie mit unmittelbaren Anwendungen in der Biomedizin
macht dabei dieses Forschungsfeld besonders attraktiv, da sie
Grundlagenforschung mit neuen Verfahren in der Medizin verbindet.
Unter anderem werden die folgenden vier Projekte verfolgt: die
Entwicklung neuer Polymerphysik für aktive Polymernetzwerke,
die Charakterisierung der aktiven und passiven polymerphysikalischen
Eigenschaften von Zellen, die optische Kontrolle des Nervenwachstums
und die Untersuchung der Rolle von Membrandiffusion in intrazellulären
Signalen.
- Polymerphysik (Leiter: Prof. Dr. D. Geschke)
Polymere mit flüssigkristallinen Eigenschaften sowie Block-Coplymere
werden mit dem Ziel der Applikation neuer Polymersysteme untersucht.
Hierzu dienen NMR-Verfahren, die Lichtstreuung, die Laser-Intensitäts-Modulations-Methode
sowie die Methode der thermostimulierten Depolarisation. Besonderes
Interesse gilt den Ordnungs- und Orientierungsphänomenen
sowie den dynamischen Prozessen in partiell geordneten und fluiden
Systemen unter dem Einfluss äußerer mechanischer, elektrischer
und magnetischer Felder, der Untersuchung der Polarisationsvertei-lung
sowie der Struktur und Dynamik von Makromolekülen in Wechselwirkung
mit Grenzflächen.
Institut für Experimentelle Physik II (Direktor: Prof.
Dr. M. Grundmann)
- Halbleiterphysik (Leiter: Prof. Dr. M. Grundmann)
Die optischen Eigenschaften von Halbleitern (z.B. GaAs, InP und
ZnO; basierende Mischkristalle), vor allem von mikro- und nanostrukturierten
Systemen und atomaren Einzelschichten, werden untersucht. Diese
Strukturen weisen zum Teil wesentlich neue, quantenmechanisch
bedingte Eigenschaften auf. Die Erforschung der Wachstums-Struktur-Eigenschaften
stellt ein grundlegendes Anliegen dar. Diese Materialien besitzen
in der Optoelektronik, in der nichtlinearen und der integrierten
Optik eine herausragende Bedeutung. Oxidische Halbleiter, Supraleiter
und Ferroelektrika werden mit gepulster Laser-Deposition hergestellt.
Als Untersuchungsverfahren werden vorwiegend spektroskopische
Methoden, aber auch Röntgenbeugung, Raster- und Rastertunnelmikroskopie
und Neutralteilchen-Massenspektrometrie eingesetzt.
- Festkörperoptik (Leiter: Prof. Dr. W. Grill)
Grundlagenbezogene Untersuchungen werden zu Energietransferprozessen
in Festkörpern durchgeführt, um ein besseres Verständnis
der Wechselwirkung von Licht mit Festkörpern sowie der elementaren
Prozesse beim Wärme- und Ladungstransport zu gewinnen. Die
Untersuchung der Transportphänomene erfolgt in Einkristallen
auch im ballistischen Bereich, in dem die Ausbreitung durch Anisotropie
beeinflusst wird. Anwendungsbezogene Arbeiten erfolgen zur Entwicklung
von Dünnschicht-Solarzellen und optisch aktiven Nanostrukturen.
Zur Materialforschung und zur Charakterisierung von Werkstoffen,
Implantaten sowie biologisch-medizinischen Präparaten werden
neuartige rastermikroskopische Verfahren der Elektronenmikroskopie,
der konfokalen Laser-Raman- und Lumineszenzmikroskopie sowie der
Ultraschallmikroskopie mit Phasenkontrast entwickelt und eingesetzt.
- Physik Dielektrischer Festkörper (Leiter: Prof. Dr.
D. Michel)
Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt bei der Erforschung der Struktur
und Dynamik von Festkörpern, insbesondere von Eigenschaften
dielektrischer Festkörper, wie strukturelle Phasenübergänge,
glasartiges Verhalten, Phänomene an den Miniaturisierungsgrenzen
und Grenzflächen. Hauptanliegen ist die Aufklärung der
mikroskopischen Natur von Phasenübergängen in Festkörpern
mit kommensurabel und inkommensurabel modulierten Strukturen und
mit ferroelektrischen und ferroelastischen Phasen. Untersucht
wird die elektronische und räumliche Struktur, die Dynamik
von Molekülen in Wechselwirkung mit Oberflächen poröser
Festkörper (Zeolithe) sowie Struktureigenschaften von Systemen
mit Nanometer-dimensionen. Eingesetzt werden Verfahren der kernmagnetischen
und elektronen-paramagnetischen Resonanz sowie dielektrische Methoden.
Eigene apparative Arbeiten konzentrierten sich auf die Entwicklung
eines Impuls-Zusatzes für die ESR-Spektroskopie im Q-Band.
- Nukleare Festkörperphysik (Leiter: Prof. Dr. T. Butz)
Die Lösung aktueller Probleme auf speziellen Gebieten der
Materialwissenschaft und der medizinisch-biologischen Forschung
erfordert den Einsatz moderner nuklearer Methoden wie der hochauflösenden
Ionenstrahlanalytik sowie nuklearer Sonden. Dieses Anliegen wird
vor allem mit der Hochenergie-Ionen-Nanosonde mit für Deutschland
einmaligen Spezifikationen und die Weiterentwicklung nuklearer
Sondenverfahren verfolgt. Die Zielsetzungen der Arbeiten liegen
auf den Gebieten der Halbleiter, der Supraleiter, der reaktions-diffusions-gekoppelten
Systeme, des Einzelionenbeschusses lebender Zellen sowie der Aufklärung
der Struktur und Dynamik makromolekularer Systeme.
- Supraleitung und Magnetismus (Leiter: Prof. Dr. P. Esquinazi)
Zur Erforschung der supraleitenden und magnetischen Materialeigenschaften
werden dünne Schichten sowie massive Proben benutzt. Unsere
Aktivitäten kann man in drei Bereiche unterteilen: (1) Untersuchungen
der supraleitenden und ferromagnetischen Korrelationen von Zusammensetzungen,
die auf Kohlenstoff basie-ren; (2) Arbeiten zum Wärmetransport
an Hochtemperatur-Supraleitern; (3) Unter-suchungen der spinabhängigen
Transport-Phänomene an magnetischen Oxiden.
Bereich Didaktik der Physik (Leiter: Prof. Dr. W. Oehme)
Das Forschungsprofil umfasst schulbezogene Arbeiten zur Vermittlung
traditioneller und moderner Inhalte der Physik einschließlich
empirischer Erprobungen. Lernformen im Physikunterricht, offener
und fachübergreifender Unterricht sowie die Möglichkeiten
des Einsatzes moderner Medien werden verstärkt untersucht.
Institut für Meteorologie (Direktor: Prof. Dr. G. Tetzlaff
(bis 30.09.02) / Prof. Dr. W. Metz (ab 1.10.02)]
Das Institut für Meteorologie engagiert sich in den Forschungsschwerpunkten
atmosphärische Grenzschicht, Wasserhaushalt in Einzugsgebieten
von regionaler Skala im großräumigen Umfeld, Dynamik
der mittleren und oberen Atmosphäre, Variabilität der
Ionosphäre, Strahlungsprozesse in der Atmosphäre, Modellierung
von Aerosol- und Wolkenphysik, natürliche Klimavariabilität
unter Einschluss der Rolle des Ozeans und Anregung und Ausbreitung
großskaliger Strömungssysteme in Ozean und Atmosphäre.
Dabei kommen Fernerkundungsverfahren vom Boden und von Satelliten
aus, in-situ-Experimente sowie konzeptionelle und Simulationsmodelle
zum Einsatz. Besondere Bedeutung hat die Entwicklung und Anwendung
von Verfahren zur tomographischen Rekonstruktion von dreidimensionalen
Feldern atmosphärischer Größen. Eine enge Zusammenarbeit
erfolgt mit dem Institut für Troposphärenforschung Leipzig,
dem Institut für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn,
dem Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und dem
Geoforschungszentrum Potsdam.
Institut für Geophysik und Geologie (Direktor: Prof. Dr.
F. Jacobs)
- Physik der festen Erde (Leiter: Prof. Dr. F. Jacobs)
Die Forschung setzt die Akzente auf die Gebiete globale geophysikalische
Felder, Aufbau des Erdkörpers, Vulkanologie sowie Struktur
und Prozesse der Litho-sphäre. Untersucht werden Lockergesteine,
Hohlräume und geologische Barrieren. Zum Einsatz kommen geoelektrische
Tomographie, Hydrogeophysik, Isotopen-geochemie, Georadiometrie,
numerische geophysikalische Modellierung und Geo-informatik.
- Ingenieur- und Umweltgeophysik (Leiter: Prof. Dr. H. G. Meyer)
Gegenstand der Arbeiten ist die Erforschung der oberen Erdkruste
mittels der Verfahren Seismik, Georadar, Geomagnetik, Gravimetrie,
Geothermie und Geo-radiometrie. Untersucht werden Altlasten, Deponien,
Grundwasserströme, Berg-baurelikte, Strahlungsbelastungen
und Schadstoffverteilungen und deren Wirkung im urbanen Umfeld.
- Theoretische Geophysik (Leiter: Prof. Dr. M. Korn)
Die seismische und elektromagnetische Wellenausbreitung wird erforscht
und die Struktur von Erdkruste und Erdmantel sowie Erdbebenherde
und seismisches Risiko untersucht. Dazu erfolgen methodische und
anwendungsorientierte Arbeiten zur Potenzialtheorie, Tomographie
und Inversion geophysikalischer Felder.
- Geologie (Leiter: Prof. Dr. W. Ehrmann)
Im Mittelpunkt der Forschung steht die Geologie und Paläontologie
des Känozoikums. Hierbei werden grundlegende Fragen der Geologie
und Paläontologie des Tertiärs und Quartärs untersucht
sowie anwendungsorientierte Forschungen zur Umwelt- und Hydrogeologie
(mit besonderem Bezug zur mitteldeutschen Region) betrieben. In
der paläontologischen Forschung wird vor allem die Entwicklung
der Biota des Känozoikums mit der Interaktion von Biosphäre
sowie Klimaentwicklung und Paläobiogeographie von Europa
und dem nordatlantischen Raum untersucht. Die Geologisch-Paläontologische
Sammlung stellt eine wichtige Grundlage für Lehre und Forschung
sowie für die Öffentlichkeitsarbeit zur Popularisierung
geowissenschaftlicher Forschung dar.
Institut für Geographie [Direktor: Prof. Dr. R. Wießner
(bis 30.09.02) / Prof. Dr. J. Heinrich (ab 01.10.02)]
- Anthropogeographie (Leiterin: Prof. Dr. H. Schmidt)
Gegenstand der Arbeiten sind die wirtschaftlichen und sozialen
Transformations-prozesse in Ostdeutschland und Osteuropa unter
besonderer Berücksichtigung der Ziele einer nachhaltigen
Stadt- und Regionalentwicklung. Schwerpunkte bilden stadt-, sozial-
und wirtschaftsgeographische Untersuchungen über Wohnungs-,
Immobilien- und Arbeitsmärkte, spezielle Fragestellungen
zur Entwicklung des Einzelhandels und Prozesse der mentalen Raumbildung
sowie damit zusammen-hängende Fragen der Stadt- und Regionalplanung.
In Partnerschaft mit Kommunen, Wirtschaft und dem Freistaat Sachsen
wird an der Konzeption und der Realisierung einer regionalen Agenda
für eine nachhaltige Raum- und Siedlungsentwicklung für
den Südraum Leipzig gearbeitet.
- Geoinformatik und Geofernerkundung (Leiter: Prof. Dr. W.
Kirstein)
Schwerpunkt der Arbeiten ist die Entwicklung und Anwendung innovativer
Methoden der Geographie. Hierbei werden Datenerfassung und -auswertung
für die Untersuchung lokaler, regionaler und globaler geographischer
Fragestellungen eingesetzt. Im Rahmen der "Geoinitiative
Leipzig" werden regionale Problemstellungen für Leipzig
und Sachsen bearbeitet. Mit Hilfe ausgewählter Methoden der
Fernerkundung sind vergleichende Untersuchungen zur Bewertung
des Flächenverbrauchs und zur nachhaltigen Entwicklung von
Großstadtregionen eingeleitet worden.
- Physische Geographie und Geoökologie (Leiter: Prof.
Dr. H. Neumeister)
Untersucht wird das Funktionieren geoökologischer Prozesse
in räumlich differenzierten Strukturen der Landschaft im
Zusammenhang mit der Lösung gesellschaftlicher Aufgaben einschließlich
des Schutzes unserer Lebensumwelt. Den Schwerpunkt bilden dabei
die Analyse und Bewertung von Ursachen, Wirkungen, Verbreitungs-
und Rückkopplungsmechanismen von verschiedenen Formen der
Bodendegratation mit den ökologischen, wirtschaftlichen und
sozialen Randbedingungen. Hieraus werden Schlussfolgerungen zur
nachhaltigen Entwicklung der Landschaftsnutzung und des Landschaftsschutzes
abgeleitet. Mit der planungsbezogenen Umweltgeographie wird ein
wichtiges Instrumentarium für die Analyse, die Bewertung
und das Management urbaner Landschaften entwickelt.
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