Forschungstätigkeit am Zentrum
Die DFG-finanzierte Bioinformatikinitiative Leipzig verfolgt einen
interdisziplinären Ansatz, um Biowissenschaftler (Biologen,
Biochemiker, Pathologen, Kliniker) und Experten mit Erfahrungen
in der Analyse komplexer Daten und der Modellierung zeitlicher und
räumlicher Phänomene (Computerspezialisten, Biostatistiker,
Biomathematiker) zusammenzuführen. Ausgehend vom Leipziger
Forschungsprofil und den daraus resultierenden bioinformatischen
Anforderungen konzentriert sich das IZBI auf zwei Hauptforschungsgebiete:
- Auf dem Gebiet der genetischen Evolution verfolgen wir
Projekte, die die genetische Vielfalt und die ihr zu Grunde liegenden
evolutionären Beziehungen zwischen den Arten analysieren,
die vergleichende Studien zwischen Menschen und Schimpansen durchführen
bzw. dem generellen Verständnis der Komplexität biologischer
Regulationsprozesse dienen.
- Auf dem Gebiet der Gewebsorganisation und Signaltransduktion
konzentrieren wir uns auf die Genotyp-Phänotyp Wechselbeziehung
bei der Gewebsbildung und -funktion. Dabei interessieren Mechanismen
der räumlichen Gewebsorganisation (z.B. Epithel-, Tumor-
und in-vitro-Gewebe), die Architektur von Signaltransduktions-
und Genregulationsnetzwerken und die Analyse von hochdimensionalen
genomischen und molekularen Daten von normalen und pathogenen
Geweben (z.B. Genexpressionsanalyse).
Bei der Bioinformatikausbildung ist es das Ziel der Bioinformatikinitiative,
ein Curriculum für ca. 30 Studenten pro Studienjahr zu installieren.
Die DFG-Initiative Bioinformatik konnte 2002 folgende Ergebnisse
erzielen:
- Es konnte ein Netzwerk lokaler Partner zur Realisierung der
genannten Zielstellungen installiert werden. Es beteiligen sich
daran Wissenschaftler aus fünf Fakultäten der Universität,
aus den Max-Planck-Instituten für Evolutionäre Anthropologie
(MPI EVA) und für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPI
MIS) und aus Forschungszentren wie dem Biotechnologisch-Biomedizinischen
Zentrum (BBZ), dem Interdisziplinären Zentrum für Klinische
Forschung (IZKF) und dem Koordinierungszentrum für Klinische
Studien (KKSL).
- Das Interdisziplinäre Zentrum für Bioinformatik (IZBI)
wurde als zentrale Struktureinheit gegründet und erreichte
seine volle Arbeitsfähigkeit. Als zentrale Einrichtung der
Universität verfügt das IZBI über eigenes wissenschaftliches
Personal, eine Geschäftsstelle und eigene Räume mit
entsprechender Ausstattung. Das Zentrum bietet Partnern Unterstützung
in Form gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Serviceprojekte
(z.B. für Datenanalysen und zur Entwicklung von Datenbanken)
können auf Vertragsbasis bearbeitet werden. Erste wissenschaftliche
Publikationen des IZBI erschienen 2002.
- Als zweite wichtige Struktureinheit wurde der Lehrstuhl für
Bioinformatik an der Fakultät für Mathematik und Informatik
etabliert und von Herrn Prof. P. Stadler im September übernommen.
Das Forschungskonzept
Das IZBI bietet Partnern ein neues Konzept des Forschungsmanagements,
um bioinformatische Fragestellungen effektiv zu bearbeiten.
Projekte: Die Arbeitsweise des IZBI ist projektorientiert.
Es kann sich dabei sowohl um Forschungsprojekte mit wissenschaftlicher
Zielstellung, als auch um Serviceprojekte zur Technologieentwicklung
oder Datenanalyse handeln. Jedes Projekt wird von einem Projektleiter
koordiniert. Über die Möglichkeit der Förderung eines
Projektes durch das IZBI wird durch den Vorstand des IZBI auf der
Grundlage eines Projektantrages entschieden, der die wissenschaftliche
Zielstellung, den Arbeitsplan, das benötigte Team (bestehend
aus Mitarbeitern des IZBI und der Kooperationspartner) und die notwendigen
Ressourcen darlegt. In Abhängigkeit von der Komplexität
der Aufgabe kann die Förderung in der Bereitstellung von einzelnen
IZBI-Mitarbeitern für wenige Wochen bis hin zur Einbeziehung
ganzer Projektteams für ein bis zwei Jahre bestehen. Die wissenschaftliche
Qualität, Passfähigkeit zum Forschungskonzept des IZBI
und die Machbarkeit sind wesentliche Kriterien, die über die
Förderung entscheiden. Jeder Wissenschaftler der Universität
und der Leipziger Max-Planck-Institute kann jederzeit einen Projektantrag
stellen.
Arbeitsgruppen: Das IZBI ist intern in thematisch-orientierte
Arbeitsgruppen organisiert. Sie setzen sich aus IZBI-Wissenschaftlern,
sowie aus Forschern der beteiligten Institutionen zusammen. Ein
Koordinator stimuliert und koordiniert die Aktivitäten jeder
Arbeitsgruppe. Am IZBI wurden vier Arbeitsgruppen installiert:
Die AG1 (Datenbanken und Datenintegration, Koordinator Prof.
E. Rahm) konzentriert sich auf Projekte zum Design und zur Implementierung
eines data warehouses für genomische und molekulare Daten.
Als methodisch orientierte Gruppe arbeitet sie eng mit den drei
weiteren Arbeitsgruppen zusammen.
Die AG2 (Gewebsorganisation, Koordinator Dr. D. Drasdo)
beschäftigt sich mit der räumlichen Organisation von Geweben.
Dabei werden sowohl Simulationsmodelle als auch Verfahren der dreidimensionalen
Rekonstruktion von Mikroskopiedaten angewendet.
Die AG3 (Signaltransduktion und Genexpression, Koordinator
Prof. F. Horn) hat zwei Schwerpunktfelder: Die Analyse von Netzwerken
der zellulären Signaltransduktion sowie von Genexpressionsdaten.
Das erstgenannte Thema wird speziell in der von Prof. Bornholdt
geleiteten Nachwuchsgruppe "Komplexe Regulationsnetzwerke"
bearbeitet. Es sollen Methoden, Modelle und Strategien zum Verständnis
von molekularen Aspekten der Genregulation und der Wirkungsweise
des Immunsystems erarbeitet werden.
Die AG4 (Genetische Evolution, Koordinator Prof. P. Stadler)
entwickelt unter anderem evolutionäre Modelle der Stammbaumrekonstruktion.
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