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Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum Leipzig

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Forschungstätigkeit an den Fakultäten

Die Analyse der Forschungsleistung und Drittmitteleinwerbung der Medizinischen Fakultät für das Jahr 2002 lässt sich zahlenmäßig mit positiver Tendenz ausdrücken: 15,9 Mio. Euro stehen auf der Seite der Drittmitteleinnahmen. Damit wurde ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr und ein absoluter Höchststand erreicht. Bei der Anzahl der Personen, die in den 436 Projekten der Drittmittelforschung zusätzlich beschäftigt wurden, fällt der Anstieg mit 20 % noch deutlicher aus. Erfreulich ist auch der auf über 55 % gestiegene Anteil an eingeworbenen Drittmitteln mit Begutachtungsverfahren.

Der Start des BMBF-Programms "Verbesserung der Leistungsfähigkeit der klinischen Forschung an den medizinischen Fakultäten der neuen Bundesländer einschließlich Berlin (Charité)" (NBL 3) im Januar 2002 hat eine gezielte und leistungsabhängige Forschungsförderung innerhalb der Fakultät über die bisherigen fakultätsinternen Programme hinaus ermöglicht. NBL 3 wirkt außerdem darauf hin, die strukturellen Voraussetzungen für die erfolgreiche Beantragung von Forschungsverbünden wie SFB oder Graduiertenkollegs zu schaffen und die Forschung an der Medizinischen Fakultät zu intensivieren. Die BMBF-Förderung wird an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig insbesondere auf die Stärkung der profilbildenden Schwerpunkte "Fehlsteuerung von zellulären Signalnetzwerken bei chronischen Krankheiten (Angewandte Zellbiologie)" und "Die Entwicklung und Evaluation psychosozialer Versorgungsformen als Erfordernis des sozialen und medizinisch technischen Wandels" konzentriert. Dem biomedizinisch orientierten Schwerpunkt zur angewandten Zellbiologie lassen sich die ins Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung Leipzig (IZKF) eingebundenen Forschungsschwerpunkte Rheumatologie/Immunologie, Endokrinologie, Neurowissenschaften und Onkologie (seit Januar 2002 als vierter Schwerpunkt in das IZKF integriert) zuordnen. Drei vorklinische Professuren sollen schwerpunktorientiert besetzt und finanziell durch die NBL 3-Förderung unterstützt werden. Bei der Besetzung der vorklinischen Professuren gab es infolge der zeitaufwendigen Berufungsverfahren und dem Klärungsbedarf bei kapazitätsrechtlichen Fragen zeitliche Verzögerungen, die leider auch zu Einbußen bei den Fördersummen im NBL 3 führen können. Die Einrichtung eines Theoretikums für molekulare Medizin (TMM) wird Klarheit zu den o.g. Problemen bringen. Das TMM soll auch Rotationselemente beinhalten, um damit u.a. die Leistungsorientierung zu stärken. Der im Rahmen von NBL 3 gestellten Forderung nach einer leistungsorientierten Vergabe von 30 % des Landeszuschusses für Lehre und Forschung kann die Medizinische Fakultät zukünftig nachkommen. Dieser Prozess wird allerdings unterstützt durch die weitere Kürzung des Landeszuschusses durch den Freistaat Sachsen.

Für die "Psychosozialen Versorgungsformen" bewilligte das BMBF im NBL 3 eine Stiftungsprofessur "Gesundheitsökonomie" und eine Nachwuchsgruppe "Psychosoziale Onkologie". Seit Anfang 2002 ist die Nachwuchsgruppe in die NBL 3-Förderung integriert, die Stiftungsprofessur wird erst 2003 besetzt werden können. Der Schwerpunkt "Psychosoziale Versorgungsformen" erfuhr außerdem in jüngster Zeit eine stärkere strukturelle Verankerung durch die Gründung eines universitären Zentrums für Prävention und Rehabilitation. Er ist außerdem in das universitäre Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung eingebunden.

Die Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät sind wiederum vernetzt mit einigen der Profillinien, die die Universität Leipzig für ihre Forschung definierte: "Molekulare und funktionelle Zellbiologie und Biotechnologie", "Vom Molekül zum Verhalten: Neurowissenschaften, Kognitionswissenschaften und Verhaltensbiologie", "Prävention und Rehabilitation" sowie "Umweltforschung und Ökologie". Diese Profillinien zeigen auch Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen (z.B. Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung, Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle), die schon seit vielen Jahren praktiziert wird, auf.

Einige Programmteile im NBL 3 liefen 2002 an der Fakultät überaus erfolgreich und werden auch in den nächsten zwei Jahren fortgesetzt. Hervorzuheben sind dabei das formel.1- und das Rotationsstellenprogramm. Beide sind Bestandteile der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Medizinischen Fakultät. Die Finanzierung des formel.1-Programms mit einem Gesamtvolumen von 750.000 Euro wird zu einem Drittel durch die Medizinische Fakultät aus dem Budget Lehre und Forschung getragen. Die anderen zwei Drittel steuert das BMBF über NBL 3 bei. Die Fördersumme für ein Forschungsprojekt im formel.1-Programm ist beträchtlich: Bis zu 50.000 Euro für ein Jahr können beantragt werden. Die 15 in der ersten Runde im Jahr 2002 geförderten Projekte wurden in einem Fakultätskolloquium im November 2002 vorgestellt. Einige erste Ergebnisse der formel.1-Projekte in Hinblick auf Drittmitteleinwerbung sind besonders hervorzuheben: Feodor-Lynen-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung, 2 DFG-Anträge in der 2. Begutachtungsrunde, Projektförderung durch die Deutsche Diabetesgesellschaft, Finanzierung eines Projektes durch die Gesetzlichen Krankenkassen, 2 Forschungspreise.

Im Rotationsstellenprogramm, das der Stärkung der klinisch-naturwissenschaftlichen Forschung in den Kliniken und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen klinischen und theoretischen Einrichtungen dient und hälftig durch NBL 3 und die entsendende Klinik finanziert wird, erhielten fünf junge Ärzte die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres eine fundierte Ausbildung auf einem Arbeitsgebiet derjenigen theoretischen Einrichtung, in die sie delegiert wurden, zu erhalten und sie zukünftig in der klinischen Forschung umzusetzen. Dabei wurde auch das Koordinierungszentrum für Klinische Studien Leipzig (KKSL) als Ausbildungseinrichtung gewählt. Junge Ärzte werden auf diese Weise zur Durchführung wissenschaftlich-klinischer Studien befähigt. Gleichzeitig empfiehlt sich das KKSL als Partner für die Konzeption und Implementation innovativer und international konkurrenzfähiger Studien in Kooperation mit wissenschaftlichen Studienleitern aus den Einrichtungen des Universitätsklinikums. Hierbei konnten im Jahr 2002 Fortschritte erzielt werden.

Nach erfolgreicher Zwischenbegutachtung im Herbst 2001 begann im Januar 2002 die dritte Förderphase des IZKF. Die wissenschaftspolitischen Ziele des IZKF - Aufbau effizienter und leistungsstarker Strukturen für die klinische Forschung auf fachübergreifender Ebene, Entwicklung eines hochschulspezifischen Forschungsprofils mit internationaler Ausstrahlung und gezielte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses - werden durch das IZKF selbst, aber auch durch die Fakultät mit Unterstützung durch das NBL 3-Programm konsequent angestrebt. Der Bund förderte seit 1996 die Etablierung und Forschungsarbeiten des IZKF mit 10,4 Mio. Euro, bevor im Jahr 2004 die Finanzierung des IZKF vollständig über den Landeszuschuss für Lehre und Forschung realisiert wird. Seit Januar 2002 werden, angebunden an die Einrichtungen der Projektleiter, 25 Forschungsprojekte in den nunmehr vier o.g. thematischen Schwerpunkten bearbeitet. Sie werden ergänzt durch zentrale Projekte wie zwei Nachwuchsgruppen (Neuroimmunologische Zellbiologie und Molekulare Medizin), Core Units für verschiedene wissenschaftliche Dienstleistungen (DNA-, Peptid- und Fluoreszenz-Technologien) und Querschnittsgruppen für besondere Aufgaben (NMR-Spektroskopie). Die Nachwuchsförderung wird durch Forschungsstellen für Ärzte im Praktikum, Auslands- und Kurzstipendien (zur Erlernung neuer wissenschaftlicher Methoden) ergänzt. Medizinische Biotechnologie, neue bildgebende Techniken und zellbiologische Methoden sind die wissenschaftlich-methodischen Standbeine des IZKF. Es sei in diesem Zusammenhang auch auf das Ostdeutsche Referenzzentrum für Mikroarray-Analytik hingewiesen. Außerdem ergeben sich, z.B. bei der Analyse intrazellulärer Signalkaskaden und -netzwerke, Anknüpfungspunkte zur Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Zentrum für Bioinformatik (IZBI), das am am 7. Juni 2002 gegründet wurde. Seine Finanzierung ist zunächst durch eine Förderung der DFG (Initiative Bioinformatik) gesichert. Das IZBI hat sowohl die Übernahme von Aufgaben in der Lehre, Studienrichtung Bioinformatik, als auch den Aufbau von effizienten Strukturen für die Forschung in der Bioinformatik samt Entwicklung eines eigenständigen Forschungsprofils zum Ziel. Es steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Herrn Professor Löffler, Medizinische Fakultät.

Die BIO CITY Leipzig, in der das Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum (BBZ) der Universität Leipzig ein wichtiges Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung bis hin zur anwendungsorientierten Forschung bzw. Umsetzung von Forschungsergebnissen in neue biotechnologische Verfahren und Produkte werden soll, hat im Jahr 2002 weiter Gestalt angenommen und steht kurz vor der Fertigstellung. Zu den beteiligten Fakultäten gehört auch die Medizinische Fakultät, der zwei Professuren (Professur für Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologie sowie Professur für Molekulare Zelltherapie) und zwei Nachwuchsgruppen (Molekulare Diagnostik - Microarray-Techniken sowie Strukturaufklärung membranassoziierter Proteine mittels Festkörper-NMR) zugesprochen wurden. Die Besetzung der Professur für Molekulare Zelltherapie steht noch aus. Eine enge wissenschaftliche Verzahnung der Forschungen am BBZ mit der des IZKF wird der biomedizinischen Forschung an der Fakultät neue Impulse geben. Am ersten Biotechnologietag Leipzig am 22. Mai 2002, der sowohl an der Universität, in der Stadt Leipzig und darüber hinaus großes Interesse fand, beteiligten sich zahlreiche Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät.

Wenn über eine Preisausschreibung gleich zwei renommierte Wissenschaftler, ausgestattet jeweils mit 2 Mio. Euro, an die Universität Leipzig kommen, ist das ein bedeutendes Ereignis, das im Oktober 2002 mit einer Veranstaltung der Alexander von Humboldt-Stiftung, die den vom Bund gestifteten Wolfgang Paul-Preis verleiht, gewürdigt wurde. Einer der Preisträger ist Prof. Dr. Barry Smith aus den USA, der mit dem Preisgeld das an die Medizinische Fakultät angegliederte Institut für Formale Ontologie und Medizinische Informationswissenschaft (IFOMIS: Institute of Formal Ontology and Medical Information Science) aufbaute. Zu diesem Institut gehören Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern, die an den theoretischen Grundlagen zukünftiger Computersysteme, die medizinische Daten aus verschiedenen Quellen in einer einheitlichen Struktur verbinden und vergleichbar machen sollen, arbeiten. Die Ontologie soll zwischen unterschiedlichen Terminologie-Systemen einen Rahmen schaffen. Da als Anwendungsschwerpunkt klinische Studien gewählt wurden, gibt es zukünftig auch Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem KKSL oder anderen in der klinischen Forschung tätigen Wissenschaftlern.

In der interdisziplinären Arbeitsgruppe "Bildgestützte chirurgische Navigation" ((IGSN), in der Ärzte und Wissenschaftler aus Kliniken (Klinik für Neurochirurgie, Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten/Plastische Operationen, Klinik für Diagnostische Radiologie, Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Klinik für Herzchirurgie des Herzzentrums) und des Instituts für Anatomie zusammenarbeiten, haben sich einige interessante Entwicklungen ergeben. Der Einsatz eines neuen Navigationssystems zur Planung und Durchführung computerassistierter Operationen an den Nasennebenhöhlen, der vorderen und seitlichen Schädelbasis sowie im Bereich der Wirbelsäule bringt die klinische Forschungsarbeit auf diesem Gebiet weiter voran und fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die IGSN wurde Ende 2002 von Bund und Land aufgefordert, sich an der für die neuen Bundesländer vorgesehenen BMBF-Ausschreibung "Zentrum für Innovationskompetenz" mit einem Antrag zu beteiligen. Dabei fördert das BMBF für ein Jahr zunächst die Erarbeitung von Strategien und Maßnahmen für die Gründung und den Aufbau eines Zentrums für Innovationskompetenz "Computer- und roboterassistierte Chirurgie" an der Medizinischen Fakultät, wobei lt. Ausschreibung das Konzept und die Umsetzungsstrategie alle erforderlichen Aspekte für die Etablierung einer eigenständigen Spitzenforschung, einer nachhaltigen Gewinnung eines entsprechenden akademischen Nachwuchses sowie einer hohen Attraktivität für die Wirtschaftsunternehmen umfassen sollen. Ende 2003 wird die Erstellung der Konzepte für die ausgewählten Zentren für Innovationskompetenz in den neuen Bundesländern erwartet.

Aus den zahlreichen internationalen Kontakten der Medizinischen Fakultät soll insbesondere die Zusammenarbeit mit äthiopischen Hochschulen hervorgehoben werden. Sie erhielt im Jahr 2002 neue Impulse durch den Besuch des äthiopischen Botschafters an der Universität Leipzig und durch einen Vertrag mit dem Gondar College of Medical Sciences, wodurch alte Beziehungen zwischen der Medizinischen Fakultät und Gondar wiederbelebt wurden und nun fortgesetzt werden können. Besondere Verdienste erwarben sich dabei Professor Reißig, Institut für Anatomie, und Professor Schubert, Leiter des Fachbereiches Infektions- und Tropenmedizin der Medizinischen Klinik IV. Angestrebt wird die Zusammenarbeit in der Aus- und Weiterbildung von Medizinern sowie an gemeinsamen Forschungsprojekten. Mit der Tongji University (Medical College) in Shanghai ist ebenfalls eine Kooperation geplant (Vertragsabschluss 2003).

Am 5. EU-Forschungsrahmenprogramm beteiligte sich die Medizinische Fakultät u.a. mit der Koordination eines EU-Projektes (Prof. Arendt, Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung), mehreren Teilprojekten und im Rahmen der Nachwuchsförderung mit 2 Eurokonferenzen, einem Marie-Curie-Trainingszentrum und als Gastinstitut für EU-Stipendiaten in strukturschwacher Region. Es bleibt abzuwarten, inwieweit das 6. EU-Forschungsrahmenprogramm mit seinen neuen Instrumenten (Integrierte Projekte und Exzellenznetze) den Hochschulen genügend Spielraum für eine Beteiligung lässt. Die Ergebnisse zu den ersten Ausschreibungen im Frühjahr 2003 liegen noch nicht vor. Die Marie-Curie-Maßnahmen wie Individual- und Rückkehrstipendien, Ausbildungsnetze, Förderung von Konferenzen und Lehrgängen, Beihilfen für Spitzenforscher ("Exzellenz-Teams"), Preise u.a. sind aber direkt auf den Bedarf von Wissenschaftlern und insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs ausgelegt.

Zahlreiche BMBF-Verbundprojekte, u.a. die Medizinischen Netzwerke "Rheuma", "Maligne Lymphome" und "BrainNet" - die Medizinische Fakultät ist mit mehreren Projekten an ihnen beteiligt - konnten 2002 in die zweite Förderphase überführt werden. Der Sonderforschungsbereich "Proteinzustände mit zellbiologischer und medizinischer Relevanz", angesiedelt an der Martin-Luther-Universität Halle und der Universität Leipzig (Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie sowie Medizinische Fakultät), nahm am 01.02.2002 seine Arbeit auf.

 

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 03.09.2003