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Vorwort

Mit dem Bekenntnis zu ihrem Leitmotto "Aus Tradition Grenzen überschreiten" hat die Universität Leipzig im Jahre 2002 ihr Selbstverständnis und ihren Selbstanspruch formuliert und im Rahmen der Diskussion des Profilkonzeptes Leitsätze als übergeordnete Prinzipien aller Entscheidungen und Grundlage für die Entwicklung der Universität Leipzig beschlossen. Die Universität Leipzig versteht sich als eine klassische Volluniversität mit einem sehr breiten Spektrum wissenschaftlicher Fächer, die sich in übergreifender Zusammenarbeit von Geistes-, Sozial-, Natur- und medizinischen Wissenschaften gegenseitig anregen und entwickeln.

Diese Grenzüberschreitungen finden ihren Ausdruck in einer Vielzahl neuer interdisziplinärer Forschungsverbünde.

Im Jahre 2002 hat sich an den beiden im Jahre 2001 gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eingerichteten neuen Sonderforschungsbereichen ein vielgestaltiges wissenschaftliches Leben entwickelt: im Bereich der Geisteswissenschaften zur "Differenz und Integration. Wechselwirkungen zwischen nomadischen und sesshaften Lebensformen in Zivilisationen der Alten Welt" und im Bereich der Lebenswissenschaften zu "Protein-Zuständen mit zellbiologischer und medizinischer Relevanz". Der Sonderforschungsbereich 417 "Regionenbezogene Identifikationsprozesse. Das Beispiel Sachsen" wird in Einzelprojekten fortgesetzt.
Für die Graduiertenkollegs "Universalität und Diversität", "Mechanistische und Anwendungsaspekte nichtkonventioneller Oxidationsreaktionen" und "Analysis, Geometrie und ihre Verbindung zu den Naturwissenschaften" wurden termingemäß Fortsetzungsanträge gestellt, die positiv beschieden wurden.

Mit dem Ziel der Förderung länderübergreifender Forschungsvorhaben und insbesondere der internationalen Ausrichtung der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat sich die Universität Leipzig erfolgreich an dem gemeinsam vom DAAD und der DFG ausgeschriebenen Programm "Promotion an Hochschulen in Deutschland" beteiligt. Nachdem im Jahre 2001 am Zentrum für Höhere Studien der Internationale Promotionsstudiengang "Transnationalisierung und Regionalisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart" eröffnet wurde, hat im Wintersemester 2002/03 der Promotionsstudiengang "Forschung in Grenzgebieten der Chemie" an der Fakultät für Chemie und Mineralogie seine Arbeit begonnen. Das fachliche Profil des Promotionsprogramms konzentriert sich neben grundlagenbezogener Forschung und umweltrelevanten Themen auf die Schwerpunkte Chemie/Biowissenschaften, Materialforschung und Grenzflächen.

Eine neue Qualität hat die Mitarbeit der Universität Leipzig in interdisziplinären Netzwerken erreicht, in denen sich Partner aus Forschung, Bildung und Wirtschaftsunternehmen zusammenfinden und gemeinsam Innovationsfelder fokussieren, Marktstrategien entwickeln und abgestimmte Projekte im gemeinsamen Interesse durchführen. Auf ausgewählten Feldern bringt die Universität Leipzig hier ihr hohes wissenschaftliches Potenzial und ihre Kompetenzen ein.

Im Verbundprojekt "Lernende Region Leipzig - ein Region im Umbruch - für eine neue Lebensqualität in der Region" arbeiten über 90 Institutionen und Organisationen (Vereine, Verbände, Stiftungen, Unternehmen, Initiativen, Kultureinrichtungen, Behörden, Bildungsträger) sowie Einzelpersonen der Region zusammen. Die Universität Leipzig hat im Auftrag eines regionalen Konsortiums die Projektleitung inne. Gemeinsam verfolgen die Beteiligten das Ziel, die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger bei der Gestaltung ihres Lebens durch Bildung und Lernen anzuregen, dafür Bildungs- und Tätigkeitsformen zu schaffen, in denen das Erfahrungswissen der Menschen Raum bekommt und sich bedarfsgerecht erweitern kann und schließlich die Entwicklung individueller Kompetenzen zu fördern.

Im Rahmen des vom BMBF ausgeschriebenen Programms "Innovative Regionale Wachstumskerne" war der Antrag für das Netzwerk INNOCIS erfolgreich. Hier entwickeln Forschungseinrichtungen und Unternehmen neue flexible Dünnschicht-Solarzellen. Die Universität Leipzig ist mit fünf Teilprojekten am Projekt maßgeblich beteiligt.
Bei der Drittmitteleinwerbung wurde das bislang beste Ergebnis der Universität erzielt. Nachdem im Haushaltjahr 2001 gegenüber dem Vorjahr bereits eine Zunahme um mehr als 30 % auf 43,6 Mio. Euro zu verzeichnen war, konnte 2002 nochmals ein Zuwachs um 14 % auf 49,7 Mio. Euro erzielt werden. Er geht auf die überdurchschnittliche Zunahme der Einwerbung von Drittmitteln insbesondere der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten und die Förderung neuer Einrichtungen wie das Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum zurück.

Bei den begutachteten öffentlichen Projekten, gefördert von der EU, dem Bund und der DFG, erhöhte sich der Anteil der Drittmitteleinnahmen, bezogen auf das Gesamtaufkommen, von 52 % im Vorjahr auf immerhin 56 %. Dabei kommen 25 % der Fördermittel von der DFG, dem damit wichtigsten Drittmittelgeber der Universität. In dem von der DFG herausgegebenen Förder-Ranking konnte sich die Universität Leipzig vom Rang 40 (Zeitraum 1991-95) über den Rang 38 (1996-98) auf den Rang 34 (1999-2001) verbessern.

Aus der Einwerbung von Drittmitteln ergibt sich für die Universität die Möglichkeit, für die Bearbeitung von Forschungsprojekten zusätzlich Personal - wenn auch befristet - einzustellen. Nachdem im Vorjahr ein Zuwachs von 10 % auf 795 Arbeitsverträge erzielt werden konnte, gelang es im Jahre 2002 die Zahl der abgeschlossenen Arbeitsverträge um weitere 18 % auf 940 zu erhöhen.

Selbstverständlich kann und darf Qualität von Forschung nicht ausschließlich anhand eingeworbener Drittmittel bewertet werden, auch wenn diese ein wichtiger Indikator sind. Gerade das sehr breite, von den Geistes-, Sozial-, Natur- bis hin zu den medizinischen Wissenschaften reichende Spektrum der Fächer stellte eine in Sachsen einmalige Kompetenzbündelung dar. Diese Potenzen nutzend sind weitere Anstrengungen besonders im Bereich der Sonderforschungsbereiche und anderer interdisziplinärer nach außen sichtbarer Projekte nötig.

   

Professor Dr. Franz Häuser

Rektor

Professor Dr. Helmut Papp

Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs

 

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 01.07.2004