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Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung (FraGes)

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Forschungstätigkeit am Zentrum

Im Jahr 2003 war das Zentrum an der Ausgestaltung eines Workshops in Leipzig zum Thema "Gesunde Arbeitswelt" beteiligt und organisierte eine zweitägige Konferenz zum Thema "Schön oder hässlich - Normierung, Abweichung und Überschreitung geschlechtlicher Identitäten". Tagungsberichte und eine Zusammenfassung der Beiträge sowie weitere Forschungsaktivitäten des Zentrums sind in einem Bericht zusammengefasst, der von der Homepage (www.uni-leipzig.de/~frages) abgerufen werden kann.

Das Zentrum hat rund 45 Mitglieder (drei Viertel weiblich, ein Viertel männlich) aus unterschiedlichen Fakultäten, Fachrichtungen und Nationen. Die Mitglieder vertreten kulturwissenschaftliche Fächer, Kunstwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Philologie, Sprachwissenschaften, Musikwissenschaft, Soziologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaft, und medizinische Disziplinen. Folgende Forschungsrichtungen und Forschungsthemen werden derzeit von den Mitgliedern des Zentrums bearbeitet:

  1. Eine Reihe von Themen ranken sich um die Fragestellung der Identität, und dies aus Sicht unterschiedlicher Disziplinen. Künstlerische Identität, Identität von Schriftstellerinnen, Körperbild, Physisches Selbstkonzept, Geschlechtsrollenidentität sind einige Stichpunkte, die hier zu nennen sind. Dabei geht es darum, wie Menschen ihr Selbstbild entwickeln und gestalten, weil sie männlich bzw. weiblich sind. Wie sie, beispielsweise, ihren Körper einsetzen und präsentieren (z. B. im Theater oder im Sport), wie sie ihr eigenes Bild von sich als Mann/als Frau oder als Junge/als Mädchen ausgestalten, verändern, in ihr Handeln einfließen lassen. Und beispielsweise auch, wie Kinderwunsch und Fertilität bzw. Fertilitätsstörungen mit ihrem Selbstbild als Mann/Frau verknüpft sind.
  2. Ein zweiter Themenkomplex lässt sich mit dem Begriff der Differenzforschung umschreiben. Gibt es Geschlechterunterschiede und wie bedeutsam sind sie für Alltagshandeln, berufliche Entwicklung, Familienarbeit? Sind Managerinnen in Betrieben anderen Erwartungen ausgesetzt als Manager? Lassen sich Unterschiede in der Selbstwahrnehmung und im wahrgenommenen Führungsstil erkennen? Ist das Sprachverhalten und die Kommunikation innerhalb und zwischen Geschlechtern unterschiedlich? Welche sozialen Interaktionsformen zeigen Lehrer und Lehrerinnen, Jungen und Mädchen im koedukativen Unterricht? Wie äußern Männer und Frauen gesundheitliche Beschwerden? Und welche Chancenungleichheiten existieren im Sport und im Leistungssport? Wie lässt sich über Gender Mainstreaming die Geschlechterdifferenz in das Bewusstsein und resultierendes Handeln in allen Bereiche von Politik und Verwaltung transportieren?
  3. Ein dritter Themenkomplex orientiert sich an der Tatsache, dass viele Aspekte des Umgangs der Geschlechter und des Geschlechterverhältnisses ihre Wurzeln in unserer Kultur haben. Um dies zu entdecken, bedarf es zum einen einer kulturgeschichtlichen Aufarbeitung mit Blick zurück, also z. B. zurück in die Antike, etwa zu den Amazonen, oder zurück ins 19. Jahrhundert, zu medizinischen Ratgeberbüchern oder zu den Wissenschaftsmythen in der Medizin der Geschlechter. Oder, hier in Leipzig besonders naheliegend, ein Blick zurück in die Zeiten der DDR, in die Zeiten vor und nach der Wende.
    Es bedarf aber auch einer kulturgeschichtlichen Aufarbeitung mit Blick über unseren Kulturraum hinweg, beispielsweise nach Asien (Männlichkeit/Weiblichkeit in Japan; Wertesysteme in China), nach Syrien (Stresserleben und Stressverarbeitung von Jungen und Mädchen in arabischen Ländern), oder auf die südliche Halbkugel (Internationale Bevölkerungspolitik). Auch Vergleiche zu europäischen Ländern werden gezogen (Osteuropa; Spanien).
  4. Und viertens werden Themen der Frauenforschung behandelt. So wird etwa eine Herausgabe und Bearbeitung der Schriften von Louise Otto Peters vorgenommen, die Medikalisierung und Pathologisierung der Frau in der Medizingeschichte bis heute analysiert, sozialpädagogische Arbeit mit Mädchen thematisiert oder Philosophie aus feministischer Perspektive untersucht.

 

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 01.07.2004