Forschungstätigkeit am Zentrum
Die DFG-finanzierte Bioinformatikinitiative Leipzig verfolgt einen
interdisziplinären Ansatz, um Biowissenschaftler (Biologen,
Biochemiker, Pathologen, Kliniker u.a.) und Experten mit Erfahrungen
in der Analyse komplexer Daten und der Modellierung zeitlicher und
räumlicher Phänomene (Computerspezialisten, Biostatistiker,
Biomathematiker) zusammenzuführen. Ausgehend vom Leipziger
Forschungsprofil konzentriert sich das IZBI auf zwei Forschungsgebiete:
- Auf dem Gebiet der genetischen Evolution verfolgen wir Projekte,
um die genetische Vielfalt und die ihr zu Grunde liegenden evolutionären
Beziehungen zwischen den Arten zu analysieren.
- Auf dem Gebiet der Gewebsorganisation und Signaltransduktion
konzentrieren wir uns auf die Genotyp-Phänotyp Wechselbeziehung
bei der Gewebsbildung und -funktion. Dabei interessieren Mechanismen
der räumlichen Gewebsorganisation (z.B. Epithel-, Tumor-
und in-vitro-Gewebe), die Architektur von Signaltransduktions-
und Genregulationsnetzwerken und die Analyse von hochdimensionalen
genomischen und molekularen Daten von normalen und pathogenen
Geweben.
Das Forschungskonzept
Das IZBI bietet Partner ein neues Konzept des Forschungsmanagements,
um bioinformatische Fragestellungen effektiv zu bearbeiten.
Projekte: Die Arbeitsweise des IZBI ist projektorientiert.
Es kann sich dabei sowohl um Forschungsprojekte mit wissenschaftlicher
Zielstellung, als auch um Serviceprojekte zur Technologieentwicklung
oder Datenanalyse, handeln. Jedes Projekt wird von einem Projektleiter
koordiniert. Über die Möglichkeit der Förderung eines
Projektes durch das IZBI wird durch den Vorstand des IZBI auf der
Grundlage eines Projektantrages entschieden, der die wissenschaftliche
Zielstellung, den Arbeitsplan, das benötigte Team (bestehend
aus Mitarbeitern des IZBI und der Kooperationspartner) und den notwendigen
Ressourcen darlegt. Die wissenschaftliche Qualität, Passfähigkeit
zum Forschungskonzept des IZBI und die Machbarkeit sind wesentliche
Kriterien, die über die Förderung entscheiden. Jeder Wissenschaftler
der Universität und der Leipziger Max-Planck-Institute kann
jederzeit einen Projektantrag stellen.
Arbeitsgruppen: Das IZBI ist intern in thematisch orientierte
Arbeitsgruppen organisiert. Sie setzen sich aus IZBI-Wissenschaftlern
sowie aus Forschern der beteiligten Institutionen zusammen. Ein
Koordinator stimuliert und koordiniert die Aktivitäten jeder
Arbeitsgruppe. Am IZBI existieren vier Arbeitsgruppen:
- Die AG1 (Datenbanken und Datenintegration, Koordinator Prof.
E. Rahm) konzentriert sich auf Projekte zum Design und Implementierung
eines data warehouses für genomische und molekulare Daten.
- Die AG2 (Gewebsorganisation, Koordinator Dr. D. Drasdo) beschäftigt
sich mit der räumlichen Organisation von Geweben. Dabei werden
sowohl Simulationsmodelle als auch Verfahren der dreidimensionalen
Rekonstruktion von Mikroskopiedaten angewendet.
- Die AG3 (Signaltransduktion und Genexpression, Koordinator Prof.
F. Horn) hat zwei Schwerpunktfelder: Die Analyse von Netzwerken
der zellulären Signaltransduktion sowie von Genexpressionsdaten.
Das erstgenannte Thema wird in der von Professor Bornholdt geleiteten
Nachwuchsgruppe Komplexe Regulationsnetzwerke bearbeitet. Es entwickelt
Methoden, Modelle und Strategien zum Verständnis von molekularen
Aspekten der Genregulation und der Wirkungsweise des Immunsystems.
- Die AG4 (Genetische Evolution, Koordinator Prof. P. Stadler)
entwickelt unter anderem evolutionäre Modelle zur Stammbaumrekonstruktion
aus Genomdaten.
Ergebnisse 2003
Die DFG-Initiative Bioinformatik erzielte 2003 folgende Ergebnisse:
- Die Arbeit der Bioinformatikinitiative wurde im Rahmen einer
externen Begutachtung im Mai 2003 positiv evaluiert. Die Deutsche
Forschungsgemeinschaft entschied, die Bioinformatikinitiative
Leipzig mit 2.1 Millionen Euro für weitere drei Jahre bis
2006 zu fördern.
- Die 2002 gebildeten Arbeitsgruppen des IZBI erreichten nach
der Aufbau- und Konstituierungsphase im vergangenen Jahr ihre
volle Arbeitsfähigkeit. Eine Reihe wissenschaftlicher Projekte
(s. u.) wurde gemeinsam mit Partnern aus der Universität
in Angriff genommen. Erste Ergebnisse wurden publiziert.
Projekte werden gemeinsam mit folgenden Partnern aus der Universität
Leipzig bearbeitet:
- Prof. Rahm (Fakultät für Mathematik und Informatik,
Institut für Informatik): Biodatenbanken
- Prof. Middendorf (Fakultät für Mathematik und Informatik,
Institut für Informatik): Komplexe evolutionäre Modelle
- Prof. Robitzki (BBZ/Fakultät für Biowissenschaften,
Pharmazie und Psychologie, Institut für Biochemie): Zell-
und Gewebsmodellierung
- Prof. Schlegel (Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie
und Psychologie Institut für Zoologie): Stammbaumrekonstruktion
von Matazoa
- Prof. Käs (Fakultät für Physik und Geowissenschaften,
Institut für Experimentelle Physik I): Cell elasticity
- Prof. Müller (Fakultät für Veterinärmedizin,
Institut für Virologie): Genanalysen zur Virenevolution
- Dr. Ahnert (BBZ): Genetische Variabilität bei Autoimmunerkrankungen
- Prof. Paschke (Universitätsklinikum Leipzig, Medizinische
Klinik und Poliklinik III): Genexpression beim Schilddrüsenkarzinom
- Prof. Höckel (Universitätsklinikum Leipzig, Universitätsfrauenklinik):
Dreidimensionale Charakterisierung des Zervixkarzinoms
- Prof. Horn (Universitätsklinikum Leipzig, Institut für
Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin): Genexpressionsanalyse,
Rekonstruktion von Transkriptionsnetzwerken
- PD Dr. Krohn (IZKF): Microarraytechniken und -analysen.
- Prof. Löffler (IMISE, KKSL): Biometrie und statistische
Analyse von Genexpressionsdaten, Aufbau einer Infrastruktur für
vergleichende Untersuchungen von molekularen und klinischen Daten,
Gewebsmodelle.
- Prof. Bader (BBZ): Gewebsmodellierung
Es wurde eine Auswerteplattform für Genexpressionsanalysen
aufgebaut. Das IZBI bietet interessierten Partnern eine speziell
entwickelte Datenbank (GeWare, Genexpressions-warehouse) an, in
der Mikroarraydaten abgelegt und dokumentiert (u.a. im MIAME-Standard)
werden und für vergleichende Analysen innerhalb eines Sicherheitskonzeptes
zur Verfügung stehen. Für statistische Analysen von Chipdaten
wurde ein Berater-Team aus IZBI-Mitarbeitern mit entsprechenden
Auswerte-Tools (z.B. BioConductor, S+-Statserver) gebildet. Die
Auswerteplattform ist Bestandteil des ORMA (Ostdeutsches Referenzzentrum
für Mikroarray-Analysen) und ergänzt die Microarray-Service-Unit
am IZKF.
Gemeinsam mit den Partnern konnten erste Drittmittelprojekte eingeworben
werden. Das IZBI übernahm gemeinsam mit dem IMISE und KKSL
zentrale Dokumentations- und Analyseaufgaben im Verbundprojekt der
Deutschen Krebshilfe "Molekulare Mechanismen der Lymphome".
Weitere Verbundprojekte unter Beteiligung des IZBI sind in der Antrags-
bzw. Begutachtungsphase.
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