Forschungstätigkeit an der Fakultät
Vor der Medizinischen Fakultät steht das Problem, den Rückgang
des Landeszuschusses für Forschung und Lehre von 85,9 Mio.
Euro im Jahr 2000 auf 51,6 Mio. Euro im Jahr 2003 durch verstärkte
Einwerbung von Drittmitteln zumindest teilweise zu kompensieren.
Unter diesem Blickwinkel sind die Drittmitteleinnahmen des Jahres
2003 in Höhe von ca. 18 Mio. Euro, das entspricht einer Steigerung
von 13 % gegenüber dem Vorjahr, besonders positiv zu bewerten.
Bei Einbeziehung der Drittmittel, die an anderen Einrichtungen für
Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät verwaltet (Gründe
dafür können Stipendien, gemeinsam bearbeitete Projekte,
Wechsel der Universität u.a. sein) und entsprechend den Grundsätzen
der leistungsbezogenen Forschungsbewertung berücksichtigt wurden,
sind es ca. 20,3 Mio. Euro. Die Anzahl der über Drittmittel
beschäftigten Personen ist mit 324 gegenüber dem Vorjahr
um ca. 10 % angestiegen.
Die Medizinische Fakultät ist auf ihrem Weg, eine leistungsstarke
Forschung und die dafür erforderlichen modernen Strukturen
aufzubauen, im Jahr 2003 ein gutes Stück vorangekommen. Die
Notwendigkeit, Forschungsaktivitäten zu bündeln und alle
Möglichkeiten der Forschungskooperation zu nutzen, wird von
den Wissenschaftlern der Fakultät weitgehend erkannt. Mit dazu
beigetragen hat die BMBF-Förderung "Verbesserung der Leistungsfähigkeit
der klinischen Forschung an den medizinischen Fakultäten der
neuen Bundesländer einschließlich Berlin (Charité)"
(NBL 3). In Übereinstimmung mit den Förderzielen des NBL
3-Programms und den Leitlinien für Forschung der Universität
Leipzig, wurden an der Medizinischen Fakultät zwei Forschungsschwerpunkte
etabliert. In den Forschungsschwerpunkt I "Fehlsteuerung
von zellulären Signalnetzwerken bei chronischen Krankheiten
(Angewandte Zellbiologie)" sind die zentralen Themen Neurowissenschaften,
Endokrinologie, Immunologie und Rheumatologie sowie Molekulare Onkologie
der Fakultät eingebunden, während der Forschungsschwerpunkt
II "Die Entwicklung und Evaluation psychosozialer Versorgungsformen
als Erfordernis des sozialen und medizinisch-technischen Wandels"
die Psychosoziale Medizin und Public Health zum Inhalt hat. Ziel
der Fakultät ist, ihre Forschungskapazitäten auch weiterhin
auf die fünf genannten Schwerpunktthemen zu konzentrieren.
Die beiden vorklinischen Professuren zum Forschungsschwerpunkt I
konnten im Jahr 2003 besetzt werden (Biochemie II mit dem Forschungsgebiet
Molekulare Endokrinologie und Physiologie II mit dem Forschungsgebiet
Neurophysiologie), ebenso die Stiftungsprofessur Gesundheitsökonomie
im Forschungsschwerpunkt II. Die drei berufenen Professoren sind
bereits eingebunden in Anträge auf Einrichtung eines Graduiertenkollegs
der DFG.
Die Programmteile zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
im NBL 3 wurden mit neuen Ausschreibungen im Jahr 2003 fortgesetzt.
Hervorzuheben sind dabei das formel.1- und das Rotationsstellenprogramm.
Die Finanzierung des formel.1-Programms mit einem Gesamtvolumen
von 750.000 Euro/Jahr wird zu einem Drittel durch die Medizinische
Fakultät aus dem Budget Forschung und Lehre getragen. Die anderen
zwei Drittel steuert das BMBF über NBL 3 bei. Mit einer Fördersumme
von max. 50.000 Euro pro Forschungsprojekt für ein Jahr erhalten
junge Wissenschaftler im formel.1-Programm die Möglichkeit,
ihre Projekte eigenverantwortlich zu bearbeiten. In die Förderrunde
des Jahres 2003 wurden 15 formel.1-Projekte, 5 Rotationsstellen
(junge Ärzte wechseln für ein Jahr in ein theoretisches
Institut) und im sogenannten Stellenpool (Besetzung von Stellen,
die einer Einrichtung als Ergebnis der Leistungsbewertung zustehen)
7 Stellen aufgenommen. Den Abschluss der Projektphase bildete ein
Kolloquium im Januar 2004, auf dem die Ergebnisse der Projekte präsentiert
wurden.
Derzeit existieren an der Universität fünf leistungsfähige
Zentren mit effizienten und modernen Strukturen der Forschung, die
in die Medizinische Fakultät voll (IZKF und KKSL) oder teilweise
integriert sind und über einen längeren Zeitraum über
Drittmittel finanziert werden:
- Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung
(IZKF), gegründet 1996, BMBF-gefördert
- Koordinierungszentrum für Klinische Studien Leipzig (KKSL),
gegründet 1999, BMBF-gefördert
- Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum, gegründet 2003
und SMWK-gefördert
- Interdisziplinäres Zentrum für Bioinformatik (IZBI),
gegründet 2002 und DFG-gefördert
- Zentrum für Umweltmedizin und Umweltepidemiologie (UMZ),
gegründet 1994 und BMBF- und SMWK-gefördert
Für das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische
Forschung Leipzig (IZKF) an der Medizinischen Fakultät lief
die dritte und letzte BMBF-Förderphase Ende 2003 aus. Die Strukturen
des IZKF haben sich grundsätzlich bewährt, und die Finanzierung
des IZKF wird zukünftig aus dem Landeszuschuss für Forschung
und Lehre realisiert (3,68 Mio. Euro pro Jahr). In der zweijährigen
Förderphase bis Ende 2003 wurden zu den vier o.g. thematischen
IZKF-Schwerpunkten Immunologie und Rheumatologie, Endokrinologie,
Neurowissenschaften und Molekulare Onkologie 25 Forschungsprojekte,
angebunden an die Einrichtungen der Projektleiter, bearbeitet. Hinzu
kamen zentrale Projekte wie drei Nachwuchsgruppen (Neuroimmunologische
Zellbiologie, Molekulare Medizin und seit 01.01.2003 Fettgewebscharakterisierung),
Core Units für verschiedene wissenschaftliche Dienstleistungen
(DNA-, Peptid- und Fluoreszenz-Technologien) und Querschnittsgruppen
für besondere Aufgaben (NMR-Spektroskopie). Breiten Raum nahm
die Nachwuchsförderung in Form von Forschungsstellen für
Ärzte im Praktikum, längere Auslands- und Kurzstipendien
(zur Erlernung neuer wissenschaftlicher Methoden) ein. Medizinische
Biotechnologie, neue bildgebende Techniken und zellbiologische Methoden
sind die wissenschaftlich-methodischen Standbeine des IZKF.
Im Juli 2003 stellte sich das IZKF mit seinem Forschungsprogramm
für die Jahre 2004 - 2006 einer Begutachtung durch den Fachbeirat.
Die strukturelle und inhaltliche Entwicklung des IZKF in den vergangenen
Jahren wurde durch die Gutachter positiv eingeschätzt. Insbesondere
betrifft das die Verknüpfung der Schwerpunkte des IZKF mit
der Profilbildung der Medizinischen Fakultät, die Stärkung
der vier IZKF-Schwerpunkte durch Neuberufungen, die kritische Auswahl
der Projekte der ab 2004 laufenden 4. Projektphase, die leistungsorientierte
Mittelvergabe und die Nachwuchsförderung. Der Fachbeirat empfahl
eine stärkere Einbindung klinischer Einrichtungen in das IZKF,
z. B. durch Förderung von Projekten, die gemeinsam durch ein
theoretisches Institut und eine klinische Einrichtung getragen werden,
oder durch gezielte Berufungspolitik. Als kritikwürdig sahen
die Gutachter die fehlende Drittmitteleinwerbung für Forschungsverbünde
der Fakultät (DFG-Sonderforschungsbereich oder -Graduiertenkolleg)
an. Hier ist insbesondere der Schwerpunkt Neurowissenschaften gefragt,
auf den zukünftig 50 % der IZKF-Mittel entfallen. Anfang 2004
wurden ein Antrag auf ein DFG-gefördertes Graduiertenkolleg
("Interneuro: Interdisziplinäre Ansätze in den zellulären
Neurowissenschaften") und ein Antrag im von DFG und DAAD geförderten
Programm "Promotionen an Hochschulen in Deutschland" (PHD)
auf den Weg gebracht. Es besteht für 2004 damit die Hoffnung,
die in den vergangenen Jahren stagnierende Antragstellung bei großen
Fakultätsforschungsverbünden zu überwinden.
Die BIO CITY Leipzig, in der das Biotechnologisch-Biomedizinische
Zentrum (BBZ) der Universität Leipzig ein wichtiges Bindeglied
zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung bis hin zur
anwendungsorientierten Forschung bzw. Umsetzung von Forschungsergebnissen
in neue biotechnologische Verfahren und Produkte werden soll, wurde
am 23.05.2003 festlich eröffnet. Neben Prominenz aus Politik
und Wirtschaft war auch der Nobelpreisträger James D. Watson
- berühmt als Mitentdecker der DNA-Struktur - anwesend. Zeitgleich
mit der Eröffnung der BIO CITY fand der 2. Biotechnologietag
des BBZ statt, erstmals unter Beteiligung von externen renommierten
Vertretern der biowissenschaftlichen Forschung als Referenten der
Plenarvorträge, daneben aber wieder vor allem als Forum für
Nachwuchswissenschaftler konzipiert.
Die Medizinische Fakultät ist am BBZ mit zwei Professuren
(Professur für Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologie
sowie Professur für Molekulare Zelltherapie) und zwei Nachwuchsgruppen
(Molekulare Diagnostik - Microarray-Techniken sowie Strukturaufklärung
membranassoziierter Proteine mittels Festkörper-NMR) beteiligt.
Im Jahr 2003 hat sich bereits eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit
zwischen den Wissenschaftlern des BBZ, des IZKF und vielen anderen
Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät entwickelt. Besonderes
Augenmerk sollte dabei auch auf die Einbeziehung von Klinikern und
- wenn wissenschaftliche Ergebnisse aus Biomedizin und Biotechnologie
zu konkreten Anwendungen z. B. in der Therapie führen - des
KKSL gerichtet sein. Hinzu kommt die sich gut entwickelnde fachübergreifende
Zusammenarbeit im Rahmen des Interdisziplinären Zentrums für
Bioinformatik (IZBI). Getragen von der positiven Evaluierung des
Zentrums im Rahmen einer externen Begutachtung im Mai 2003 und der
damit verbundenen dreijährigen Weiterförderung durch die
DFG mit 3,1 Mio. Euro, verfolgt das Zentrum seinen interdisziplinären
Ansatz, Biowissenschaftler und Mediziner mit Experten der Bioinformatik
zusammenzuführen. U. a. entwickelten sich - neben der direkten
Einbindung von Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät
in das IZBI (Prof. Löffler, Institut für Medizinische
Informatik, Statistik und Epidemiologie; Prof. Horn, Institut für
Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin) - Kooperationen mit
dem BBZ, der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, der Universitätsfrauenklinik,
dem IZKF und dem KKSL. Es ist voraussehbar, dass eine solche Kumulation
von wissenschaftlichem Potential und die sich folgerichtig ergebende
enge Verzahnung dem Standort Leipzig, seiner Universität und
somit unserer Fakultät Nutzen bringen können.
Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Bildgestützte
chirurgische Navigation und Medizinische Robotik" der Medizinischen
Fakultät entwickelte unter Einbindung der Klinik und Poliklinik
für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde/Plastische Operationen, der
Klinik für Herzchirurgie und der Klinik und Poliklinik für
Neurochirurgie im Rahmen der BMBF-Ausschreibung "Zentren für
Innovationskompetenz" im Jahr 2003 ein Strategiekonzept für
ein Innovationszentrum für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS)
in Leipzig und verteidigte das Konzept Anfang 2004 beim BMBF erfolgreich.
Das Leipziger Innovationszentrum wird in den nächsten fünf
Jahren mit knapp 3 Mio. Euro vom BMBF gefördert. Es ist als
Zentrum der Universität konzipiert und wird fakultätsübergreifend
Wissenschaft und Lehre auf dem Gebiet der computer- und roboterassistierten
Chirurgie an der Medizinischen Fakultät in enger Kooperation
mit der Fakultät für Mathematik und Informatik, der Veterinärmedizinischen
Fakultät und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und
Kunst Leipzig betreiben. Darüber hinaus ist es praxisorientiert
mit dem Ziel der Verwertung der wissenschaftlichen Ergebnisse in
der Wirtschaft. Seitens der Medizinischen Fakultät ist die
Einrichtung einer C3-Innovationsprofessur Computerassistierte Chirurgie
zugesichert. Im Zentrum werden zwei Juniorprofessuren mit zugehöriger
Nachwuchsgruppe BMBF-gefördert etabliert. Drittmittel aus der
Industrie und vom Freistaat Sachsen sollen die finanzielle Ausstattung
des Zentrums ergänzen.
Für den Ausbau des zweiten zentralen Forschungsschwerpunktes
der Medizinischen Fakultät "Psychosoziale Versorgungsformen"
ist im Jahr 2003 neben der Besetzung der Stiftungsprofessur Gesundheitsökonomie
die Bildung des Zentrums für Prävention und Rehabilitation
(ZPR) an der Universität Leipzig mit Gründungsdatum 11.06.2003
von besonderer Bedeutung gewesen. Wissenschaftler der Medizinischen
Fakultät, der Fakultät für Sportwissenschaften und
der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie
schlossen sich in diesem Zentrum zusammen und forschen gemeinsam
auf dem Gebiet Bedarf, Wirksamkeit, Qualität und Kosteneffektivität
präventiver und rehabilitativer Maßnahmen in verschiedenen
Bereichen des Gesundheitswesens.
Der im Forschungsbericht 2002 angekündigte Vertragsabschluss
zwischen der Universität Leipzig und der Tongji University
(Medical College) in Shanghai erfolgte im Oktober 2003 bei einem
Besuch der Fakultätsleitung in Shanghai. Die Partnerschaft
soll in Forschung und Lehre ausgebaut werden. Zur Zeit sind Nachwuchswissenschaftler
aus China an der Medizinischen Fakultät tätig.
Ende 2003 erreichte die Universität Leipzig der Zuwendungsbescheid
für ein Verbundvorhaben im BMBF-Programm "Systembiologie".
Unter dem Titel "Sysbio - Plattform Zellbiologie: In vitro
Systeme mit Hepatozyten" sind das Institut für Biochemie,
das Rudolph-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie
gemeinsam mit dem Institut für Rechtsmedizin sowie der BBZ-Lehrstuhl
für Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologie mit je einem
Teilprojekt eingebunden. Die beteiligten Einrichtungen erhalten
in den nächsten drei Jahren 1,35 Mio. Euro. Gleichzeitig ist
dieses Verbundprojekt dem im Jahr 2003 gegründeten Interdisziplinären
Zentrum für Toxikologie an der Universität Leipzig zuzuordnen.
Forschungsschwerpunkte dieses Zentrums werden toxische Umweltfaktoren
und Gesundheit sowie toxikologische Aspekte der Lebensweise sein.
Hervorzuheben ist außerdem ein 2003 bewilligtes internationales
Projekt im Human Frontier Science Program (HFSP) mit Partnern aus
Frankreich und den USA und einer Förderung von 1,35 Mio. $
für drei Jahre. Koordinator dieses Projektes ist Professor
Eilers, der den Ruf auf die NBL 3-geförderte C4-Professur Physiologie
II erhielt.
Zahlreiche BMBF-Verbundprojekte mit Beteiligung der Medizinischen
Fakultät (z.B. Kompetenznetzwerke Medizin, Rehaverbund Berlin-Brandenburg-Sachsen),
die SMWK-geförderten Projekte der Biotechnologie und der Sonderforschungsbereich
"Proteinzustände mit zellbiologischer und medizinischer
Relevanz", angesiedelt an der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg und der Universität Leipzig (Fakultät
für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie sowie Medizinische
Fakultät), wurden im Jahre 2003 fortgeführt. Die Beteiligung
am 6. EU-Forschungsrahmenprogramm lief verhalten an. Bisher gibt
es zwei bewilligte Teilprojekte (Institut für Formale Ontologie
und Medizinische Informationswissenschaft und Abteilung Hämatologie
und Onkologie der Medizinischen Klinik II) in Exzellenznetzwerken.
Die Leistungsorientierte Forschungsbewertung und Mittelvergabe
an der Medizinischen Fakultät spiegelt das gestiegene Leistungsniveau
auf dem Gebiet der Forschung wider. Das betrifft nicht nur die Drittmitteleinnahmen
des Jahres 2003 (s. oben), sondern z. B. auch die Zunahme der Promotionen
und Habilitationen und mündet in einem Anstieg der Gesamtleistungspunktzahl
aller Wissenschaftler der Fakultät. Zur Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten
und als Anreiz für weitere Förderanträge wird die
Medizinische Fakultät Wissenschaftlern für im Jahr 2003
eingeworbene DFG-Mittel einen Forschungsbonus zur Verfügung
stellen.
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