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Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

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Forschungstätigkeit an der Fakultät

Institut für Biochemie

Im Jahr 2004 hat sich die Struktur des Institutes für Biochemie verändert. Nach Ge-nehmigung durch den Senat gehört neu die allerdings vakante Professur für Mikro-biologie zum Institut für Biochemie. Erfreuliche Änderungen sind ansonsten zu ver-merken: die Besetzung der Professur für Molekularbiologie fand mit der Rufannahme von Professor Dr. Mario Mörl im Dezember 2004 ihren Abschluss. Das Verfahren zur Wiederbesetzung der Professur Stoffwechselbiochemie/Enzymologie läuft. Nachdem 2003 durch viele Umzüge geprägt war, konnten 2004 die Arbeitsgruppen etwas zur Ruhe kommen. Allerdings stehen 2005 bereits neue Umzüge an. Folglich standen 2004 überwiegend Planungen im Vordergrund, die die Planung der Räume Talstraße 33 für die Gruppe Hofmann, sowie Planungen für den Laborbau Sonderlabore Stephanstraße für die Arbeitsgruppen Beck-Sickinger und Mörl. Weitere Schwerpunkte 2004 am Institut für Biochemie waren die Vorbereitungen zur Einführungen der konsekutiven Studiengänge Bachelor und Master Biochemie.

Der Arbeitsgruppe Beck-Sickinger gelangen große Erfolge auf dem Gebiet der Car-rierpeptide. Im Rahmen des EU-Projektes "Peptide Carrier for Drug Delivery" konnte die Aufnahme in Säugerzellen von DNA-Plasmiden und Aptameren mittels Carrier-peptide gezeigt werden. Weiterhin konnten durch zellbiologische und biophysikalische Untersuchungen entscheidende Hinweise zum Mechanismus der Aufnahme identifiziert werden. Die Entwicklung selektiver Liganden war 2004 im Gebiet der Orexine äußerst erfolgreich. So wurden die kleinsten Orexin-Rezeptor-2 und die ersten Orexin-Rezeptor-1 aktivierenden Liganden identifiziert. Im Rahmen eines weltweiten Konsortiums konnte die Arbeitsgruppe zur wichtigen Frage der Rolle von PYY bei der Nahrungsaufnahme beigetragen. Diese Ergebnisse wurden in Nature publiziert. Weiterhin konnte erstmals die selektive Biotinylierung der Aldoketoreduktase erzielt werden, die die selektive Immobilisierung des Enzyms ermöglicht. Wichtige Erfolge bei der selektivien Radiomarkierung konnten ebenfalls erzielt werden, was neben Publikationen auch zur Erteilung eines Patentes führte.

Ein Highlight unserer Forschung war die Etablierung einer neuen rationalen Methode, die das Screening virtueller Substratmimetika-Bibliotheken erlaubt und zur Identifizierung verbesserter Substratmimetika-Typen für die biokatalytische Peptid- und Proteinsynthese eingesetzt werden kann. Ein weiteres ist in der Entwicklung eines neuartigen Enzym-basierten Verfahrens zur selektiven C-terminalen Modifizierung von nativen Proteinen zu sehen, das nicht die bekannten Limitationen bislang favorisierter Intein-Systeme aufweist.

Die Arbeitsgruppe Robitzki hat ihre beiden Forschungs- und Entwicklungsschwer-punkte im Bereich des molekularen Tissue Engineering sowie der Wirkstofffindung und der funktionellen Proteincharakterisierung mit Zell- und Gewebe-basierten Multi-elektrodenarrays durch zwei weitere Forschungssäulen um die NanoBiotechnologie und Nanoelektronik sowie die Lasermanipulation und -katapultion von lebenden bio-logischen Zellen am Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum erweitert. Ein Höhepunkt lag zum einen in der Präsentation und im klinischen Einsatz des ersten Pro-totyps eines Kardiomyozyten-Biosensors als Prädiagnostikmodul für den AT1-Autoimmunantikörper, ein Marker für Präeklampsie während der Schwangerschaft. Die Nachweisgrenze dieses bioelektronischen, funktionellen Mikroarrays für den AT1-Rezeptoragonisten Angiotensin II liegt bei 10-11M. Ein weiterer Fokus liegt in der Na-nostrukturierung von Materialien zur gezielten Positionierung von Zellen und ihrer Laser-gesteuerten Manipulation, Selektion und Katapultion. Hier wurde eine neuartige Laser-Bioelektronikplattform entwickelt und aufgebaut, um genmodifizierte neuronale Vorläuferzellen für die neurale Regeneration manipulieren sowie in Echtzeit charakterisieren zu können.

Ziel der Teilprojekte ist das Verständnis von Aufbau und Funktionsweise des komplexen RNA-Enzyms RNase P aus verschiedenen Organismenklassen und Organellen, und damit der natürlichen Evolution katalytischer Prinzipien. Zur Funktionszuordung in den Protein- und RNA-Untereinheiten der RNase P werden die rekombinant verfügbaren Einzelkomponenten durch Mutationsanalyse, Aktivitäts- und Interaktionsstudien in vitro und in vivo untersucht. In cyanobakteriellen und plastidären RNase P-RNAs konnte eine neue Klasse von Substratbindungsstellen identifiziert und strukturell charakterisiert werden. In der RNA-Komponente aus eukaryotischen Organellen wurde durch Permutationsanalyse erstmalig katalytische Aktivität nachgewiesen. Die Etablierung spezieller Screening-Systeme und bioinformatische Ansätze führten zur Identifikation und Klonierung weiterer potentieller RNase P Proteine aus verschiedenen Organismen, die gegenwärtig funktionell charakterisiert werden.

Das Enzym R-3-Hydroxybutyrat-Dehydrogenase, ein Vertreter der "short-chain" De-hydrogenase/ Reduktase Enzymfamilie, konnte kristallisiert werden, sodass mit der Aufklärung der Raumstruktur des Enzyms durch Röntgenstrukturanalyse begonnen werden konnte. Die durch ortsgerichtete Mutagenese hergestellten Enzymvarianten erlauben zusätzlich eine Charakterisierung Substratbindungsregion mit kinetischen Methoden.
In der Arbeitsgruppe Hofmann wurden die Untersuchungen zur Sekundärstrukturbil-dung in Foldameren nicht-proteinogener Aminosäuren fortgesetzt und auf die Helix-bildung in ß-Peptiden ausgedehnt. Außerdem wurde ein neuer Typ von Sekundär-strukturen in Peptiden beschrieben, sogenannte gemischte Helices, deren Bildung in allen homologen Peptiden möglich sein sollte. Durch gezielte Auswahl von Substitu-tionsmustern kann die Faltung so gelenkt werden, dass die Bildung solcher Helices unterstützt wird. Zahlreiche weitere Forschungsaktivitäten betrafen Kooperationen im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 610 "Proteinzustände von medizinischer und zellbiologischer Relevanz".

Auf dem Gebiet des Protein-Engineering konnte eine neue Variante von Exonuclease III designt werden, welche eine erhöhte Thermostabilität aufweist und eine verein-fachte Herstellung erlaubt. Für zwei zu Exonuclease III homologe Proteine aus ther-mophilen Organismen konnten in Kooperation mit dem BBZ Kristalle gezüchtet wer-den. Ein Verfahren für die Durchmusterung großer Enzym-Varianten-Bibliotheken wurde weiterentwickelt und auf verschiedene Enzymklassen adaptiert.

Institut für Biologie I

Der Schwerpunkt der Forschung in der Arbeitsgruppe Reißer (Allgemeine und Angewandte Botanik) lag im Berichtszeitraum auf der Untersuchung der Taxonomie und der Ökophysiologie aeroterrestrischer Algen, wobei neben Grundlagen (Charakterisierung der Algenflora verschiedener Bodentypen und -tiefen, Untersuchung borkenbewohnender Algen) auch angewandte Fragestellungen - u. a. zum Einsatz aeroterrestrischer Algen für Biomonitoring - bearbeitet wurden.

Durch Drittmittel geförderte Projekte waren:

  • Ein Projekt, welches aeroterrestrische Algen auf die Exkretion von Substanzen mit antiviraler, antibakterieller und/oder antimycotischer Aktivität testet. Diese Arbeiten wurden im Berichtszeitraum abgeschlossen. Die wichtigsten Ergebnisse sind in einer zur Veröffentlichung angenommenen Publikation dargestellt worden.
  • Ein Projekt im Rahmen des BIOLOG-Programmes BIOTA-Süd, das die Beteiligung aeroterrestrischer Algen am Aufbau von Krusten ("Biological Soil Crusts", BSC) in Trockengebieten des südlichen Afrika untersucht sowie
  • - ebenfalls im Rahmen des BIOLOG-Programmes - ein Projekt ("AlgaTerra"), das sich mit der Erfassung von Daten aeroterrestrischer Grün- und Blaualgen und am Aufbau einer Datenbank über nicht-aquatische Algen beteiligt.

Die Arbeitsgruppe Wilhelm (Pflanzenphysiologie) bearbeitet ein DFG-Vorhaben über die Etablierung von Einzellmessverfahren in der Pflanzenphysiologie. Damit wird es möglich, den physiologischen Zustand von Einzelzellen in Suspensionen oder in Geweben zu erfassen. Die Arbeiten über die molekularen Änderungen der Pigmentorganisation unter Lichtstress und die Klonierung und Sequenzierung der daran beteiligten Enzyme wurde abgeschlossen. In einem zweiten DFG-Vorhaben wird die Effizienz der aquatischen Primärproduktion unter naturnahen Licht- und Nährstoffbedingungen untersucht. Ein EU-Vorhaben im Rahmen des Marie Curie Host Stipendien Programms mit dem Thema In-situ Hybridisierung von Phytoplanktonzellen zur simultanen taxonomischen Erkennung und physiologischen Charakterisierung wurde fortgesetzt. Ein BMBF-Verbundvorhaben, in dem die Thermolumineszenz als eine neue Screeningmethode für die Pflanzenstressforschung entwickelt wurde, konnte abgeschlossen werden. Die Methode soll nun in Zusammenarbeit mit der Firma Fischer Analysen Instruments (Leipzig) kommerzialisiert werden, dazu wurde ein Antrag im Rahmen der Innovationsforschungsförderung des BMI (ProInnoII) gestellt. In Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde wurde ein neuer Modellbaustein für die Wasserqualitätsbewertung in fließenden Gewässern erarbeitet. In einem neuen Vorhaben wird untersucht, ob die FT-IR Spektroskopie genutzt werden kann, in natürlichen Phytoplanktonzellen den Gehalt an Kohlenstoff und internen Nährstoffen zu bestimmen. Ein solches Verfahren wird die Gewässergüteprognose deutlich verbessern können. Im Zusammenwirken mit mehreren Arbeitsgruppen der Fakultät für Biowissenschaften (Prof. Dr. Francois Buscot, Prof. Dr. Werner Reißer, Prof. Dr. Christian Wilhelm, Prof. Dr. Kurt Eger, Prof. Dr. Martin Schlegel) und dem Umweltforschungszentrum (Prof. Dr. Hauke Harms, Prof. Dr. Matthias Kästner, Dr. Stefan Klotz) wurde ein Bionetzwerk aufgebaut, das die Funktion der mikrobiellen Biodiversität der Mikroorganismen in Böden für die Bodenfruchtbarkeit untersuchen soll. Dazu wurde bei der DFG ein Vorantrag auf ein Graduiertenkolleg eingereicht.

Im Bereich Spezielle Botanik und Botanischer Garten (Professor Morawetz) konzentrierte sich die Forschung hauptsächlich auf Tropenökologie in Südamerika und Australien sowie auf systematische Studien über tropische Holzpflanzen und ursprüngliche Angiospermen (vor allem Gattung Guatteria, Annonaceae). Das "Surumoni-Projekt" (Kronendachuntersuchung in einem Flachlandregenwald im südlichen Venezuela) wurde fortgesetzt. Das Datenmaterial befindet sich überwiegend noch in der Phase der Auswertung. Die Grundfrage, zu deren Beantwortung das Projekt beitragen soll, lautet: "Wie funktioniert der Regenwald?". Die Studien umfassen u.a. Phänologie, Reproduktionsökologie und Tier-Pflanze-Interaktionen. Das Feldforschungsprogramm begleiten Simulationsmodelle und phytogeographische Analysen als theoretischer Hintergrund.

Neben dieser tropenökologischen Grundlagenforschung wurde speziell im Rahmen des Forschungsverbundprojektes "Mata Atlântica" in Brasilien zu angewandten Aspekten tropischer Vegetations- und Landschaftsökologie gearbeitet.
Die regionale Forschung im nordwestlichen Sachsen konzentrierte sich auf Biodiversität, Ökologie, pflanzensoziologische Studien sowie Verbreitung von Samenpflanzen und Pilzen. Besonders hervorzuheben sind die ökologischen Forschungen an Gehölzen und Pilzen im Kronenraum des Leipziger Auwaldes (Projekt "LAK - Leipziger Auwaldkran").
Der mit dem Bereich Spezielle Botanik assoziierte Botanische Garten wurde unlängst umfassend rekonstruiert. Seine Pflanzenbestände werden planmäßig erweitert. Besonders bemerkenswert und für die Forschung bedeutsam sind die Sammlungen tropischer Holzpflanzen, der Ameisenpflanzen, Palmen (Arecaceae) und Berberitzengewächse (Berberidaceae).

Der Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe Buscot (Terrestrische Ökologie) liegt in der Untersuchung von mykorrhizalen und Bodenpilzen. Dabei wird mit molekularen und physiologischen Methoden gearbeitet. Neben empirischen Untersuchungen im Feld werden Experimente an Laborkulturmodellen und im Freiland realisiert. Diese Forschungsaktivität wird ausschließlich über Drittmittelprojekte finanziert.
Im Graduiertenkolleg "Funktions- und Regenerationsanalyse belasteter Ökosysteme" (Universität Jena) sowie im BMBF-Projekt im Rahmen des BIOLOG Programms "Einfluss von Biodiversität auf Ökosystemprozesse in Grünlandbeständen (DIVA)" wurde der Zusammenhang zwischen Standortbelastung bzw. -nutzung und Diversität von mykorrhizalen Gesellschaften analysiert. Dank einer kanonischen Korrespondenzanalyse konnte eine Wirkungshierarchie von Umweltfaktoren festgestellt werden. Ein Tracer Experiment mit 15N erlaubte die Funktion von Mykorrhizen für die Stoffverteilung in der Vegetation zu untersuchen. Im Rahmen der Forschergruppe "Rolle of Biodiversity for element cycling and trophic interactions" wurde ein neues DFG Projekt akquiriert.
Im DFG-Projekt "Einfluss der Laccase Produktion durch Pilze und Mykorrhizen auf die Bildung und Stabilität organischer Substanzen in land- und forstwirtschaftlichen Böden" im Rahmen des DFG SPP 1090 wurden Arbeiten zur Profilierung der Diversität und Expressionsprofile pilzlicher Laccase Gene an einem Waldstandort fortgesetzt. Saisonale Variationen standen dieses Jahr im Mittelpunkt.

Im DFG SPP 1084 setzten wir unser Projekt zur Aufklärung molekularer Grundlagen der Interaktionen zwischen dem Ektomykorrhizapilz Piloderma croceum und Stieleichen fort. In einer Kooperation mit der INRA Nancy konnten wir auf der Basis einer EST Bank ein Macro-Array Experiment durchführen, und zeigten dabei, dass zu Beginn der Symbiose Gene die jeweils für Stress, Signaltransduktion und Wachstun kodieren reguliert werden.
Im 2004 initiierten wir zwei neue Zusammenarbeiten: die eine mit der Universität Darmstadt über Wechselwirkungen zwischen der Bodenmesofauna und die zweite mit der Universität Krakau (Polen) über arbuskuläre Mykorrhizen auf mit Zink kontaminierten Böden.

In der Arbeitsgruppe Gehlhaar (Didaktik der Biologie) wurde basierend auf den Erhebungsbefunden zur Ontogenese der Biologieinteressen bei Schülern der Sekundarstufe I (DFG-Projekt der Universitäten Gießen und Leipzig) und einer Voruntersuchung (N=192) zum Entwicklungsstand der Biologieinteressen in Grund- und Leistungskursen Biologie in den Jahrgangsstufen 11 und 12 die Hauptuntersuchung an vier Gymnasien (N=373) durchgeführt. In Auswertung der Erhebungsdaten wurden neue Erkenntnisse zu Korrelationen zwischen Kurswahlverhalten, Berufs- bzw. Studienwunsch und Interessenlage der Abiturienten gewonnen.

Institut für Pharmazie

Die Pharmazeutische Chemie im Institut für Pharmazie beschäftigt sich hauptsächlich mit strukturwirkungsbezogenen Synthesen sowie in zunehmendem Maße mit Arzneistoffanalytik.

Basisch substitutierte Thiophen- und Thiazol-Derivate werden als potentielle Liganden an Glutamat-Rezeptoren synthetisiert. Sie werden wirkungsoptimiert mit dem Ziel, neue Antianaphylaktika zu erhalten (Arbeitskreis Briel, Abd Alslam).
Der Arbeitskreis Eger war von 1996 bis 2000 mit zwei Projekten im Innovationskolleg "Chemisches Signal und biologische Antwort" vertreten. Es handelt sich um die Suche nach untoxischen und leicht zugänglichen Proteinphosphatasehemmstoffen und um Adenosinrezeptorantagonisten. Bei letzteren ging es vor allem darum, in vitro aktive Antagonisten in bioverfügbare umzuwandeln. Neben A1-Antagonisten ist zwi-schenzeitlich auch die Synthese hochaffiner A3-Adenosinantagonisten gelungen. Nach Auslaufen des Kollegs wurden beide Arbeitsgebiete weitergeführt.

Ein weiteres Projekt wird im Graduiertenkolleg "Mechanistische und Anwendungsaspekte nichtkonventioneller Oxidationsreaktionen" bearbeitet. Hier geht es um oxidative Metabolisierungsreaktionen, sowie um die Synthese schwer zugänglicher Pflanzeninhaltsstoffe über Oxidationsreaktionen (z. B. Hypericin, Fagopyrin, Emodin) bzw. deren Isolierung und Sicherung der Struktur.

Ein zusätzlicher Schwerpunkt ist die Synthese von Arzneistoffmetaboliten. Diese werden entweder als Referenzsubstanzen für analytische Untersuchungen benötigt oder mit Spacern als Haptene eingesetzt.
Die Arbeiten an Thalidomid werden fortgeführt. Der Schwerpunkt liegt hierbei in der Synthese von Derivaten, bei denen der Glutarimidring durch stabilere Heterocyclen ersetzt wurde (Eger).

Im analytischen Bereich steht die Qualitätsprüfung von Arzneistoffen im Vordergrund. Durch die zunehmende Verlagerung der Arzneistoffproduktion in asiatische Länder bzw. Herstellung patentfreier Arzneistoffe in diesen Ländern kommen in zunehmendem Maß Rohstoffe auf den Markt, die nicht Arzneibuchqualität aufweisen und von den Behörden nicht akzeptiert werden, wenn nicht die Syntheseverunreinigungen bekannt sind. Beispiele sind Trimethoprim, chemotherapeutisch wirksame Sulfonamidderivate, Doxycyclin und weitere Antibiotica, Indometacin, Molsidomin.

Verschiedene Arzneistoffe werden untersucht, deren Verunreinigungen abgetrennt und spektroskopisch charakterisiert. Im Zweifelsfall werden Gegensynthesen der Verunreinigungen durchgeführt und Verbesserungsvorschläge für die Arzneistoffsynthesen erarbeitet (Eger, Kertscher, Ortwein).

Neben der erwähnten Drittmittelförderung werden die Arbeiten auch von der pharma-zeutischen Industrie sowie dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Erarbeitung von Monographien für das Europäische Arzneibuch unterstützt. Mehrere Kooperationen mit der Pharmazeutischen Industrie über Wirkstoffsynthesen und -untersuchungen zur Qualitätssicherung nach dem Stand der Technik werden durch-geführt.

Seit 2001 werden im Rahmen der BioTech Sachsen-Förderung zwei weitere Projekte bearbeitet.
Unter der Projektleitung von Professor Eger wird zusammen mit dem SIAB (Dr. Kerns) eine Untersuchung zum Thema "Gewinnung pharmazeutischer Wirkstoffe durch Pflanzenzellkultivierung" durchgeführt, um wichtige Pflanzeninhaltsstoffe in Pflanzenzellkulturen zu gewinnen.
Ein Teilprojekt mit der TU Dresden, Medizinische Klinik, PD Dr. Schleyer, zum Thema "Synthese, Screening und Wirkungsmechanismus potentiell anti-rekombinogener Substanzen" beinhaltet die Synthese und Struktur-Wirkungs-Beziehungen von Nuc-leosiden.

Die Pharmazeutische Technologie (Arbeitskreis Süß) beschäftigt sich mit der Op-timierung von peroralen Arzneiformen mit kontrollierter bzw. modifizierter Wirkstoffli-beration sowie der Entwicklung und materialwissenschaftlichen Untersuchung der notwendigen Hilfsstoffe und Zwischenprodukte, insbesondere auch unter Nutzung der Sol-Gel-Technik.

Die Arbeiten zum "Curing" von überzogenen Arzneiformen sowie die Entwicklung von multipartikulären Systemen für die perorale Anwendung wurden weitergeführt. Au-ßerdem wird auf dem Gebiet der Qualität von homöopathischen Formulierungen ge-arbeitet.
Die im Arbeitskreis Leopold bearbeiteten Forschungsprojekte konzentrieren sich auf pharmazeutisch-technologische wie biopharmazeutische Fragestellungen. Im Vor-dergrund stehen Untersuchungen zur Quantifizierung und Optimierung der Wirkstoff-penetration durch die Haut (Zusammenarbeit mit Prof. Howard Maibach, UCSF, San Francisco). Es werden die Einflüsse von Salbengrundlagen und Penetrationsbeschleunigern auf die kutane Penetrationsgeschwindigkeit von Wirkstoffen näher untersucht. Die Messungen erfolgen nichtinvasiv durch Erfassung der pharmakodynamischen Wirkung von Modellwirkstoffen in vivo mittels geeigneter Wirkungsparameter (Finanzierung über DAAD). Zur Optimierung von transdermalen Pflastern werden neuartige Klebemassen auf Silikonbasis als Wirkstoffmatrix untersucht (Kooperation mit Jenapharm, Jena).

Physikalisch-chemische Wechselwirkungen zwischen Überzugspolymeren und Kern-bestandteilen und deren Nutzung zur Stabilisierung von überzogenen Arzneiformen sowie für die veränderte Wirkstofffreisetzung stellen ein weiteres Arbeitsgebiet dar. Ziel ist einerseits die pulsatile Freisetzung, die z. B. für das Dickdarm-Targeting von Bedeutung ist; andererseits kann die verlängerte Wirkstofffreisetzung zur Konzeption von UNO-Präparaten dienen (Kooperation mit Apogepha, Dresden).
Im Rahmen des BMBF-Projektes IKON kommt die Druckwechseltechnologie als alternatives Sterilisationsverfahren für Pharmaka zum Einsatz.

Weitere Projekte beinhalten die Entwicklung von Darreichungsformen für Löss (Heil-erde), welches adsoptiv wirkt und innerlich wie äußerlich angewendet werden kann. Entwickelt werden Tablettenrezepturen sowie Feucht- und Trockenmasken für den Gesichtsbereich (Kooperation mit Heilerdegesellschaft Luvos Just, Friedrichsdorf).

Die Pharmakologie für Naturwissenschaftler (Arbeitskreis Nieber) beschäftigt sich mit elektrophysiologischen Untersuchungen (intrazelluläre Ableitungen, Patch-Clamp-Untersuchungen, Ca2+-Imaging) an corticalen Neuronen. Es interessieren die Signalwege des Adenosin-A3-Rezeptors und die Wirkungsmechanismen der Ampakine. Außerdem wird die Rolle des A3-Rezeptors bei Hypoxie studiert. In diesen Studien werden neuartige Rezeptorliganden eingesetzt, die im Bereich Pharmazeutische Chemie (Prof. Kurt Eger) synthetisiert werden. Die Arbeiten sind Bestandteil des DFG-Einzelantrages "Präsynaptische Adenosin-A3-Rezeptoren an coticalen Neuronen: Neuropetektive Targets bei Hypoxie". Es ist gelungen, mit elektrophysiologischen Methoden die hemmende Wirkung von Baldrianextrakten auf die synaptische Transmission nachzuweisen. Die in den Baldrianextrakten enthaltenen Lignane aktivieren A1-Rezeptoren und vermitteln dadurch eine Hemmung der synaptischen Potentiale (Kooperation mit C. Müller, Bonn und Zeller AG, Schweiz).

Ein weiterer Schwerpunkt des Bereiches sind Untersuchungen zur Wirkung von Ade-nosinrezeptorliganden auf Entzündungsreaktionen am isolierten Ileum der Ratte. Es ist gelungen, ein in vitro-Modell zu etablieren und Adenosin-A2A-vermittelte antiinflammatorische Wirkungen nachzuweisen. Die Untersuchungen werden in Kooperation mit Professorin C. Müller (Universität Bonn) durchgeführt.
Ein dritter Schwerpunkt des Bereiches sind Untersuchungen zur Signaltransduktion an humanen Monozyten / Makrophagen. Diese Arbeiten werden in Kooperation mit der Abteilung Immunbiologie des Institutes für Zoologie (Prof. Dr. S. Hauschildt) durchgeführt. Im Rahmen dieses Schwerpunkts ist es gelungen, Wirkeffekte von intrazellulärem LPS- und extrazellulärem NAD+ nachzuweisen.
In Kooperation mit der IZKF-Nachwuchsgruppe "Neuroimmunologische Zellbiologie" werden Advanced glycation endproducts (AGE) - bindende Proteine und AGE-Rezeptoren sowie die Rolle von AGE´s im Hyperglykämiemodell" untersucht. Es bestehen weiterhin zahlreiche Kooperationen mit anderen nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen.

Institut für Biologie II

Das Institut für Biologie II hat ein außerordentlich breites Forschungsspektrum, das von der Genetik über die Zellbiologie, Immunbiologie, systemische Biologie (mit Schwerpunkt Neurobiologie) bis zur Systematik und Ökologie reicht. Nachfolgend sind einige Schwerpunkte genannt.

In der Arbeitsgruppe Molekulare Evolution und Systematik der Tiere (Prof. M. Schlegel) werden Verwandtschaftsbeziehungen verschiedener Tiergruppen mit modernen molekularbiologischen Methoden untersucht (z.B. bei Myxozoa, Hemichordata und Isopoda). Außerdem werden Genflussanalysen natürlicher Populationen z.B. von Mollusken und Coleoptera durchgeführt.

Die Arbeitsgruppen Allgemeine Zoologie und Neurobiologie (Prof. R. Rübsamen) und Tier- und Verhaltensphysiologie (Prof. K. Schildberger) beschäftigen sich mit Mechanismen und Funktionen der Informationsverarbeitung im ZNS. Mit neurobiologischen Methoden und Verhaltensanalysen werden Probleme wie Zeitverarbeitung in der Hörbahn von Säugern und Insekten und neuronale Grundlagen aggressiver Verhaltensweisen bei Insekten untersucht.

Die Arbeitsgruppe Humanbiologie (Prof. G. Poeggel) untersucht den Einfluss emotionaler Erfahrungen wie pränataler Stress bzw. frühe sozio-emotionale Deprivation auf die Reifung neuronaler Transmissionssysteme, d.h. auf die Chemoarchitektur des Gehirns von Säugetieren. Im Zentrum des Interesses stehen dopaminerge und serotonerge Systemen und ihre Ausgestaltung im Limbischen System.

Die Arbeitsgruppe Entwicklungsneurobiologie (Prof. W. Naumann) beschäftigt sich mit dem phylogenetischen Ursprung radialer Gliazellen und deren Einfluss auf die Differenzierung des Nervensystems von Vertebraten und verschiedenen Invertebraten.

Schwerpunkte der Forschungsarbeit der Arbeitsgruppe Genetik (Prof. H. Sass) sind: 1. Die Identifikation und Analyse von Genen und genregulatorischen Komponenten im Drosophila-Genom. Wir wollen auch die Evolution der Intron/Exon-Struktur der Gene Su(var)3-9/eIF2gamma und klett (dip 1) verstehen und analysieren dabei auch die Insektenphylogenie. Zudem werden die Funktionen von Histonmethyltransferase SU(VAR)3-9 und Chromatinprotein KLETT (DIP 1) bei der Chromatindynamik und Kontrolle der Genexpression untersucht. 2. Grundlegendes Ziel des von der Volkswagen-Stiftung finanzierten interdisziplinären Kooperationsprojektes "Formen des Lebens. Philosophische Dimensionen der aktuellen biomedizinischen Forschung" von Prof. B. Smith (IFOMIS, Universität des Saarlandes), Prof. H. Sass (Abeitsgruppe Genetik, Institut für Biologie II und Prof. P. Stekeler-Weithofer vom Institut für Philosophie, beide Universität Leipzig, ist es, der vielfältigen biomedizinischen Datenfülle Herr zu
werden und die richtigen Klassifizierungen und Zuordnungen vorzunehmen. Am
Ende des Vorhabens soll anhand eines "kontrollierten Vokabulars" in der
Bioinformatik eine neue Gesamttheorie der wichtigsten biomedizinischen
Grundbegriffe wie Art, Spezies, Ganzes, Funktion usw. stehen.

Die Arbeitsgruppen des Instituts sind an vielfältigen regionalen, nationalen und internationalen Kooperationen beteiligt. Kooperationen bestehen mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ), mit dem Sächsischen Institut für angewandte Biotechnologie (SIAB) und mit dem Interdisziplinären Zentrum für Bioinformatik (IZBI). Mitarbeiter des Instituts sind am DFG-Schwerpunktprogramm "Zeitgebundene Informationsverarbeitung im zentralen auditorischen System", am DAAD-Promotionskolleg "Von der Signalverarbeitung zum Verhalten", am DFG-Graduiertenkolleg "Interneuro", am DFG-Graduiertenkolleg "The function of attention in Cognition" und an der Max-Planck Research School "Human Origin" beteiligt.

Institut für Psychologie I

Die Gruppe um Professor Müller forscht unter anderem zu Aufmerksamkeitsprozessen und zur Rolle der Gammaband-Aktivität des EEG. Professor Jescheniaks Gruppe arbeitet vor allem im Bereich der Sprachproduktion. In der Gruppe der Professur für Kognitive einschließlich Biologische Psychologie (Prof. Schröger) wurden die Studien zur auditiven, visuellen und intermodalen Informationsverarbeitung im Schnittfeld Wahrnehmung-Gedächtnis-Aufmerksamkeit fortgeführt.

In der Kognitiven Sozialpsychologie (Prof. Dr. G. von Collani) bestanden folgende Forschungsschwerpunkte:

  • Messung und Validierung sozialpsychologischer Persönlichkeitskonstrukte,
  • BeEinflussbarkeit von Zeugenaussagen, Überprüfung von Modellen zum Zusammenhang von Einstellung und Verhalten,
  • automatische Aktivierung von Einstellungen,
  • Messung von Vorurteilsneigung (soziale Dominanzorientierung, ambivalenter Sexismus).

Die Forschungen des Instituts wurden durch mehrere DFG-Sachbeihilfen unterstützt. Dem Institut stehen moderne Labore zur Verfügung, in denen u.a. die Registrierung des EEG möglich ist. Die einzelnen Arbeitsgruppen sind in ihren Forschungsaktivitäten stark vernetzt, außerdem bestehen zahlreiche Kooperationen mit anderen nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, insbesondere mit dem MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.

Institut für Psychologie II

Im Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie (Prof. Dr. G. Mohr) sind für das Jahr 2004 im wesentlichen vier Forschungsschwerpunkte zu nennen: Zum Thema Führung werden Untersuchungen durchgeführt zur Klärung der Bedeutung des Geschlechterkontextes, Führung und Emotionen sowie der Wahrnehmung von Führung. Im Bereich der arbeitspsychologischen Stressforschung werden verschiedensprachige Instrumente zur Erfassung von "Irritation" entwickelt. Ein EU gefördertes Projekt befasst sich mit der Frage des Psychologischen Kontrakts am Arbeitsplatz - PSYCONES (Psychological Contracts across Employment Situations) in Kooperation mit Forschungsgruppen in Stockholm (Schweden), Gent (Belgien), Leuven (Belgien), London (England), Jerusalem (Israel), Tilburg (Niederlande), Valencia (Spanien). Ferner wurde die Befragung der Absolventen der Institute für Psychologie der Universität Leipzig weiter ausgewertet.

In der Klinischen und Gesundheitspsychologie (Prof. Dr. H. Schröder) wurden Projekte zur Stressbewältigung, betrieblichen Gesundheitsanalyse und -förderung sowie medizinischen Rehabilitation und von Anpassungsstörungen weitergeführt. Fortgesetzt wurden gesundheitspsychologische Untersuchungen mit Orchestermusikern, Personalen in Hospizen, palliativmedizinischen Einrichtungen sowie Alten- und Pflegeheimen. Psychosoziale Interventionsprogramme zur Podiumsangst, Stressregulation und psychologischen Traumatherapie konnten effektiviert und evaluiert werden. Neue Projekte beinhalten internationale Vergleichsuntersuchungen zu Belastungsbewältigung und Gesundheitsstatus im Kontext makrosozialer Transition (EU-Erweiterung) sowie zur Evaluation von Psychotherapie-Prozessen.

Am Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und psychologische Intervention (Prof. Dr. H. Petermann) wurde 2004 folgendes Forschungsprojekt bearbeitet:
Evaluation des Jugendförderprogramms "Erwachsen werden" von Lions-Quest an Leipziger Schulen (Förderung: SMK - Sächsisches Staatsministerium für Kultus, SMS - Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Familie, Gesundheitsamt der Stadt Leipzig, Regionalschulamt Leipzig)

Der Bereich Pädagogische und Rehabilitationspsychologie (Prof. Dr. E. Witruk) hat seine Forschungsaktivitäten auch im Jahr 2004 vor allem auf Untersuchungen zur Leseautomatisierung und zu Ursachen von Leselernstörungen konzentriert. In Zusammenarbeit mit der Universität Helsinki wurde eine Studie zur Erforschung ätiologischer Subgruppen bei Leselernstörungen erfolgreich abgeschlossen, sowie eine in Zusammenarbeit mit dem Brain Science Institute Tokio begonnene Untersuchungsreihe zu Verarbeitungsstrategien bei der Buchstabenwahrnehmung wesentlich vorangetrieben. Weiterhin wurden kulturvergleichende Studien zur visuellen Wahrnehmung in Zusammenarbeit mit der Universität Tasmania (Australien), zum Arbeitsgedächtnis in Kooperation mit der HongKong Universität (China) und zu Ursachen von Gewalt in Schulen in Bahir Dar (Äthiopien) abgeschlossen oder fortgesetzt. Die Integration medienpsychologischer und interventionsbezogener Aspekte in die Forschung wurde weiter forciert. Eine Beratungs- und Forschungsstelle für umschriebene Entwicklungsstörungen wurde etabliert und personell besetzt.


 

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 26.07.2007