Forschungstätigkeit an der Fakultät
Für die Fakultät für Physik und Geowissenschaften
war das Jahr 2004 besonders wichtig durch die Etablierung neuer
Formen der Forschungskooperation (und Forschungs-finanzierung) mit
einem Internationalen Graduiertenkolleg und einer Internationalen
Forschergruppe, die eine weitere Ausgestaltung der fakultätsübergreifenden
Forschung darstellen und den stark interdisziplinär orientierten
Charakter der Forschungsarbeiten auf internationaler Ebene ermöglichen.
Nach wie vor hat aber auch eine größere Zahl von Projekten
eine enge Verbindung zur Region und zu überregionalen Schwerpunkten
im Freistaat Sachsen.
Komplexe Forschungsschwerpunkte der Fakultät
Internationales Graduiertenkolleg "Diffusion in porösen
Stoffen" (Sprecher: Prof. Dr. J. Kärger)
Diffusion, d. h. die ungeordnete Bewegung von Teilchen aufgrund
ihrer thermischen Energie, ist ein grundlegendes Phänomen in
der Natur. Sie kommt in allem Aggregatzuständen vor und ist
von interdisziplinärer Bedeutung, da sie Gesichtspunkte der
theoretischen Beschreibung, der experimentellen Beobachtung und
der technischen Anwendung einschließt. In porösen Stoffen
ist die Diffusion einer der entscheidenden Prozesse für den
praktischen Nutzen dieser Materialien. An diesem Internationalen
Graduiertenkolleg sind Wissenschaftler des Niederländischen
Instituts für Katalyseforschung und der Universität Leipzig
beteiligt. Gegenstand der Arbeiten in Forschung und Lehre ist der
molekulare Stofftransport in porösen Materialien, wobei ein
beträchtlicher Fortschritt in Theorie und Praxis dieses Themengebietes
erwartet wird. Mittels theoretischer Grundlagenuntersuchungen und
hochentwickelter Messtechniken sollen Beiträge zum Know-How
dieser Hochtechnologie-Materialien und ihrer Anwendung in modernen
technologischen Prozessen erarbeitet werden.
Schwerpunkte der Forschungsaktivitäten des Konsortiums sind
(A) die intrakristalline zeolithische Diffusion, (B) die diffusionskontrollierte
Katalyse und (C) der Zusammen-hang zwischen Diffusion und und Massentransport
in porösen Medien.
Internationale Forschergruppe "Diffusion in Zeolithen"
(Sprecher: Prof. Dr. J. Kärger)
Ziel der Arbeiten dieser Forschergruppe ist, mittels verschiedenster
experimenteller Techniken und theoretischer Modelle ein umfassendes
Bild der intrakristallinen Diffusion in Zeolithen zu gewinnen. Bearbeitet
wird die Synthese von Zeolithen und Composite-Materialien für
Diffusionsmessungen (Projekt 1), Gleichgewichts- und Nichtgleichgewichts-Messungen
der Sorption in Zeolithen (Projekt 2), ZLC- und Tracer-ZLC-Diffusionsstudien
mit Zeolithen (Projekt 3), Diffusionsstudien mit Composite-Membranen
(Projekt 4), Studium der zeolithischen Diffusion durch Interferenz-
und IR-Mikroskopie (Projekt 5), PFG-NMR-Studien der zeolithischen
Diffusion (Projekt 6) und QENS-Studien der zeolithischen Diffusion
(Projekt 7).
Die Förderung erfolgt in Deutschland durch die DFG, in Frankreich
durch das CNRS und in Großbritannien durch das EPSRC.
DFG-Forschergruppe 522 "Architektur von mikro- und nanodimensionalen
Strukturelementen" (Sprecher: Prof. Dr. M. Grundmann)
Zukünftige Anwendungen in der Nanomechanik, Sensorik, Photonik
und Elektronik erfordern eine neuartige Architektur von Mikro- und
Nanostrukturen, die zunächst als Einzelelement, später
auch als Netzwerke, den zur Verfügung stehenden Raum voll ausnutzen.
Hierdurch entstehen neue Freiheitsgrade beim Design, z. B. bezüglich
des Verspannungsmanagements und der Konnektierbarkeit. Diesen Ansatz
wollen wir verfolgen und die Herstellung von Nano- und Mikro-Säulen,
-Spiralen, -Röllchen, Zylindern und ähnlichen Strukturen
untersuchen, die mit neuartiger Funktionalität Grundbausteine
für die genannten Anwendungen sind.
Die von uns angestrebten Strukturen sollen konstruktiv im Raum
gestaltet werden. Sie sollen mit geringem Aufwand an Strukturierungstechnologie,
die Prinzipien von Selbstbau (self-assembly) oder gesteuerten Selbstbau
(directed self-assembly) nutzend, erzeugt werden. Dieser buttom-up
Ansatz ermöglicht es, qualitativ neuartige Strukturen (und
mit ihnen verknüpfte Funktionalität) herzustellen, die
durch künstliche Strukturierung grundsätzlich nicht zu
erreichen sind, z. B. spiralige oder konzentrische Strukturen oder
Strukturen mit extremen Aspektverhältnis.
Die von uns erzeugten Strukturen unterscheiden sich fundamental
von den zur Zeit ausgiebig untersuchten Nanopartikeln oder Cluster
einfacher Form und mesoskopischen Inhomogenitäten und Nanostrukturen,
die zumeist planar in eine feste Matrix (Halbleiterquantenpunkte)
oder in eine flüssige Matrix (kolloidale Matrix) eingebettet
sind. Die komplexe dreidimensionale Formgestaltung der Einzelelemente,
die auch Krümmungen enthalten können, führt zu neuartigen,
anders nicht zu erreichenden geometriebestimmten Eigenschaften.
Dieser Schritt von den bisher dominierenden einfachen geometrischen
Strukturen hin zu komlexeren Strukturen mit Krümmung, mit eingebetteten
Heterostrukturen oder mit nicht einfach-zusammenhängender Topologie
ist bedeutend. Die makroskopische Welt wäre ohne Bauteile solcher
(und noch viel komplizierter) Geometrie nicht denkbar. Bei erfolgreicher
Arbeit dieser Forschergruppe wird ein neues Feld im Bereich der
Nanotechnologie eröffnet sein.
An den Arbeiten dieser Forschergruppe sind außer der Fakultät
für Physik und Geowissenschaften die Fakultät für
Chemie und Mineralogie, das Institut für Oberflächenmodifizierung
und das Max-Planck-Institut für Mathematik und Naturwissenschaften
beteiligt.
Beteiligung an der Forschergruppe 404 "Oxidische Grenzflächen"
(Sprecherin: Prof. Dr. I. Mertig, Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg)
Oxide stellen eine Materialklasse dar, die sich durch eine große
Vielfalt von Eigenschaften auszeichnet, weswegen sie in vielen Bereichen
der Grundlagenforschung untersucht werden. Ausgehend von den Eigenschaften
existiert eine Vielzahl von Anwendungen in der Katalyse, Elektronik,
Photonik, Optoelektronik und in der Photovoltaik und im letzten
Jahrzehnt auch in der Spinelektronik. Die Anwendungen der jüngeren
Zeit beinhalten oft Oxide in reduzierter Dimension, das heißt
Oxidfile und übergitter. Die physikalischen Eigenschaften der
Oxide in reduzierter Dimension unterscheiden sich jedoch durch das
Vorhandensein von Ober- und Grenzflächen wesentlich von den
Volumeneigenschaften. Der Aufklärung dieser Eigenschaften ist
die Arbeit dieser Forschergruppe gewidmet.
Die Fakultät für Physik und Geowissenschaften ist mit
drei Teilprojekten (Institut für Experimentelle Physik II)
an der Forschergruppe beteiligt.
Graduiertenkolleg "Quantenfeldtheorie: Mathematische Struktur
und Anwendungen in der Elementarteilchen- und Festkörperphysik"
(Sprecher: Prof. Dr. B. Geyer und Prof. Dr. G. Rudolph)
Das Forschungsprogramm des Graduiertenkollegs ist in die Themenkomplexe
Mathematische Struktur der Quantenfeldtheorie, Quantenfeldtheorie
der Elementarteilchen und Quantenfeldtheorie des Festkörpers
untergliedert und umfasst neun Teilprojekte. An der Arbeit beteiligt
sich neben dem Institut für Theoretische Physik (federführend)
die Fakultät für Mathematik und Informatik. Es besteht
eine enge Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Mathematik
in den Naturwissenschaften Leipzig. Diese Arbeiten sind in das Naturwissenschaftlich-Theoretische
Zentrum im Rahmen des Zentrums für Höhere Studien der
Universität eingebunden, an dessen Arbeit das Institut für
Theoretische Physik sehr maßgeblich beteiligt ist.
Gründung eines Zentrums für magnetische Resonanzen
In das Berichtsjahr fällt die Gründung eines Zentrums
für magnetische Resonanzen, dass den Einsatz der langjährig,
insbesondere über das HBFG-Verfahren beschaffte NMR-Messtechnik
wissenschaftlich und technisch betreut.
Durch den 2004 bewilligten HBFG-Antrag "Hochauflösendes
Rastermikroskop mit fokussiertem Elektronenstrahl" werden sich
mit der Inbetriebnahme dieses Gerätes wichtige neue Forschungsmöglichkeiten
insbesondere im Bereich der Halbleiterphysik und der Tiefsttemperatur-Physik
ergeben.
Drittmittelgeförderte Forschung
Zahlreiche Forschungsvorhaben der Fakultät werden im Rahmen
verschiedener Förderprogramme unterstützt, wie Projekte
der Europäischen Union, Schwerpunktprogramme der Deutschen
Forschungsgemeinschaft, Programme des Bundesministeriums für
Bildung und Forschung und Programme des Freistaates Sachsen. Unter
Berücksichtigung von zahlreichen Projekten im Normalverfahren
der DFG wurden in der Fakultät im Jahre 2004 mehr als 200 Forschungsprojekte
bearbeitet. In dieser Zahl sind auch viele Projekte enthalten, die
auf Verträgen mit Städten und anderen kommunalen Verwaltungen
im Freistaat Sachsen und darüber hinaus mit Industriebetrieben
beruhen.
Kooperationspartner
Die wichtigsten Kooperationspartner im Bereich außeruniversitärer
Forschungseinrichtungen sind (in Klammern die kooperierenden Institute):
- Institut für Oberflächenmodifizierung Leipzig (Institute
für Experimentelle Physik I und II),
- Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften
Leipzig (Institut für Theoretische Physik, Institut für
Experimentelle Physik II),
- Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften
(Institute für Experimentelle Physik I und II),
- Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (Institute für Experimentelle
Physik I und II, Institut für Meteorologie, Institut für
Geophysik und Geologie und Institut für Geographie),
- Institut für Troposphärenforschung Leipzig (Institut
für Meteorologie) und
- Institut für Länderkunde (Institut für Geographie).
Publikationen
Mit über 300 im Druck erschienenen Publikationen (darunter
eine hohe Zahl von Originalarbeiten in Zeitschriften mit Gutachter-System
bzw. in international erfassten Monographien) belegt die Fakultät
für Physik und Geowissenschaften ihre wissenschaftliche Leistungsfähigkeit.
Forschungsgebiete der Einrichtungen der Fakultät
Das umfangreiche Forschungsspektrum der Fakultät umfasst die
im folgenden angegebenen Gebiete, gegliedert nach Instituten und
Abteilungen:
Institut für Theoretische Physik (Direktor: Prof. Dr. K.
Sibold)
Quantenfeldtheorie (Sprecher: Prof. Dr. G. Rudolph)
Die Untersuchungen zur relativistischen Quantenfeldtheorie beschäftigen
sich mit den Wechselwirkungen von Teilchen im Rahmen allgemeiner
Eichtheorien und unter äußeren Einflüssen, insbesondere
mit harten hadronischen Prozessen und Renormierungseffekten, sowie
den Grundzustandsenergien und dem Casimir-Effekt. Gegenstand der
Arbeiten der Mathematischen Physik sind die mathematische Struktur
und Dynamik von Modellen der Quantentheorie der Eichfelder und der
Unifizierung der fundamentalen Wechselwirkungen.
Theorie der Elementarteilchen (Sprecher: Prof. Dr. K. Sibold)
Arbeiten zur Theoretischen Elementarteilchenphysik werden vor allem
auf den Gebieten der Quantenfeldtheorie der Elementarteilchen, der
Renormierung des Standardmodells, zu supersymmetrischen Theorien,
zur Quantenchromodynamik und zur Gittereichtheorie durchgeführt.
Im Zusammenhang mit Experimenten an Großbeschleunigeranlagen
werden theoretische Untersuchungen zu Strukturfunktionen von Hadronen
durchgeführt und Programme zur Simulation hadronischer Streuprozesse
entwickelt.
Theorie der kondensierten Materie (Sprecher: Prof. Dr. D. Ihle)
Die Arbeiten auf dem Gebiet der Theorie der kondensierten Materie
erfolgen in zwei Bereichen. Im Teilgebiet Strukturbildung werden
Forschungen zu rausch-induzierten Phänomenen, zur Strukturbildung
in Flüssigkristallen, zur multifraktalen Charakterisierung
ungeordneter Systeme, zur nichtlinearen Dynamik biologischer Systeme
und zum Immunsystem vorgenommen. Innerhalb des Teilgebietes Starke
Elektronenkorrelationen werden magnetische Eigenschaften von Übergangsmetalloxiden
und die Quantenfelddynamik für die Supraleitung untersucht.
Statistische Physik (Sprecher: Prof. Dr. M. Salmhofer)
Die Hauptforschungsgebiete sind die Konstruktion wechselwirkender
Modelle der Quantenfeldtheorie und Quantenstatistischen Mechanik
mit Renormierungsgruppenmethoden und die Theorie korrelierter Fermionsysteme
in Zusammenhang mit der Hochtemperatur-Supraleitung.
Moleküldynamik/Computersimulation (Sprecher: PD Dr. H.L.
Vörtler)
Strukturelle Daten, thermodynamische Größen, das Phasenverhalten
und die Transportkoeffizienten spezieller Vielteilchensysteme und
ihre Abhängigkeit von inter- und intrakristalliner Wechselwirkung
und der Struktur der Moleküle und Grenzflächen werden
mittels molekularer Methoden der Statistischen Physik sowie der
Perkolationstheorie und der Computersimulation erforscht. Die Theorie
wird hinsichtlich der Berücksichtigung von nichtlinearen Effekten
und des Nichtgleichgewichtsverhaltens weiterentwickelt. Berücksichtigt
wird die Kopplung verschiedener molekularer Vorgänge wie Mischung,
Adsorption, Beweglichkeit, Benetzung, chemische Reaktion, Selbstdiffusion
und Transportdiffusion.
Institut für Experimentelle Physik I (Direktor: Prof. Dr.
F. Kremer)
Physik anisotroper Fluide (Sprecher: Prof. Dr. F. Kremer)
Ziel der Arbeiten ist die Erforschung der Struktur und Dynamik
supramolekularer Anordnungen, wie sie von Flüssigkristallen,
niedermolekularen und polymeren Verbindungen gebildet werden. Diese
Systeme besitzen einen hohen Grad an Kooperativität, der sich
in der Ausbildung von molekularen Überstrukturen sowie in einer
kollektiven Relaxationsdynamik niederschlägt. Als Untersuchungsmethoden
werden die dielektrische Spektroskopie (im Frequenzbereich von 0,001
Hz bis 10 GHz), die magnetische Kernresonanzspektroskopie, die Kraftmikroskopie,
die Oberflächen-Kraftmessung und die Polarisationsmikroskopie
eingesetzt. Experimente mit "Optischen Pinzetten" werden
zum Studium der Faltungsdynamik von RNA-Aptamer-Komplexen durchgeführt,
die durch die "Sächsische Biotechnologische Initiative"
gefördert werden.
Grenzflächenphysik (Sprecher: Prof. Dr. J. Kärger)
Die Erforschung der Wechselwirkung von Molekülen mit Festkörperoberflächen,
insbesondere mit der inneren Oberfläche mikro- und mesoporöser
Festkörper, steht im Mittelpunkt der Arbeiten. Untersucht werden
Anordnung, Struktur, Transportprozesse und Reaktivität von
Molekülen in Abhängigkeit von dem sie umfassenden Festkörper
(vor allem Zeolithe). Als experimentelle Methoden dienen die kernmagnetische
Resonanz, insbesondere die Pulsed-Field-Gradient (PFG)-NMR und die
hochauflösende Festkörper-NMR, die Infrarot-Spektroskopie
und die Interferenzmikroskopie. Die Forschungsarbeiten sind bei
einer Vielzahl technischer Prozesse wie energiesparende und umweltverträgliche
Stofftrennung und -veredlung, der Entwicklung von Funktionsmaterialien
und der Lagerstättenerkundung von unmittelbarer praktischer
Bedeutung. Eigene apparative Arbeiten konzentrierten sich auf den
Aufbau eines weiteren PFG-NMR-Spektrometers.
Physik weicher Materie (Sprecher: Prof. Dr. J. Käs)
Die Projekte der Abteilung der Physik der weichen Materie befassen
sich mit der Physik der Polymere und der Membranen in biologischen
Zellen. Diese Polymere (Aktinfilamente, intermediäre Filamente,
Mikrotubuli) bilden das Zytoskelett, das in allen Zellen, die höher
entwickelt sind als Bakterien, deren intrazelluläres Skelett
verkörpert und das an die Zellmembran gekoppelt ist. Die direkte
Verbindung von grundsätzlich neuer Physik der weichen Materie
mit unmittelbaren Anwendungen in der Biomedizin macht dabei dieses
Forschungsfeld besonders attraktiv, da sie Grundlagenforschung mit
neuen Verfahren in der Medizin verbindet. Unter anderem werden die
folgenden vier Projekte verfolgt: die Entwicklung neuer Polymerphysik
für aktive Polymernetzwerke, die Charakterisierung der aktiven
und passiven polymer-physikalischen Eigenschaften von Zellen, die
optische Kontrolle des Nervenwachstums und die Untersuchung der
Rolle von Membrandiffusion in intrazellulären Signalen.
Institut für Experimentelle Physik II (Direktor: Prof. Dr.
M. Grundmann )
Halbleiterphysik (Sprecher: Prof. Dr. M. Grundmann)
Die optischen Eigenschaften von Halbleitern (z.B. GaAs, InP
und ZnO; basierende Mischkristalle), vor allem von mikro- und nanostrukturierten
Systemen und atomaren Einzelschichten, werden untersucht. Diese
Strukturen weisen zum Teil wesentlich neue, quantenmechanisch bedingte
Eigenschaften auf. Die Erforschung der Wachstums-Struktur-Eigenschaften
stellt ein grundlegendes Anliegen dar. Diese Materialien besitzen
in der Optoelektronik, in der nichtlinearen und der integrierten
Optik eine herausragende Bedeutung. Oxidische Halbleiter, Supraleiter
und Ferroelektrika werden mit gepulster Laser-Deposition hergestellt.
Als Untersuchungsverfahren werden vorwiegend spektroskopische Methoden,
aber auch Röntgenbeugung, Raster- und Rastertunnelmikroskopie
und Neutralteilchen-Massenspektrometrie eingesetzt.
Festkörperoptik (Sprecher: Prof. Dr. W. Grill)
Grundlagenbezogene Untersuchungen werden zu Energietransferprozessen
in Festkörpern durchgeführt, um ein besseres Verständnis
der Wechselwirkung von Licht mit Festkörpern sowie der elementaren
Prozesse beim Wärme- und Ladungstransport zu gewinnen. Die
Untersuchung der Transportphänomene erfolgt in Einkristallen
auch im ballistischen Bereich, in dem die Ausbreitung durch Anisotropie
beeinflusst wird. Anwendungsbezogene Arbeiten erfolgen zur Entwicklung
von Dünnschicht-Solarzellen und optisch aktiven Nanostrukturen.
Zur Materialforschung und zur Charakterisierung von Werkstoffen,
Implantaten sowie biologisch-medizinischen Präparaten werden
neuartige rastermikroskopische Verfahren der Elektronenmikroskopie,
der konfokalen Laser-Raman- und Lumineszenzmikroskopie sowie der
Ultraschallmikroskopie mit Phasenkontrast entwickelt und eingesetzt.
Physik Dielektrischer Festkörper (Sprecher: Prof. Dr. D.
Michel)
Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt bei der Erforschung der Struktur
und Dynamik von Festkörpern, insbesondere von Eigenschaften
dielektrischer Festkörper, wie strukturelle Phasenübergänge,
glasartiges Verhalten, Phänomene an den Miniaturisierungsgrenzen
und Grenzflächen. Hauptanliegen ist die Aufklärung der
mikroskopischen Natur von Phasenübergängen in Festkörpern
mit kommensurabel und inkommensurabel modulierten Strukturen und
mit ferroelektrischen und ferroelastischen Phasen. Untersucht wird
die elektronische und räumliche Struktur, die Dynamik von Molekülen
in Wechselwirkung mit Oberflächen poröser Festkörper
(Zeolithe) sowie Struktureigenschaften von Systemen mit Nanometerdimensionen.
Eingesetzt werden Verfahren der kernmagnetischen und elektronen-paramagnetischen
Resonanz sowie dielektrische Methoden. Eigene apparative Arbeiten
konzentrierten sich auf die Entwicklung eines Impuls-Zusatzes für
die ESR-Spektroskopie im Q-Band.
Nukleare Festkörperphysik (Sprecher: Prof. Dr. T. Butz)
Die Lösung aktueller Probleme auf speziellen Gebieten der
Materialwissenschaft und der medizinisch-biologischen Forschung
erfordert den Einsatz moderner nuklearer Methoden wie der hochauflösenden
Ionenstrahlanalytik sowie nuklearer Sonden. Dieses Anliegen wird
vor allem mit der Hochenergie-Ionen-Nanosonde mit für Deutschland
einmaligen Spezifikationen und die Weiterentwicklung nuklearer Sondenverfahren
verfolgt. Die Zielsetzungen der Arbeiten liegen auf den Gebieten
der Halbleiter, der Supraleiter, der reaktions-diffusions-gekoppelten
Systeme, des Einzelionenbeschusses lebender Zellen sowie der Aufklärung
der Struktur und Dynamik makromolekularer Systeme.
Supraleitung und Magnetismus (Sprecher: Prof. Dr. P. Esquinazi)
Zur Erforschung der supraleitenden und magnetischen Materialeigenschaften
werden dünne Schichten sowie massive Proben benutzt. Unsere
Aktivitäten kann man in drei Bereichen unterteilen: (1) Untersuchungen
der supraleitenden und ferro-magnetischen Korrelationen von Zusammensetzungen,
die auf Kohlenstoff basieren; (2) Arbeiten zum Wärmetransport
an Hochtemperatur-Supraleitern; (3) Untersuchungen der spinabhängigen
Transport-Phänomene an magnetischen Oxiden.
Bereich Didaktik der Physik (Sprecher: Prof. Dr. W. Oehme)
Das Forschungsprofil umfasst schulbezogene Arbeiten zur Vermittlung
traditioneller und moderner Inhalte der Physik einschließlich
empirischer Erprobungen. Lernformen im Physikunterricht, offener
und fachübergreifender Unterricht sowie die Möglichkeiten
des Einsatzes moderner Medien werden verstärkt untersucht.
Institut für Meteorologie (Direktor: Prof. Dr. W. Metz)
Das Institut für Meteorologie engagiert sich in den Forschungsschwerpunkten
atmosphärische Grenzschicht, Wasserhaushalt in Einzugsgebieten
von regionaler Skala im großräumigen Umfeld, Dynamik
der mittleren und oberen Atmosphäre, Variabilität der
Ionosphäre, Strahlungsprozesse in der Atmosphäre, Modellierung
von Aerosol- und Wolkenphysik, natürliche Klimavariabilität
unter Einschluss der Rolle des Ozeans und Anregung und Ausbreitung
großskaliger Strömungssysteme in Ozean und Atmosphäre.
Dabei kommen Fernerkundungsverfahren vom Boden und von Satelliten
aus, in-situ-Experimente, konzeptionelle und Simulationsmodelle
zum Einsatz. Besondere Bedeutung hat die Entwicklung und Anwendung
von Verfahren zur tomographischen Rekonstruktion von dreidimensionalen
Feldern atmosphärischer Größen. Eine enge Zusammenarbeit
erfolgt mit dem Institut für Troposphärenforschung Leipzig,
dem Institut für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn,
dem Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und dem
Geoforschungszentrum Potsdam.
Institut für Geophysik und Geologie (Direktor: Prof. Dr.
F. Jacobs)
Physik der festen Erde (Sprecher: Prof. Dr. F. Jacobs)
Die Forschung setzt die Akzente auf die Gebiete globale geophysikalische
Felder, Aufbau des Erdkörpers, Vulkanologie sowie Struktur
und Prozesse der Lithosphäre. Untersucht werden Lockergesteine,
Hohlräume und geologische Barrieren. Zum Einsatz kommen geoelektrische
Tomographie, Hydrogeophysik, Isotopengeochemie, Georadiometrie,
numerische geophysikalische Modellierung und Geoinformatik.
Theoretische Geophysik (Sprecher: Prof. Dr. M. Korn)
Die seismische und elektromagnetische Wellenausbreitung wird
erforscht und die Struktur von Erdkruste und Erdmantel sowie Erdbebenherde
und seismisches Risiko untersucht. Dazu erfolgen methodische und
anwendungsorientierte Arbeiten zur Potentialtheorie, Tomographie
und Inversion geophysikalischer Felder.
Geologie (Sprecher: Prof. Dr. W. Ehrmann)
Im Mittelpunkt der Forschung steht die Geologie und Paläontologie
des Känozoikums. Hierbei werden grundlegende Fragen der Geologie
und Paläontogie des Tertiärs und Quartärs untersucht
sowie anwendungsorientierte Forschungen zur Umwelt- und Hydrogeologie
(mit besonderem Bezug zur mitteldeutschen Region) betrieben. In
der paläontologischen Forschung wird vor allem die Entwicklung
der Biota des Känozoikums mit der Interaktion von Biosphäre
sowie Klimaentwicklung und Paläobiogeographie von Europa und
dem nordatlantischen Raum untersucht. Die Geologisch-Paläontologische
Sammlung stellt eine wichtige Grundlage für Lehre und Forschung
sowie für die Öffentlichkeitsarbeit zur Popularisierung
geowissenschaftlicher Forschung dar.
Institut für Geographie (Direktor: Prof. Dr. J. Heinrich)
Anthropogeographie (Sprecherin: Prof. Dr. H. Schmidt)
Gegenstand der Arbeiten sind die wirtschaftlichen und sozialen Transformations-prozesse
in Ostdeutschland und Osteuropa unter besonderer Berücksichtigung
von Zielen einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung. Schwerpunkte
bilden stadt-, sozial- und wirtschaftsgeographische Untersuchungen
über Wohnungs-, Immobilien- und Arbeitsmärkte, spezielle
Fragestellungen zur Entwicklung des Einzelhandels und Prozesse der
mentalen Raumbildung sowie damit zusammenhängende Fragen der
Stadt- und Regionalplanung. In Partnerschaft mit Kommunen, Wirtschaft
und Freistaat Sachsen wird an der Konzeption und der Realisierung
einer regionalen Agenda für eine nachhaltige Raum- und Siedlungsentwicklung
für den Südraum Leipzig gearbeitet.
Geoinformatik und Geofernerkundung (Sprecher: Prof. Dr. W. Kirstein)
Schwerpunkt der Arbeiten ist die Entwicklung und Anwendung innovativer
Methoden der Geographie. Hierbei werden Datenerfassung und -auswertung
für die Untersuchung lokaler, regionaler und globaler geographischer
Fragestellungen eingesetzt. Im Rahmen der "Geoinitiative Leipzig"
werden regionale Problemstellungen für Leipzig und Sachsen
bearbeitet. Mit Hilfe ausgewählter Methoden der Fernerkundung
sind vergleichende Untersuchungen zur Bewertung des Flächenverbrauchs
und zur nachhaltigen Entwicklung von Großstadtregionen eingeleitet
worden.
Physische Geographie und Geoökologie (Sprecher: Prof. Dr.
H. Neumeister)
Untersucht wird das Funktionieren geoökologischer Prozesse
in räumlich differenzierten Strukturen der Landschaft im Zusammenhang
mit der Lösung gesellschaftlicher Aufgaben einschließlich
des Schutzes unserer Lebensumwelt. Den Schwerpunkt bildet dabei
die Analyse und Bewertung von Ursachen, Wirkungen, Verbreitungs-
und Rückkopplungsmechanismen von verschiedenen Formen der Bodendegratation
mit den ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Randbedingungen.
Hieraus werden Schlussfolgerungen zur nachhaltigen Entwicklung der
Landschaftsnutzung und des Landschaftsschutzes abgeleitet. In der
planungsbezogenen Umweltgeographie wird ein wichtiges Instrumentarium
für die Analyse, Bewertung und das Management urbaner Landschaften
entwickelt.
|