Forschungstätigkeit an der Fakultät
Die Veterinärmedizinische Fakultät ist seit 1923 an der
Universität Leipzig beheimatet. Dies hat wesentlich zur Fortentwicklung
des Faches sowohl in der Lehre als auch in der Forschung beigetragen.
Die feste Einbindung der Fakultät in die Universität bedingt
in diesen Bereichen auch ihre Ausrichtung und Zielsetzung. Dabei
muss berücksichtigt werden, dass die Veterinärmedizin
nach wie vor ein berufsorientiertes Fach ist. Umwälzungen und
Neuerungen im tierärztlichen Berufsbild haben daher Eingang
sowohl in Forschung als auch in Lehre zu finden. Die berufsorientierte
Ausrichtung zwingt zudem der Fakultät immer wieder die Frage
nach möglicher Anwendung und Nutzung der Forschungsergebnisse
bzw. der Umsetzung der Lehrinhalte auf.
Schwerpunkte der Forschung an der Fakultät berühren folgende
Themenbereiche:
- Gesundheitlicher Verbraucherschutz
- Präventive Veterinärmedizin
- Klinische Veterinärmedizin
Diese Bereiche sind Forschungsschwerpunkt einzelner Institute und
Kliniken, jedoch besteht in vielen Fällen auch eine enge Zusammenarbeit
mit anderen Einrichtungen der Fakultät. Darüber hinaus
werden zahlreiche Projekte im Rahmen nationaler und internationaler
Forschungskooperation bearbeitet.
Veterinär-Anatomisches Institut
Grundlagenorientierte Forschung erfolgt in mehreren Instituten,
wobei die genannten Kooperationen eine wesentliche Rolle spielen.
Am Veterinär-Anatomischen Institut wird im Schwerpunkt Anatomie
das Wachstum der Haustiere erforscht, unter anderem das Skelettwachstum
von Hunden, Pferden und Rindern sowie das Organwachstum von Labortieren
und Vögeln. Im Schwerpunkt Histologie und Embryologie werden
Untersuchungen zur Modifikation der Glia-Neuron-Interaktion in der
Säugertiernetzhaut sowie zu deren Neurodegeneration und Regeneration
durchgeführt. Engen Bezug zur Infektionsmedizin haben hier
Untersuchungen zur Bornaschen Krankheit, in denen diese Virusinfektion
als ein Modellsystem zur Untersuchung von inflammatorisch induzierten
Veränderungen im ZNS verwendet wird. Disziplin- und fakultätsübergreifende
Forschungsschwerpunkte haben mit der Entwicklung eines Testsystems
zum Nachweis von Gehirn und Rückenmark in Fleischwaren, der
Entwicklung einer technischen Verfahrenslösung zur nachhaltigen
Keimreduktion und schließlich mit der Testung von monoklonalen
Antikörpern gegen C-terminale Epitope des Prion-Proteins engen
Bezug zum gesundheitlichen Verbraucherschutz. Beziehungen zur klinischen
Forschung bestehen durch Untersuchungen zum drug-targeting mit Nanopartikeln
gegen verschiedene Amyloid-Proteine sowie in der Etablierung eines
Großtiermodells für die fokale zerebrale Ischämie
zur Überprüfung des therapeutischen Effekts von Stammzellen.
Institut für Veterinär-Pathologie
Forschungsschwerpunkte des Instituts für Veterinär-Pathologie
sind vergleichende Untersuchungen zu fertilitätsrelevanten
Erkrankungen des männlichen und des weiblichen Genitales. Mit
dem Schwerpunkt Pferd werden in internationaler, interdiziplinärer
Kooperation mit klinischen und paraklinischen Partnern neben Fragen
der Plazentapathologie auch degenerative Erkrankungen des Uterus,
endokrin vermittelte Funktionsanomalien sowie Neoplasien bearbeitet.
Morphologisch-funktionelle Arbeiten betreffen die Wechselwirkungen
zwischen endokrin aktiven Erkrankungen von Schilddrüse, Hypophyse,
Nebennieren, Hoden und Ovar und den diversen Zielorganen. Kardiovaskuläre
Spontanerkrankungen von Hund und Katze im klinischen Kontext sowie
eine interdisziplinäre Kooperation mit dem Herzzentrum Leipzig
im Rahmen der Etablierung und Evaluierung von Tiermodellen bilden
einen weiteren Schwerpunkt. Ziel ist die Verbesserung von Diagnostik
und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen des Menschen, inhaltlich
stehen die Transplantationsmedizin und -pathologie sowie die Stammzellforschung
im Vordergrund. Weiter werden zusammen mit klinischen Partnern Hepathopathien
und Augenerkrankungen bei Hund und Katze sowie Fragen der vergleichenden
Pathologie der altersassoziierten Schwerhörigkeit bei Hund,
Katze und Pferd untersucht.
Veterinär-Physiologisches Institut
Im Veterinär-Physiologischen Institut werden vor allem Fragen
der gastrointestinalen Physiologie bearbeitet. Die Untersuchungen
fokussieren hier sowohl auf zelluläre Mechanismen als auch
auf integrative, das gesamte Organ betreffende Vorgänge. Die
zugrunde liegenden Fragestellungen richten sich dabei an veterinärmedizinischen
- häufig speziesspezifischen - Problemen aus. Um für solche
Untersuchungen eine Organ- und Speziesspezifität zu gewährleisten,
wurden in den letzten Jahren entsprechende Zellkulturmodelle entwickelt.
Hierbei, sowie auch auf Gewebsebene, konnten aktuelle Methoden aus
der humanmedizinischen Grundlagenforschung auch auf veterinärmedizinisch
ausgerichtete Probleme orientiert werden. Ein wichtiger Fokus der
Forschungstätigkeit liegt auf der Physiologie des gastrointestinalen
Epithels. Am Epithel des Vormagens und des Dickdarms von Schaf und
Schwein konnten Transportprozesse eingegrenzt sowie funktionell
und molekularbiologisch charakterisiert werden. Weiter wird die
Regulation gastrointestinaler Funktionen durch das enterische Nervensystem
untersucht. Schließlich stehen auch Untersuchungen zur Genese
des caninen Mammatumors im Fokus. Drittmittelgeber für diese
Forschungstätigkeit sind neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft
vor allen Dingen die Akademie für Tiergesundheit, die Schaumann
Stiftung und verschiedene andere Stiftungen.
Veterinär-Physiologisch-Chemisches Institut
Am Veterinär-Physiologisch-Chemischen Institut wird im Arbeitsbereich
Physiologische Chemie die Rolle von Fettsäuren und Antioxidantien
für die Prophylaxe und Therapie von Erkrankungen der Haustiere
untersucht. Schwerpunkt sind dabei Untersuchungen zum Einfluss der
Lipidzusammensetzung von Makrophagen auf deren oxidativen Stoffwechsel.
Ein weiteres Thema ist die Pathobiochemie der Atopie des Hundes.
Im Mittelpunkt steht hier der Einfluss von Fettsäuren und Vitamin
E auf die Bildung und Freisetzung von Entzündungsmediatoren
der Mastzellen. Weiter soll der Einfluss einer durch Nahrungslipide
und Vitamin E veränderten Membranzusammensetzung auf die Freisetzung
und Bildung inflammatorisch wirksamer Mediatoren caniner Mastzellen
ermittelt werden (Finanzierung: Gesellschaft zur Förderung
kynologischer Forschung). Bezug zur Infektionsmedizin und zum gesundheitlichen
Verbraucherschutz haben Untersuchungen zur Ozonbehandlung von Bruteiern
zur Bekämpfung des Salmonellenvorkommens (Förderung: BMWA).
Im Arbeitsbereich Endokrinologie werden Untersuchungen zu Physiologie
und Pathologie des Endokriniums durchgeführt. Vergleichend
untersucht werden Mechanismen und intrazellulären Signalwege,
die für die Invasion und die Proliferation bei Implantation
und bei Tumorgenese von Bedeutung sind. Zudem werden in Kooperation
mit der Kleintierklinik klinische Marker für die Tumorprognose
erarbeitet (Finanzierung: Gesellschaft zur Förderung Kynologischer
Forschung e.V.). Klinische Relevanz haben auch Untersuchungen zur
Endometriose (Förderung durch die Firma Solvay), der hormonellen
Beeinflussung der extrazellulären Matrix (DFG-Förderung,
Leidenberger-Müller-Stiftung) sowie dem Hyperadrenokortizismus
(Finanzierung durch EU, EUPEA-Projekt) und Stoffwechselstörungen
bei der laktierenden Kuh.
Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden
und Diätetik
Im Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden
und Diätetik werden aktuell Forschungsprojekte an landwirtschaftlichen
Nutztieren (Schwein, Geflügel), Begleittieren (Pferd, Hund)
und Modelltieren (Japanische Wachtel) bearbeitet. Schwerpunkte bilden
der Einsatz verschiedener Energieträger, von Praebiotika und
Probiotika sowie von alternativen Leistungsförderern (Kräuter,
ätherische Öle). Hierzu werden neben klassischen in vivo-Experimenten
auch Untersuchungen in vitro durchgeführt bzw. neu etabliert.
In Ergänzung der in vivo-Studien an Pferden wird an einer Methode
zur elektronischen Erfassung der Kauaktivität gearbeitet. Separate
Projekte fokussieren den mikroskopischen Nachweis der Ablagerung
von Huminsäurepartikeln in Darmwand und weiteren Geweben von
Wachteln und Schweinen, die diätetische Intervention bei Pferden
mit Polysaccharidspeichermyopathie, die Regulation der Calciumhomöostase
der Stute in der frühen postpartalen Phase, Auswirkungen hoher
Tyrosingaben an Pferde sowie die Antikörper- und Nährstoffkonzentration
in der Kolostralmilch verschiedener Tierarten (Hund, Pferd, Ziege).
Die Projekte werden in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen
der Universitäten Leipzig, München, Rostock und Krakau
sowie der Justus-von-Liebig-Schule Hannover und dem Institut für
Getreideverarbeitung Berlin durchgeführt und durch Drittmittelgeber
der öffentlichen Hand und der freien Wirtschaft finanziert.
Infektionsmedizin
Im Bereich Infektionsmedizin haben sich im Jahre 2004 das Institut
für Bakteriologie und Mykologie, das Institut für Virologie,
das Institut für Parasitologie und das Institut für Immunologie
zu einem "Joint-venture Infektionsmedizin" zusammengeschlossen.
Dadurch soll (i) in Lehre, Forschung und Dienstleistung eine optimale
Qualität gewährleistet sein, (ii) die Zusammenarbeit untereinander
und mit den anderen Einrichtungen der Fakultät weiter intensiviert
sowie (iii) die Wettbewerbsfähigkeit sowohl der in der Arbeitsgemeinschaft
zusammengeführten Einrichtungen als auch der Fakultät
erhöht werden.
Institut für Bakteriologie und Mykologie
Schwerpunkte der Forschung im Institut für Bakteriologie und
Mykologie sind die Analytik der Magen-Darm Flora mit konventionellen
und molekularbiologischen Methoden, Untersuchungen zu ihrer Interaktion
mit dem Immunsystem und ihrer Bedeutung für den Stoffwechsel
bei Nutz- und Haustieren sowie bei Fischen. Immunologisch werden
hier insbesondere die Akut-Phase Proteine Haptoglobin, C-reaktives
Protein, LBP sowie spezifische Antikörper gegen LPS, Phospholipase
C von Clostridium perfringens, Clostridium botulinum und Candida
spp. untersucht. Ziele sind die Charakterisierung der Magen-Darm-Barriere
durch bakteriologische und immunologische Methoden sowie die Etablierung
von Methoden zur deren Stabilisierung. Verschiedene drittmittelgeförderte,
disziplin- und fakultätsübergreifende Schwerpunkte sind
Untersuchungen zum Einfluss der Magen-Darm-Flora auf spezifische
Erkrankungen von Mensch und Tier sowie zur Wirkung von Prä-
und Probiotika bei der Beeinflussung der Magen-Darm-Flora. Weiter
wird die Eignung von Wasseraufbereitungsanlagen zur Dekontamination
von Trinkwasser untersucht. Das Institut arbeitet mit im Europäischen
Netzwerk "Funktionelle Pflanzenstoffe in der Veterinärmedizin".
Institut für Virologie
Das Institut für Virologie betreibt Grundlagenforschung, angewandte
Forschung und Forschung im Bereich der Diagnostik bei Viren und
Viruskrankheiten von Mensch und Tier. Unter Anwendung moderner molekularbiologischer
Methoden werden Aspekte der Pathogenese von Viruskrankheiten untersucht.
Dabei dienen verschiedene DNA- und RNA-Viren als Modelle. Einerseits
weisen diese Viren (u.a. Polyomaviren, Circoviren, das Virus der
infektiösen Bursitis, das Virus der Bornaschen Krankheit) ungewöhnliche
strukturelle und biologische Eigenschaften auf, andererseits verursachen
sie wirtschaftlich bedeutsame Erkrankungen, vor allem des Geflügels
oder auch von Säugern einschließlich des Menschen. Ziel
dieser Untersuchungen ist es, die molekularen Grundlagen ihres ungewöhnlichen
Zell- und Wirtstropismus aufzuklären und Virulenzfaktoren zu
identifizieren. Erhaltene Ergebnisse werden zur Entwicklung diagnostischer
Methoden und zur Herstellung geeigneter Reagenzien sowie wirksamer
und unschädlicher Impfstoffe verwendet. Eine enge Zusammenarbeit
besteht hier mit der Klinik für Kleintiere (Poliklinik für
Vögel und Reptilien). In der Diagnostik werden molekularbiologische
Untersuchungsmethoden angewandt oder selbst entwickelt und mit herkömmlichen
Verfahren verglichen. Forschungsförderung erfolgt u.a. durch
die DFG und die Industrie. Im Rahmen mehrerer EU-Projekte wurden
die Grundlagen zu internationaler Zusammenarbeit gelegt.
Institut für Parasitologie
Im Institut für Parasitologie werden Forschungsprojekte aus
allen drei großen Teilgebieten der Parasitologie (Protozoologie,
Helminthologie, Arachno-Entomologie) aktuell bearbeitet. Hierzu
werden neben den klassisch-parasitologischen Methoden zellbiologische,
computergestützt bildgebende und molekulare Techniken eingesetzt,
weiter entwickelt oder neu etabliert. Projekte in Kooperation mit
Drittmittelgebern der öffentlichen Hand und aus der freien
Wirtschaft widmen sich der Analyse der aktuellen epidemiologischen
Situation und der Entwicklung strategischer Bekämpfungsmaßnahmen
unter Einbeziehung der Inaktivierung von Parasitendauerstadien und
der biologischen Bekämpfung. Der Schwerpunkt liegt mit den
Kokzidien (Gattungen Eimeria, Isospora, Cryptosporidium, Sarcocystis)
im Bereich der Protozoologie. Intestinale Kokzidien können
schwere Erkrankungen und wirtschaftliche Einbussen in der Nutztierhaltung
verursachen, Kryptosporidien besitzen zudem ein zoonotisches Potential.
Für letztere wird ein quantitativer Vitalitätsassay auf
der Basis der real time-PCR entwickelt sowie eine Genotypisierung
aufgebaut. Sarcocystis miescheriana dient in einem DFG-geförderten
Projekt in Zusammenarbeit mit Forschergruppen an den Universitäten
Giessen und Hohenheim als Modell zur Erstellung einer QTL-Genkartierung
zur Krankheitsresistenz bei verschiedenen Schweinerassen.
Institut für Immunologie
Im Mittelpunkt der Forschung im Institut für Immunologie stehen
infektions-immunologische Fragen. In den Mausmodellen der Infektion
mit Salmonella Enteritidis und Cryptococcus neoformans wird die
Bedeutung der neueren Mitglieder der Interleukin-12 - Zytokinfamilie
untersucht. Diese Untersuchungen laufen im Rahmen eines DFG-Projektes
in Zusammenarbeit mit veterinär- und humanmedizinischen Instituten
und Kliniken der Universität Leipzig, der Westfälischen
Wilhelms-Universität, der University of Cape Town (Südafrika)
und dem DNAX Research Institute, Schering Plough, USA. In einem
weiteren DFG-geförderten Projekt geht es um systemische und
makrophagenspezifische Effekte von Interleukin-4 und Interleukin-13
in der Abwehr von Cryptococcus neoformans. Des weiteren befasst
sich die am Institut für Immunologie angesiedelte BBZ-Nachwuchsgruppe
"Molekulare Infektionsmedizin" mit der Charakterisierung
der molekulare Persistenzmechanismen von Borrelia-Spezies. Dieses
Projekt läuft in Zusammenarbeit mit dem College of Veterinary
Medicine, Cornell University, Ithaca, USA, und der Koret School
of Veterinary Medicine, The Hebrew University of Jerusalem, Israel.
Zusammen mit der Klinik für Kleintiere wird darüber hinaus
die humorale Immunantwort im Hund nach Impfung mit verschiedenen
Impfstoffen gegen den Erreger der Lyme-Borreliose untersucht.
Öffentliches Veterinärwesen und Verbraucherschutz
Forschung im Bereich Öffentliches Veterinärwesen und
Verbraucherschutz wird von zwei auch räumlich eng benachbarten
Einrichtungen betrieben. Hier besteht auch eine Zusammenarbeit mit
dem Bundesinstitut für Risikobewertung und anderen Forschungseinrichtungen.
Institut für Lebensmittelhygiene
Aktuelle Schwerpunkte der Forschung im Institut für Lebensmittelhygiene
liegen im Bereich der Qualitätssicherung ökologisch erzeugter
Lebensmittel unter besonderer Berücksichtigung des gesundheitlichen
Verbraucherschutzes. In diesen vom BMVEL geförderten Studien
wird die mikrobiologische Beschaffenheit der Produkte, insbesondere
das Vorkommen pathogener Keime, erfasst. In Zusammenarbeit mit dem
Veterinär-Physiologisch-Chemischen Institut und dem Veterinär-Anatomischen
Institut soll in dem vom BMWA geförderten Projekt "Entwicklung
einer technischen Verfahrenslösung zur nachhaltigen Keimreduktion,
insbesondere von Zoonoseerregern, bei Hühnereiern mittels ozonhaltiger
Medien" geklärt werden, ob insbesondere Salmonella Enteritidis
durch Ozongas abgetötet werden kann. Dabei werden auch die
Eiinhaltsstoffe auf Veränderung in der Zusammensetzung und
die Embryotoxizität des einwirkenden Gases auf die Küken
geprüft. Für epidemiologische Fragestellungen werden diagnostische
Verfahren zum Nachweis von Zoonoseerregern in Tierbeständen
im Rahmen eines drittmittelgeförderten Projektes (Drittmittelgeber:
BMWA) entwickelt und angewandt. Campylobacter spp. steht im Mittelpunkt
expressionsanalytischer Studien, in denen Überlebensstrategien
verschiedener Campylobacter jejuni-Stämme unter Stressbedingungen
identifiziert werden sollen. Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls
Fleischhygiene ist, gefördert durch das BMVEL, die Erforschung,
Weiterentwicklung und Validierung von diversen Nachweisverfahren
für spezifizierte Risikomaterialien, insbesondere Gewebe des
zentralen Nervenystems zur Minimierung des humanen Expositionsrisikos
gegen den Erreger der bovinen spongiformen Enzephalopathie und verwandter
Erreger.
Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen
Im Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen
werden Forschungsprojekte aus allen drei Teilbereichen des Instituts
(Mikrobiologie/Virologie, Tierschutz/ Ethologie und Chemische Analytik)
bearbeitet. Hierzu werden neben den klassischen mikrobiologisch/virologischen
und ethologischen Methoden auch molekulare Techniken sowie GC-MS-Analyse-Verfahren
eingesetzt, weiterentwickelt oder neu etabliert. Schwerpunkte aktueller
Forschung liegen in der vergleichenden infektionskinetischen Untersuchung
verschiedener Feldstämme und Vakzinekandidaten des porzinen
Parvovirus und in der Funktionsanalyse von Virulenzfaktoren von
Salmonellen. Hinzu kommt die Analyse verschiedener immunprophylaktischer
Maßnahmen bei der Salmonellen-Infektion des Schweins und die
ethologische Beurteilung neuer Legehennenhaltungssysteme. Ein vom
BMVEL gefördertes Gemeinschaftsprojekt mit dem Institut für
Lebensmittelhygiene widmet sich der Etablierung einer GC-MS-Analytik
zum Nachweis von spezifiziertem Risikomaterial in Lebensmitteln.
Darüber hinaus sind Untersuchungen zur aktuellen epidemiologischen
Situation der Infektion mit dem caninen Herpesvirus und dem Minute
virus of canines, der epidemiologischen und taxonomischen Verhältnisse
bei der Protothekenmastitis des Rindes sowie die Untersuchung von
alternativen Prüfmethoden für die Zulassung von Desinfektionsmitteln
Forschungsgegenstand des Instituts.
Klinische Veterinärmedizin
Forschung im Bereich der Klinischen Veterinärmedizin ist an
verschiedenen Kliniken und Instituten der Fakultät etabliert.
Eine intensive Kooperation mit humanmedizinischen und anderen veterinärmedizinischen
Einrichtungen im In- und Ausland ermöglicht es, neue Erkenntnisse
bei spezifischen Erkrankungen zu gewinnen, die sowohl in der Humanmedizin
als auch in der Tiermedizin von Interesse sind. Es werden neue Diagnostik-
und Therapieverfahren entwickelt und evaluiert.
Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie
Im Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie wird
in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Leipzig und dem Institut für
Pharmakologie Toxikologie der Universität Halle-Wittenberg
die pathophysiologische Bedeutung der adrenergen und muskarinergen
Rezeptoren bei COPD des Pferdes untersucht. Hiervon werden grundlegende
Erkenntnisse über die Pathogenese der COPD sowie spezifischen
Ansatzpunkte zu Therapiemöglichkeiten für die reverse
Rezeptoränderung dieser Krankheitsbilder erwartet. Ziel der
Forschungstätigkeit der Professur für Toxikologie ist
die Entwicklung effektiverer Behandlungsstrategien im Rahmen der
Chemotherapie von Tumoren. Weiter sollen als Ersatz von Tierversuchen
in-vitro-Zellkultursysteme entwickelt werden, die leberspezifische
Eigenschaften besitzen. Hierzu werden verschiedene Transportsysteme
für Pharmaka an Leber und Niere charakterisiert und deren Regulation
durch Fremdstoffe untersucht, um so Arzneimittelinteraktionen zu
identifizieren (Förderung durch die DFG). Durch Fusion von
primären Rattenhepatozyten mit Tumorzellen bzw. durch virale
Immortalisierung von humanen Leberzellen werden permanente Zelllinien
geschaffen, die leberspezifische Eigenschaften weiterhin exprimieren
und somit in-vivo-Modelle ersetzen können (gefördert vom
Bundesinstitut für Risikoforschung).
Klinik für Kleintiere
Die Klinik für Kleintiere vertritt als Tierartenklinik die
klassischen klinischen Teilgebiete Innere Medizin, Chirurgie und
Gynäkologie. Forschungsprojekte aus allen drei Gebieten werden
aktuell bearbeitet. Die vorwiegend klinischen Forschungsprojekte
und Studien werden in Teilgebieten durch Grundlagenforschung untermauert.
In der chirurgischen Forschung steht die Biomechanik der großen
Gelenke im Mittelpunkt. In Kooperation mit den Universitäten
Zürich und München, dem Academic Medical Center, Amsterdam
und dem Center of Orthopaedic & Biomechanics Research, Boise
State University (USA) werden Fragen der Korrelation von subchondraler
Knochendichte und Knorpeldicke, der Bestimmung der dreidimensionalen
Lagebeziehung von Endoprothesen im Knochen sowie der Bestimmung
der 3D-Kinematik des Knie- und Ellbogengelenkes des Hundes unter
simulierten Bewegungsabläufen bzw. Operationsbedingungen bearbeitet.
Parallel wird der Komplex der Brachyzephalie bei Hund und Katze
untersucht. Mit der in den letzten Jahren wieder stark zunehmenden
Verbreitung brachyzephaler Rassen erlangt das Atemnotsyndrom dieser
Tiere eine große, tierschutzrelevante Bedeutung. Die Ätiologie
des brachyzephalen Syndroms ist noch weitgehend unbekannt. In Zusammenarbeit
mit den Universitäten Berlin und Zürich werden grundlegende
Fragen zur Morphologie der Brachyzephalie, zu Behandlungskonzepten
stark betroffener Tiere und zur Wertigkeit von morphometrischen
und funktionellen Screeningverfahren bearbeitet. Ziel der Forschung
in der Anästhesie ist es, die Ursachen für das bei Hund
und Katze hohe Narkoserisiko zu ermitteln und Konzepte zu seiner
Reduktion zu entwickeln. Aktuell wird die Wertigkeit unterschiedlicher
präoperativer Screeningverfahren untersucht. Schwerpunkte der
medizinischen Bildgebung sind unter anderem die Evaluierung neuer,
computergestützter Bildgebung und Bildanalysen (digitale Projektionsradiographie,
Hochgeschwindigkeits-CT, digitale Sonographie) für ausgewählte
tiermedizinische Fragestellungen sowie die Evaluierung neuer Kontrastmittel-Protokolle
für Röntgen-, MRT- und Sonographie-Untersuchungen. In
Verbindung mit chirurgischen und neurochirurgischen Fragestellungen
wird an dem Einsatz von dreidimensionaler Bild- und Navigationstechnik
in der Kleintiermedizin gearbeitet. In enger Kooperation mit Einrichtungen
des Universitätsklinikums Leipzig und privaten Spezialkliniken
werden Projekte zur fraktionierten intrakavitären High-Dose-Rate
Brachytherapie und die postoperative Bestrahlung von Neoplasien
im Rahmen einer Multimodalitätstherapie untersucht. In Verbindung
mit gynäkologischen Themen werden Fragen der Diagnostik und
Prognose von Mammatumoren bei der Hündin unter Einbeziehung
von tumorassoziierten Pathogenitätsmechanismen und der Prüfung
sonographischer Dignitätskriterien bearbeitet.
Die neurologische Forschung konzentriert sich auf die Diagnostik
und Therapie intrakranieller Läsionen, dabei bestehen enge
Vernetzungen zur Forschung in der Bildgebenden Diagnostik, der Onkologie
und der Chirurgie (z.B. stereotaktisch geführte Gehirnbiopsien).
In der Opthalmologie stehen Fragen zur Augengesundheit und der Vererblichkeit
von Augenerkrankungen bei Zootieren im Mittelpunkt. Im Rahmen der
Arterhaltung haben die Zuchtprogramme der zoologischen Gärten
für bedrohte Tierarten eine wachsende Bedeutung. Hier besteht
eine Kooperation mit verschiedenen Zoos und der Koret School of
Veterinary Medicine, Hebrew University of Jerusalem. In der Poliklinik
für Vögel und Reptilien liegt ein Forschungsschwerpunkt
in Untersuchungen zur Einsetzbarkeit moderner bildgebender Diagnoseverfahren
wie der Ultraschalldiagnostik, der Magnetresonanz- sowie der Computertomographie
bei Zier- und Wildvögeln sowie Reptilien. Ziel ist es, geeignete
Untersuchungsprotokolle und Referenzparameter an gesunden Tieren
aufzustellen und Erfahrungen über den Einsatz bei kranken Tieren
zu sammeln. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes
Projekt hat die Erforschung von Herzerkrankungen bei Vögeln
zum Inhalt. Im Bereich Wirtschaftsgeflügel werden drittmittelgeförderte
Untersuchungen zum Vorkommen von Mykoplasmen und, in enger Zusammenarbeit
mit dem Institut für Virologie, von Metapneumoviren bei Legehennen
in Abhängigkeit der Haltungsform durchgeführt. Weitere
Schwerpunkte der Institution sind Untersuchungen zur Bioverfügbarkeit
und Verträglichkeit verschiedener Antiinfektiva beim Geflügel
und bei Ziervögeln. Außerdem wird, wiederum in enger
Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie, der Krankheitskomplex
"Jungtaubenkrankheiten" untersucht. Schließlich
finden bei Ziervögeln und beim Geflügel Studien zum Einfluss
von Haltung und Zucht auf die Tiergesundheit statt.
Klinische Forschung im Bereich der Nutztiere und Pferde
Klinische Forschung im Bereich der Nutztiere und Pferde wird durch
die klassischen klinischen Teilgebiete Innere Medizin, Chirurgie
und Gynäkologie vertreten. Dort durchgeführte Forschungsprojekte
werden in Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen der Fakultät,
aber auch gemeinsam mit weiteren entsprechenden nationalen und internationalen
Forschungseinrichtungen durchgeführt.
Medizinische Tierklinik
In der Medizinischen Tierklinik ist ein Forschungsziel die Aufklärung
der Ätiopathogenese der Kolik beim Pferd. Dabei werden pathomorphologische
Zusammenhänge zwischen Apoptose der kutanen Schleimhautzellen,
der Fütterung und der Entstehung von Ulzera untersucht; therapeutische
Ansätze werden geprüft. Die Forschung bei Wiederkäuern
hat folgende Schwerpunkte: Gesundheits- und Leistungsstabilisierung
im peripartalen Zeitraum, Antioxidativer Status / Reperfusionsstörungen,
Ökologische Tierhaltung und Tiergesundheit. Beim Schwein wird
der antioxidative Status untersucht. Diese und eine Reihe weiterer
Projekte werden auch im Rahmen drittmittelgeförderter und interdisziplinärer
Forschung durchgeführt.
Chirurgische Tierklinik
Forschungsschwerpunkte in der Chirurgischen Tierklinik sind die
laparoskopische Chirurgie bei Pferd, Rind und Schwein, die Anwendung
von minimal invasivem und transkutanem Ultraschall in der Diagnostik
sowie die Thoraskopie bei Pferd und Rind. Weiter werden vergleichende
Untersuchungen zur Anästhesie bei Pferd und Kalb bei konventioneller
und minimalinvasiver Chirurgie durchgeführt.
Ambulatorische und Geburtshilfliche Tierklinik
Forschungsschwerpunkte der Ambulatorischen und Geburtshilflichen
Tierklinik sind die laparoskopische Gewinnung von Eizellen präpubertaler
Rinder, deren In-vitro-Reifung, Befruchtung und Kultivierung sowie
der Transfer so erzeugter Embryonen auf Empfängertiere. Andere
Forschungsgebiete betreffen Untersuchungen zur differentiellen Genexpression
in Rindereizellen und die Entwicklung und Optimierung von Verfahren
zur Fortpflanzungssteuerung bei präpubertalen und pubertalen
Jungsauen sowie bei Altsauen. In Zusammenarbeit mit dem Institut
für Bakteriologie und Mykologie werden Untersuchungen zu Mykotoxinen
und Chlamydieninfektionen als Ursache von Fortpflanzungsstörungen
bei Zuchtschweinen durchgeführt. Engen Bezug zum gesundheitlichen
Verbraucherschutz haben Untersuchungen zu Epidemiologie, Therapie
und Metaphylaxe von Mastitiden beim Rind.
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