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Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum Leipzig (BBZ)

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Forschungstätigkeit am Zentrum

An der Universität Leipzig wird auf der Grundlage des Rahmenprogramms "Biotechnologie-Offensive Sachsen" der Sächsischen Staatsregierung ein Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum aufgebaut. Dabei handelt es sich um eines von zwei Bioinnovationszentren in Sachsen. Die Förderperiode hat eine Laufzeit von fünf Jahren (2001-2005) mit einem Finanzvolumen von etwa 19 Mio. Euro. Die finanziellen Mittel werden aus HWP und EFRE zur Verfügung gestellt. Ab 2006 erfolgt die Finanzierung aus dem Haushalt der Universität.

Das Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum ist eine zentrale Einrichtung der Universität Leipzig. Mit der Konzentration auf die Schwerpunkte "Protein Engineering und Bioanalytik", "Molekulare Medizin und Therapeutika" und "Biomedizinisches und Cell Engineering" verbindet sich das erklärte Ziel der Universität, mit dem BBZ die Kompetenzen der vorhandenen Arbeitsgruppen und der neuen Professuren zu bündeln. Dem dient auch die Einrichtung von Nachwuchsgruppen. Durch eine eigene Geschäftsführung, die in die Verwaltung des Hochschulbereiches eingebunden ist, ist die Administration und Vergabe der Forschungsmittel effizient organisiert.
Im BBZ sollen vorhandene universitäre biotechnologisch relevante Forschungsrichtungen, mit neuen komplementären Forschungsfeldern aber auch außeruniversitären Forschungsrichtungen der Biomedizin und Biotechnologie zusammenarbeiten. Hinzu kommt eine enge Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft durch die Ansiedlung von etablierten und neu zu gründenden Biotechnologieunternehmen.

Die Aufgaben des BBZ sind:

  • Förderung der Forschung und Entwicklung auf den Gebieten der Biotechnologie und Biomedizin sowie verwandten Disziplinen
  • Initiierung neuer Studiengänge, Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote
  • Förderung des Wissenstransfers in wirtschaftliche Aktivitäten

Professuren des BBZ

  • Bioanalytik
  • Molekularbiologisch-biochemische Prozesstechnik
  • Molekulare Pathogenese
  • Molekulare Zelltherapie
  • Strukturanalytik von Biopolymeren
  • Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologie

Selbständige wissenschaftliche Nachwuchsgruppen des BBZ

  • Angewandte molekulare Evolutionsforschung
  • Molekulare Diagnostik - Mikroarray-Techniken
  • Molekulare Infektionsmedizin
  • Protein Engineering
  • Protein-Ligand-Wechselwirkung mittels Ionen-Cyclotron-Resonanz Massenspektrometrie
  • Strukturaufklärung membranassoziierter Proteine mittels Festkörper-NMR

Die Forschungsprojekte der Professur für Bioanalytik (Prof. Dr. Ralf Hoffmann) konzentrieren sich auf die Etablierung neuer analytischer Methoden zur Analyse posttranslationaler Modifikationen sowie der Charakterisierung modifizierter Proteine, beispielsweise Phosphorylierung, Hydroxylierung, Methylierung, Glykosylierung, Desamidierung und Glykierung. Diese meist reversiblen teils aber auch irreversiblen Modifikationen verändern die Proteine sowohl strukturell als auch funktionell. Ein aktuelles Target der Analysen ist das Tau-Protein, das in stark modifizierter und wahrscheinlich krankhaft veränderter Form (PHF-Tau) im Gehirn von Alzheimer-Patienten vorliegt. Obwohl die Alzheimer-Krankheit seit Jahrzehnten von vielen Forschergruppen weltweit untersucht wird, sind bis heute die Ursachen noch weitgehend unbekannt. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Analyse der posttranslationalen Modifikationen des Tau-Proteins, das in seiner Hauptvariante beim Menschen aus 441 Aminosäuren besteht. Zur Reinigung wurden drei chromatographische Trennungen entwickelt, die auf unterschiedlichen Prinzipien basieren, wobei offenbar keine der modifizierten Varianten und Splicing-Formen diskriminiert werden. In diesen Tau-Proben wurden die Tau-Varianten relativ quantifiziert, deren Phosphorylierungsgrad bestimmt und die Verteilung einiger Phosphorylierungsstellen untersucht. Ferner konnten neue, bisher im Tau-Protein nicht beschriebene Modifikationen identifiziert werden, die sowohl die Tubulin-Wechselwirkung als auch die Aggregation beeinflussen könnten. Im Bereich der Kollagene konnten zwei Analysemethoden zur relativen Quantifizierung des Hydroxylysins und der vier Hydroxyprolin-Isomere etabliert werden, mit denen bereits zwei Kollagen-Typen analysiert werden konnten.

Ferner wurde gemeinsam mit einer amerikanischen Arbeitsgruppe eine neue Methyltransferase identifiziert und bezüglich ihrer Methylierung der Guanidinogruppen in Proteinen charakterisiert. Kürzlich konnte zudem eine Methode zur gezielten Synthese glykierter Peptide entwickelt werden. Mit den Modellpeptiden werden nun die analytischen Methoden zur Identifizierung glykierter Proteine etabliert.

Die Professur für Molekularbiologisch-biochemische Prozesstechnik (Prof. Dr. Andrea A. Robitzki) hat ihre beiden Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte im Bereich des molekularen Tissue Engineering sowie der Wirkstofffindung und funktionellen Proteincharakterisierung durch Zell- und Gewebe-basierte Multielektrodenarrays um die beiden Forschungsschwerpunkte Nanobiotechnologie / Nanoelektronik und Laser-Manipulation und -Katapultion lebender biologischer Systeme erweitert. Ein Höhepunkt war z.B. die erfolgreiche Entwicklung und Testung eines funktionellen Autoimmunantikörper-Biosensors für die Frühdiagnostik von Präeklampsie (EPH-Gestose) während der Schwangerschaft. Das Prinzip dieses Kardiomyozyten-basierten Multielektrodenarrays liegt in der Online- und Echtzeit-Detektion der Herzmuskelkontraktionen und Arrhythmien durch eine Multielektrodenanordnung im Array. Die Frequenz der Motilität des Kardiomyozytenmodells dient als Funktionsnachweis physiologischer AT1-Rezeptor Agonisten (Nachweisgrenze für Angiotensin II, 10-11M) sowie AT1-Autoimmunantikörper im Serum. Dieser elektronische Bioassay kann außerdem für eine erweiterte klinische Diagnostik sowie in der biomedizinischen und biotechnologischen Forschung zur Detektion der zellulären Antwort auf eine Liganden-Rezeptor-Interaktion eingesetzt werden. Für die Entwicklung weiterer Zell- und Gewebe-basierter Mikroarrays (Impedanzspektrometrie) sind ischämische 2D/3D in vitro Kardiomyozytenmodelle sowie eine 3D in vitro Mammalia-Netzhaut entwickelt und charakterisiert worden. Eine weitere Technologieplattform in Kombination mit der Sensorik wurde mit der Laser-Manipulation und -Katapultion lebender embryonaler, neuronaler Vorläuferzellen etabliert. Hier werden neuronale Regenerations- und Transplantationskonzepte auf dem Gebiet der Remyelinisierung von Nervenfasern verfolgt. Zur Optimierung von molekularen Biochips aber auch im Zuge einer weiteren Miniaturisierung in Richtung Mikroimplantate wurden Projekte auf dem Gebiet der molekularen Transistoren sowie der Nanostrukturierung von Implantatoberflächen zur kontrollierten Wirkstofffreisetzung gestartet.

Die Professur für Molekulare Pathogenese (Prof. Dr. Manfred Blessing) beschäftigt sich mit der Funktion von Wachstumsfaktoren und Cytokinen. Im Zentrum der Arbeiten stehen Mitglieder der "Transforming Growth Factor-beta" (TGF-beta) Familie. TGF-beta selbst ist ein Faktor mit pleiotropen Wirkungen. TGF-beta ist ein zentraler Regulator des Immunsystems, es fördert die Proliferation bzw. Differenzierung von Mesenchymzellen, wohingegen die Proliferation von Epithelzellen inhibiert wird und TGF-beta moduliert Angiogenese und Apoptose. Aufgrund dieser vielfältigen und teilweise gegenläufigen Wirkungen auf unterschiedliche Zelltypen hat eine Änderung der lokalen Aktivität von TGF-beta gravierende Auswirkungen auf die Funktion von Geweben. Folgerichtig findet man Modifikationen des TGF-beta Systems in einer Vielzahl von Erkrankungen wie Krebs, Fehlsteuerungen des Immunsystems und Regenerationsstörungen. Zur funktionellen Analyse dieses Faktors in den unterschiedlichen Krankheitsszenarien wurde eine Reihe transgener Mauslinien entwickelt, in denen lokal und zelltypspezifisch entweder die Aktivität dieses Faktors, oder die Suszeptibilität gegenüber diesem Faktor moduliert wird. Zunächst werden in diesen Modellen Änderungen der Suszeptibilität gegenüber Krebserkrankungen und Immundefekten mit dem veränderten TGF-beta System korreliert. So konnten z.B. unterschiedlich starke Auswirkungen des Verlusts dieses Systems auf die Tumorigenese in Haut, Darm und Leber sowie eine Parallelität mit der Frequenz dieses Verlustes in Hauttumoren, Darmtumoren und Lebertumoren von Patienten nachgewiesen werden. Des weiteren konnte gezeigt werden, dass der Verlust des TGF-beta Systems in T-Zellen zu einer erhöhten Suszeptibilität gegenüber Asthma, Hepatitis und Arthritis führt, wohingegen eine Verstärkung der Aktivität vor Asthma schützt. Gleichzeitig werden unter Einsatz von hochdichten DNA-Chips zelltypspezifische Zielgene dieses zentralen Regulators identifiziert. Aus diesen Analysen werden neue Kandidatengene erwartet, die aufgrund ihrer Zelltypspezifität zur Entwicklung neuer diagnostischer bzw. prognostischer Verfahren oder therapeutischen Ansätzen führen.

Das Forschungsinteresse der Professur für Strukturanalytik von Biopolymeren (Prof. Dr. Norbert Sträter) liegt in der Anwendung biochemischer und biophysikalischer Methoden, hauptsächlich der Proteinkristallographie, zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Raumstruktur und Funktion von Proteinen. Dabei werden gegenwärtig vor allem Enzyme, insbesondere Metalloenzyme, aber auch andere hinsichtlich katalytischer Reaktivität oder medizinischer und biotechnologischer Bedeutung interessanter Proteine untersucht. Neben der Strukturaufklärung des nativen Proteins steht dabei immer die Charakterisierung des Reaktionsmechanismus und der Funktionsweise des Proteins auf molekularer Ebene im Vordergrund. Aktuelle Projekte konzentrieren sich auf die Katalyse durch Metallenzyme sowie auf pharmakologisch relevante Proteine im Bereich der extrazellulären Rezeptoren und der nachgeschalteten Signaltransduktion. Die Forschung ist an der Schnittstelle zwischen Biowissenschaften und Chemie angesiedelt. Als Beispiel seien hier vor allem die Aufklärung der chemischen Reaktionsmechanismen der Enzyme genannt sowie die Charakterisierung der molekularen Wirkungsweise synthetischer Wirkstoffe an den biologischen Targets durch Aufklärung der entsprechenden Komplexstrukturen.

Die Forschungsinteressen der Professur für Zelltechniken und angewandte Stammzellbiologie (Prof. Dr. Augustinus Bader) liegen auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin. Ein Schwerpunkt der Gruppe ist die Klärung der Mechanismen, welche während der Regeneration nach einem Leberschaden ablaufen. Dabei steht besonders ein Faktor im Focus der Analysen. Mit Hilfe des Mediators konnte eine Beschleunigung der Regeneration nach einer partiellen Hepatektomie induziert und nachgewiesen werden. Derzeit werden mit verschiedenen in vivo und in vitro Analysen die zugrunde liegenden Mechanismen erforscht. Wobei sowohl die Veränderung in der Genexpression mit Hilfe von selbst produzierenden Oligo Microarrays analysiert, als auch die qualitativen und quantitativen Veränderungen im regenerierenden Gewebe untersucht werden. Ziel der Forschung ist die Unterstützung der Regeneration der Leber nach einer Schädigung, durch die Gabe von regenerations-induzierenden Mediatoren und einer extrakorporalen Leberbioreaktor Unterstützung.

Im Rahmen der "Entwicklung des Bioreaktorkreislaufes einer sterilen Knorpelzellstimulation und deren bioanalytische Charakterisierung" widmete sich die Arbeitsgruppe vor allem der Entwicklung eines modularen Bioreaktorsystems. Im Mittelpunkt dessen standen vor allem die Konzeption sowie der Aufbau der sensorischen und aktorischen Komponenten um den Stimulationsbioreaktor herum. Das gesamte System wurde wegen der hohen Anforderungen so modular als möglich aufgebaut. Das Grundkonzept setzt auf den Subsystemeinheiten, einer Steuereinheit, einem Benutzerinterface und einheitlichen System-Schnittstellen auf. Ein einzelnes Subsystem besteht aus einem Bioreaktor, an dem ein Hauptkreislauf mit dem Nährflüssigkeitsbehälter, einer Förderpumpe inklusive Durchflusssensor und einem Temperatursensor angeschlossen wird. Des Weiteren wird ein zweiter Analysekreislauf zur Inline-Analyse mit Sensoren, sowie eine Dosierpumpe und ein Dreiwegeventil zur Offline-Probenentnahme, angeschlossen. An den Hauptbehälter kann ein zweites Reservoir, gefüllt mit Nährkonzentrat (z.B. Plasma, Serum), angeschlossen werden, der ein gezieltes Konditionieren (Fed-Batch) autologer Nährstoffe in den Kreislauf ermöglicht. Im praktischen Einsatz wurden immer sechs Knorpelzellkonstrukte gleichartig stimuliert und kultiviert. Von diesen sechs Präparaten könnte eines dem Patienten transplantiert werden, während die restlichen Scaffolds der biochemischen, biophysikalischen, spektroskopischen und genomischen Analytik dienten.

Die Nachwuchsgruppe Angewandte Molekulare Evolution (PD Dr. Susanne Brakmann) beschäftigt sich mit Verfahren der gerichteten Evolution zur funktionalen Optimierung von Nucleinsäure-Polymerasen und mit der Realisierung einer DNA-Sequenzierung auf Einzelmolekül-Niveau. Die Arbeiten über Polymerasen konzentrieren sich auf die Entwicklung von Varianten der T7-DNA-Polymerase und der Reversen Transkriptase des HI-Virus mit veränderter Fehlerrate sowie auf Varianten der T7-RNA-Polymerase mit veränderter Substratakzeptanz. Ein wichtiger Fortschritt betraf die Entwicklung genetischer Selektionsverfahren zur Identifikation bzw. zur Isolierung von aktiven Polymerase-Varianten aus einer Polymerase-Mutantenbank. Mutantenbanken, die z.B. durch error-prone PCR oder DNA shuffling generiert werden, enthalten zu einem großen Teil inaktive Varianten (teilweise mehr als 90 %). Durch Verwendung bestimmter Polymerase-defizienter bzw. Polymerase-beeinträchtigter E.-coli-Stämme konnten aktive, die fehlende Aktivität komplementierende DNA-Polymerasen spezifisch angereichert werden. Im Falle der RNA-Polymerase war eine solche Komplementierung nicht möglich; stattdessen konnten aktive Varianten aber anhand der erfolgreichen Transkription eines Markerproteins (GFP) identifiziert und isoliert werden. Aktive Varianten (DNA-und RNA-Polymerasen) können dann in Mikrotiterplatten-Assays (FRET- und einfache Fluoreszenz-Detektion) auf spezifische Substrataktivitäten hin durchmustert werden.

Die Nachwuchsgruppe Molekulare Diagnostik - Mikroarray Technologien (Dr. Peter Ahnert) analysiert die Rolle der interindividuellen genetischen Diversität in der Ätiologie und Pathogenese von Autoimmunerkrankungen, insbesondere der rheumatoiden Arthritis. Autoimmunerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis (RA) sind komplexe Erkrankungen mit verschiedenen ursächlichen Faktoren. Es ist bekannt, dass genetische Veranlagungen eine Rolle in der Entstehung und im Verlauf der Erkrankung spielen. Man weiß auch, dass andere Genorte als der bekannte HLA Lokus involviert sind. Um welche Gene und welche Varianten dieser Gene es dabei geht, ist hingegen weitgehend unbekannt. Die Analyse von Kandidatengenen und den darin vorkommenden Polymorphismen in Familien- und Fall-Kontroll-Studien kann darüber Aufschluss geben. Höchstwahrscheinlich sind Kombinationen von Genvarianten geringer Penetranz für das Krankheitsgeschehen verantwortlich. Methoden der Systembiologie stellen hier einen Lösungsansatz dar. Ziel des Projektes ist es, einen Beitrag zur Aufklärung der genetischen Komponente der RA zu leisten und Methoden zur genetischen Analyse komplexer Erkrankungen weiterzuentwickeln.

Es werden statistische Methoden auf die Analyse biologischer Netzwerke angewendet, um Kandidatengene zu identifizieren, SNPs aus öffentlichen Datenbanken gewählt und das GENOLINK System verwendet (basierend auf Primerextension und Massenspektrometrie) für die Genotypisierung. Für die Genotyp-Phänotyp-Analyse werden Methoden der genetischen Statistik sowie Maschinenlernverfahren verwendet.
Die Forschungsprojekte werden durch die Sächsische Aufbaubank, das HWP, EFRE und die DFG gefördert. Es bestehen enge Kooperationen mit der Gruppe von Dr. Francois Cornélis (Universität Evry und Universität Paris VII), der Gruppe von Jose Cardoso de Menezes (Technische Universität Lissabon, Portugal) sowie mehreren Partnern in Deutschland.

Die Nachwuchsgruppe Molekulare Infektionsmedizin (PD Dr. Reinhard Straubinger) befasst sich mit der Charakterisierung der molekularen Persistenzmechanismen von Spirochäten verursachten Infektionskrankheiten (Lyme-Borreliose, Rückfallfieber) bei Mensch und Tier. In diesem Zusammenhang war auch der Einfluss der Zytokine Interleukin (IL)-23 und IL-17 auf die chronische Lyme-Arthritis von Interesse, und praxisrelevante Modifikationen der Impfstrategien gegen die Lyme-Borreliose wurden genauer untersucht.

In den zurückliegenden Monaten konnte gezeigt werden, dass zwei lineare Plasmide von denen bekannt ist, dass diese essentiell für die Infektiösität des Erregers Borrelia burgdorferi sind, keinen Einfluss auf die Phagozytoserate von neutrophilen Granulozyten und Monozyten haben. Dies bedeutet, dass die angeborene Immunantwort des Wirtes durch Proteine, die von diesen Plasmiden codiert werden, nicht beeinflusst wird. Ein Vergleich der Phagozytoseraten der neutrophilen Granulozyten und Monozyten mit spiralförmigen und sphärischen B. burgdorferi wird derzeit durchgeführt. Dies ist deshalb von Interesse, da die spiralförmige Form von B. burgdorferi im Regelfall während der aktiven Infektion beobachtet wird, die sphärische Form hingegen nach bisherigen Erkenntnissen einen reduzierten Stoffwechsel besitzt und mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Dauerform darstellt.

Des Weiteren ist es gelungen, eine zusätzliche Borrelienart, Borrelia persica, erstmals in vitro zu kultivieren. Auf Grund der auffälligen biologischen Unterschiede zwischen B. burgdorferi und B. persica - z.B. wird B. burgdorferi vorwiegend im Gewebe gefunden und führt zu langsam sich entwickelnden klinischen Veränderungen; B. persica hingegen bevorzugt den Aufenthalt im Blut und ist der Verursacher des Rückfallfiebers - bietet der direkte Vergleich dieser beiden Spirochätenspezies eine solide Basis, um die molekularen Persistenzmechanismen von Spirochäten verursachten Infektionskrankheiten genauer zu erforschen. Aus der persitierenden Infektion kann sich unter Umständen Jahre nach der Infektion eine chronische Entzündung in den Gelenken entwickeln. Die dazu beitragenden Mechanismen sind weitgehend unbekannt. In diesem Zusammenhang untersucht die Gruppe die Pathogenese unterstützende oder sogar auslösende Rolle der Zytokine IL-23 und IL-17 im Mausmodell. Schließlich wurde der Einfluss einer modifizierten Grundimmunisierung auf die Antikörperantwort im Hund mit fünf handelsüblichen Impfstoffen gegen den Erreger der Lyme-Borreliose, die in Europa und den USA vertrieben werden, quantitativ und qualitativ untersucht.

Arbeitsgebiet der Nachwuchsgruppe Protein Engineering (Dr. Thomas Greiner-Stöffele) ist die Anwendung und Entwicklung von Methoden für das rationale Protein-Design und für die in vitro Evolution von Proteinen. Der Schwerpunkt der Entwicklung lag auf zwei Projektgebieten. Zum einen wurde die in den letzten Jahren bearbeitete Stabilisierung von Exonuclease III aus E. coli weitergeführt. Hierfür wurden weitere rationale Mutationen in das Protein eingeführt und Bibliotheken für die in vitro Evolution des Enzyms generiert. Eine Exonuclease-Variante mit ein um ca. 8 °C höherem Temperaturoptimum und einer wesentlich erleichterten Herstell- und Lagerbarkeit konnte durch rationales Design entwickelt werden. Für zwei zu Exonuclease III homologe Proteine aus thermophilen Organismus konnten in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Professor Sträter (BBZ) Proteinkristalle gezüchtet werden. Die Strukturbestimmung wurde in beiden Fällen begonnen.

Zum anderen wurde ein 2002/2003 entwickeltes Screening-Verfahren zur Durchmusterung von sehr großen Varianten-Bibliotheken von Proteinen weiterentwickelt und eine Ausweitung der Technologie auf verschiedene Enzymklassen begonnen. Dazu wurden für verschiedene Enzyme (Restriktionsendonucleasen, Aldo-Keto-Reduktasen, Dehydrogenasen, Dioxygenasen) rekombinate Expressionen etabliert, Aktivitätsassays entwickelt und für Beispielenzyme verschiedene Bibliotheken generiert. Mit dem Screening nach veränderten Enzymvarianten wurde begonnen.

Von der Nachwuchsgruppe Protein-Ligand-Wechselwirkung mittels Ionen-Cyclotron-Resonanz-Massenspektrometrie (Dr. Andrea Sinz) wurde die Fourier Transformation-Ionen-Cyclotron-Resonanz (FTICR)-Massenspektrometrie erfolgreich für die Analyse komplexer Proteingemische eingesetzt. Unter Verwendung mehrerer chromatographischer Trennschritte in Kombination mit hochauflösender FTICR-Massenspektrometrie wurden mehrere hundert Proteine aus Zell-Lysaten des Bakteriums Escherichia coli identifiziert. Die auf der Flüssigchromatographie basierende Methode weist das Potenzial auf, sich als Alternative zu der in der Proteomanalytik vornehmlich verwendeten zweidimensionalen Gelelektrophorese zu entwickeln.

Die Strategie zur Bestimmung niederaufgelöster dreidimensionaler Strukturen von Proteinkomplexen unter Verwendung von chemischem Cross-Linking und hochauflösenden massenspektrometrischen Methoden wurde weiterentwickelt. Hochkomplexe Gemische, wie sie nach chemischen Cross-Linking-Experimenten erhalten werden, werden unter Verwendung von zum Teil isotopenmarkierten Cross-Linking-Reagenzien ohne vorhergehende Vortrennungsschritte der Reaktionsgemische mittels Nano-HPLC/Nano-ESI-FTICR-Masenspektrometrie analysiert. Anhand der erhaltenen Distanzbeschränkungen zwischen Komponenten der Proteinkomplexe lassen sich Rückschlüsse auf Interaktionsregionen innerhalb der untersuchten Komplexe ziehen. Die Proteinkomplexe zwischen Calmodulin und zwei seiner Zielpeptide, dem Peptid Melittin und einem C-terminalen Peptid der Skelettmuskel-Myosin-Leichte-Ketten-Kinase, dienten hierbei als Modellsysteme. Die durch chemisches Cross-Linking erhaltenen Distanzbeschränkungen befanden sich für den Komplex zwischen Calmodulin und dem Peptid der Skelettmuskel-Myosin-Leichte-Ketten-Kinase in Übereinstimmung mit bereits existierenden NMR-Strukturdaten. Für den Komplex zwischen Melittin und Calmodulin konnten anhand der durch Cross-Linking-Experimente verknüpften Aminosäuren zwei Strukturmodelle erstellt werden.

Weitere Anwendungen der Strategie zur Strukturuntersuchung von Proteinkomplexen basierend auf chemischem Cross-Linking und hochauflösender FTICR-Massenspektrometrie bestehen in der Identifizierung der Interaktionsregionen zwischen Calmodulin und einem C-terminalen Peptid der Adenylatcyclase 8 (Kooperation mit Prof. Dermot Cooper, Cambridge University, Großbritannien) sowie in der Untersuchung der Selbstaggregation des Basalmembranproteins Laminin (Kooperation mit Dr. Neil Smyth, Universität Köln).

Die Nachwuchsgruppe Strukturaufklärung membranassoziierter Proteine mittels Festkörper-NMR (PD Dr. habil. Daniel Huster) beschäftigte sich insbesondere mit der Charakterisierung der Struktur und Dynamik membrangebundener Moleküle wie das Ras-Protein und das Carrierpeptid hCT(9-32). Schwerpunkt der Untersuchungen war die umfangreiche Anwendung der 2H NMR zur Bestimmung von Bewegungsamplituden und Korrelationszeiten der Bewegung der Lipidketten des C-Terminus des Ras-Proteins. Für hCT(9-32) wurde auf der Basis der mittels Festkörper-NMR-Spektroskopie bestimmten Strukturparameter ein Modell des membrangebundenen Zustandes des Peptides entwickelt.

Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeiten lag in der Untersuchung von natürlichen und künstlich hergestellten Knorpelgewebe. Mit Hilfe der Festkörper-NMR-Spektroskopie konnten die makromolekularen Bestandteile des Knorpelgewebes spektroskopisch erfasst und ihre dynamischen Parameter bestimmt werden. Diese Expertise wurde zur Untersuchung von künstlichem Gewebe erstmalig eingesetzt. Ziel dieser Untersuchungen ist die quantitative Bestimmung der molekularen Eigenschaften von tissue engineered Knorpelgewebe. Damit soll eine quality control / quality assurance Analyse etabliert werden, durch die die Bedingungen zur individuellen Knorpelzüchtung optimiert werden.


 

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 26.07.2007