Forschungstätigkeit am Zentrum
Im Jahr 2004 war das Zentrum an der Ausgestaltung eines Workshops
in Leipzig zum Thema "Arbeit, Gesundheit und Alter" beteiligt
und organisierte einen eintägigen Workshop zu den aus HWP-Mitteln
zur Gender-Forschung an der Universität Leipzig genehmigten
vier Forschungsprojekten.
Drei der Projekte wurden von FraGes-Mitgliedern eingeworben. Im
einzelnen handelt es sich dabei um:
- "Die Verwaltung der Prostitution: Sachsen-Polen-Tschechien":
(Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr, Institut für praktische Theologie;
Prof. Dr. Wolfgang Fach, Institut für Politikwissenschaft;
Dr. Rebecca Pates, Institut für Politikwissenschaft und Daniel
Schmidt M.A.)
- "Diversität - Geschlechterordnungen - Machtbeziehungen"
(Prof. Dr. Barbara Lange, Institut für Kunstgeschichte):
Differenz ist das Ergebnis von kulturellen Setzungen, die Diversität
in eine Ordnung bringen. Ausgehend von der Annahme, dass scheinbar
eindeutige Binaritäten wie männlich/ weiblich, schwarz/
weiss, traditionell/ modern geschaffen wurden, um Macht zu sichern
und zu erhalten, wird gefragt, welche Rolle Geschlechterordnungen
in diesem Kontext spielen und spielten. Es wird untersucht, wie
sich diese zu anderen Identitätskonzepten wie etwa Ethnizität
oder Klasse verhalten und wie daraus spezifische Strukturen und
Handlungsräume entstehen.
Das Projekt besteht aus zwei Untervorhaben:
- Dem Forschungsprojekt "Visuelle Repräsentationsformen
von Frauenfreundschaft als Bestandteil weiblicher Beziehungsgeflechte
im 18. Jahrhundert", das als Dissertationsprojekt am
Institut für Kunstgeschichte durchgeführt wird.
In diesem Projekt wird, ausgehend von Freundschaftsporträts
hochadeliger Frauen in Frankreich, untersucht, wie Frauen
in einer Zeit der Naturalisierung von Geschlecht Bildmedien
nutzten, um frauenspezifische Netzwerke aufzubauen. Die kulturelle
Praxis in Frankreich wird mit der am russischen Hof verglichen,
wo im Verlauf des 18. Jahrhunderts über lange Zeit machtvolle
Zarinnen herrschten. Es soll herausgefunden werden, ob tatsächlich
mit der Vorstellung einer frauenspezifischen Bildkultur operiert
werden kann.
- Dem Aufbau einer Kooperation mit den Zentren für Geschlechterforschung
an den Universitäten Riga (Lettland) und Krakau (Polen).
Ziel der Kooperation soll die Konzipierung eines gemeinsamen
internationalen Aufbaustudiengangs zu Gender Studies sein.
Ende 2004 wurde die Kooperation mit Krakau auf Grund organisatorischer
Probleme eingestellt.
- · "Elisa - Elitenförderung Sachsen: Frauen
in Naturwissenschaft, Technik und Medizin" (Prof. Dr. Elmar
Brähler, Medizinische Fakultät, Prof. Dr. Dorothee Alfermann,
Sportpsychologie).
Ziele des Projekts: Trotz sehr guter Ausbildung wird vor allem
Frauen aus natur-, ingenieur- und medizinwissenschaftlichen
Studiengängen der Zugang zu attraktiven Führungspositionen
erschwert bzw. stoßen sie im beruflichen Alltag oft auf
strukturelle Barrieren. Um jungen Studentinnen den Einstieg
ins Berufsleben zu erleichtern, wurde ELISA - Elitenförderung
Sachsen initiiert. Es handelt sich hierbei um ein sachsenweites
Verbundprojekt zwischen der TU Dresden, der HTW Dresden, der
Uni Leipzig sowie HTWK Leipzig, der TU Chemnitz und der HS Zittau/Görlitz.
Die Gesamtprojektleitung hat die TU Dresden übernommen.
Förderung und Beratung erhält das Modellprojekt ELISA
aus Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums für
Wissenschaft und Kunst (SMWK) und von femtec, dem Hochschulkarrierezentrum
für Frauen Berlin GmbH.
Das Programm bietet ausgezeichneten Studentinnen des Hauptstudiums
die Chance, frühzeitig die richtigen Weichen für den
beruflichen Ein- und Aufstieg zu stellen, indem es fachübergreifend
soziale und personale Kompetenzen trainiert, Netzwerke bildet
und Praxiseinblicke in Unternehmen ermöglicht. Ziel der
Förderung ist es, den Studentinnen einen ihren Qualifikationen
entsprechenden Berufseinstieg zu ermöglichen, indem man
Unternehmen der Region das vorhandene Potential aufzeigt. Langfristig
soll so versucht werden, der Abwanderung hochqualifizierter
Arbeitskräfte entgegenzuwirken und den Frauenanteil in
Führungspositionen zu erhöhen.
ELISA besteht aus den Bausteinen Mentoring, Workshops und Coaching.
Näheres findet sich auf der website www.elisa-sachsen.de.
Eine Zusammenfassung der Beiträge zu den einzelnen Projekten
sowie weitere Forschungsaktivitäten des Zentrums werden jährlich
in einem Bericht zusammengefasst, der von der Homepage (www.uni-leipzig.de/~frages)
abgerufen werden kann.
Das Zentrum hat rund 45 Mitglieder (drei Viertel weiblich, ein Viertel
männlich) aus unterschiedlichen Fakultäten, Fachrichtungen
und Nationen. Die Mitglieder vertreten kulturwissenschaftliche Fächer,
Kunstwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Philologie, Sprachwissenschaften,
Musikwissenschaft, Soziologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaft
und medizinische Disziplinen. Die bearbeiteten Themen lassen sich
wie folgt charakterisieren:
- Eine Reihe von Themen ranken sich um die Fragestellung der
Identität, und dies aus Sicht unterschiedlicher Disziplinen.
- Ein zweiter Themenkomplex lässt sich mit dem Begriff der
Differenzforschung umschreiben. Gibt es Geschlechterunterschiede
und wie bedeutsam sind sie für Alltagshandeln, berufliche
Entwicklung, Familienarbeit usw.?
- Ein dritter Themenkomplex orientiert sich an der Tatsache,
dass viele Aspekte des Umgangs der Geschlechter und des Geschlechterverhältnisses
ihre Wurzeln in unserer Kultur haben.
- Und viertens werden Themen der Frauenforschung behandelt, wie
z. B. psychosoziale Aspekte der Fertilität oder die Medikalisierung
der Frau.
|