Forschungstätigkeit am Zentrum
Allgemein
Die besondere "Mission" des IZBI ist es, interdisziplinäre
Forschung zwischen Informatik, Mathematik und Lebenswissenschaften
umzusetzen. Sie beinhaltet sowohl theoretische "Grundlagenforschung"
als auch Serviceprojekte mit engem experimentellem Bezug. Das IZBI
bearbeitet Themen in enger Kooperation mit experimentellen Forschergruppen
und Praxispartnern, insbesondere der Leipziger Universität
und der Leipziger Max-Planck-Institute. Das Spektrum der IZBI-Leistungen
reicht von der Bereitstellung und Entwicklung von Methoden des Datenmanagements
(z.B. bei der Genexpressionsanalyse, s.o.) bis hin zu prospektiven
Konzepten (Computational Tissue, Proteinnetze, molekulare Medizin,
Modelle der Evolution).
- Auf dem Gebiet der genetischen Evolution verfolgt das IZBI
Projekte zur genetischen Vielfalt und die ihr zu Grunde liegenden
evolutionären Beziehungen zwischen den Arten.
- Auf dem Gebiet der Gewebsorganisation und Signaltransduktion
werden am IZBI Genotyp-Phänotyp Wechselbeziehung bei der
Gewebsbildung und funktion untersucht. Dabei interessieren Mechanismen
der räumlichen Gewebsorganisation (z.B. Epithel-, Tumor-
und in-vitro-Gewebe), die Architektur von Signaltransduktions-
und Genregulationsnetzwerken und die Analyse von hochdimensionalen
genomischen und molekularen Daten von normalen und pathogenen
Geweben.
Das IZBI kooperiert eng mit dem von Professor Stadler geleiteten
Lehrstuhl für Bioinformatik (Fakultät für Mathematik
und Informatik). IZBI und Lehrstuhl für Bioinformatik bilden
gemeinsam die bis 2006 DFG-geförderte Bioinformatik-Initiative
Leipzig.
Das Forschungskonzept
Projekte: Das IZBI bietet Partnern ein neues Konzept des Forschungsmanagements,
um bioinformatische Fragestellungen effektiv zu bearbeiten. Die
Arbeitsweise des IZBI ist projektorientiert. Es kann sich dabei
sowohl um Forschungsprojekte mit wissenschaftlicher Zielstellung,
als auch um Serviceprojekte zur Technologieentwicklung oder Datenanalyse,
handeln. Jedes Projekt wird von einem Projektleiter koordiniert.
Arbeitsgruppen am IZBI: Inhaltlich fokussiert das IZBI im Rahmen
von vier Arbeitsgruppen (AG) auf folgende wissenschaftliche Schwerpunkte:
- AG1: Methoden der Informatik, Datenbanken und Datenintegration
für bioinformatische Aufgabenstellungen (Koordinator
Prof. Dr. E. Rahm)
Die AG1 beschäftigt sich mit dem Management und der Integration
von molekularbiologischen Daten und Annotationen. Es wurde u.a.
ein Datawarehouse für Genexpressionsdaten (Integration und
Annotation umfassender genomischer Information) entwickelt, welches
für zellbiologische und medizinische Forschungsprojekte zur
Verfügung steht.
- AG2/Nachwuchsgruppe: Selbstorganisation von Geweben (Koordinator
Dr. D. Drasdo)
Die AG2 fokussiert ihre Forschung auf Einzelzellbasierte Simulationsmodelle
der Gewebsorganisation (z.B. Tumore und Epithelgewebe) in Zeit
und Raum und damit verknüpfte Datenanalysen wie z.B. die
dreidimensionale Rekonstruktion mikroskopischer Daten.
- AG3: Zelluläre Signaltransduktion und Genexpression
(Koordinator Prof. Dr. F. Horn)
Die AG3 konzentriert sich auf Fragen der funktionellen Genomik
im Kontext pathogener Prozesse unter besonderer Anwendung von
Genexpressionsanalysen mittels Mikroarrays. Dabei besteht eine
enge Kooperation mit der AG1 und mit der Core Unit "Mikrochip-Technologien"
des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung.
- AG4: Genetische Evolution (Koordinator Prof. Dr. P. Stadler)
Die AG4 analysiert Gen- und Proteinsequenzen unter populationsgenetischen
und phylogenetischen Gesichtspunkten, z.B. zur Stammbaumrekonstruktion
bzw. zur Identifizierung nichtkodierender RNA.
Ergebnisse 2004
Das IZBI erzielte 2004 folgende Ergebnisse:
(1) Die erreichte wissenschaftliche Kompetenz der 2002 gebildeten
Arbeitsgruppen konnte durch 25 in 2004 erschienene Publikationen
in internationale referierten Journalen nachgewiesen werden (in
2003 erschienen 16 IZBI Publikationen).
(2) Es wurden in 2004 Drittmittelprojekte mit einem Budget von
410 Tsd. Euro eingeworben. In zwei von der Deutschen Krebshilfe
geförderten Projekten werden molekulare Ursachen von Krebserkrankungen
(Malignes Lymphom und Gliom) untersucht (Projektleiter: Prof. Dr.
M. Löffler und Prof. Dr. E. Rahm). In den interdisziplinären
Vorhaben übernimmt das IZBI bioinformatische Analysen von Genexpressionsdaten
sowie den Aufbau und die Pflege einer Datenbank, in der die Kooperationspartner
histologische und molekulare Befunde hinterlegen, analysieren und
austauschen können. In einem weiteren, im 6. EU-Rahmenprogramm
geförderten Projekt, werden die Organisationsprinzipien komplexer
biologischer Systeme erforscht (Projektleiter Prof. Dr. P. Stadler
und Prof. Dr. M. Middendorf).
(3) Mit Instituten der Medizinischen Fakultät wurden Kooperationen
begonnen bzw. fortgesetzt:
- Dr. Ahnert (BBZ): Genetische Variabilität bei Autoimmunerkrankungen
- Prof. Dr. Paschke (Medizinische Klinik und Poliklinik III):
Genexpression beim Schilddrüsenkarzinom
- Prof. Dr. Höckel (Universitätsfrauenklinik): Dreidimensionale
Charakterisierung des Zervixkarzinoms
- Prof. Dr. Horn (IKIT): Genexpressionsanalyse, Rekonstruktion
von Transkriptionsnetzwerken
- PD Dr. Krohn (IZKF): Mikroarraytechniken und -analysen
- Prof. Dr. Löffler (IMISE, KKSL): Biometrie und statistische
Analyse von Genexpressionsdaten, Aufbau einer Infrastruktur für
vergleichende Untersuchungen von molekularen und klinischen Daten,
Gewebsmodelle
- Prof. Dr. Aust (Anatomie): Mechanismen der Tumorinvasion und
Metastasierung (Schwerpunkt Zellmigration)
- Prof. Dr. Hengstler (klinische Pharmakologie): Analyse und Modellierung
von Xenograft-Experimenten
(4) Innerhalb der Leipziger Universität bestehen weiterhin
folgende Kooperationen:
- Prof. Dr. Rahm (Institut für Informatik): Datenbanken und
-integration
- Prof. Dr. Middendorf (Institut für Informatik): Komplexe
Modelle der Evolution
- Prof. Dr. Robitzki (Biowissenschaften/BBZ): Zell- und Gewebsmodellierung
- Prof. Dr. Schlegel (Biowissenschaften): Molekulare Evolution
der Tiere, Stammbaumrekonstruktion und Phylogenien
- Prof. Dr. Käs (Physik): Zell-Elastizität
- Prof. Dr. Müller und Prof. Dr. Truyen (Veterinärmedizin):
Evolution von Viren
Das IZBI kooperiert weiterhin mit den Max-Planck-Instituten für
Evolutionäre Anthropologie (Prof. Dr. S. Pääbo) und
für Mathematik in den Naturwissenschaften (Prof. Dr. J. Jost,
Dr. A. Stevens).
(5) Es wurde die Auswertplattform für Genexpressionsanalysen
weiter komplettiert. Das IZBI bietet Partnern eine speziell entwickelte
Datenbank (GeWare, Genexpressions-Warehouse) an, in der Mikroarraydaten
abgelegt und dokumentiert (u.a. im MIAME-Standard) werden und für
vergleichende Analysen innerhalb eines Sicherheitskonzeptes zur
Verfügung stehen. Für statistische Analysen von Chipdaten
steht ein "Berater-Team" aus IZBI Mitarbeitern mit entsprechenden
Auswerte-Tools (z.B. BioConductor, S+-Statserver) zu Verfügung.
Die Auswerteplattform ist Bestandteil des ORMA (Ostdeutsches Referenzzentrum
für Mikroarray-Analysen) und ergänzt die Microarray-Service-Unit
am IZKF. Im Juni 2004 wurde ein eintägiger Workshop "Genexpressions-Analyse
in klinischer und zellbiologischer Forschung" mit über
80 Teilnehmern veranstaltet.
(6) Am IZBI wurde eine Nachwuchsgruppe "Gewebsmodellierung
- Computational Tissue" unter der Leitung von Dr. Dirk Drasdo
installiert.
(7) Das IZBI veranstaltete unter Leitung von Professor Rahm gemeinsam
mit dem Institut für Informatik (Abt. Datenbanken) einen Workshop
zu Problemen der Datenintegration in den Lebenswissenschaften (DILS
2004- International Workshop on Data Integration in the Life Sciences),
sowie gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Mathematik
in den Naturwissenschaften einen Workshop zum Thema "Phylogenetische
Kombinatorik".
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