Forschungstätigkeit an der Fakultät
Im Wettbewerb um die Einnahme zusätzlicher Mittel für
die Forschung konnte die Medizinische Fakultät im Jahre 2004
ihren eingenommenen Platz erfolgreich verteidigen. Die Drittmitteleinnahmen
bewegten sich mit 18,56 Mio. Euro auf dem Niveau des Jahres 2003.
Dabei konnte der Anteil der über ein Begutachtungsverfahren
eingeworbenen Drittmittel noch erhöht werden. Die Mittel aus
dem BMBF-Programm "Verbesserung der Leistungsfähigkeit
der klinischen Forschung an den medizinischen Fakultäten der
neuen Bundesländer einschließlich Berlin (Charité)"
(NBL 3) standen der Medizinischen Fakultät der Universität
Leipzig im Jahr 2004 für die Nachwuchsförderung, die Ausstattung
der C4-Professuren Biochemie II und Physiologie II und für
die C3-Professur
Gesundheitsökonomie samt Ausstattung zur Verfügung. Das
formel.1-Programm hat den größten Umfang aller
Programme der Fakultät zur Nachwuchsförderung und beinhaltet
eine einjährige Projektförderung mit max. 50.000 Euro
für junge Wissenschaftler. Im Jahr 2004 erhielten 14 formel.1-Projekte
diese begehrte Förderung. Im Rahmen des Rotationsstellenprogramms
für junge Ärzte, die zur Erweiterung ihrer methodischen
Fertigkeiten ein Jahr in ein medizintheoretisches Institut wechseln
wollen, wurden 2004 fünf Rotationsstellen vergeben. Die Förderung
des wissenschaftlichen Nachwuchses ist besonderes Anliegen der Fakultät
und wird nach dem Auslaufen der NBL 3-Förderung ab 2005 in
Eigenfinanzierung übernommen.
Die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig war
im Jahr 2004 in zwei wichtige Prozesse der Entscheidungsfindung
involviert. Nach dem Vorschlag der Bundesregierung, einen Wettbewerb
um Spitzenuniversitäten und Exzellenzzentren auszuschreiben,
wurde Anfang 2004 an der Universität Leipzig ein intensiv und
vertieft geführter Prozess der Analyse zu wissenschaftlichen
Kompetenzen und zur Weiterentwicklung von Forschungskonzepten und
-strategien initiiert, an dem sich die Medizinische Fakultät
von Anfang an engagiert beteiligte. Im Ergebnis dieses noch nicht
beendeten Prozesses hat die Universität Leipzig ihre identifizierten
Kompetenzbereiche fünf Forschungsclustern zugeordnet. Die Forschungsschwerpunkte
der Medizinischen Fakultät finden sich in dem Forschungscluster
3 (Molekulare und zelluläre Kommunikation, Wachstum und Differenzierung
- Biotechnologie, Biomedizin und Bioinformatik) sowie im Forschungscluster
4 (Vom Molekül zum Verhalten) wieder (Stand 14.12.2004).
Parallel zu den o. g. Bestrebungen der Universität bzgl. einer
Analyse ihrer wissenschaftlichen Kompetenzen sowie ihrer Forschungskonzepte
und -strategien führte die Medizinische Fakultät eine
intensive Diskussion, verbunden mit der Ausschreibung eines Ideenwettbewerbes,
um ihre Forschung auf ein viele Forschungsbereiche umfassendes Rahmenthema
auszurichten. Ausgewählt wurde am Ende dieses Prozesses das
Rahmenthema "Prävention und Regeneration".
Gesundheitspolitisch aktuell, außenwirksam ("Markenzeichen"
der Fakultät) und zukunftsorientiert in dem Sinne, dass die
Relevanz der Prävention in der Gesundheitsversorgung und damit
auch für die Patientenversorgung im Universitätsklinikum
zunehmen wird, ist die Prävention ein äußerst interessantes
Objekt für die medizinische Forschung und lässt an der
Medizinischen Fakultät die Integration zahlreicher Forschungsprojekte,
unterlegt mit vielen Publikationen aus den klinischen Einrichtungen,
psychosozialen Fächern, der Umweltmedizin und den medizintheoretischen
Fächern zu. Die bisherigen zentralen Forschungsschwerpunkte
der Fakultät (Neurowissenschaften, Endokrinologie, Immunologie
und Rheumatologie sowie Molekulare Onkologie) beinhalten alle auch
den Aspekt der Prävention, und neue Vorhaben können vertieft
auf sie ausgerichtet werden.
Eine Plattform für die Prävention bietet das 2003 gegründete
Zentrum für Prävention und Rehabilitation im Zentrum für
höhere Studien der Universität Leipzig. Dieses Zentrum
zeichnet sich durch seinen interdisziplinären und interfakultären
Charakter aus und konzentriert sich in der Forschung auf den Bedarf,
die Wirksamkeit, die Qualität und die Kosteneffektivität
präventiver und rehabilitativer Maßnahmen in verschiedenen
Bereichen des Gesundheitswesens und führt damit u. a. den im
Rahmen der NBL 3-Förderung des BMBF entstandenen Forschungsschwerpunkt
der Medizinischen Fakultät "Die Entwicklung und Evaluation
psychosozialer Versorgungsformen als Erfordernis des sozialen und
medizinisch-technischen Wandels" weiter.
Prävention als Rahmenthema knüpft auch an die strukturierte
internationale Doktorandenausbildung der Universität an. Wissenschaftler
der Medizinischen Fakultät waren an der erfolgreichen Beantragung
eines PHD-Studiengangs (Promotionen an Hochschulen in Deutschland)
mit dem Titel "Von der Signalverarbeitung zum Verhalten"
beteiligt. Das geschah im Verbund mit den im Zentrum für Höhere
Studien der Universität Leipzig angesiedelten Zentren für
Kognitionswissenschaften bzw. für Prävention und Rehabilitation
und unter aktiver Beteiligung der Wissenschaftler, die im Jahr 2004
ein DFG-Graduiertenkolleg unter dem Titel "Interneuro: Interdisziplinäre
Ansätze in den Neurowissenschaften" (Sprecher: Prof. Reichenbach,
Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung) an die Universität
Leipzig holten. Das Kollektiv der antragstellenden Hochschullehrer
für dieses Graduiertenkolleg setzt sich aus Wissenschaftlern
der Medizinischen Fakultät, der Fakultät für Physik
und Geowissenschaften, der Fakultät für Biowissenschaften,
Pharmazie und Psychologie, dem Biomedizinisch-Biotechnologischen
Zentrum (BBZ) und dem Max-Planck-Institut für Mathematik in
den Naturwissenschaften zusammen. Moderne Methoden sollen die neurowissenschaftliche
Forschung und die Doktorandenausbildung prägen.
Auf dem Gebiet Regeneration ist das Forschungspotential in der
Medizinischen Fakultät stetig gewachsen (BBZ, Institut für
Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin, verschiedene Kliniken
wie Neurologie, Orthopädie, Chirurgie). Der Aufbau des BBZ
wurde 2004 weiter vorangetrieben, finanziell unterstützt durch
das Land (Finanzierung mit HWP- und EFRE-Mitteln). Die der Medizinischen
Fakultät zugeordnete Professur für Molekulare Zelltherapie
konnte besetzt werden. Damit ist die Medizinische Fakultät,
entsprechend der Konzeption für das BBZ, mit zwei C4-Professuren
und zwei Nachwuchsgruppen am BBZ beteiligt.
Aktuell wird die Forschung zur Regeneration an der Universität
dadurch aufgewertet, dass die Universität Leipzig im Jahr 2004
die ersten Hürden auf dem Weg der Beantragung eines DFG-Forschungszentrums
"Regenerative Therapien" (DFRT) genommen hat. Auf der
Grundlage des 2002 von Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät
(Prof. von Salis-Soglio, Prof. Bader und Prof. Emmrich) initiierten
Netzwerkes Regenerative Medizin, des 2003 durchgeführten 1.
Weltkongresses für Regenerative Medizin in Leipzig (Prof. Bader)
und der Initiative zur Bildung einer Arbeitsgruppe zur Vorbereitung
der Beantragung eines DFG-Forschungszentrums (Prof. Emmrich) entstand
ein regionales Netzwerk aus Wissenschaftlern der Universität
Leipzig, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und
außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. Der Antrag
dieses Netzwerkes unter Federführung der Universität Leipzig
hat es neben Berlin und Dresden in die Endrunde des Wettbewerbes
um das DFG-Forschungszentrum - ein solches Zentrum würde über
einen Zeitraum von 12 Jahren 60 Millionen Euro Fördermittel
erhalten - geschafft. Die Ankündigung der Fraunhofer-Gesellschaft
Ende 2004, in Leipzig ein Fraunhofer-Institut für Zelltherapie
und Immunologie aufzubauen, wirkte als weiterer Stimulus für
die am Antrag beteiligten Wissenschaftler und für die Weiterentwicklung
der Regenerationsforschung in Leipzig.
Die Anfang 2004 vom BMBF bestätigte Strategie zum Aufbau eines
Zentrums für Innovationskompetenz mit dem Titel "Innovation
Center of Computer assisted Surgery" (ICCAS) an der Medizinischen
Fakultät war ein großer Erfolg für die beteiligten
Wissenschaftler und Ärzte, insbesondere aus den Kliniken für
Neurochirurgie, Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde / Plastische Operationen
und Herzchirurgie. Das Zentrum erhielt 2004 von BMBF und SMWK eine
Geräteausstattung in Höhe von rund 2 Mio. Euro. Anfang
2005 bewilligte das BMBF die Förderung von zwei Nachwuchsgruppen
im ICCAS mit jeweils sechs Nachwuchswissenschaftlerstellen. In den
nächsten fünf Jahren werden die Nachwuchsgruppen mit insgesamt
8 Mio. Euro finanziert. Die Medizinische Fakultät stellt eine
C3-Innovationsprofessur für Computergestützte Chirurgie
zur Verfügung.
Nach Beendigung einer achtjährigen Förderung des Interdisziplinären
Zentrums für Klinische Forschung Leipzig (IZKF) durch das BMBF
- die Gesamtsumme betrug 10,4 Mio. Euro - finanziert die Medizinische
Fakultät das Zentrum seit Anfang 2004 vollständig aus
eigenen Mitteln (3,6 Mio. Euro pro Jahr) mit dem Ziel, die im IZKF
in Zusammenarbeit mit der Fakultät aufgebauten Forschungsstrukturen
und das Forschungsmanagement auch zukünftig für die Etablierung
und Förderung von Spitzenforschung an der Medizinischen Fakultät
zu nutzen. Projekt- und Nachwuchsförderung im IZKF werden mit
dem Ziel weitergeführt, den Anteil leistungsbezogen vergebener
fakultätseigener Forschungsgelder kontinuierlich zu erhöhen.
So befinden sich seit Anfang 2004 (nach einer positiven externen
Begutachtung des IZKF) 29 Projekte in den traditionellen IZKF-Schwerpunkten
Immunologie (6), Endokrinologie (4), Neurowissenschaften (14) und
Molekulare Onkologie (5) und drei Nachwuchsgruppen in der internen
Förderung. Vier Core Units (DNA-Technologien/Ostdeutsches Referenzzentrum
für Mikroarray-Analytik, Peptid-Technologien, Fluoreszenz-Technologien,
Signalling-Technologien) ergänzen das Angebot des IZKF, sie
bilden die zentrale Anlaufstelle für technisch-methodische
Fragestellungen und liefern einen Beitrag zur Zentralisierung wesentlicher
Ressourcen der Medizinischen Fakultät, denkt man an wichtige
Großgeräte wie Microarray-Plattform, FACS, Sequencer,
Konfokale Mikroskope u. a.
Den seit 1999 eingerichteten und geförderten Koordinierungszentren
für Klinische Studien (KKS) bescheinigte das BMBF in einer
Zwischenbegutachtung im Oktober 2004 eine positive Entwicklung und
ein hohes Maß an Kompetenz für die Betreuung klinischer
Studien. Das KKS Leipzig (KKSL) hat für zahlreiche eigeninitiierte
Studien der Ärzte des Leipziger Universitätsklinikums
die wissenschaftliche Betreuung und Auswertung übernommen und
ist auch in viele industriegeführte klinische Studien eingebunden.
Der Bundesanteil an der Finanzierung des KKSL wurde im Jahr 2003
noch einmal um Mittel für das Pädiatrische Modul aufgestockt,
die Förderung läuft aber im September 2005 planmäßig
aus. Das KKSL konnte in den vergangenen zwei Jahren die zur Eigenfinanzierung
erwirtschafteten Mittel als Voraussetzung für seine Weiterführung
und Teilfinanzierung aus dem Budget für Forschung und Lehre
der Medizinischen Fakultät kontinuierlich erhöhen.
Am von der DFG geförderten Interdisziplinären Zentrum
für Bioinformatik (IZBI) an der Universität Leipzig, dessen
Grundkonzept aus der Umsetzung interdisziplinärer Forschung
zwischen Informatik, Mathematik und Lebenswissenschaften auf den
zwei Hauptforschungsgebieten 1. Genetische Evolution und 2. Gewebsorganisation
und Signaltransduktion besteht, ist die Medizinische Fakultät
komplex beteiligt. Sie stellt mit Professor Löffler (Institut
für Medizinische Informatik und Statistische Epidemiologie)
den wissenschaftlichen Direktor des IZBI und mit Professor Horn
(Institut für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin)
den Koordinator der Arbeitsgruppe Signaltransduktion und Genexpression.
Im Jahr 2004 bestanden Kooperationen mit sieben weiteren Einrichtungen
der Medizinischen Fakultät. Von der Deutschen Krebshilfe werden
im IZBI seit 2004 zwei Projekte zu molekularen Ursachen von Krebserkrankungen
(Malignes Lymphom und Gliom) gefördert.
Der DFG-Sonderforschungsbereich "Proteinzustände mit
zellbiologischer und medizinischer Relevanz", angesiedelt an
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Universität
Leipzig (Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und
Psychologie und Medizinische Fakultät, Fakultät für
Chemie und Mineralogie) bestand 2004 die erste Zwischenbegutachtung
sehr erfolgreich und wird fortgeführt. In der neuen Förderperiode
ist die Medizinische Fakultät mit vier Projekten aus dem Institut
für Biochemie (2 Projekte), dem Institut für Klinische
Immunologie und Transfusionsmedizin und der Klinik für Dermatologie,
Venerologie und Allergologie beteiligt.
Sowohl die Anzahl der von der DFG an der Medizinischen Fakultät
geförderten Projekte als auch die Summe der eingegangenen DFG-Mittel
stiegen im Jahr 2004 gegenüber dem Vorjahr an. Diese erfreuliche
Tendenz ist auch bei den BMBF-Projekten zu verzeichnen: Zahlreiche
Projekte in 10 Kompetenznetzen der Medizin (2. Förderperiode)
und weitere BMBF-Projekte aus anderen Förderprogrammen (u.
a. Nanobiotechnologie, BioChance Plus, EXIST-SEED, Wachstumskern
BioResponse) sowie ein Projekt aus dem vom BMBF finanziell ausgestatteten
Impuls- und Vernetzungsfonds (Helmholtz-Gemeinschaft e. V.) wurden
im Jahr 2004 bewilligt. Hinzu kommen neue Verbundprojekte mit der
Wirtschaft des Freistaates Sachsen, gefördert vom Sächsischen
Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, und neue Stiftungsprojekte
(z. B. Volkswagen-Stiftung, Robert Bosch-Stiftung). Im 6. Forschungsrahmenprogramm
der EU werden an der Medizinischen Fakultät inzwischen insgesamt
vier Projekte gefördert, die Fakultät stellt in einem
Forschungsverbundprojekt (STREP) den Koordinator (Prof. Bader, BBZ).
Neben dem o. g. formel.1-Programm für den wissenschaftlichen
Nachwuchs erweiterte die Medizinische Fakultät ihr eigenes
Förderangebot im Jahr 2004 durch Finanzierung von sechs positiv
begutachteten formel.1-Projekten aus zusätzlich bereit
gestellten Haushaltmitteln und durch die Vergabe eines Bonus in
Höhe von 10 % der 2003 eingeworbenen DFG-Mittel an Wissenschaftler
mit einer bewilligten DFG-Sachbeihilfe. Vor kurzem wurde außerdem
ein Programm zur Förderung von medizinischen Doktorarbeiten
(Projektförderung, z. B. mit einem Stipendium für max.
2 Freisemester, Sachmitteln u.a.) beschlossen. Die Einführung
des MD/PhD-Programms Ende 2004 eröffnet hervorragend qualifizierten,
naturwissenschaftlich gut ausgebildeten Medizinern und Zahnmedizinern
sowie Absolventen naturwissenschaftlicher Studiengänge, die
sich bereits während ihrer naturwissenschaftlichen Promotion
mit medizinischen Fragestellungen befasst haben, die Möglichkeit,
in einer projektorientierten postgraduierten Ausbildung die Befähigung
zur vertieften selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit zu
erlangen und so eine erweiterte berufliche Qualifikation für
Aufgaben in Forschung und Lehre zu erwerben. Damit können sie
einen Dr. med. und Dr. rer. nat. (Medizindoktoranden), einen Dr.
rer. nat. und Dr. rer. med. oder auch einen Dr. rer. med. allein
(Naturwissenschaftler) erlangen.
|