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Vorwort


Der aktuelle Prozess der Diskussion über neue Wege und Inhalte universitärer Forschung nahm seinen Ausgang im Jahr 2002 mit der Formulierung des Leitbildes der Universität Leipzig "Aus Tradition Grenzen überschreiten" und fand in den Forschungsschwerpunkten der Entwicklungskonzeption der Universität Leipzig seinen vorläufigen Abschluss. Nach der Wahl des Rektoratskollegiums im November 2003 wurde dieser Prozess konsequent fortgesetzt. Wesentliche Impulse hierfür gab die Bund-Länder-Initiative "Spitzenuniversitäten für Deutschland -Wettbewerb Exzellenzinitiative". Im Bewusstsein des besonderen Leipziger Standortvorteils mit 18 außeruniversitären Forschungseinrichtungen, darunter drei Max-Planck-Instituten, fünf weiteren Hochschulen und dem Umweltforschungszentrum wurde am 26. Februar 2004 von der Universität Leipzig zu einem ersten "Leipziger Forschungsgipfel" eingeladen. Kompetenzbereiche wurden identifiziert, Arbeitsgruppen, geleitet von Mitgliedern der Forschungskommission, gebildet und eine konzeptionelle Arbeit begonnen, die inzwischen nicht nur das Ausmaß einer grundlegenden Forschungsinventur angenommen hat, sondern zugleich zum Erkennen neuer gemeinsamer, interdisziplinärer Forschungsansätze und zur Entwicklung neuer Forschungsvorhaben geführt hat. Eine Selbstfindung, die für sich alleine bereits einen hohen Wert darstellt. Als erstes Zwischenergebnis wurde im Dezember 2004 eine Analyse vorgelegt, in der fünf besonders erfolgversprechende Kompetenzbereiche (Cluster) benannt werden:
  • Von Mikro- zu Nanostrukturen: Anwendungen in Chemie und Physik
  • Mathematik und die exakten Naturwissenschaften
  • Molekulare und zelluläre Kommunikation, Wachstum und Differenzierung: Biomedizin, Biotechnologie und Bioinformatik
  • Vom Molekül zum Verhalten
  • Neue Räume sozialer und kultureller Prozesse.

Wichtig ist zu betonen, dass die vollständige wissenschaftliche Exzellenz an der Universität und in Leipzig nicht in fünf Clustern erfasst werden kann. Diese finden vielmehr ihre Ergänzung in der die Universität Leipzig auszeichnenden wissenschaftlichen Vielfalt kleinerer, international herausragender Disziplinen, vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Durch die Zusammenführung von Forschungsschwerpunkten wurden im Jahre 2004 neue, fächerübergreifende Forschungsfelder erschlossen:

Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Bildgestützte chirurgische Navigation und Medizinische Robotik" der Medizinischen Fakultät entwickelte unter Einbindung der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde/Plastische Operationen, der Klinik für Herzchirurgie und der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie im Rahmen der BMBF-Ausschreibung "Zentren für Innovationskompetenz" im Jahr 2003 ein Strategiekonzept für ein Innovationszentrum für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS) in Leipzig und verteidigte das Konzept Anfang 2004 beim BMBF erfolgreich. Das Leipziger Innovationszentrum wird in den nächsten fünf Jahren mit knapp 3 Mio. € vom BMBF gefördert. Es wird fakultätsübergreifend Wissenschaft und Lehre auf dem Gebiet der computer- und roboterassistierten Chirurgie betreiben. Inzwischen eingerichtet sind eine C3-Innovationsprofessur Computerassistierte Chirurgie und zwei wissenschaftliche Nachwuchsgruppen.

Die DFG hat dem gemeinsamen Antrag der Universität Leipzig und der Delft University of Technology/Niederlande zur Einrichtung eines Internationalen Graduiertenkollegs (IGK) "Diffusion in porösen Stoffen" zugestimmt. In der ersten Förderperiode von 2004 bis 2008 stehen 1,08 Mio. € zur Verfügung. Mit diesem IGK entsteht ein Konsortium international renommierter Wissenschaftler, das hervorragende Perspektiven in Forschung und Lehre auf dem Gebiet des molekularen Stofftransports in porösen Materialien bietet und von dem ein beträchtlicher Fortschritt in Theorie und Praxis dieses Themengebietes zu erwarten ist.

Mit der Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Universität Leipzig und der Europäischen Kommission am 17. Juni 2004 fand das dreistufige Antrags- und Begutachtungsverfahren für das Exzellenznetzwerk "Self-Assembled Semiconductor Nanostructures for new Devices in Photonics and Electronics (SANDiE)" einen positiven Abschluss. An dem Vorhaben sind 27 Partner aus elf Ländern (Universitäten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen) beteiligt. Es wird von der Universität Leipzig koordiniert und soll in den nächsten vier Jahren mit mehr als 9 Mio. € gefördert werden.
Mit der Bewilligung ihres inzwischen dritten, im DAAD/DFG-Programm "Promotion an Hochschulen in Deutschland" (PHD) geförderten internationalen Promotionsstudiengangs "Von der Signalverarbeitung zum Verhalten" rückte die Universität Leipzig zu den Spitzenreitern in Deutschland vor. Dieses Infrastrukturprogramm vernetzt exemplarisch zwei Graduiertenkollegs, "Interdisziplinäre Ansätze in den zellulären Neurowissenschaften" und "Funktion von Aufmerksamkeit bei kognitiven Prozessen", sowie die Internationale Max Planck Research School "Human Origins". Die Gutachter bewerteten das Vorhaben "als einen überzeugenden Ansatz zur Zusammenführung natur- , geistes- und sozialwissenschaftlicher Aspekte der Neurokognition, der einen wichtigen Schritt zur dringend erforderlichen interdisziplinären Betrachtung neurokognitiver Fragestellungen zu leisten imstande ist". Einbezogen sind inzwischen fünf Fakultäten der Universität Leipzig - die Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, die Medizinische Fakultät, die Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, die Sportwissenschaftliche Fakultät und die Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften - sowie die in Leipzig beheimateten Max-Planck-Institute für Kognitions- und Neurowissenschaften und für Evolutionäre Anthropologie. Es wird eine Betreuung von etwa 100 Doktoranden, davon 60 Ausländern angestrebt.
Diese unvollständige Aufzählung von Erfolgen einer über Jahre fundierten, kontinuierlichen und zunächst häufig nicht spektakulären Forschungsarbeit drückt sich auch in der erfreulichen Entwicklung der Einwerbung von Drittmitteln aus.

Mit 54,1 Mio € eingeworbenen Drittmitteln bei etwa gleicher Zahl geförderter Projekte wurde fast das Vorjahresergebnis erreicht. Die Universität betrachtet es als einen Ausweis wissenschaftlicher Exzellenz in ausgewählten Gebieten, dass der Anteil von im Wettbewerbsverfahren evaluierten Projekten der EU, des Bundes und der DFG mit 58 % bezogen auf das Gesamtaufkommen an Drittmitteln wiederum hoch ist. Dabei ist der Anteil der von der DFG eingeworbenen Drittmittel in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und erreicht nun fast 25 % der Fördermittel. Die DFG bleibt damit der wichtigste Drittmittelgeber der Universität.

Die Einwerbung von Drittmitteln eröffnet der Universität die Möglichkeit, zusätzlich Personal für die Bearbeitung von Forschungsprojekten einzustellen. Mit 972 Arbeitsverträgen lag die Universität Leipzig 2004 nur wenig unter dem bislang besten Ergebnis im Jahr 2003 (996 Arbeitsverträge).

Die Universität Leipzig ist gut gerüstet für die jetzt ausgeschriebene Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Darüber hinaus befördern die derzeitigen Aktivitäten zur Stärkung der Forschungsschwerpunkte und zur Schaffung attraktiver Promotionsmöglichkeiten die nationale und internationale Ausstrahlung der Universität Leipzig weit über 2009 hinaus.

Professor Dr. Franz Häuser
Rektor
Professor Dr. Martin Schlegel
Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs

 

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 26.07.2007