| Der Prozess, die Universität Leipzig zu einer führenden europäischen Forschungsuniversität und international ausgewiesenen Bildungsstätte für den wissenschaftlichen Nachwuchs weiter zu entwickeln, wurde im Jahre 2005 konsequent vorangetrieben.
Die im Dezember 2004 vorgelegte Analyse zu den Kompetenzbereichen in allen großen Wissenschaftsgebieten der Universität hat wesentlich zur Fokussierung von zehn Profillinien auf sechs Profilbildende Forschungsbereiche beigetragen, in denen jeweils mehrere Fakultäten mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Auf dieser Grundlage wurden nach Ausschreibung der Exzellenzinitiative im September und Oktober 2005 Antragsskizzen für drei Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, für vier Exzellenzcluster zur Förderung der Spitzenforschung und für ein Zukunftskonzept zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung bei der DFG eingereicht. Auch wenn die Universität – bis auf das Projekt für ein Zentrum für regenerative Therapie - nicht zur Antragstellung aufgefordert wurde, waren diese Ideen und Projekte ein wichtiger Schritt in Richtung zur Entwicklung eines international konkurrenzfähigen Forschungsprofils.
Die Bemühungen, durch das Zusammenführen von Forschungsschwerpunkten neue Forschungsverbünde der Universität zu entwickeln, wurden auch außerhalb der Exzellenzinitiative fortgesetzt.
So war die Bewerbung des Freistaates Sachsen als Standort für das zu gründende Osteuropazentrum für Wirtschaft und Kultur, dessen Konzeption Universität und Stadt Leipzig gemeinsam ausgearbeitet hatten, im Ergebnis erfolgreich. Ende April 2005 entschied die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Projekt betraute Fraunhofer-Gesellschaft, das „Mittel- und Osteuropa-Zentrum (MOEZ)“ der Fraunhofer-Gesellschaft in Leipzig anzusiedeln. Den Ausschlag für diese Standortwahl gab das breit gefächerte mittel- und osteuropabezogene Forschungspotenzial am Standort Leipzig sowie das hohe Maß an Kooperation zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung sowie die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig, benachbarten Forschungsstandorten, regionalen Wirtschaftsunternehmen und Kultureinrichtungen. Wesentlich befördert wurde der Erfolg zudem durch das auf Initiative der Universität im Jahre 2003 gegründete Kompetenzzentrum Mittel- und Osteuropa Leipzig (KOMOEL).
In der Ausschreibung der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Einrichtung eines DFG-Forschungszentrums „Regenerative Therapien“ gelangte die Universität Leipzig in die Runde der letzten Drei und wurde Anfang 2005 zur Antragstellung aufgefordert. Unter Einbeziehung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konzentriert sich der Antrag auf drei Säulen: klinische Medizin, Molekular- und Zellbiologie, Materialwissenschaften. Das internationale Gutachtergremium stufte alle drei Finalisten (Berlin, Dresden, Leipzig) nach der Verteidigung der Konzepte vor der DFG aufgrund der Qualität der Anträge und der hervorragenden Präsentationen als exzellente Standorte für Regenerative Therapien ein. Zuvor fiel der Förderentscheid der DFG Anfang September 2005 zugunsten Dresdens aus. Die verbliebenen Anträge aus Berlin und Leipzig wurden aber so gut bewertet, dass die DFG anbot, diese Konzeptionen als Anträge in der Förderlinie für Exzellenzcluster entgegenzunehmen. Parallel eröffnete das BMBF die Möglichkeit, einen der verbliebenen Anträge als „Translationszentrum für Regenerative Medizin“ zu fördern.
INTERNEURO ist das Kürzel für das neue Graduiertenkolleg „Interdisziplinäre Ansätze in den zellulären Neurowissenschaften“, für das die Deutsche Forschungsgemeinschaft 2,25 Mio. Euro zur Verfügung stellt. Das Vorhaben umfasst 14 interdisziplinär angelegte Projekte, in denen jeweils eine medizinische oder biologische Arbeitsgruppe mit einer physikalischen oder mathematischen kooperiert.
Die Bewilligung des Graduiertenkollegs „Funktion von Aufmerksamkeit bei kognitiven Prozessen“ ist eine weitere Bestätigung für Leipzig als exzellenter Standort der Kognitions- und Neurowissenschaften. Es ist wie das Graduiertenkolleg INTERNEURO in das Internationale Promotionsprogramm „Von der Signalverarbeitung zum Verhalten“ integriert und umfasst die Beteiligung von acht Arbeitsgruppen aus der Universität und den Max-Planck-Instituten für Kognitions- und Neurowissenschaften sowie für Evolutionäre Anthropologie.
Mit zwei Anträgen zur Einrichtung von DFG-Forschergruppen waren Wissenschaftler der Universität erfolgreich, die beide Anfang 2006 ihre Arbeit aufgenommen haben.
Die DFG-Forschergruppe „Analysis and Stochastics in Complex Physical Systems“ wird eine intensive Interaktion zwischen Analysis und Wahrscheinlichkeitstheorie entfalten, um physikalische Systeme mit zufälligem Input und hoher Komplexität zu studieren. Sie wird Ideen und Methoden aus beiden Gebieten vereinigen und weiterentwickeln, um Resultate zu erzielen, die jeweils außer der Reichweite der beiden Disziplinen alleine liegen.
Der Beziehung zwischen Verb und Argument als Kern der Grammatik widmet sich die DFG-Forschergruppe „Grammatik und Verarbeitung verbaler Argumente“. Durch die interdisziplinäre Erforschung der Argumentstruktur, Argumentrealisierung, Argumentkodierung und Argumentinterpretation werden neue Erkenntnisse über die Organisation der Grammatik ebenso wie über deren Verarbeitungskomponenten im menschlichen Gehirn erwartet.
Bei Aufzählung dieser sichtbaren Erfolge darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Voraussetzungen hierfür oft in einer jahrelangen, fundierten, kontinuierlichen und häufig zunächst nicht spektakulären Forschungsarbeit geschaffen werden.
In den verschiedenen Hochschulrankings nimmt die Höhe der eingeworbenen Drittmittel und hier insbesondere der Anteil der Drittmittel aus evaluierten Projekten bei der Bewertung der Forschung eine zentrale Rolle ein. Mit rund 54 Mio. Euro eingeworbener Drittmittel wurde fast das Vorjahresergebnis erreicht. Als einen Ausweis wissenschaftlicher Exzellenz in ausgewählten Wissenschaftsfeldern betrachtet die Universität, dass der Anteil von im Wettbewerbsverfahren evaluierten Projekten der EU, des Bundes und der DFG mit 55 % bezogen auf das Gesamtaufkommen an Drittmitteln wiederum hoch ist. Die DFG bleibt mit einem Anteil von 24% der wichtigste Drittmittelgeber der Universität.
Die Einwerbung von Drittmitteln eröffnet der Universität die Möglichkeit, zusätzlich Personal für die Bearbeitung von Forschungsprojekten einzustellen. Mit 964 Arbeitsverträgen lag die Universität Leipzig 2005 nur geringfügig unter dem bislang besten Ergebnis im Jahr 2003 (996 Arbeitsverträge).
Mit den Ergebnissen des Jahres 2005 ist die Universität Leipzig gut aufgestellt, ihr zentrales Ziel im Bereich der Forschung durch die Weiterentwicklung der sechs Profilbildenden Forschungsbereiche und des Ausbaus der strukturierten Doktorandenqualifizierung in den nächsten 5 bis 10 Jahren zu erreichen. Darüber hinaus befördern die derzeitigen Aktivitäten zur Stärkung der Forschungsschwerpunkte und zur Schaffung attraktiver Promotionsmöglichkeiten die internationale Ausstrahlung der Universität Leipzig mit Blick auf das Universitätsjubiläum im Jahre 2009 und weit darüber hinaus.
Professor Dr. Franz Häuser
Rektor |
Professor Dr. Martin Schlegel
Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs |
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