Forschungstätigkeit an der Fakultät
An der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät wurden mit 107 gemeldeten Projekten nach einem Zuwachs 2005 in diesem Jahr eine gleich bleibende Anzahl an Forschungs-projekten bearbeitet. Neben dem Abschluss und der im Vordergrund ste-henden Weiterführung bestehender Projekte konnten auch 2006 neue Projekte initiiert werden. Dabei unterlagen die Forschungsaktivitäten auch in diesem Jahr den nicht optimalen Rahmenbedingungen. Einerseits trugen dazu weiterhin unbesetzte Professuren bei, andererseits hat der starke schulische Bezug der meisten Arbeitsbereiche an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät zur Folge, dass nur wenige Projekte mit Drittmitteln der Wirtschaft gefördert werden. In nahezu allen Bereichen der Fakultät werden jedoch trotzdem verschiedene Projekte mit Drittmitteln unterstützt, z.B. durch öffentliche Stellen wie Ministerien, durch Verlage oder private Träger. Somit wurden insgesamt doch die Hälfte aller Projekte (51 %) durch Drittmittel (mit-) finanziert, was fast dem Vorjahresniveau entspricht.
Im Bereich der Publikationen wurden insgesamt 71 Titel gemeldet, was einen Rück-gang im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Davon wurden 2006 durch Fakultätsmit-glieder 11 Bücher (Monographien oder herausgegebene Sammelbände) publiziert.
Die Internationalität der Forschung wurde dadurch gewährleistet, dass wiederum ein Fünftel der gemeldeten Projekte über das Thema oder über die Bearbeiter bzw. Ko-operationspartner einen internationalen Bezug haben. Dabei bestätigt sich erneut das Bild der letzten Jahre. Demnach wird der Großteil aller internationalen Projekte (75 %) durch das Institut für Allgemeine und Vergleichende Pädagogik, Schulpädagogik und Pädagogische Psychologie bearbeitet. Der Bereich Vergleichende Pädagogik realisiert dabei, gemäß seines Arbeitsschwerpunktes, knapp die Hälfte der internationalen Projekte dieses Instituts.
Institut für Allgemeine und Vergleichende Pädagogik, Schulpädagogik und Pädagogische Psychologie
Im Bereich der pädagogischen Grundwissenschaften blieb die Behandlung der sächsischen Schulgeschichte (19. Jh./ 1. Hälfte des 20. Jh./ nach 1990) im Focus der Forschung. Weiterhin war die (vergleichende) Rezeption pädagogischer Ideen (u.a. Comenius, philanthropische Pädagogik, reformpädagogische Strömungen) als bereichsübergreifendes Thema auch 2006 in vielen Forschungsprojekten vertreten.
Auch das Bildungswesen im Zusammenhang mit neuen sozialen und kulturellen „Raumordnungen“ – u.a. im Zuge der Osterweiterung der EU – blieb ein bereichs-übergreifender Schwerpunkt. Im Bereich Schulpädagogik wurden Problemstellungen im Dreiländereck Deutschland, Polen und Tschechien – u.a. im Rahmen des Projekts „TRINA – Trinationale Heimat im Europa der Regionen“ bearbeitet. Im bereichsübergreifenden Forschungsinteresse standen weiterhin Problemstellungen zur Interkulturellen Kommunikation bzw. zum Interkulturellen Lernen sowie zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Sekundarstufe. Abgerundet wurde dies durch gemeinsame getragene Promotionsprojekte aufgrund der Partnerschaften mit der Lettischen Universität Riga u.a. zu den Themen Lehrerbildung und Schulentwicklung. Projekte zur vergleichenden Analyse der Funktionsweise von Bildungssystemen als Folge der PISA-Untersuchungen wurden fortgesetzt. Im Rahmen der Studienreformdiskussion wurden auch Probleme der Lehramtsausbildung, z.B. zum Theorie-Praxis-Bezugs in den Blick genommen. Desweiteren wurden zwei Fachtagungen („Schulen auf dem Weg nach Europa“ und „Sprachen- und Schulpolitik in multikulturellen Gesellschaften“) durchgeführt.
Einen ersten Arbeitsschwerpunkt im Bereich Schulpädagogik II bildeten wie bisher Untersuchungen zum Konzept Bildung für Nachhaltige Entwicklung mit dem Schwer-punkt der Kompetenzentwicklung von Lehrern (Professionalisierung) und Schülern (Gestaltungskompetenz und ihre Teilkompetenzen) in Verbindung mit dem didakti-schen Umgang mit der Kategorie „Inhalt“. Diese Arbeiten erfolgen im Kontext der Kommission „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ in der DGfE, auch im internationalen Kontext (Österreich, Schweiz). Als zweiter Arbeitsschwerpunkt erfolgten Untersuchungen zu Potenzen und Problemen fächerverbindenden (interdisziplinären) Arbeitens im sächsischen Gymnasium, basierend auf den neuen sächsischen Lehrplänen. Im Fokus stehen erweiterte Möglichkeiten für Wissenschaftspropädeutik, Perspektivenwechsel. Es wurde ein Kolloquium mit internationaler Beteiligung durchgeführt (Neue Aufgaben für sächsische Gymnasien – Fächerverbindender Profilunterricht – Chancen einer Bildung für Nachhaltigkeit).
Die dem Arbeitsbereich Schulpädagogik zugeordnete Theodor-Litt-Forschungsstelle führte 2006 das inzwischen X. Theodor-Litt-Symposium („Theodor-Litt: Freiheit, Verantwortung, Mitwirkung – Eckpfeiler des Demokratieverständnisses“) durch und dokumentierte mit einem weiteren Jahrbuch der Theodor-Litt-Gesellschaft (Band 5) die Forschungsaktivitäten zu diesem Leipziger Pädagogen.
Im Bereich der Pädagogischen Psychologie führte man die gemeinsamen Projekte mit dem Bereich Schulpädagogik zu den Themen der Schulpraktischen Studien in der Lehramtsausbildung und zur Beurteilung der Lehramtsausbildung und des Lehrerberufs fort. Neu initiiert wurden Projekte u.a. zur Entwicklung von Materialien für die Lehrerfortbildung und zur Eruierung von Kriterien bei der Vergabe von Kopfnoten in Schulzeugnissen. Neben diesen Schwerpunkten wurde zur emotionalen Autonomie und zu Autoritätsvorstellungen Jugendlicher weiter geforscht.
Im Teilbereich Psychologie für Schule und Unterricht blieb der Forschungsschwerpunkt in den schulisch relevanten Kerndisziplinen des Lesens, der Rechtschreibung und der Mathematik. Hierzu wurde weiter an der Entwicklung eines Rechtschreibtests für den Grundschulbereich und eines standardisierten Mathematik- und eines Lesetests für die Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) in Zusammenarbeit mit einem Fachbuchverlag gearbeitet.
Institut für Grundschulpädagogik
Am Institut für Grundschulpädagogik wurden trotz vakanter Professuren neue For-schungsprojekte initiiert, die in den Bereichen Grundschuldidaktik Sport und Grundschuldidaktik Sachunterricht angesiedelt sind. Dazu gehören das Projekt „Ein optimaler Start in die Schulkarriere – opitSTART“ zur Integration der Themen Ernährung und Bewegung in den Alltag von Kindertageseinrichtungen und Schulen und ein Projekt zur Schulevaluation im Kontext veränderter Bildungsanforderungen.
Im Bereich der Grundschuldidaktik Sachunterricht wurde außerdem am binationalen Projekt zur „Naturbezogenen Konzeptbildung im Kindesalter im interkulturellen Ver-gleich“ sowie an der Untersuchung zu „Lebenswelt, Selbstkonzept und Identitätskon-struktion im Grundschulalter“ weitergearbeitet. Weitergeführt wurden auch die For-schungsaktivitäten des Instituts im Bereich Grundschuldidaktik Mathematik zu his-torischen Aspekten des Mathematikunterrichts sowie zu Geometrie und Astronomie in der Grundschule.
Institut für Erwachsenen-, Sozial- und Wirtschaftspädagogik
Die Projekte im Bereich Erwachsenenbildung haben einen Schwerpunkt in den Themenfeldern Regionalentwicklung/ Regionales Lernen, Qualitätsentwicklung/ Qua-litätsmanagement (dies auch mit internationaler Ausrichtung), Familienbildung in Ko-operation mit Kindertageseinrichtungen und neuerdings Bildungsberatung.
Im Bereich Sozialpädagogik war die Gewaltprävention weiterhin eines der Schwer-punktthemen bei den bearbeiteten Projekten. Weiterhin wurden die wissenschaftliche Begleitung Sozialer Arbeit mit Migranten realisiert und Kompetenzen und Fragen von Fachkräften der Jugendhilfe eruiert.
Institut für Förderpädagogik
Am Institut für Förderpädagogik konnten die Forschungsaktivitäten, u.a. begünstigt durch die Neubesetzungen der Professur für Körperbehindertenpädagogik, weiter ausgebaut werden. In diesem Arbeitsbereich wurde beispielsweise ein Projekt zum Burn-Out und zu Coping-Strategien von Pädagoginnen in Förderschulen und integrativen Einrichtungen initiiert.
In den Arbeitsbereichen Lern- und Sprachbehindertenpädagogik wurden ebenfalls neue Projekte ins Leben gerufen bzw. die laufenden erfolgreich weitergeführt, wobei der Schwerpunkt auf Forschungen zu schul- und unterrichtsspezifischen Erfordernissen lag. So initiierte der Bereich Sprachbehindertenpädagogik ein Projekt zur Didaktisch-methodischen Förderkonzeption für Jugendliche mit AVWS. Im Bereich Lernbehindertenpädagogik wurden v.a. die Vorhaben zur Lehrerweiterbildung und zu Aspekten der Inklusion bzw. Integration weiterbearbeitet.
Die Vertretung der weiterhin unbesetzten Professur für Geistigbehindertenpädagogik bearbeitete eine Vielzahl von Projekten, u.a. zum Selbstkonzept und Integration von Schülern mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung.
In der Verhaltensgestörtenpädagogik wurden ebenfalls in vielfältigen aktuellen Themengebieten Forschungsprojekte ins Leben gerufen, weiterverfolgt und abge-schlossen. Zu diesen Forschungsprojekten zählen u.a. die Kooperative Beratung, Förderplanarbeit, Kooperation schulischer und außerschulischer Institutionen sowie der förderschulspezifische Einsatz von Qualitätsentwicklungsmethoden.
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