| Ziel der Universität Leipzig ist es, sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu einer führenden europäischen Forschungsuniversität und international ausgewiesenen Bildungsstätte für den wissenschaftlichen Nachwuchs weiter zu entwickeln. Auf diesem Weg ist die Universität im Jahre 2006 einen wesentlichen Schritt vorangekommen. Hier sind vor allem drei Prozesse mit Bezug zur Forschung und zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu nennen.
- Zunächst betrifft das die seit Ende 2004 stattfindende Fokussierung der Forschung auf sechs Profilbildende Forschungsbereiche, in denen jeweils mehrere Fakultäten mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen bereits international sichtbar zusammenarbeiten. Im Jahre 2006 konzentrierte sich die Arbeit neben der weiteren inhaltlichen Profilierung vor allem auf die Entwicklung stabiler Arbeitsstrukturen einschließlich der Bestimmung des Verhältnisses zu den Fakultäten, Zentren und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die erreichten Ergebnisse wurden Anfang 2007 mit dem Rektoratskollegium diskutiert.
- Ferner haben wir in der strukturierten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wesentliche Fortschritte erreicht. Dies findet seinen Ausdruck in der Gründung der Forschungsakademie Leipzig/Research Academy Leipzig (RAL) in einem Festakt am 13. Dezember 2006, dem die Konstituierung der Graduiertenzentren für Mathematik/Informatik und Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften im November 2006 vorausgegangen war. Unter dem Dach der RAL soll neben der strukturierten Doktorandenqualifizierung ein Ort des intergenerationellen wissenschaftlichen Austausches zwischen international führenden Wissenschaftlerpersönlichkeiten und dem bestqualifizierten und bestmotivierten wissenschaftlichen Nachwuchs stattfinden.
- Drittens hat die Auswertung der Gutachten zu den Antragsskizzen in der 1. Runde der Bund-Länder-Initiative „Spitzenuniversitäten für Deutschland – Wettbewerb Exzellenzinitiative“ und die damit einhergehende Diskussion wesentliche Impulse für die Verbesserung der Inhalte und Schärfung der Ziele universitärer Forschung sowie Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses erbracht. Diese flossen auch in die in der 2. Runde der Bund-Länder-Initiative im September 2006 eingereichten Antragsskizzen für 3 Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, für 2 Exzellenzcluster zur Förderung der Spitzenforschung und ein Zukunftskonzept zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung ein.
Die Bemühungen, neue Forschungsverbünde zu begründen, haben wir fortgesetzt.
Als herausragender Erfolg ist die Bewilligung des Antrages zur Einrichtung eines Translationszentrums für Regenerative Medizin (TRM) zu nennen, dessen Gründung im Oktober 2006 erfolgte. Das Zentrum wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Freistaat Sachsen mit rund 20 Mio. € gefördert, um einen weiteren Akzent für die Profilierung in den Lebenswissenschaften durch den Aufbau von Exzellenzzentren zu setzen. Ziel ist es, jungen Nachwuchswissenschaftlern einen eigenen Forschungsraum zu geben, in dem sie sich kreativ entfalten, eigene Ideen einbringen und selbständig forschen und arbeiten können. Beteiligt sind die Universität Halle-Wittenberg, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und private Unternehmen der Region.
Weiterhin hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft für zunächst 4 1/2 Jahre der Einrichtung des Graduiertenkollegs ''Bruchzonen der Globalisierung'' zugestimmt. Das Graduiertenkolleg analysiert Globalisierungsprozesse anhand der in ihnen entstehenden Bruchzonen, an denen sich die Neusegmentierung der Welt durch die Destabilisierung alter und die Entfaltung neuer Raumbezüge besonders markant bemerkbar macht.
Mit drei Anträgen zur Einrichtung von DFG-Forschergruppen waren Wissenschaftler der Universität erfolgreich.
- Die DFG-Forschergruppe “Analysis and Stochastics in Complex Physical Systems” wird eine intensive Interaktion zwischen Analysis und Wahrscheinlichkeitstheorie entfalten, um physikalische Systeme mit zufälligem Input und hoher Komplexität zu studieren. Sie wird Ideen und Methoden aus beiden Gebieten vereinigen und weiterentwickeln, um Resultate zu erzielen, die jeweils außer der Reichweite der beiden Disziplinen alleine liegen.
- Der Beziehung zwischen Verb und Argument als Kern der Grammatik widmet sich die DFG-Forschergruppe „Grammatik und Verarbeitung verbaler Argumente“. Durch die interdisziplinäre Erforschung der Argumentstruktur, Argumentrealisierung, Argumentkodierung und Argumentinterpretation werden neue Erkenntnisse über die Organisation der Grammatik ebenso wie über deren Verarbeitungskomponenten im menschlichen Gehirn erwartet.
- Die klinische Forschergruppe „Atherobesity: Fett und Gefäß“ – in den Neuen Bundesländern die erste – hat zum Ziel, die Ursachen des erhöhten Risikos kardiovaskulärer Erkrankungen – bis hin zu den molekularen Mechanismen – bei Patienten mit Adipositas aufzuklären und damit die Grundlagen für erfolgreiche Strategien zur Prävention und Intervention der Adipositas-assoziierten frühzeitigen Atherosklerose zu schaffen.
Mit 2,1 Mio. € wird die Innoprofile-Nachwuchsgruppe "Weiße Biotechnologie" in den kommenden vier Jahren vom BMBF gefördert. Entwickelt werden unter anderem Methoden, um in Umweltproben nach neuen Enzymen zu suchen. Darüber hinaus sollen innovative Expressionssysteme und Wirte für die gentechnische Herstellung dieser Enzyme sowie Produktions- und Reinigungsstrategien im industriellen Pilotmaßstab entwickelt und etabliert werden.
Die Universität Leipzig verstärkt mit Hilfe namhafter Partner ihre Kompetenz auf dem Gebiet der Energiewirtschaft. Dazu wurde am 28. Juni 2006 die „Forschungsstelle Kommunale Energiewirtschaft“ an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gegründet. Damit verbunden ist die Einrichtung eines ''Vattenfall Europe Stiftungslehrstuhl für Energiemanagement und Nachhaltigkeit'' mit dem Ziel, Beiträge zur Zukunftsorientierung der Region Mitteldeutschland zu leisten und durch internationale Ausrichtung auch attraktiv für Unternehmen und Studierende aus anderen Ländern der Welt, nicht zuletzt aus Mittel- und Osteuropa, zu werden. Und in Moskau wurde am 21. Juni 2006 mit der Universität MGIMO ein Vertrag über die Gründung eines Russisch-Deutschen Instituts für Energiepolitik und Energiewirtschaft unterzeichnet.
Diese ausgewählten Beispiele haben wesentlich zum Drittmittelaufkommen in Höhe von 53,1 Mio € im Jahre 2006 beigetragen. Besonders erfreulich ist, dass der Anteil von im Wettbewerbsverfahren evaluierten Projekten der EU, des Bundes und der DFG mit 58 % bezogen auf das Gesamtaufkommen an Drittmitteln wiederum hoch ist. Dabei ist die DFG mit einem Anteil von 26 % der wichtigste Drittmittelgeber der Universität.
Die Einwerbung von Drittmitteln eröffnet der Universität die Möglichkeit, zusätzlich Personal für die Bearbeitung von Forschungsprojekten einzustellen. Hier wurde im Jahre 2006 das bisher beste Ergebnis mit 1038 Arbeitsverträgen - Zuwachs von 8% gegenüber dem Vorjahr - erreicht.
Mit Blick auf das 600-jährige Universitätsjubiläum im Jahre 2009 und darüber hinaus wird die Universität Leipzig weiter an der Profilbildung in der Forschung, der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und ihrer Exzellenz arbeiten.
Professor Dr. Franz Häuser
Rektor |
Professor Dr. Martin Schlegel
Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs |
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