Forschungstätigkeit an der Fakultät
An der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät konnte mit 118 bearbeiteten Projekten der Zuwachs der Forschungstätigkeit der letzten Jahre noch einmal deutlich gesteigert werden (2006: 107 Projekte). Neben neu initiierten Projekten handelt es sich dabei zum größten Teil um Weiterführungen. Die Forschungsaktivitäten unterlagen auch in diesem Jahr den nicht optimalen Rahmenbedingungen, zu denen einerseits weiterhin unbesetzte Professuren beitrugen. Andererseits hat der starke Bezug der meisten Arbeitsbereiche an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät auf die Schule zur Folge, dass nur wenige Projekte mit Drittmitteln der Wirtschaft gefördert werden. Tatsächlich sind solche Drittmittelförderungen vor allem im Bereich Erwachsenenpädagogik in nennenswertem Ausmaß zu verzeichnen. Jedoch gibt es in nahezu allen Bereichen der Fakultät verstärkt verschiedene andere Drittmittelförderungen, die vor allem durch öffentliche Stellen wie Ministerien erfolgen. Somit wurden insgesamt doch fast die Hälfte aller Projekte (46%) durch Drittmittel finanziert und damit knapp das Vorjahresniveau erreicht.
Als Publikationen wurden insgesamt 97 Titel gemeldet, was einen deutlichen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Davon wurden 2007 durch Mitglieder der Fakultät 18 Bücher (Monographien oder herausgegebene Sammelbände) publiziert – ebenfalls deutlich mehr als 2006. Die Internationalität der Forschung wurde dadurch gewährleistet, dass ca. 17% der gemeldeten Projekte über das Thema oder über die Bearbeiter bzw. Kooperationspartner einen internationalen Bezug haben. Damit bestätigt sich das Bild der letzten Jahre. Demnach wird der größte Teil aller internationalen Projekte (57 %) durch das Institut für Allgemeine und Vergleichende Pädagogik, Schulpädagogik und Pädagogische Psychologie bearbeitet. Der Bereich Vergleichende Pädagogik realisierte dabei erneut – gemäß des Arbeitsschwerpunktes – die Hälfte der internationalen Projekte dieses Instituts, die andere Hälfte stellte die Schulpädagogik.
Institut für Allgemeine und Vergleichende Pädagogik, Schulpädagogik und Pädagogische Psychologie
Im Bereich Allgemeine Pädagogik bildet den ersten Schwerpunkt der Bereich der bildungshistorischen Forschung mit Projekten zur sächsischen Schulgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, wobei der methodische Fokus auf der Verbindung hermeneutischer und quantitativer Verfahren liegt. Ein zweiter Schwerpunkt stellt der Bereich Begabungsforschung und Kompetenzentwicklung dar, insbesondere die motivationalen und volitiven Aspekte von Begabung und Kompetenz. Der dritte Schwerpunkt ist die Erforschung von eLearning- und eAssessment-Services und ihren Voraussetzungen, Einsatzmöglichkeiten und Wirkungen in der Hochschullehre.
Im Bereich der Vergleichenden Pädagogik blieben Bildungssysteme Europas im Fokus der Forschung (Weiterführung des Handbuchs zu den Bildungssystemen Europas und Einzelstudien zu Polen und Russland). Eine Arbeit zu Marokko ist im Überschneidungsbereich von internationaler und interkultureller Pädagogik. Neben der Weiterführung bereits bestehender Projekte wurden folgende neue Projekte initiiert: „Habitus, Institution und Gesellschaft. Europäisierung im schulischen Alltag von Lehrern“, „Bildungschancen und Biographieverläufe junger Menschen in Sachsen.“
Im Bereich Schulpädagogik I standen erneut Problemstellungen zur Interkulturellen Kommunikation bzw. zum Interkulturellen Lernen sowie zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Sekundarstufe im Mittelpunkt. Ab-gerundet wurde dies durch gemeinsame getragene Promotionsprojekte aufgrund der Partnerschaften mit der Lettischen Universität Riga u.a. zu den Themen Lehrerbildung und Schulentwicklung. Die jährlich im Zusammenhang mit dem Aufenthalt lettischer Doktoranden und Magistranden an der Universität Leipzig stattfindende Fachtagung fand vom 12.-13.01.2007 unter dem Thema „Gewalt, Prävention, Integration. Aktuelle Herausforderungen an Soziale Arbeit und Schule“ statt. Im Rahmen der Studienreformdiskussion wurden auch Probleme der Lehramtsausbildung, z.B. zum Theorie-Praxis-Bezugs in den Blick genommen. Die dem Arbeitsbereich Schulpädagogik zugeordnete Theodor-Litt-Forschungsstelle führte vom 25.-26.10.2007 das inzwischen XI. Theodor-Litt-Symposium unter dem Titel „Theodor Litt – im Spannungsfeld zwischen Philosophie und Pädagogik“ durch und veröffentlichte in diesem Zusammenhang den Jubiläumsband „Theodor-Litt: Freiheit, Verantwortung, Mitwirkung. 10 Jahre Theodor-Litt-Forschungsstelle an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät“.
Im Bereich Schulpädagogik II lagen die Schwerpunkte in Fragestellungen zur Genderforschung, zu abgebrochenen Bildungsverläufen und in der Geschichte des deutschen und japanischen Bildungssystems. Von großer Bedeutung war ein vierwöchiger Vortrags- und Forschungsaufenthalt an der Seoul National University in Südkorea (PD Dr. Drinck) im März/April des vergangenen Jahres. Schwerpunkte zu den Themen „Risikoschüler“, „Schulfernbleiber“ und „subjektive Theorien der Lehrer zum Schulversagerproblem“ wurden an der Seoul National University im internationalen Zusammenhang im Rahmen eines Symposions behandelt, an dem u. a. auch wissenschaftliche Vertreter der Tokyo University teilnahmen. Die Forschungskooperation wird weitergeführt.
Im Bereich der Pädagogischen Psychologie führte man die gemeinsamen Projekte mit dem Bereich Schulpädagogik zu den Themen der Schulpraktischen Studien in der Lehramtsausbildung und zur Beurteilung der Lehramtsausbildung und des Lehrerberufs fort. Neu initiiert wurden Projekte u.a. zur Entwicklung von Materialien für die Lehrerfortbildung und zur Eruierung von Kriterien bei der Vergabe von Kopfnoten in Schulzeugnissen. Neben diesen Schwerpunkten wurde zur emotionalen Autonomie und zu Autoritätsvorstellungen Jugendlicher weiter geforscht. Im Teilbereich Psychologie für Schule und Unterricht blieb der Forschungsschwerpunkt in den schulisch relevanten Kerndisziplinen des Lesens, der Rechtschreibung und der Mathematik. Hierzu wurde weiter an der Entwicklung von Tests gearbeitet.
Institut für Grundschulpädagogik
Die Forschungstätigkeit am Institut für Grundschulpädagogik blieb auch 2007 auf-grund vakanter Professuren eingeschränkt.
Im Bereich Grundschuldidaktik Sport wurde das laufende Projekt „optiSTART“ erfolgreich fortgeführt sowie ein neues Projekt angesiedelt. Dieses zielt auf eine Analyse der Motorik von Kindern im Alter von 4 bis 6 Jahren.
Im Bereich der Grundschuldidaktik Sachunterricht wurde an den bestehenden Projekten zu den Themen „Naturbezogene Konzeptbildung“, „Lebenswelt, Selbstkonzept und Identitätskonstruktion“ und „Schulevaluation zu Alternativen zur Regelschule“ weitergearbeitet.
Im Bereich Grundschuldidaktik Mathematik wurde das Projekt „Geschichte der Elementarmathematik“ weitergeführt. Neu initiiert wurde ein Projekt zu den „Korrelationen von Mathematik und Musik in der Grundschule“, das u.a. zu empirisch gesicherten praktischen Konsequenzen für den Grundschulunterricht führen soll.
Institut für Erwachsenen-, Sozial- und Wirtschaftspädagogik
Die Projekte im Bereich Erwachsenenbildung haben einen Schwerpunkt in den Themenfeldern Qualitätsentwicklung / Qualitätsmanagement mit Übergängen zur Hochschuldidaktik (dies auch mit internationaler Ausrichtung), institutions- und le-benslauf-übergreifende Bildungsarbeit (z.B. Familienbildung in Kooperation mit Kin-dertageseinrichtungen) und Bildungsberatung (mit bundesweiter Qualifizierung von Mitarbeitern in diesem Handlungsfeld). Einen weiteren Akzent setzen Untersuchungen zum Lernen Erwachsener im sozialen Umfeld und innerhalb von Produktionsvorgängen der Industrie.
Die Forschungstätigkeiten in der Sozialpädagogik konzentrieren sich auf Fragestel-lungen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Hierzu wurde eine sachsen-weite Befragung von in diesem Bereich tätigen Mitarbeitern über die Betreuung Jugendlicher mit „komplexem Hilfebedarf“ abgeschlossen und veröffentlicht. Die Befragung findet ihre Fortsetzung in einem Kooperationsprojekt mit dem sächsischen Landesjugendamt sowie dem Jugendamt der Stadt Leipzig, das im November 2007 begann und bis 2009 dauern wird. Weiterhin wurde auch im Jahr 2007 kriminalpolitische Probleme im Zusammenhang mit Häuslicher Gewalt und Jugendkriminalität sowie Fragen der Kooperation von Jugendhilfe, Justiz, Schule und Jugendpsychiatrie weiter verfolgt. Im Bereich Gewalt- und Suchtprävention wurde ein deutsch-tschechisches Vorhaben im Bereich der Interreg-Förderung vorbereitet.
Institut für Förderpädagogik
Im Arbeitsbereich der Körperbehindertenpädagogik wurden Forschungsstudien zur Lehrerbelastung in integrativen Schulen und zu Burnout und Coping in frühpädagogi-schen Arbeitsfeldern implementiert und verschiedene Projekte zur Förderrealität von Kindern mit komplexen Beeinträchtigungen weitergeführt.
In den Arbeitsbereichen Lern- und Sprachbehindertenpädagogik lag der Fokus der Forschungsvorhaben erneut auf schul- und unterrichtsspezifischen Erfordernissen. Im Bereich Sprachbehindertenpädagogik wurde intensiv an den Projekten zur didaktisch-methodischen Förderkonzeption für Jugendliche mit AVWS und zur therapeutischen Intervention bei Kindern mit Polterersymptomatik weitergearbeitet. Im Bereich Lernbehindertenpädagogik wurde über drittmittelstarke EU-geförderte Projekte die Praxisentwicklung in unterschiedlichen pädagogischen Feldern im trinationalen Bereich (Sachsen, Polen, Tschechien) deutlich gestärkt; ein transnationales mit EU-Mitteln gefördertes Projekt im Bereich Heterogenität und Lehrerbildung wurde beendet; ein internationales Projekt zur Grundlagenforschung der Inklusionspädagogik wird fortgesetzt.
Die Neubesetzung der Professur für Geistigbehindertenpädagogik ermöglichte die Weiterführung begonnener bzw. Initiierung einer Vielzahl von Projekten, u.a. zum Selbstkonzept und zur Integration von Schülern mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung.
In der Verhaltensgestörtenpädagogik wurden weiterhin in vielfältigen aktuellen Themengebieten Forschungsprojekte ins Leben gerufen, weiterverfolgt und abgeschlossen. Zu diesen Forschungsprojekten zählen u.a. die Kooperative Beratung, Förderplanarbeit, Kooperation schulischer und außerschulischer Institutionen, qualitative Prüfung von förderpädagogischen Gutachten sowie der förderschulspezifische Einsatz von Qualitätsentwicklungsmethoden.
|