Forschungstätigkeit an den Fakultäten
Die Forschungstätigkeit an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie realisiert sich in den Forschungsprojekten der Institute, in den dort betreuten Qualifikationsvorhaben und in der Kooperation mit in- und ausländischen Partnerinstitutionen. Sie ist im Wesentlichen noch entlang der Disziplingrenzen organisiert. In den letzten Jahren hat sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Rahmen der bestehenden DFG-Forschergruppen, der Profilbildenden Forschungsbereiche, der Teilzentren im ZHS und der Graduiertenkollegs und Promotionsstudiengänge verstärkt. Das Prinzip der Einheit von Lehre und Forschung führt dazu, dass parallel zur aufgelockerten Struktur des modular organisierten Ausbildungsmodells (Bachelor- und Masterstudiengänge) auch neue Forschungsschwerpunkte an den Instituten entwickelt werden, die quer zu den Disziplingrenzen liegen. Die Diskussionen über eine qualitative Veränderung des Fakultätsprofils auf der Grundlage der bereits existierenden „Kombinationsprojekte“ (u. a. Kontroverses Eigentum, Genderforschung, Grenze und Raum) werden fortgesetzt. Es soll zugleich der Versuch unternommen werden, über die Findung von intrafakultären Forschungsschwerpunkten, sowohl die Vernetzung von Forschungskapazitäten zu erreichen, als auch interfakultär die Fachgrenzen aufzubrechen, um neue Kooperationspartner zu gewinnen. Dieser strategische Ansatz ist Bestandteil der 2007 dezidiert aufgenommenen Diskussion zur Erarbeitung einer mittelfristigen Entwicklungskonzeption der Fakultät. Die Fakultät will sich mit Blick auf den anstehenden Generationswechsel in mehreren Instituten und als Reaktion auf die zu erwartenden Veränderungen in den Machtbalancen zwischen Fakultät, Senat und Rektorat im Zuge des neuen SächsHG auf den Gebieten Lehre und Forschung gleichermaßen mit einem eigenständigen Profil positionieren.
Fakultät und Institute nutzen diese veränderte Schwerpunktsetzung, um sich an der Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Kompetenz der Universität Leipzig zu beteiligen. Sie waren 2007 in unterschiedlicher Ausprägung in die Entwicklung von zwei Profilbildenden Bereichen der Universität Leipzig einbezogen („Riskante Ordnungen“ und „Veränderte Umwelt und Krankheit“) und bauten in diesem Zusammenhang auch die wissenschaftliche Kooperation mit anderen Fakultäten aus. Im Bereich „Riskante Ordnungen“ ist die Fakultät koordinierend engagiert. Wissenschaftler der Institute für Kulturwissenschaften und Politikwissenschaft beteiligten sich an der Erstellung und Einreichung einer sozialwissenschaftlichen Antragsskizze im Rahmen des Landesexzellenzwettbewerbs („Gesellschaftliche Chancen und Risiken des Wirtschaftsstandorts Sachsen“).
Weitere Beispiele für die Beteiligung der Fakultät an der Ausge-staltung des Profilbildenden Forschungsbereiches „Riskante Ordnungen“ sind
die geplante Forschergruppe zum Thema „Propertization“ (zusammen mit der Rechtswissenschaft, Ökonomie und Musikwissenschaft), der internationale Promotionsstudiengang zur Thematik „Transnationalisierung und Regionalisierung“ sowie das Graduiertenkolleg „Bruchzonen der Globalisierung“, das sie zusammen mit Historikern und Vertretern der Afrikanistik bzw. Arabistik organisiert. Die Bemühungen um einen integrativen Ansatz bei der Weiterentwicklung des Forschungsprofils der Fakultät fanden auch Eingang in der Ein- und Ausrichtung der BA- und MA-Studiengänge an der Fakultät. Der seit dem WS 2006/07 eingerichtete BA-Studiengang Sozialwissenschaften und Philosophie öffnet die bisherigen „klassischen“ Fächergrenzen und orientiert sich in seiner Modulstruktur an institutsübergreifenden Fragestellungen. Mit dem im WS 2007/08 angelaufenen MA-Studiengang Logik hat der erste forschungsorientierte Studiengang an der Fakultät den Lehrbetrieb aufgenommen. Weitere werden bis zum WS 2009/10 folgen.
Der auf der Grundlage des 2006 erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt „Entwicklung eines fakultären Qualitätsmanagementprojekts“ gemeinsam mit dem CHE initiierte Benchmarkprozeß mit den Partneruniversitäten Münster, LMU München und Hamburg wurde 2007 weitergeführt und unter Vorlage des Abschlussberichtes im Dezember 2007 beendet. Es konnte dabei das vordergründige Ziel erreicht werden, Steuerungsindikatoren als zentrale Elemente eines flexiblen, den Bedürfnissen der sozialwissenschaftlicher Fakultäten angepasstes Qualitätsmanagement zu formulieren und gemeinsam mit den Bechmarkpartnern auszutesten. Es wurden damit Grundlagen gelegt, um Forschungsaktivitäten zu bewerten und ggf. zu optimieren. Die Fakultät wird darauf aufbauend in einer weiteren Etappe die Ergebnisse des Benchmarkings innerhalb und außerhalb der Fakultät zur Diskussion stellen, um Qualitätssicherung in Forschung und Lehre zu einem dauerhaften und nachhaltigen Element der Fakultätsentwicklung zu machen.
Ausdruck fanden die umfangreichen und erfolgreichen Forschungsaktivitäten der Fakultät auch in dem im dritten Jahr in Folge gestiegenen Drittmittelaufkommen (2005: 2,12 Mio. €; 2006: 2,16 Mio €; 2007: 2,58 Mio €).
Mit 21 erfolgreich abgeschlossenen Promotionsverfahren ist die Anzahl der Promotionen 2007 erstmals seit mehreren Jahren wieder signifikant angestiegen. Dabei konnte festgestellt werden, dass deutlicher als in den Vorjahren die Anzahl der Doktoranden gestiegen ist, die eine strukturierte Doktorandenausbildung (Promotionsstudiengänge, Graduiertenkollegs) durchlaufen haben.
Last but not least haben die Fakultät und ihre Institute eine Verstärkung Internationalisierungsbemühungen angestrebt. Forschungskontakte existieren zu Universitäten einer ganzen Reihe von Ländern (Frankreich, Kanada, USA, England, Polen, Tschechien, Israel, Niederlande).
Disziplin- und fakultätsübergreifende Schwerpunkte der Forschung
Im Folgenden werden die wesentlichen fakultätsübergreifenden (längerfristigen) Forschungsprojekte und -vorhaben (DFG-Forschergruppen, Graduiertenkollegs, Internationale Promotionsstudiengänge) genannt:
- DFG-Forschergruppe: Programmgeschichte des DDR-Fernsehens – komparativ (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Humboldt-Universität Berlin, Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg)
- DFG-Forschergruppe: Sprachtheoretische Grundlagen der Kognitionswissenschaft: Sprachliches und Konzeptuelle Wissen (Logik, Linguistik, Slavistik)
- DFG-Graduiertenkolleg 1261: Bruchzonen der Globalisierung (Kulturwissenschaften, Politikwissenschaft, Geschichte, Afrikanistik u.a.)
- DFG-Graduiertenkolleg: Wissenspräsentation (Logik, Informatik, IMISE)
- Internationaler Promotionsstudiengang: Transnationalisierung und Regionalisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Politikwissenschaft, Kulturwissenschaften, Soziologie, GKO, Philologie, Theologie, GWZO, Erziehungswissenschaften, An-Institute: Simon-Dubnow-Institut, Institut für Länderkunde Leipzig)
- Internationales Promotionsprogramm (IPP): Von der Signalverarbeitung zum Verhalten (Logik, Philosophie, Biowissenschaften, Sportwissenschaften, Pharmazie, Psychologie)
Schwerpunkte der Forschung an den Instituten
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
- Grundfragen der Publizistik und Kommunikationswissenschaft - sowie Ethik der Massenkommunikation
- Historische Untersuchungen zur Geschichte des Fachs
- Untersuchungen zur Medienrezeption und Programmbegleitforschung
- PR-Berufsfeldforschung/theoretische Grundlagen von PR und Öffentlichkeitsarbeit/Kommunikationsmanagement
- Online-Medien; Pressedistribution in Westeuropa
- Medienpädagogik und Medienkonvergenz
Institut für Kulturwissenschaften
- Analyse der Kultur moderner Gesellschaften vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart unter einem komparativen Aspekt
- Geschichte der Hoch-, Populär- und Massenkultur
- Globalgeschichte und Transnationalisierungsforschung
- Europa als Kulturraum
- Untersuchungen zum religiöser und weltanschaulicher Wandel am Beispiel Ostdeutschlands
- Sozialstruktur und Lebensstile
- Georg Simmel- und Ernst Cassirer-Forschung
Institut für Logik und Wissenschaftstheorie
- Nichtklassische Logiken und deren Anwendungen
- Mehrdimensionale Logiken und ihre systematischen und historischen Anwendungen
- Geschichte der Logik in der DDR
- Mehrdimensionale Repräsentation von Sprach- und Weltwissen
- Induktive Begründungsverfahren für wissenschaftliche Theorien
- Theorie der wissenschaftlichen Erklärung/Erklärungskohärenz
Institut für Philosophie
- Theorien der Intentionalität und des gemeinsamen Handelns
- Handlungs-, Kommunikations- und Sprachtheorie
- Lebenswissenschaften
- Anthropologie und Kognitionswissenschaften
- Ethik und ihre Anwendungen (Allokationsethik, Medizin- und Bioethik, Krieg und Terrorismus)
- Transzendentale Anthropologie der Religion
Institut für Politikwissenschaft
- Herrschaftsmodelle
- Lokalität der Rechtsnormen
- Subjekt, Geschlecht und Rasse
- Regionale Entwicklungs- und Transformationsprozesse (Afrika, Asien, Ost- und Mittelosteuropa)
- Politische Kommunikation
- Rechtstheorie und Verfassungspraxis
- Politische und soziale Bewegungen
Institut für Soziologie
- Soziale Transformationsprozesse in den neuen Bundesländern (Familie, Beruf, subjektive Einstellungen)
- Flexibilisierungsprozesse am Arbeitsmarkt
- Soziale Bewegungen und politisches Engagement in Deutschland und Europa
- Migration und Integration
- Bildungsungleichheit und Migration
- Soziale Kontrolle und Exklusion
- Soziale Netzwerke und wirtschaftliche Transaktionen
- Regionale Identifikation und Sozialverhalten
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