Forschungstätigkeit an der Fakultät
Die Veterinärmedizinische Fakultät ist seit 1923 an der Universität Leipzig beheimatet. Dies hat wesentlich zur Fortentwicklung des Faches sowohl in der Lehre als auch in der Forschung beigetragen. Die feste Einbindung der Fakultät in die Universität bedingt in diesen Bereichen auch ihre Ausrichtung und Zielsetzung. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Veterinärmedizin nach wie vor ein berufsorientiertes Fach ist. Umwälzungen und Neuerungen im tierärztlichen Berufsbild haben daher Eingang sowohl in Forschung als auch in Lehre zu finden. Mit dem Ziel einer verbesserten Koordination hatten auf infektionsmedizinischem Gebiet arbeitende Einrichtungen bereits im Jahr 2004 ein „Joint-venture Infektionsmedizin“ an der Fakultät gegründet. Zentrale Anliegen dieser Arbeitsgemeinschaft sind, (i) eine optimale Qualität in Lehre, Forschung und Dienstleistung auch zukünftig zu gewährleisten, (ii) die Zusammenarbeit untereinander und mit den anderen Einrichtungen der Fakultät weiter zu intensivieren sowie (iii) die Wettbewerbsfähigkeit sowohl der in ihr zusammengeführten Einrichtungen als auch der Fakultät zu erhöhen. Aufbauend auf den positiven Erfahrungen des „Joint-venture Infektionsmedizin“ wurden inzwischen folgende Strukturen geschaffen:
- Zentrum für Veterinärmedizinische Grundlagenwissenschaften (Department for Veterinary Basic Sciences) mit dem Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie, dem Institut für Tierernährung und Diätetik, dem Veterinär-Physiologisch-Chemischen Institut und dem Veterinär-Physiologischen Institut
- Zentrum für Infektionsmedizin (Joint-venture Infektionsmedizin; Joint Venture Infectious Diseases) mit dem Institut für Bakteriologie und Mykologie, dem Institut für Immunologie, dem Institut für Parasitologie und dem Institut für Virologie
- Zentrum für Pathologie und Anatomie mit dem Institut für Veterinär-Pathologie und dem Veterinär-Anatomischen Institut
- Zentrum Veterinary Public Health mit dem Institut für Lebensmittelhygiene sowie dem Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen
- Universitätstierklinikum mit den Mitgliedern Ambulatorische und Geburtshifliche Tierklinik (für Großtiere), Chirurgische Tierklinik (für Großtiere), Klinik für Kleintiere, Klinik für Vögel und Reptilien, Medizinische Tierklinik (für Großtiere)
Die neuen Strukturen haben eigene Satzungen bzw. Ordnungen, die sich an einer vom Fakultätsrat festgelegten Rahmenordnung orientieren. Allen gemeinsames Ziel ist es, Forschung, Lehre (Aus-, Fort- und Weiterbildung) sowie lehr- und forschungsbezogene Dienstleistungen der in ihnen zusammengeführten Kliniken und Institute im Rahmen der tierärztlichen Aufgaben der Fakultät zu optimieren.
Grundlagenorientierte Forschung erfolgt in mehreren Instituten, wobei die genannten Kooperationen eine wesentliche Rolle spielen. Am Veterinär-Anatomischen Institut werden Wachstumsvorgänge bei Hunden und Katzen und Zusammenhänge zwischen Wachstum, Leistung und Gesundheit untersucht. Die experimentelle Therapie nach fokaler zerebraler Ischämie beim Schaf und anatomische Grundlagen der Akupunktur sind wichtige klinische Forschungsschwerpunkte. Ziel der Etablierung eines Großtiermodells für die fokale zerebrale Ischämie (Schlaganfall) ist die Überprüfung des therapeutischen Effekts von Stammzellen. Eine Studie an Ratten mit humanen Nabelschnurblut-Stammzellen konnte eine signifikant reduzierte Symptomatik und vor allem verbesserte Rekonvaleszenz nach experimentell induziertem Schlaganfall nachweisen. In dieser Folgestudie soll dieses neue Therapiekonzept am Schaf überprüft werden, wobei durch den Einsatz autologer Nabelschnurblut- und Knochenmarksstammzellen eventuelle Effekte, die aus dem Einsatz heterologer Zellpopulationen bei der Ratte resultierten, eliminiert werden können.
Die Histologie/Embryologie bearbeitet eine Virusinfektion, die Bornasche Krankheit, als Modellsystem zur Untersuchung von inflammatorisch induzierten Veränderungen im ZNS von Mäusen. Ein disziplin- und fakultätsübergreifendes Forschungsvorhaben hat mit der Testung von monoklonalen Antikörpern gegen C-terminale Epitope des Prion-Proteins engen Bezug zum gesundheitlichen Verbraucherschutz. Klinische Forschungsschwerpunkte sind Untersuchungen zum drug-targeting mit Nanopartikeln gegen Amyloid–Proteine und immunhistochemische Analysen von Ratten- und Schafgehirnen (Schlaganfall-Modelle) nach experimenteller fokaler zerebraler Ischämie.
Im Veterinär-Physiologischen Institut steht die Aufklärung von Resorptionsvorgängen im Magen-Darm-Trakt von Nutz- und Haustieren im Fokus der Forschungsarbeiten. Neben der grundsätzlichen Charakterisierung von epithelialen Transportproteinen wird ebenso auf den Einfluss und die Interaktion mit potentiell pathogenen Einflussfaktoren (Histamin) bzw. nutritiven Faktoren (Vitamin C, Quercetin etc.) eingegangen. Die beteiligten Transportprozesse werden sowohl funktionell mit Hilfe verschiedener Techniken als auch strukturell mittels immunhistochemischen bzw. molekularbiologischen Methoden dargestellt. Neben der grundsätzlichen Eingrenzung der Transportmechanismen steht auch die Aufklärung von regulativen und adaptativen Einflüssen auf bzw. Veränderungen von diesen Mechanismen im Blickpunkt des Interesses. Hierbei sind in jüngster Zeit vor allen Dingen die Modulationen durch das enterische Nervensystem (ENS) untersucht worden, wobei auch der Einfluss des ENS auf die Vorgänge der beteiligten glatten Muskulatur eingegrenzt wird. Die Untersuchungen an dem Magen-Darm-Trakt konzentrieren auf die Nutztierspezies Schaf, Rind und Schwein, wobei in jüngster Zeit Untersuchungen am Hund (Quercetin, Vitamin C) mehr in den Vordergrund gelangen. Neben der generellen Ausrichtung auf die gastrointestinale Physiologie liegt ein weiterer jüngerer Fokus des Institutes auf der Untersuchung von Transportproteinen in caninen Mammatumoren. Die Untersuchungen erhalten eine kontinuierliche Förderung durch die DFG in Form von Einzelförderung bzw. werden von verschiedenen Stiftungen (AfT, Schaumann, GKF etc.) und industriellen Mitteln (Boehringer, Pfizer) unterstützt.
Internationale Forschungskooperationen bestehen vor allem mit Arbeitsgruppen in Dänemark (Research Centre Foulum, Tjele), Ungarn (University of Veterinary Sciences, Budapest), Frankreich (INSERM, Nantes), USA (Michigan State University, Anthony Hall, East Lansing) und Großbritannien (Sandwich Laboratories Pfizer Limited, Animal Health Group VMRD Biology).
Am Veterinär-Physiologisch-Chemischen Institut wird im Arbeitsbereich „Physiologische Chemie“ die Rolle von Fettsäuren und Antioxidantien für die Prophylaxe und Therapie von Erkrankungen der Haustiere untersucht. Zum einen geht es um den Einfluss der Lipidzusammensetzung von Makrophagen auf deren oxidativen Stoffwechsel. Makrophagen sind wichtige Bestandteile der Immunabwehr, die in der Lage sind, mittels reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) Bakterien abzutöten. Als Beispiel hierfür gilt Rhodococcus equi als Pneumonie-Erreger beim Fohlen. Einen direkten Einfluss auf die Funktion der Makrophagen und damit der zellulären Immunität haben die Nahrungslipide, indem sie die Zusammensetzung der zellulären Membranen verändern.
Ein weiteres Thema ist die Pathobiochemie der Atopie des Hundes. Im Mittelpunkt steht der Einfluss von Fettsäuren und Vitamin E auf die Bildung und Freisetzung von Entzündungsmediatoren der Mastzellen. Daraus folgernd soll der Einfluss einer durch Nahrungslipide und Vitamin E veränderten Membranzusammensetzung auf die Freisetzung und Bildung inflammatorisch wirksamer Mediatoren caniner Mastzellen ermittelt werden.
Weiterhin werden die Lipide von Erythrozyten atopischer Hunde näher charakterisiert. Atopische Hunde weisen gewisse Unregelmäßigkeiten in der Lipidzusammensetzung ihrer Erythrozyten auf. Dieser Fragestellung soll durch Untersuchung verschieden gefütterter Hunde nachgegangen werden.
Im Arbeitsbereich „Endokrinologie“ werden Untersuchungen zu Physiologie und Pathologie des Endokriniums durchgeführt. Das Endokrinium ist in alle lebensnotwendigen Prozesse involviert, so nimmt z.B. Stress während der frühen und späten Gravidität einfluss auf die nachfolgende Generation. Dabei wurde die prä- und postnatale Phase endokrinologisch, verhaltensbiologisch, anthropometrisch und neurologisch untersucht. Plötzliche Veränderungen der Stoffwechsellage, wie sie zum Zeitpunkt der Geburt und beginnenden Laktation der Fall sind, werden in einem Kooperationsprojekt bei der Hochleistungskuh untersucht.
Der Fortbestand einer Art setzt immer eine erfolgreiche Reproduktion voraus, vielfach treten Pathologien während der Implantation der Blastozyste auf. Welche Faktoren in diesen Prozess involviert sind sowie die Charakterisierung von frühen Markern wird im Rahmen eines DFG-geförderten Projektes untersucht. Bei der erfolgreichen Implantation kommt es zu einem gezielten Gewebeumbau mit Invasion, der Proliferation und der Neoangiogenese; ähnliche Mechanismen finden sich auch bei der Tumorgenese. Eine vergleichende Betrachtung beider Prozesse ist deshalb sinnvoll. In Kooperationsprojekten untersuchen wir anhand von Zelllinien und Tiermodellen (Balb-neuT-Mäusen und Hunden) die Tumorgenese und -prognose von Mammacarcinom bei Hund und Mensch. Endometriose, das heißt die extrauterine Ansiedlung von Endometrium, bedingt Infertilität und Störungen des Allgemeinbefindens, somit besitzt diese Erkrankung des Endokriniums größte klinische Relevanz. An einem Primatenmodell wird die Ätiologie und Therapie dieser Erkrankung untersucht (Finanzierung: Firma Hormos).
Forschungsschwerpunkte des Instituts für Veterinär-Pathologie sind tierartlich vergleichende Untersuchungen hinsichtlich Diagnose, Pathogenese, Ätiologie sowie prognostischer Bewertung fertiliätsrelevanter Erkrankungen des männlichen und weiblichen Genitale, Schwerpunkt Pferd. Es handelt sich um interdisziplinäre, in eine internationale Kooperation eingebundene Projekte, die, gemeinsam mit klinischen und paraklinischen Partnern, bearbeitet werden. Neben Fragen der Plazentapathologie (Pferd, Rind, Hund) werden hauptsächlich degenerative equine uterine Erkrankungen (Endometrose, Angiopathien), endokrin vermittelte Funktionsanomalien (endometriale Fehldifferenzierungen) sowie Neoplasien (Ovartumoren) bearbeitet.
Neben konventionellen histologischen Verfahren gelangen immunhistologische und elektronenmikroskopischen Techniken sowie in vitro Verfahren (Zellkulturen) zur Anwendung.
Darüber hinaus werden morphologisch-funktionelle Arbeiten zu den Wechselwirkungen zwischen endokrin aktiven neoplastischen und nicht neoplastischen Erkrankungen von Schilddrüse, Hypophyse, Nebennieren, Hoden und Ovar im Kontext endokriner Regelkreise und den diversen Zielorganen durchgeführt.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden kardiovaskuläre Spontanerkrankungen von Hund und Katze im klinischen Kontext. Ein besonderes Interesse besteht an der Verteilung und dem Metabolismus der Extrazellularmatrix bei verschiedenen kardiovaskulären Erkrankungen, insbesondere bei der Endokardiose des Hundes. Darüber hinaus besteht eine interdisziplinäre Kooperation mit dem Herzzentrum Leipzig im Rahmen der Etablierung und Evaluierung von Tiermodellen. Ziel ist die Verbesserung von Diagnostik und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen des Menschen, inhaltlich stehen die Transplantationsmedizin- und -pathologie sowie die Stammzellforschung im Vordergrund.
Am Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik werden aktuell Fragen bearbeitet, die an der Schnittstelle von Ernährung und Erkrankung angesiedelt sind. Im Vordergrund stehen hierbei Nutztiere einschließlich Pferd sowie Fleischfresser. Die experimentellen Arbeiten zu den Interaktionen zwischen Kauaktivität und Futteraufnahme sowie Futteraufnahmeverhalten sind weitgehend abgeschlossen; die Befunde erfüllen die Erwartungen und werden bei der Neuauflage der Versorgungsempfehlungen Berücksichtigung finden. Damit wird ein wichtiger Aspekt zur tierartgerechten Versorgung mit aktuellen Fakten bedient. Nach wie vor werden Fragen zur Glukose- und Insulinreaktion des Pferdes bei unterschiedlichen Versorgungsstrategien bearbeitet. Dies interessiert einerseits aus Sicht des Energiestoffwechsels, andererseits interagiert Insulin auch mit dem Knochstoffwechsel und der Glukoseaufnahme besonders sensibler Gewebe wie der Huflederhaut. Außerdem ist die zunehmende Häufigkeit der Insulinresistenz Anlass, die Regulation der Glukosehomöostase und des Glukoseumsatzes zu überprüfen. Dieser Aspekt ist auch maßgebend für eine Untersuchung der Wirkung von Spurenelementen auf die Insulinsensibilität bei adipösen Tieren sowie eine Studie zu den Wirkungen von Heu mit unterschiedlichen Zuckergehalten auf die Glukose- und Insulinhomöostase.
In Verdauungsstudien am Pferd sowie mittels in vitro Systemen, die mit Faeces vom Pferd als Inoculum betrieben werden, stehen Fragen zu Effekten von Futteradditiven auf die Verdaulichkeit und Verträglichkeit stärkereicher Rationen im Vordergrund. Diese Arbeiten werden künftig ausgedehnt; sie sollen einerseits die Fütterung von Hochleistungspferden optimieren helfen andererseits der Praxis experimentell objektivierte Kriterien zur Wirkung und Wirksamkeit von Futterinhaltsstoffen bieten.
Der besonderen Belastung des Skeletts bei Sportpferden trägt ein DFG-Projekt Rechnung, das sich mit der Calciumversorgung, der Calciumhomöostase sowie der Interaktion mit internem und externem Parathormon befasst. Die inzwischen erarbeiteten Ergebnisse zeigen die Wirkung des exogenen equinen Parathormons auf die Calciumhomöostase an und es besteht erstmals Klarheit über die mögliche Dosierung beim Pferd sowie die Interaktion mit der endogenen PTH-Bereitstellung. In Anlehnung an die genannte PTH-Studie wird die Beziehung zwischen der mittels bildgebender Verfahren (DEXA) erfassten Knochendichte und dem Mineralstoffbestand des Knochens beim Pferd untersucht. Dieser methodische Aspekt ist von großer Bedeutung, da Haltungsform, Trainingsform und –ablauf in Zusammenwirkung mit der Fütterung die Stabilität des Knochens beeinflussen und Informationen über die Dynamik diesbezüglicher Veränderungen maßgeblich nur über nicht invasive Verfahren erarbeitet werden können
Erste Studien zur Erfassung und Differenzierung von equinen Protozoen mittels molekularbiologischer Verfahren sind durchgeführt und lassen die Applikation dieser Technik auf weitere Fragestellungen zur Bedeutung der Protozoen bei Verdauungsprozessen im Dickdarm zu.
Eine neue Arbeit wendet sich der Frage zu, ob mit Methode der Beschleunigungsmessung wie bei Wildtieren auch beim Pferd zur indirekten Erfassung der Aktivität genutzt werden kann, und ob die im 3dimensionalen Raum erfasste Beschleunigung des Tieres mit der Herzfrequenz korreliert und entsprechend zur Schätzung des Energieumsatzes genutzt werden kann. In Arbeiten in Kooperation mit der tierärztlichen Praxis sowie der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft werden die Silagequalität und deren Bedeutung für die Leistung und Gesundheit von Milchkühen untersucht. Besonderes Augenmerk liegt auf der Eiweißqualität sowie der Fermentierbarkeit in Abhängigkeit von Hygienestatus. Hierbei werden mit Hilfe ruminaler Protozoen Wirkungen des Silagesaftes auf Pansenziliaten überprüft. Vorläufige Studien in vitro deuten auf eine deutliche Beeinflussung von Fermentationsprozessen durch den Silagesaft hin.
Gegenstand eines Forschungsprojektes bei Schweinen ist die Beziehung zwischen dem Säuren-Basen-Status, modifiziert durch die Relation von Kationen und Anionen im Futter, und dem Proteinhaushalt. Hierbei wird eine nachhaltige Verschiebung im Säuren-Basenstatus der Schweine sichtbar, die eventuell den Stickstoffansatz beeinflusst.
Bei Damwild wird die Bedeutung der Selenaufnahme auf den Selenstatus und das Vorkommen selenabhängiger und –unabhängiger Peroxydasen überprüft. Diese Frage stellt sich der Diskussion, ob bei natürlicherweise an selenarme Nahrungsbedingungen adaptierte Spezies eine Selensupplementierung nötig ist.
Eine futtermittelkundliche Arbeit befasst sich mit der Markierung von Schlachtnebenprodukten, die zur Verwendung in der Lebensmittelgewinnung nicht zugelassen sind, sondern lediglich für die Herstellung von Futtermitteln für Fleischfresser genutzt werden dürfen. Das sogenannte K3-Material gab in der jüngeren Vergangenheit wiederholt Anlass für öffentliche Diskussionen zur Zuverlässigkeit der Kontrollen bei der Fleischgewinnung. Das Projekt überprüft die Möglichkeiten zur Markierung von K3-Material, um die irrtümliche oder missbräuchliche Verwendung in der Herstellung von Lebensmitteln zu unterbinden.
Schwerpunkte der Forschung im Institut für Bakteriologie und Mykologie sind die Analytik der Magen-Darm-Flora mit konventionellen und molekularbiologischen Methoden, Untersuchungen zu ihrer Interaktion mit dem Immunsystem und ihrer Bedeutung für den Stoffwechsel bei Nutz- und Haustieren sowie bei Fischen. Der Magen-Darm-Trakt ist die größte Kontaktfläche des Körpers zur Außenwelt. Sie wird durch mikrobielle, zelluläre, immunologische und nervale Barrieren begrenzt. Ihre Stabilität ist Voraussetzung für Gesundheit und Leistung. Die Charakterisierung und Beeinflussung der mikrobiellen und immunologischen Barrieren in Gesundheit und Krankheit sind Schwerpunkte der Untersuchungen. Im Mittelpunkt stehen dabei die durch Clostridium botulinum bedingten akuten und chronischen Intoxikationen bei Hochleistungsrindern.
Auf der Basis von bakteriologischen und immunologischen Untersuchungen zum Vorkommen von Clostridium botulinum und seinen Toxinen im Tierkörper sollen Aussagen zur Interaktion von Kommensalflora, unspezifischem und spezifischem Immunsystem im Erkrankungsgeschehen erarbeitet werden. Zur Charakterisierung der Mikrobiota werden konventionelle und molekularbiologische Methoden (FISH-Technik) angewendet. Die Quantifizierung von Clostridium botulinum erfolgt über Toxinanreicherungen und den immunologischen Nachweis der Toxine mit spezifischen antitoxischen Antikörpern. Zur Ermittlung der immunologischen Reaktivität der Tiere auf die Magen-Darm-Flora werden unspezifische (CRP, Haptoglobin, Laktoferrin) und spezifische Parameter (Anti-LPS-, Anti-PLC-, Anti-C. botulinum-Kulturüberstandsprotein-Antikörper) herangezogen. Die C. botulinum-Isolate werden mit konventionellen Methoden (Biochemie, Gaschromatographie) und MALDI-TOF charakterisiert. Durch die Untersuchungen von Substraten der Tiere und ihres Umfelds (Gülle, Mist, Boden, Gärreste) aus mehreren Tierbeständen sollen sowohl Aussagen zum Kreislauf von toxinbildendem C. botulinum als auch zur Quantität im Umfeld und zu potenziellen Quellen gemacht werden. Das C. botulinum-Projekt wird von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft gefördert.
Das Institut für Virologie betreibt Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Forschung im Bereich der Diagnostik bei Viren und Viruskrankheiten von Mensch und Tier. Unter Anwendung moderner molekularbiologischer Methoden werden Aspekte der Pathogenese von Viruskrankheiten untersucht. Dabei dienen verschiedene DNA- und RNA-Viren als Modelle. Einerseits weisen diese Viren (u. a. Polyomaviren, Circoviren, das Virus der infektiösen Bursitis, das Virus der Bornaschen Krankheit) ungewöhnliche strukturelle und biologische Eigenschaften auf, andererseits verursachen sie wirtschaftlich bedeutsame Erkrankungen, vor allem des Geflügels oder auch von Säugern einschließlich des Menschen. Ziel dieser Untersuchungen ist es, die molekularen Grundlagen ihres ungewöhnlichen Zell- und Wirtstropismus aufzuklären und Virulenzfaktoren zu identifizieren. Erhaltene Ergebnisse werden zur Entwicklung diagnostischer Methoden und zur Herstellung geeigneter Reagenzien sowie wirksamer und unschädlicher Impfstoffe verwendet. Eine enge Zusammenarbeit besteht hier mit der Klinik für Kleintiere (Poliklinik für Vögel und Reptilien). In der Diagnostik werden molekularbiologische Untersuchungsmethoden angewandt oder selbst entwickelt und mit herkömmlichen Verfahren verglichen. Forschungsförderung erfolgt u. a. durch die DFG und die Industrie. Im Rahmen mehrerer EU-Projekte wurden die Grundlagen zu internationaler Zusammenarbeit gelegt. Das Institut ist Teil des Joint-venture Infektionsmedizin an der Veterinärmedizinischen Fakultät. Einige Arbeitsgruppen sind Mitglied des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums an der Universität Leipzig. Im Institut für Parasitologie werden Forschungsprojekte aus allen drei großen Teilgebieten der Parasitologie (Protozoologie, Helminthologie, Arachno-Entomologie) aktuell bearbeitet. Hierzu werden neben den klassisch-parasitologischen Methoden zellbiologische, computergestützt bildgebende und molekulare Techniken eingesetzt, weiterentwickelt oder neu etabliert. Projekte in Kooperation mit Drittmittelgebern der öffentlichen Hand und aus der freien Wirtschaft widmen sich der Analyse der aktuellen epidemiologischen Situation und der Entwicklung strategischer Bekämpfungsmaßnahmen unter Einbeziehung der Inaktivierung von Parasitendauerstadien sowie der biologischen Bekämpfung. Der Schwerpunkt liegt mit den Kokzidien (Gattungen Eimeria, Isospora, Cryptosporidium, Sarcocystis) im Bereich der Protozoologie. Intestinale Kokzidien können schwere Erkrankungen und wirtschaftliche Einbußen in der Nutztierhaltung verursachen, Kryptosporidien besitzen zudem ein zoonotisches Potenzial. Permanente Zellkulturlinien werden auf ihre Eignung in den entsprechenden Infektionsmodellen untersucht. Falls notwendig, sind alternativ primäre Zellinien oder Embryomodelle möglich. Mit Hilfe dieser Tools können mittels bildanalytischer Algorithmen, FACS und quantitativer PCR der Infektionserfolg und -verlauf dargestellt werden. Die Überlebensdauer infektiöser Stadien dieser Erreger in der Umwelt kann auf diesem Weg besser als bisher abgeschätzt werden und Virulenzunterschiede zwischen Arten und Stämmen der gleichen Art, die sich z.B. in einer höheren Entwicklungsrate oder Zytotoxizität zeigen können, sowie Mechanismen, die für die Pathogenese und das Überleben des Parasiten eine Rolle spielen (Mediatoren, Wirtszellfunktionen, Apoptose etc.), und Inaktivierungsmaßnahmen unter strikt kontrollierten Bedingungen untersucht werden. Neben diesen grundlagenorientierten Ansätzen werden im Zieltiermodell sowie unter Feldbedingungen Studien zur Epidemiologie und Bekämpfung der Kokzidien mit Schwerpunkt im Nutztierbereich fortgeführt. Im Bereich der Entomologie stehen Studien zur Seroprävalenz der Schweineräude, biologische Bekämpfung und Differenzierung von Ektoparasiten bei Wild- und Ziervögeln im Vordergrund.
Im Mittelpunkt der Forschung im Institut für Immunologie stehen infektions-immunologische Fragen. In den Mausmodellen der Infektion mit Salmonella Enteritidis und Cryptococcus neoformans wird die Bedeutung der neueren Mitglieder der Interleukin-12 – Zytokinfamilie untersucht. Diese Untersuchungen laufen im Rahmen eines DFG-Projektes in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Westfälischen Wilhelms-Universität, der Universität zu Köln, der Humboldt-Universität Berlin, University of Cape Town (Südafrika) und Schering Plough Biopharma, USA. In einem weiteren DFG-geförderten Projekt geht es um systemische und makrophagenspezifische Effekte von Interleukin-4 und Interleukin-13 in der Abwehr von Cryptococcus neoformans. In einem Kooperationsprojekt mit einem Industriepartner werden Effekte eines Immunmodulators auf die Phagozytose- und Burst-Aktivität von Leukozyten des Pferdes, Hundes und der Katze untersucht. Darüber hinaus wird die Wirkung dieses Immunmodulators insbesondere auf dendritische Zellen charakterisiert.
Die am Institut für Immunologie angesiedelte Nachwuchsgruppe „Molekulare Infektionsmedizin“ befasst sich derzeit mit der Charakterisierung neuer Borrelia-Spezies, insbesondere B. persica. Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Koret School of Veterinary Medicine, The Hebrew University of Jerusalem, Israel bearbeitet. Unterstützt durch die Firmen IDEXX Inc. und Merial GmbH wird zudem das Vorkommen spezifischer Antikörper gegen die durch Zecken übertragenen Bakterien Anaplasma phagocytophilum und Borrelia burgdorferi in Hunden deutschlandweit erfasst. Weitere infektionsmedizinisch relevante Projekte werden zusammen mit dem Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen (Pathogene Pflanzen: Charakterisierung von Virulenzmerkmalen bei Prototheken humaner und tierischer Herkunft) und gemeinsam mit dem Institut für Lebensmittelhygiene und Institut für Parasitologie (Toxoplasmosis in humans and animals in Germany: pathogenesis, risk factors, and control – TOXONET 01) bearbeitet.
Die BBZ-Professur „Molekulare Pathogenese“ befasst sich mit der Etablierung und Charakterisierung transgener Mausmodelle zur Untersuchung der Wirkung von Transforming Growth Factor-beta (TGF-beta) und Granulocyte/Macrophage-Colony Stimulating Factor (GMCSF) bei Infektionen mit Cryptococcus neoformans und Borrelia burgdorferi. In einem DFG geförderten gemeinsamen Projekt mit einer Arbeitsgruppe der Medizinischen Fakultät werden Zytoskelettkomponenten in der Haut untersucht. In einem weiteren Projekt, das von der EU und dem Freistaat Sachsen gefördert wird, werden phosphorylierte Zielproteine von TGF-beta in einem Arthritismodell bestimmt.
Am Institut für Lebensmittelhygiene (Professur für Lebensmittelhygiene und Verbraucherschutz) werden insbesondere Themen, die sich mit Möglichkeiten der Zurückdrängung, der Prävalenz oder Überlebensstrategien verschiedener über Lebensmittel verbreiteter Zoonoseerreger beschäftigen, bearbeitet. Im Mittelpunkt stehen dabei Untersuchungen zu Campylobacter spp., Toxoplasma gondii und lebensmittelassoziierten Viren. In dem vom BMBF geförderten Forschungsverbund zu zoonotischen Infektionskrankheiten TOXONET 01 wird in einem Teilprojekt in Zusammenarbeit mit den Instituten für Parasitologie und Immunologie der Universität Leipzig die Tenazität von Toxoplasma gondii-Gewebezysten in kurz gereiften Rohwürsten untersucht. In einer weiteren Studie (gefördert vom BMWA) wird die Tenazität und Infektiosität von viralen Erregern (Norovirus, Rotavirus, ECHO-Virus, Geflügelinfluenzavirus) in Rohwurstwurstprodukten geprüft. In Kooperation mit der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig werden in einem vom BMELV geförderten Projekt Fragen zum Tierschutz bei der Haltung von Mastputen untersucht. Das Vorkommen von Campylobacter spp. bei Mastputen ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt. In der Milchhygiene (Dozentur für Milchhygiene) werden Projekte zur mikrobiologischen Qualität von ökologisch erzeugten Milch- und Milchprodukten, gefördert durch ein Stipendium der Hanns-Seidel-Stiftung und zum Einfluss von Hochdruck auf mikrobielle Enzyme, bearbeitet. Ein Projekt zur Analyse und Entwicklung von Büffelmolkegetränken im Labormaßstab wird vom BMWA gefördert.
Im Bereich Fleischhygiene (Professur für Fleischhygiene) stehen Themen zum Nachweis von spezifischen Risikomaterialien (SRM) in Lebens- und Futtermitteln mit Bezug auf Transmissble Spongioforme Encephalopathien im Mittelpunkt der zum Teil vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geförderten Forschungsprojekte.
Im Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen werden Forschungsprojekte aus allen drei Teilbereichen des Instituts, Mikrobiologie/Virologie, Tierschutz/ Ethologie und Chemische Analytik, bearbeitet. Hierzu werden neben den klassischen mikrobiologisch/virologischen und ethologischen Methoden auch molekulare Techniken sowie GC-MS-Analyse-Verfahren eingesetzt, weiterentwickelt oder neu etabliert.
Die Forschungsprojekte widmen sich schwerpunktmäßig der Analyse der aktuellen epidemiologischen Situation und der Entwicklung strategischer Bekämpfungsmaßnahmen bestimmter Infektionskrankheiten sowie der Entwicklung neuer Analyse-Verfahren im Lebensmittelbereich und der ethologischen Beurteilung neuer Haltungssysteme. Die Bearbeitung dieser Projekte erfolgt größtenteils in Kooperation mit Drittmittelgebern der öffentlichen Hand und aus der freien Wirtschaft.
Ein Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt in der vergleichenden Untersuchung verschiedener Feldstämme des felinen Calicivirus. Die Serodiagnostik der Salmonellen-Infektion des Schweins (Thüringer Tierseuchenkasse, BfR) sowie die Analyse verschiedener immunprophylaktischer Maßnahmen bei der Salmonellen-Infektion des Schweins werden derzeit ebenso schwerpunktmäßig untersucht wie die ethologische Beurteilung neuer Legehennenhaltungssysteme. Ein vom BMELV gefördertes Gemeinschaftsprojekt mit dem Institut für Lebensmittelhygiene widmet sich der Etablierung einer GC-MS-Analytik zum Nachweis von spezifiziertem Risikomaterial in Lebensmitteln. Darüber hinaus sind die Untersuchung der immunologischen, epidemiologischen und taxonomischen Verhältnisse bei der Prototheken-Infektionen (DFG-Projekt) und die Untersuchung der aktuellen epidemiologischen Situation bei der Infektion mit dem caninen Herpesvirus und dem Minute virus of canines Forschungsgegenstand des Instituts für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen.
Forschung im Bereich der Klinischen Veterinärmedizin ist an verschiedenen Kliniken und Instituten der Fakultät etabliert. Eine intensive Kooperation mit humanmedizinischen und anderen veterinärmedizinischen Einrichtungen im In- und Ausland ermöglicht es, neue Erkenntnisse bei spezifischen Erkrankungen zu gewinnen, die sowohl in der Humanmedizin als auch in der Tiermedizin von Interesse sind. Es werden neue Diagnostik- und Therapieverfahren entwickelt und evaluiert.
Im Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie wird in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Leipzig und dem Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Halle-Wittenberg die pathophysiologische Bedeutung der adrenergen und muskarinergen Rezeptoren bei COPD des Pferdes untersucht. Hiervon werden grundlegende Erkenntnisse über die Pathogenese der COPD sowie spezifische Ansatzpunkte zu Therapiemöglichkeiten für die reverse Rezeptoränderung dieser Krankheitsbilder erwartet. Ziel der Forschungstätigkeit der Professur für Toxikologie ist die Entwicklung effektiverer Behandlungsstrategien im Rahmen der Chemotherapie von Tumoren. Weiter sollen als Ersatz von Tierversuchen in vitro-Zellkultursysteme entwickelt werden, die leberspezifische Eigenschaften besitzen. Hierzu werden verschiedene Transportsysteme für Pharmaka an Leber und Niere charakterisiert und deren Regulation durch Fremdstoffe untersucht, um so Arzneimittelinteraktionen zu identifizieren (Förderung durch die DFG). Durch Fusion von primären Rattenhepatozyten mit Tumorzellen bzw. durch virale Immortalisierung von humanen Leberzellen werden permanente Zelllinien geschaffen, die leberspezifische Eigenschaften weiterhin exprimieren und somit in vivo-Modelle ersetzen können (gefördert vom Bundesinstitut für Risikoforschung).
Die Klinik für Kleintiere vertritt als Tierartenklinik die klassischen klinischen Teilgebiete Innere Medizin, Chirurgie und Reproduktionsmedizin. Forschungsprojekte aus allen drei Gebieten werden aktuell bearbeitet. Die vorwiegend klinischen Forschungsprojekte und Studien werden in Teilgebieten durch Grundlagenforschung untermauert. In der chirurgischen Forschung steht die Biomechanik der großen Gelenke im Mittelpunkt. In Kooperation mit Zentren an den Universitäten Zürich und München, dem Academic Medical Center Amsterdam und dem Center of Orthopaedic and Biomechanics Research, Boise State University (USA) werden Fragen der Korrelation von subchondraler Knochendichte und Knorpeldicke, der Bestimmung der dreidimensionalen Lagebeziehung von Endoprothesen im Knochen sowie der Bestimmung der 3D-Kinematik des Knie- und Ellbogengelenkes des Hundes unter simulierten Bewegungsabläufen bzw. Operationsbedingungen bearbeitet. Zudem wird der Frage nachgegangen, ob und wieweit die osteochondrale Transplantation (Mosaikplastik) zur Therapie akuter und chronischer Knorpelschäden beim Hund eingesetzt werden kann.
Parallel wird der Komplex der Brachyzephalie bei Hund und Katze untersucht: Mit der in den letzten Jahren wieder stark zunehmenden Verbreitung brachyzephaler Rassen erlangt das Atemnotsyndrom dieser Tiere eine große, tierschutzrelevante Bedeutung. Die Ätiologie des brachyzephalen Syndroms ist noch weitgehend unbekannt. In Zusammenarbeit mit den Universitäten Berlin und Zürich werden grundlegende Fragen zur Morphologie der Brachyzephalie, zu Behandlungskonzepten stark betroffener Tiere (mikrolaryngoskopische und videoskopisch gestützte endonasale Laserchirurgie) und zur Wertigkeit von morphometrischen und funktionellen Screeningverfahren bearbeitet.
Anästhesiologie: Das Narkoserisiko für Hund und Katze wird mit etwa 1 Todesfall auf 1.000 Narkosen sehr viel höher eingeschätzt als das beim Menschen (1:100.000). Ziel der Forschung in der Anästhesie ist es, die Ursachen für das erhöhte Narkoserisiko zu ermitteln und Konzepte zur Reduktion des Narkoserisikos zu entwickeln. Aktuell wird die Wertigkeit unterschiedlicher präoperativer Screeningverfahren untersucht.
Bildgebende Diagnostik: Schwerpunkte der medizinischer Bildgebung sind unter anderem die Evaluierung neuer, computerbestützter Bildgebung und Bildanalyse (digitale Projektionsradiographie, MRT, CT, digitale Sonographie) für ausgewählte tiermedizinische Fragestellungen sowie die Evaluierung neuer Kontrastmittel-Protokolle für Röntgen-, CT- und Sonographie-Untersuchungen. In Verbindung mit chirurgischen und neurochirurgischen Fragestellungen wird an dem Einsatz von dreidimensionaler Bild- und Navigationstechnik in der Kleintiermedizin gearbeitet. Die bildgebenden Modalitäten der Klinik werden für Forschungsaktivitäten anderer innerfakultärer Einrichtungen (Großtierkliniken, Klinik für Vögel und Reptilien) genutzt.
Onkologie: In enger Kooperation mit Einrichtungen des Universitätsklinikums Leipzig und privaten Spezialkliniken werden Projekte zur fraktionierten intrakavitären High-Dose-Rate Brachytherapie und die postoperative Bestrahlung von Neoplasien im Rahmen einer Multimodalitätstherapie untersucht. In Verbindung mit gynäkologischen Themen werden Fragen der Diagnostik und Prognose von Mammatumoren bei der Hündin unter Einbeziehung von tumorassoziierten Pathogenitätsmechanismen und der Prüfung sonographischer Dignitätskriterien bearbeitet.
Die neurologische Forschung konzentriert sich auf die Diagnostik und Therapie intrakranieller Läsionen, dabei bestehen enge Vernetzungen zur Forschung in der Bildgebenden Diagnostik, der Onkologie und der Chirurgie (z.B. stereotaktisch geführte Gehirnbiopsien).
In der Ophthalmologie stehen neben der Grundlagenforschung an Augen von Zootieren Fragen zur Augengesundheit und der Vererblichkeit von Augenerkrankungen bei diesen Tieren im Vordergrund. Hier besteht eine Kooperation mit verschiedenen zoologischen Gärten, dem Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung der Stiftung TiHo Hannover und der Koret School of Veterinary Medicine der Hebrew University of Jerusalem. Im Rahmen der Arterhaltung haben die Zuchtprogramme der zoologischen Gärten für bedrohte Tierarten eine wachsende Bedeutung. Weitere Untersuchungen sind auf die Etablierung eines Schnelltests zur Analyse verschiedener Substrate der Tränenflüssigkeit beim Hund ausgerichtet.
Forschungsziele der seit 2006 als eigenständige Einrichtung geführten Klinik für Vögel und Reptilien sind die Optimierung von Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten in der Vogel- und Reptilienmedizin sowie die Ätiologie, Prophylaxe und Therapie haltungsbedingter Erkrankungen bei Nutzgeflügel und Ziervögeln. In Kooperation mit verschiedenen Instituten der Veterinärmedizinischen Fakultät und in Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem In- und Ausland werden schwerpunktmäßig die Einsatzmöglichkeiten der bildgebenden Diagnostik bei klinischen Fragestellungen erforscht. Außerdem wird seit mittlerweile acht Jahren das Vorkommen sowie die Diagnostik und Therapie von Herzerkrankungen beim Vogel untersucht. Ein weiteres von der DFG gefördertes Forschungsprojekt befasst sich mit Fragestellungen zur Reproduktionsbiologie von Papageienvögeln, insbesondere der Spermagewinnung, -untersuchung und -konservierung. Einen zusätzlichen Forschungsschwerpunkt bilden Untersuchungen zum Themenkomplex der so genannten Jungtaubenkrankheit (Young Pigeon Disease, YPD) bei Brief- und Rassetauben. Studien zur Bioverfügbarkeit, Verträglichkeit und klinische Wirksamkeit von Chemotherapeutika bei Brieftauben, Legehennen und Puten werden in Kooperation mit dem Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie bzw. mit KoVet durchgeführt. In Zusammenarbeit mit dem Leipziger Institut für Virologie und dem Institut für Bakteriologie und Mykologie der Wiener Universität erfolgen epizootiologische Untersuchungen zum Einfluss der Haltungsform auf Pneumovirus- und Mycoplasma synoviae-Infektionen bei Legehennen bzw. Untersuchungen über aviäre Circovirusinfektionen. Weitere Forschungsschwerpunkte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Ministerien, der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, Vogelhalterverbänden, Geflügelwirtschaft und der Industrie bilden tierschutzrelevante Fragestellungen aus dem Bereich der Haltung und Zucht von Nutzgeflügel und Ziervögeln, insbesondere zur Entwicklung von Alternativen zur routinemäßigen Tötung von männlichen Eintagsküken aus Legehennenlinien.
Klinische Forschung im Bereich der Nutztiere und Pferde wird durch die klassischen klinischen Teilgebiete Innere Medizin, Chirurgie und Gynäkologie vertreten. Dort durchgeführte Forschungsprojekte werden in Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen der Fakultät, aber auch gemeinsam mit weiteren entsprechenden nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen durchgeführt.
In der Medizinischen Tierklinik ist ein Forschungsziel die Aufklärung der Pathophysiologie des Pferdemagens mit Ulzera. Eine 24-stündige intragastrale pH-Messung während der Fütterung unterschiedlicher Futtermittel bei Pferden mit hochgradigen Magenulzera erfolgt mit Hilfe einer intragastralen pH-Elektrode. Die Bioptate der Schleimhaut, entnommen am Ende der Fütterungsperiode, erlauben den Umfang und die Form der Entzündung der Drüsenschleimhaut (Gastritis) zu charakterisieren. Ein Aspekt dieser Forschung betrifft die in Ulcera von menschlichen Patienten beschriebenen Wachstumsfaktor TGF-beta und sein Rezeptorsystem. Die Forschung bei Wiederkäuern hat folgende Schwerpunkte: Gesundheits- und Leistungsstabilisierung im peripartalen Zeitraum, antioxidativer Status/ Reperfusionsstörungen, ökologische Tierhaltung und Tiergesundheit. Bestimmung von serologischen und zytologischen Parametern bei Schweinen nach Immunisierung von zugelassenen PRRSV-Impfstoffen, Seroprävalenz von PCV-2 in österreichischen und deutschen Besamungsebern, Immunkastration von Ebern, Probiotikaeinsatz in der Ferkelaufzucht und Schweinemast.
Forschungsschwerpunkte in der Chirurgischen Tierklinik sind biomedizinische Projekte wie der Einsatz mesenchymaler Stammzellen zur Therapie von Sehnen- und Gelenkerkrankungen und zur Förderung der Knochenheilung im Zentrum des Interesses, wobei die Klinik mit Forschungsgruppen des BBZ, des Fraunhofer IZI und des TRM Leipzig kooperiert. In der klinischen veterinärmedizinischen Forschung spielen die bildgebende Diagnostik, die minimalinvasive Chirurgie und die Anästhesiologie die wichtigsten Rollen. In der bildgebenden Diagnostik werden Projekte zur Magnetresonanztomographie des Kopfes und der distalen Gliedmaße, zur szintigraphischen Diagnostik der Halswirbelsäule und zum minimalinvasiven sowie transkutanen Ultraschall bearbeitet. Die minimalinvasive Chirurgie wird mit Arbeiten zur laparoskopischen Chirurgie bei Pferd, Rind und Schwein, sowie zur Thorakoskopie bei Pferd und Rind gefördert. Die Anästhesiologie fokussiert derzeit den Einfluß von Sedativa auf die Entwicklung von Lungenödemen beim Schaf, sowie vergleichende Untersuchungen zur Anästhesie bei Pferd und Kalb bei konventioneller und minimalinvasiver Chirurgie.
Ein Forschungsschwerpunkt der Ambulatorischen und Geburtshilflichen Tierklinik ist die Entwicklung und Optimierung hormoneller Verfahren zur Fortpflanzungssteuerung bei Jung- und Altsauen. Ein weiterer untersucht die Möglichkeiten der Ultrasonographie zur Anwendung in der Gynäkologie beim weiblichen Schwein, um dieses Verfahren noch effektiver in die Ferkelerzeugung zu implementieren.
In einem dritten und vierten Forschungsschwerpunkt werden die Effekte einer perinatalen Exposition mit dem Mykotoxin Zearalenon auf die genitale Entwicklung weiblicher und männlicher Ferkel untersucht sowie studiert, welche Auswirkungen Chlamydieninfektionen auf Reproduktionsfunktion weiblicher und männlicher Schweine und Rinder haben. Beide Forschungsschwerpunkte werden in Kooperation mit inner- und außerfakultären nationalen sowie internationalen Forschungseinrichtungen bearbeitet. Im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation mit Facheinrichtungen aus Bulgarien und der Türkei werden reproduktionsbiologische Studien zur Entwicklung von medikamentellen Verfahren zur Fortpflanzungbeeinflussung beim Kleintier durchgeführt.
Des Weiteren werden grundlegende Untersuchungen zur Interaktion zwischen Energieversorgung und Ovulationszeitpunkt beim Milchrind durchgeführt.
Schließlich werden unter Feldbedingungen Untersuchungen zur Epidemiologie, Metaphylaxe und Therapie von klinischen und subklinischen Mastitiden beim Rind durchgeführt.
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