Forschungstätigkeit am Zentrum
Das Zentrum für Höhere Studien (ZHS) wurde 1994 als zentrale Einrichtung der Universität Leipzig mit der Aufgabe geschaffen, fächerübergreifend verfasste Projekte zu entwickeln und zu koordinieren. Hierfür bildet das ZHS Projektgruppen auf Zeit und verbindet sie mit einer längerfristig angelegten strukturierten Doktorandenausbildung sowie internationalen Master- und Weiterbildungsangeboten. Eine besondere Bedeutung hat die Kooperation mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, mit denen zusammen kooperative Forschungsverbünde, Graduiertenkollegs und Tagungen organisiert werden.
Das Zentrum verfügt über ein internationales Gastwissenschaftlerprogramm, in dem die semesterweise neu zu besetzende Leibniz-Professur einen besonderen Platz einnimmt. Im Jahr 2007 wurde diese Gastprofessur mit dem Literaturwissenschaftler Hans-Ulrich Gumbrecht (Standford University) und dem Mathematiker Lev A. Sakhnovich (New York University besetzt. Wichtige Kriterien für die Auswahl von Gastwissenschaftlern sind das innovative Arbeitsvorhaben und die Integration in die Vorhaben der Projektgruppen. Dabei spielt nicht nur die zu erwartende Fruchtbarkeit der Forschungsdiskussion, sondern auch der Ertrag für die Ausbildung von MA- und Promotionsstudenten eine entscheidende Rolle. Das ZHS hat sich in den letzten Jahren zu einem profilierten Ort der strukturierten Doktorandenqualifizierung entwickelt, die in Graduiertenstudiengängen organisiert ist. Die Leistungen der Doktoranden in den Graduiertenstudiengängen werden mit dem Zertifikat des ZHS bestätigt, das in den meisten Fakultäten der Universität Anerkennung im Rahmen des Promotionsverfahrens findet. 2007 bestanden am Zentrum vier von der DFG geförderte Graduiertenkollegs und zwei von DAAD und DFG geförderte Internationale Promotionsstudiengänge mit insgesamt über 200 Promovenden.
Neben den 13 internationalen Tagungen, die das ZHS im Jahr 2007 organisiert hat, wurden weiterhin 32 ein- bis zweitägige Workshops mit ausländischen Gastwissenschaftlern veranstaltet, die insbesondere den Zusammenhang von Projektgruppen und Graduiertenausbildung gestärkt haben.
Der European Master „Global Studies“ hat sich zu einem Modell europäischer und darüber hinaus reichender Kooperation in der Lehre entwickelt und beweist seine Anziehungskraft mit dem Anstieg auf mehr als 200 hochqualifizierte Bewerbungen für 25 Studienplätze. Im Jahr 2006 wurde im Zusammenwirken mit der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der neue Masterstudiengang European Studies eingerichtet, der sich ebenfalls an internationale Studierende richtet und Kooperationen mit Universitäten in Tschechien, Dänemark, Polen und Frankreich unterhält.
Im Laufe des Jahres 2006 wurde die Arbeit von drei Teilzentren des ZHS (Naturwissenschaftlich-Theoretisches Zentrum; Frankreichzentrum; Geistes- und Sozialwissenschaftliches Zentrum) für den Zeitraum 2001-2005 durch externe Kommissionen positiv evaluiert, womit die Voraussetzungen für eine abschließende Gesamtbewertung seiner Arbeit durch eine vom Senat bereits 2005 bestellte Kommission unter Leitung von Professor Mittelstraß geschaffen waren. Diese vorgesehene Gesamtevaluierung des Zentrums wurde durch das Rektorat der Universität ausgesetzt und stattdessen eine umfassende Neuorganisation in Angriff genommen:
Die am ZHS angesiedelten Graduiertenkollegs und Internationalen Promotionsprogramme sollen 2008 in die Research Academy Leipzig, einem Zusammenschluss der strukturierten Promotionsprogramme in Leipzig, überführt werden.
Die internationalen Masterstudiengänge sollen künftig an Fakultäten angesiedelt werden.
Die Teilzentren und Projektgruppen sollen gegebenenfalls in neuer Trägerschaft und organisatorischer Form fortgeführt werden, aber nicht mehr mit dem Zentrum für Höhere Studien verbunden sein.
Naturwissenschaftlich-Theoretisches Zentrum (NTZ)
Das Naturwissenschaftlich-Theoretische Zentrum (NTZ) wurde bereits 1973 von Vertretern der mathematischen, physikalischen, chemischen und biologischen Wissenschaften gegründet. Das NTZ unterstützt und fördert die Initiative zur interdisziplinären Arbeit auf dem Gebiet der naturwissenschaftlich-theoretischen Forschung. Dabei verfolgt es das Ziel, dem allgemeinen disziplinären Differenzierungsprozess durch (zumeist methodisch begründete) Integrationsmechanismen entgegenzuwirken und die für komplexe Systeme sachlich bedingte Zunahme auch der mathematischen Komplexität für den Naturwissenschaftler beherrschbar zu machen.
Die Arbeit in den Projektgruppen wendet sich im Einzelnen folgenden Gegenständen zu: „Stark korrelierte Elektronensysteme“, „Theoretische Berechnung chemischer Reaktionen molekularer und polymerer Strukturen“, „Mathematische und informatische Aspekte komplexer symbolischer Softwaresysteme“, „Stochastik und Strukturbildung“, „Quantengruppen und nichtkommutative Geometrie“, „Schuranalysis“ und „Computational Sciences“.
Die Doktorandenausbildung findet im Rahmen des Graduiertenkollegs „Analysis, Geometrie und ihre Verbindung zu den Naturwissenschaften“ statt, das seine Arbeit in der dritten Bewilligungsphase fortsetzte. Unter den Veranstaltungsreihen sind das NTZ-Kolloquium mit Vorträgen von auswärtigen Gästen sowie die Vorlesungsreihe „Mitteldeutsche Physik Combo“ besonders erfolgreich. Die enge Kooperation des NTZ mit dem Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften wurde sehr erfolgreich in Doktorandenqualifizierung und Forschung fortgesetzt.
Frankreich-Zentrum (FrZ) Das Frankreich-Zentrum (FrZ) bietet seinem Grundverständnis nach Wissenschaftlern unserer Universität ebenso wie Kooperationspartner aus der Region, die sich in Lehre wie Forschung mit Frankreich und der frankophonen Welt beschäftigen, einen Ort der interdisziplinären und internationalen Diskussion und Auseinandersetzung. Die am neuen Standort Thomaskirchhof wieder hergestellte räumliche Nähe und die enge Zusammenarbeit mit dem Institut Français de Leipzig wirken dabei ebenso förderlich wie die Zusammenarbeit mit dem kanadistisch orientierten Quebec-Archiv und mit dem Französisch-Selbstlernzentrum FRAN-Z, die gemeinsam mit dem Frankreich-Zentrum unter einem Dach untergebracht sind. Die Arbeitsfelder des FrZ reichen von der Konzeption und Organisation von Workshops, Tagungen und Ringvorlesungen über Aufgaben in Lehre und Weiterbildung (Masterstudiengang European Studies; Magisternebenfachstudiengang Frankreich-Studien und die Französische Sommeruniversität) bis hin zur Kernaufgabe der Erforschung von Frankreich und seinen Beziehungen in die Welt. Forschung und Publikationstätigkeit konzentrierten sich im Jahr 2006 auf den Vergleich sprachpolitischer Prozesse in West- und Südosteuropa sowie auf den Zusammenhang von Kulturtransfers und transnationaler Geschichte.
Neben den Veröffentlichungen in der Buchreihe des FrZ und der „Deutsch-Französischen Kulturbibliothek“ wird an diesem Teilzentrum auch die Zeitschrift „Grenzgänge. Beiträge zu einer modernen Romanistik“ herausgegeben (www.uni-leipzig.de.zhs/zhs/ publikat/grenz/index.htm). Seit September 2004 wird das Internetportal „geschichte. transnational“ (http://geschichte-transnational.dioonline.net) am ZHS redaktionell betreut. Dieses Internetportal ist ein elektronisches Fachforum für die Geschichts- und Kulturwissenschaften im Rahmen von H-Soz-und-Kult und Clio-Online. Es stützt sich ganz wesentlich auf die enge Kooperation mit der Ecole Normale Supérieure Paris. Inzwischen hat es mehr als 2500 Abonnenten an sich binden können und ist zu einer international anerkannten Informationsbörse über aktuelle Entwicklungen im noch jungen Gebiet der transnationalen Geschichte geworden.
Geistes- und Sozialwissenschaftliches Zentrum (GSZ)
Die enge Verbindung von interdisziplinären Projektgruppen, Gastwissenschaftlerprogramm, Doktorandenausbildung und transnational organisierten Masterprogrammen kennzeichnet die Arbeit des 1994 gegründeten Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Zentrum (GSZ).
Die Projektgruppen arbeiten zu folgenden Themen „Propertization“, „Kommunikatives Verstehens“, „International Studies“, „Global History and Transnationalization“ sowie – neu 2006 eingerichtet – „Toleranz als Ordnungsprinzip“. Neben den seit 2001 existierenden Promotionsstudiengang „Transnationalisierung und Regionalisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ trat 2006 das Graduiertenkolleg „Bruchzonen der Globalisierung“, während der European Master Global Studies seine erfolgreiche Arbeit gemeinsam mit Universitäten in London, Wien, Wroclaw, Dalhousie, Santa Barbara, Stellenbosch und Sydney fortsetzte. Das Programm „Europe in the World“ richtete sich als interdisziplinäres Sommerprogramm an internationale Studenten.
Das GSZ ist am Programm der European Science Foundation „National Histories in Europe“ (NHIST) beteiligt, das von 2003 bis 2008 gefördert wird. Es hat die Federführung für den Bereich „National Histories and its Interrelation with Regional, European and World Histories“ übernommen (www.uni-Ieipzig.de/zhs/esf-nhist) und arbeitet dafür eng mit dem am Geisteswissenschaftlichen Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas beheimateten Bereich „Overlapping National Histories“ zusammen.
Im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms „Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Deutschland im internationalen Zusammenhang im späten 19. und im 20. Jahrhundert: Personen, Institutionen, Diskurse“ wird am GSZ gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Hamburg das Projekt „Außereuropa und die europäischen Wissenschaftskulturen. Konzeptionen und Funktionen von Lateinamerika und Afrika in den modernen Humanwissenschaften Deutschlands im Vergleich zu Westeuropa und Ostmitteleuropa 1945-2000“ bearbeitet. Desweiteren nahm ein gemeinsam mit der Humboldt-Universität und dem Deutschen Museum in München beantragter und vom BMBF geförderter Forschungsverbund zum Thema „Die Konstruktion des Homo Europaeus“ die Arbeit auf, der mit Studien zu australisch-europäischen Beziehungen sowie zur Rolle internationaler Gesundheitsorganisationen die Forschungsbasis für eine globalhistorische Schwerpunktbildung weiter verstärkt. Im Themenfeld „Propertization“ wurde mit einer internationalen Tagung und Publikation die Vorbereitung für die Antragstellung einer Forschergruppe bei der DFG abgeschlossen, während die Projektgruppe „Strukturen der Kommunikation“ zwei internationale Verbundprojekte zu „Inferential foundations of logic and meaning“ und „Strukturen des Wissens“ vorbereitet hat.
Das GSZ betreut die Zeitschrift „Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung“ (www.uni-Ieipzig.de/zhs/comp/index2.htm) und die Buchreihen „Geschichtswissenschaft und Geschichtskultur im 20. Jahrhundert“, „Transnationalisierung und Regionalisierung“ sowie zu „Global History and International Studies“.
Zentrum für Kognitionswissenschaften (ZfK)
Das Zentrum für Kognitionswissenschaften (ZfK) wurde 1996 als vierte wissenschaftliche Einrichtung des Zentrums für Höhere Studien der Universität Leipzig eröffnet. Es schließt an eine reiche Leipziger Tradition der Kognitionswissenschaften an und bewährt sich nicht zuletzt als interface zwischen universitären Strukturen und den Max-Planck-Instituten. Ziel der Kognitionswissenschaften ist es, aufzuzeigen, wie Gehirnfunktionen und Verhalten korrelieren. Sie beschäftigen sich in erster Linie mit Erkennens-, Behaltens- und Sprachleistungen, dem Erwerb und Gebrauch von Wissen sowie der Struktur von Gedächtnis- und Wissensrepräsentationen. Der Schwerpunkt „Neurokognition“ untersucht den Zusammenhang von Geist/Seele und Gehirn. Er umreißt ein international stark expandierendes Forschungsfeld an der Schnittstelle zwischen kognitiver Psychologie und Neurowissenschaften. Die Neurokognition bemüht sich einerseits, jene Hirnprozesse genauer zu verstehen, welche kognitive Leistungen wie Wahrnehmung, Denken und Sprache determinieren. Andererseits analysiert sie deren neuronal Bedingtheit. Um sich umfassend den zugrunde liegenden Prozessabläufen anzunähern oder diese adäquat zu beschreiben, werden Modelle entworfen, mit denen Wahrnehmung, Denken und Sprache zu neuronalen Mechanismen im Gehirn oder zu künstlichen Systemen in Beziehung gesetzt werden können.
Die Doktorandenausbildung wird am ZfK innerhalb des DFG-geförderten Graduiertenkollegs „Function and Attention in Cognition“ (seit 2005) realisiert (www.uni-leipzig.de/zhs/teilzentren/zfk/). Im Internationalen Promotionsstudiengang (IPP) „Von der Signalverarbeitung zum Verhalten“ (www.uni-leipzig.de/zhs/ipp) ist das ZfK in zwei von vier Forschergruppen („Kognitive Prozesse im menschlichen Gehirn“, „Neuronale und interneuronale Kommunikation“) zentral vertreten. Aus Preismitteln des „Sofija-Kovalevskaja-Programms“ der Alexander von Humboldt-Stiftung (Leiterin: Dr. Tricia Striano, Laufzeit 3 Jahre) wurde eine eigene Forschungsgruppe für Neurokognition und Entwicklung eingerichtet.
Zentrum für Prävention und Rehabilitation (ZPR)
Das Zentrum für Prävention und Rehabilitation (ZPR) hat im Juni 2003 seine Arbeit aufgenommen. Die Gründung des Zentrums geht auf die stärkere Berücksichtigung von Prävention und Rehabilitation in der medizinischen Forschung und Praxis zurück. Forschungsschwerpunkte des Zentrums sind der Bedarf, die Qualität und die Wirksamkeit von präventiven und rehabilitativen Maßnahmen und Leistungen im Gesundheitswesen. Ein weiterer Fokus liegt auf der gesundheitsökonomischen Evaluation und der Entwicklung neuer präventiver Strategien. Dabei bilden eingeworbene Forschungsprojekte die Grundlage für eine fakultätsübergeifende Verbundforschung.
In Zusammenhang mit einer interdisziplinären Doktorandenausbildung ist das ZPR an dem Internationalen Promotionsstudiengang (IPP) „Von der Signalverarbeitung zum Verhalten“ beteiligt, an dem weiterhin das Zentrum für Kognitionswissenschaften, die Max-Planck-Institute für Neuropsychologische Forschung und Evolutionäre Anthropologie sowie die Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, die Sportwissenschaftliche, die Sozialwissenschaftliche und die Medizinische Fakultät mitwirken.
Mehr als 60 präventions- und rehabilitationsbezogene Forschungsprojekte bilden die Basis für die Arbeit des Zentrums, die sich in folgende Projektgruppen gliedert: Onkologie; Adipositas, Psychische Störungen und Bewegungsapparat.
Weitere Aktivitäten des ZPR umfassen sowohl das regelmäßig stattfindende Forschungskolloquium „Public Mental Health“ als auch Seminare und ein alljährliches Symposium zu aktuellen Themen aus der Gesundheitsökonomie.
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