Forschungstätigkeit am Zentrum
Selbstverständnis
Das Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung (ZLS) ist eine Einrichtung an der Universität Leipzig mit koordinierenden und wissenschaftlichen Aufgaben zu Fragen der Lehrerbildung. Es versteht sich als Plattform für den Dialog und die Zusammenarbeit von Personen bzw. Einrichtungen, die an der Ausbildung und Qualifizierung von Schulpädagogenn beteiligt sind.
Der interdisziplinäre Charakter ist ein wesentliches Merkmal des ZLS. Beispielhaft dafür ist die fächerübergreifende Bearbeitung der einzelnen Forschungsprojekte mit verschiedenen Fachbereichen der Universität Leipzig. Mit dieser Arbeitsweise wird sichergestellt, dass die einzelnen Fragestellungen umfassend bearbeitet werden. Gleichzeitig werden Querverbindungen und Berührungspunkte zwischen den Fachgebieten hergestellt, die bisher unabhängig voneinander zu pädagogischen Fragestellungen arbeiteten.
Das Zentrum fördert mit seinen Aktivitäten darüber hinaus den Theorie-Praxis-Dialog innerhalb der Lehreraus-, Lehrerfort- und Lehrerweiterbildung durch
- die Bearbeitung praxisrelevanter Forschungsthemen zu aktuellen und bildungspolitischen Fragestellungen,
- die Beratung von Institutionen und Einrichtungen zu aktuellen Fragen der Neustrukturierung der Lehramtsausbildung und
- die Einbindung aktueller Forschungsergebnisse in die Ausbildung und Qualifizierung von Pädagogen.
Durch das Zentrum werden somit Kompetenzen gebündelt, Möglichkeiten für die Schulforschung erweitert und ein Ansprechpartner an der Universität Leipzig für alle an der Lehreraus-, Lehrerfort- und Lehrerweiterbildung beteiligten Personen und Institutionen geschaffen.
Forschungs- und Arbeitsfelder am ZLS
Zentrales Ziel des ZLS ist es, den Theorie-Praxis-Dialog innerhalb der Lehreraus-, Lehrerfort- und Lehrerweiterbildung zu initiieren, zu fördern sowie die Einbindung von gewonnenen Forschungsergebnissen aus dem Bereich der Schulforschung in die Schulpraxis zu verbessern. Darauf aufbauend lassen sich folgende zentrale Arbeitsfelder des Zentrums für Lehrerbildung und Schulforschung festhalten.
Lehrerausbildung / Lehrerqualifizierung
Das „Leipziger Modell der Lehrerbildung“
Mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge auch für die Lehramtsausbildung seit dem Wintersemester 2006/2007 ist die zukünftige Lehrerbildung praxisnäher und problemorientierter gestaltet. Das Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung (ZLS) ist an der Neustrukturierung der Lehramtsstudiengänge maßgeblich beteiligt. So werden zukünftige Pädagogen zu Fachexperten für Lehren und Lernen qualifiziert. Der Name „Leipziger Modell der Lehrerbildung“ steht dafür als synonymer Begriff. Neu und einzigartig am „Leipziger Modell der Lehrerbildung“ ist, dass
- schon in der ersten Phase der universitären Ausbildung schulpraktische Erfahrungen vermittelt werden. Diese erleichtern es den Studierenden, ihre Schuleignung kritisch zu hinterfragen und zu prüfen.
- durch die konsequente Modularisierung der Übergang in die fachwissenschaftlichen Studiengänge erleichtert wird.
- auf dem Weg zum schulspezifischen Masterabschluss bildungswissenschaftliche Kernkompetenzen, die bisher erst in der zweiten Phase der Lehramtsausbildung vermittelt wurden, schon Gegenstand während der universitären Phase der Lehramtausbildung sind.
- alle Schularten gleichrangig behandelt werden. Dies bedeutet insbesondere eine Aufwertung der Grund- und Mittelschullehrerausbildung, da diese auf die aktuellen pädagogischen Anforderungsprofile eines umfassend ausgebildeten Lehrers eingestellt ist.
Qualifizierung von Mentoren im Rahmen schulpraktischer Studien
Einen zweiten aktuellen Arbeitsschwerpunkt bildet die Entwicklung einer Konzeption für die Qualifizierung von Mentoren für die Schulpraktischen Studien. Zentrale Zielstellung des Projektes ist die systematische Qualifizierung von Mentoren im Freistaat Sachsen. Weitere Zielstellungen sind:
- Herstellung eines engen Theorie-Praxis-Bezuges durch die stärkere Vernetzung von Universität mit den Staatlichen Seminaren sowie die Gewinnung von Schulforschungs- und Ausbildungsschulen,
- Förderung und Unterstützung der Qualitätsentwicklung an sächsischen Schulen durch Personalentwicklung,
- Steigerung der Qualität der Schulpraktischen Studien und des Vorbereitungsdienstes,
- Einrichtung eines Mentoring-Netzwerkes für den Freistaat Sachsen.
Die dreijährige Mentorenqualifizierung besteht aus drei zentralen, aufeinander aufbauenden Bausteinen. Diese sind:
- Baustein I: Bildungswissenschaften (für die Schulpraktischen Studien I),
- Baustein II: Fachdidaktiken (für die Schulpraktischen Studien II bis V),
- Baustein III: Staatliche Seminare (für das Referendariat).
Zentrale Themen innerhalb dieser Bausteine sind:
- Inhalte und Organisation des Lehramtsstudiums,
- neue didaktische, lernpsychologische, soziologische, fachdidaktische und fachwissenschaftliche Ansätze,
- Beobachtung, Analyse und Einschätzung der bestehenden Schulrealität,
- Planung, Durchführung und Evaluierung von Unterricht,
- Kommunikationstraining,
- Beurteilung von Praktikanten und Referendaren.
Im Rahmen der Planung, Durchführung und Nachbereitung der einzelnen Bausteine innerhalb der Mentorenqualifizierung arbeitet das Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung eng mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus zusammen. Weitere Kooperationspartner sind das Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB) der Technischen Universität Dresden sowie die Bildungsagenturen und die Staatlichen Seminare im Freistaat Sachsen.
Darüber hinaus steht das Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus und dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) zu Fragen der Lehramtsausbildung an der Universität Leipzig beratend zur Seite. Schulforschung
Der Schwerpunkt der Forschungsarbeit des ZLS liegt im Bereich der Schul-, Un-terrichts- und Bildungsforschung. Aufbauend auf Ergebnissen von Grundlagen- und Erkenntnisforschung werden Beiträge zur konzeptionellen Weiterentwicklung von Schule, Unterricht und Lehrerbildung erbracht. Gleichzeitig werden damit Anregungen für Schulentwicklung und Bildungsplanung bereitgestellt. Neben der Evaluation von Lehre und Studium in den Lehramtsstudiengängen stellen die Erforschung von schul- und unterrichtsbezogenenen Prozessen sowie die Evaluation innovativer Strukturen und Prozesse im Bildungsbereich weitere zentrale Tätigkeitsfelder dar.
Konkrete Forschungsprojekte im Jahr 2007 waren (Kurzdarstellung siehe Internet):
Kinder über den Holocaust. Frühe Zeugnisse 1944-1946
Projektdurchführung: Prof. Dr. Alfons Kenkmann
Dipl.-Pol. Elisabeth Kohlhaas
Michaela Christ
Kommunikationsräume des Europäischen. Jüdische Wissenskulturen jenseits des Nationalen
Projektdurchführung: Prof. Dr. Alfons Kenkmann
Dipl.-Pol. Elisabeth Kohlhaas
Pilotprojekt zur nachhaltigen Steigerung der Kooperation der Lehramtsausbildenden Institutionen im Freistaat Sachsen
Projektdurchführung: Prof. Dr. Alfons Kenkmann
Martin Lücke
Kati Neudert
HiK – Evaluation des Medienpaketes „Hoch im Kurs“
Projektdurchführung: Jana Both M.A.
Schulpraktische Studien 2005 bis 2007 – eine quantitative Analyse
Projektdurchführung: Jana Both M.A.
Anke Pludra M.A.
Dorothea Kiehlmann
Subjektive Theorien über die Frage nach den notwendigen Kompetenzen eines „guten“ Lehrers
Projektdurchführung: Jana Both M.A.
Warum Lehrer werden?“ – Beweggründe, den Beruf „Lehrer“ zu ergreifen
Projektdurchführung: Jana Both M.A.
Anke Pludra M.A.
Subjektive Theorien von Schülern über Schule
Projektdurchführung: Jana Both M.A.
Anke Pludra M.A.
„KUNI“ – die erste Leipziger Kinderuniversität
Koordination/ Verwaltung
Koordinierende Aufgaben zu Fragen der Lehreraus-, Lehrerfort- und Lehrerwei-terbildung bilden ein drittes Arbeitsfeld des ZLS. Neben der organisatorischen Entwicklung und Betreuung der Schulpraktischen Studien in der ersten Phase der Lehrerausbildung ist die Koordination der Schnittstellen zur zweiten Phase der Lehramtsausbildung eine zentrale Aufgabe. Hier erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Seminarzentren im Freistaat Sachsen.
Oberstes Ziel der Fortbildungen des ZLS ist es, durch eine an der konkreten Schulpraxis ausgerichteten Qualifizierung der Lehrer, den Unterricht an den sächsischen Schulen nachhaltig zu verbessern. Ein konkreter Bezug zur Unterrichtspraxis sowie zu den bisherigen Lehrerfahrungen der Teilnehmer ist dabei elementar. Typisch dafür ist der Zertifikatskurs „Ethik für Grundschullehrer“. Dieser Zertifikatskurs ist eine dreisemestrige Qualifizierungsmaßnahme für sächsische Lehrer der Klassen eins bis vier. Ziel der seit dem Wintersemester 1999/2000 bestehenden berufsbegleitenden Fortbildung ist es, den Ethik-Unterricht an den sächsischen Grundschulen nachhaltig zu steigern. Ein konkreter Bezug zur Unterrichtspraxis und zu den bisherigen Lehrerfahrungen der Teilnehmer spielt in der gesamten Fortbildung eine wichtige Rolle.
Innerhalb von Vorlesungen und Seminaren, praktischen Übungen, Projekten und Exkursionen gilt es, unter der Beteiligung der Fächer Philosophie, Pädagogik, Psychologie, Theologie/Religion, Soziologie, Natur/ Umwelt folgende zentrale Ziele zu erreichen:
- Erweiterung fachlicher und didaktischer Kenntnisse für die konkrete Unterrichtspraxis,
- Steigerung der fachlichen Kompetenz für einen lebensnahen, anspruchsvollen und sachbezogenen Unterricht,
- Verbesserung der Methodik zur Gestaltung eines fächerübergreifenden, handlungs- und problemorientierten Unterrichts.
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