Home  Forschungsbericht 2007

Kooperative Forschungsförderungseinrichtungen
Co-operative forms of research

 

GRADUIERTENKOLLEGS
RESEARCH TRAINING GROUPS

 

Universalität und Diversität
Mechanistische Anwendungsaspekte nichtkonventioneller Oxidationsprozesse
Wissenpräsentation
Analysis, Geometrie und ihre Verbindung zu den Naturwissenschaften
InterNeuro
Diffusion in porösen Materialien
Funktion von Aufmerksamkeit bei kognitiven Prozessen
Bruchzonen der Globalisierung

 

Graduiertenkolleg: Universalität und Diversität: Sprachliche Strukturen und Prozesse
Universality and Diversity. Linguistic Structures and Processes

Sprecher Professor Dr. Gerhild Zybatow
  Philologische Fakultät,
Institut für Slavistik
Sitz Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig
Telefon (0341) 97 37 467
Telefax (0341) 97 37 499
E-Mail zybatow@rz.uni-leipzig.de
URL www.uni-leipzig.de/~gksprach

Laufzeit

01.10.1997 – 30.9.2007

Beteiligte Einrichtungen

Philologische Fakultät

  • Institut für Linguistik
  • Institut für Slavistik

Fakultät für Mathematik und Informatik

  • Institut für Informatik

Zentrum für Höhere Studien

  • Zentrum für Kognitionswissenschaften/Klasse Lebenswissenschaften

Max-Planck-Institut für Neuropsychologische Forschung Leipzig

Eingebundener Personenkreis 2007

Torsten Andreas, Kai Alter (Newcastle University), Ina Bornkessel, Johannes Dölling, Angela D. Friederici, Sabine Gründer, Tracy A. Hall (Indiana University), Gerhard Heyer, Matthias Irmer, Uwe Junghanns, Sonja Kotz, Antje Lahne, Susann Lingel, Amelie Mahlstedt, Gereon Müller, Olav Mueller-Reichau, Thomas Pechmann, Anita Steube, Stefan Sudhoff, Helena Trompelt, Gerhild Zybatow.

Ziele, Programm und Struktur des Graduiertenkollegs

Das Graduiertenkolleg sieht sein Ziel in der Förderung der wissenschaftlichen Ausbildung und Forschung im Bereich der theoretischen und experimentellen Grundlagen der Linguistik und legt seinen inhaltlichen Schwerpunkt auf die universalen und einzelsprachlich divergierenden Aspekte der sprachlichen Strukturen sowie auf die auf diese Strukturen applizierenden psycholinguistischen Prozesse. Die Thematik des Kollegs verknüpft linguistische, sprachtypologische, psychologische, neuropsychologische und informationswissenschaftliche Aspekte der Sprachbetrachtung und bietet dieses Geflecht zum fachübergreifenden Studium an. Das besondere Profil des Kollegs besteht in der innovativen Integration der einzelsprachlichen Analysen in eine einheitlich ausgerichtete allgemein-sprachwissenschaftliche Theorienbildung, die durch Aspekte der Sprachtypologie, der Psycholinguistik, der Neuropsychologie der Sprache und der Computerlinguistik zu einer abgerundeten, kognitionswissenschaftlich orientierten Zusammenarbeit ergänzt wird.

Nach der Neugründung und dem fortschreitenden Aufbau des Instituts für Linguistik während der ersten Förderperiode sind in der zweiten und dritten sowie in der Verlängerungsperiode (2007) sowohl eine Verstärkung der in der ersten Phasen vertretenen inhaltlichen Gebiete – insbesondere im Bereich der einzelnen Kerngebiete der theoretischen Linguistik, der Philologien und der Sprachtypologie – als auch neue thematische Spezialisierungen v.a. im Bereich der Phonologie und Dialektologie hinzugekommen. Die Spezifik der letzten Förderperiode hat also einerseits die Inhalte der ersten Periode vertieft und andererseits in der verstärkten Integration dieser Inhalte zu einer theoretisch-einheitlichen Gesamtbetrachtung der einzelsprachlichen Analysen unter kognitionswissenschaftlichen Aspekten gelegen.

Die inhaltliche Thematik des Kollegs konzentriert sich zum einen auf die Betrachtung der universalen und einzelsprachlich variierenden Aspekte der Strukturen natürlicher Sprache und legt gleichzeitig ihren Schwerpunkt auf die psycholinguistischen Prozesse, die diese Strukturen verarbeiten.

Der Gegenstand der Linguistik geht seit geraumer Zeit über das Studium der Einzelsprachen hinaus und umfasst auch die universalen Eigenschaften aller natürlichen Sprachen. Am Kolleg besteht ein ausgeprägtes Interesse in diesem Sinne für den Sprachvergleich und folglich auch für seine Verankerung in einem einheitlichen theoretischen Rahmen, der die Basis für eine klare Deutung der erzielten Ergebnisse in ihren sprachtypologischen Aspekten gewährleisten kann. Dem Studium von Sprachuniversalen wird am Kolleg eine zentrale Bedeutung beigemessen – nicht nur, weil ihr Verständnis unsere Einsichten in den Phänomenbereich Sprache vertieft, sondern auch weil die universalen Aspekte von Sprache uns einen ersten aber essentiellen Einblick in das Wesen der menschlichen Kognition bescheren. Die Linguistik ist neben der Psychologie, der Neurologie und der Informatik zu einem integralen Bestandteil der Kognitionswissenschaften geworden. Eines der Hauptziele der Grammatiktheorie ist in diesem Zusammenhang die Aufdeckung und Modellierung des Wissenssystems Sprache. Die Weiterführung dieser Forschungsstrategie stellt nachwievor eines der Hauptziele des Kollegs dar. Durch die weitgehend einheitliche theoretische Ausrichtung der Lehrenden am Kolleg besteht das Potential, die Methodik und die neueren Einsichten der theoretischen Linguistik, insbesondere die Grammatiktheorie Chomskyscher Prägung, für die Beschreibung der einzelnen Philologien nutzbar zu machen. So können zum einen vergleichbare Phänomene eher erkannt und auf einen gemeinsamen strukturellen Nenner gebracht werden. Zum anderen können traditionelle Themen der sprachtypologischen Forschung unter ganz neuem Blickwinkel berücksichtigt werden. Neben der Betrachtung der bekannten europäischen Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Russisch und der weniger bearbeiteten indoeuropäischen Sprache Malayam in der ersten Laufphase kam in den folgenden Förderungsphasen v.a. die Betrachtung einzelner germanischer Dialekte hinzu sowie das Studium indigener nordamerikanischer Sprachen, die teilweise völlig andere (ergative/polysynthetische) Sprachtypen als die indoeuropäischen darstellen.

Die thematischen Schwerpunkte, die sich als konkrete Fragestellungen aus dem Rahmenthema des Kollegs anhand der Interessen und Spezialisierungen der Lehrenden ergeben, gruppieren sich um die folgenden Schwerpunkte:

A: Psycholinguistische Prozesse: Sprachverarbeitung an den Schnittstellen Lexikon-Syntax und Prosodie-Syntax,

B: Sprachvergleich bezogen auf die verschiedenen Ebenen der Grammatik (Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik) und

C: Prozesse der Umdeutung, Inferenz, und Fokussierung unter Negation an der Schnittstelle zwischen semantischer und konzeptueller Struktur.

Diese Forschungsschwerpunkte stellen aktuelle Themenkomplexe dar, die interaktiv anzugehen sind und die Dissertations-vorhaben definiert haben. Die Erfahrung mit diesen exemplarischen Themen hat den Kollegiaten einerseits Wissen und Fertigkeiten in den Ausgangdisziplinen vermittelt, sie andererseits sowohl für eine wissenschaftliche als auch für eine berufspraktische Arbeit qualifiziert und ihnen gleichzeitig aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung eine breites Methodikangebot gesichert. Von Bedeutung ist außerdem die grenzüberschreitende Begegnung von Natur- und Geisteswissenschaften in Form der Zusammenarbeit der verschiedenen linguistischen Zweige mit den neuropsychologischen Forschungsrichtungen und Experimentiermethoden des Max-Planck-Instituts für neuropsychologische Forschung.

Goals, Structure and Programme

The aim of this Postgraduate Research Unit is to support academic training and research in the area of theoretical and experimental basics of linguistics. Its emphasis lies on universal aspects of language structures as well as on those aspects that are specific to each language, and on the psycholinguistic processes applying to those aspects. The Group collects linguistic, typological, psychological, neuropsychological, and computational aspects of language analysis in an interdisciplinary course of study. The special profile of the Group lies in its innovative integration of the analysis of individual languages into a unified general linguistic theory formation, which is complemented by aspects of language typology, psycholinguistics, neuropsychology of language and computational linguistics in order to achieve a cognitive science-oriented collaboration. After the new formation and the continuing development of the Institute of Linguistics during the first period of funding, in the projected second phase, the Group will strengthen those fields which were emphasized during the first phase - especially its core areas of theoretical linguistics, philology, and language typology - as well as add new specialisations, especially in the areas of phonology and dialectology. The second period of funding will thus on the one hand reinforce the fields established in the first period, and on the other hand further consolidate those fields into a unified theoretical examination of the analysis of individual languages from the angle of cognitive science. The Group thus not only specifically concentrates on the examination of universal aspects of language structures, as well as on those aspects which are specific to each language, but also emphasizes the psycholinguistic processes that use those structures.

For quite some time now, linguistics has developed into more than just the study of individual languages to encompass also the universal characteristics of natural languages. The Group is especially interested in comparative aspects and in a unified theoretical framework for such comparison, which can provide a basis for a structured interpretation of the achieved results in its language-typological aspects. The Group attaches a central importance to the study of language universals, not only because their understanding deepens our insights into language, but also because they enable us to have a first essential look at the nature of human cognition. Next to psychology, neurology, and computer sciences, linguistics has become an integral part of cognitive science. One of the main goals of grammar theory in this context is the exposition and modelling of language as a system of knowledge. To follow this research strategy continues to be a major goal of the Group. The high degree of theoretical alignment of its teachers enables the Group to use both the methodology and newer insights of theoretical linguistics, especially of Chomskyan grammar theory, for the description of the various philologies. Thus, comparable phenomena can be recognized and brought to a common denominator sooner. In addition, traditional topics in language-typological research can be taken into account from completely new points of view. Next to the examination of the familiar European languages English, German, French, Spanish and Russian and the less well-researched Indo-European language Malayam in the first phase, in the second phase of funding the Group will turn especially toward the study of individual Germanic dialects as well as indigenous North American languages, some of which represent entirely different language types (ergative/polysynthetic) from the Indo-European languages.
The thematic concentrations, which derive as concrete topics from the interests and specialisation of the Group's teachers, can be clustered around the following emphases:

A: Psycholinguistic processes: language processing on the lexicon-syntax-interface and the prosody-syntax-interface,

B: Language comparison referring to the different levels of grammar (phonology, morphology, syntax, semantics) and

C: Processes of reinterpretation, inference, and focussing under negation on the interface of semantic and conceptual structure.

Those clusters are current themes to be regarded interactively. They define a number of dissertation projects. Working with those clusters should on the one hand provide the Group's students with knowledge and skills associated with the basic disciplines, and on the other hand qualify students for both academic and practical work. Because of its interdisciplinary direction, it should also ensure a comprehensive grasp of methodology. Another aspect of note is the interdisciplinary meeting of natural sciences and the humanities in the form of collaborations between the different linguistic branches and the neuropsychological research and experimental methods of the Max-Planck-Institute for Human Cognitive and Neurosciences.

 

Graduiertenkolleg: Mechanistische und Anwendungsaspekte nichtkonventioneller Oxidationsreaktionen
Mechanisms and Applications of Non-Conventional Oxidation Reactions

Sprecherin Professor Dr. Evamarie Hey-Hawkins
  Fakultät für Chemie und Mineralogie,
Institut für Anorganische Chemie
Sitz Johannisallee 29, 04103 Leipzig
Telefon (0341) 97 36 151
Telefax (0341) 97 39 319
E-Mail hey@rz.uni?leipzig.de
URL www.uni-leipzig.de/chemie/oxi

Laufzeit

01.10.1997 – 30.09.2007

Beteiligte Einrichtungen

Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

  • Institut für Biochemie
  • Institut für Pharmazie

Fakultät für Chemie und Mineralogie

  • Institut für Anorganische Chemie
  • Institut für Organische Chemie
  • Institut für Technische Chemie
  • Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Zeitaufgelöste Spektroskopie

Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum

Medizinische Fakultät

  • Institut für Medizinische Physik und Biophysik

Eingebundener Personenkreis

Am Graduiertenkolleg sind in der 3. Förderperiode 14 Hochschullehrer, Dozenten und Habilitanden, 13 Stipendiaten, ein Postdoktorand und 5 Kollegiaten beteiligt. In der Auslaufphase (01.10.2006 - 30.09.2007) wurden 8 Doktoranden finanziert.

Ziele, Programm und Struktur des Graduiertenkollegs

Nichtkonventionelle Aspekte einer zentralen chemischen Reaktion, der Oxidation, werden in einem fach- und disziplinenübergreifenden Forschungsverbund bearbeitet und bilden das Rückgrat einer modernen und stimulierenden Doktorandenausbildung.
Zentrale Punkte des Forschungsprogramms sind

  • die Entwicklung neuer Oxidationsmittel
  • ihre Anwendung in Synthesen
  • enzymatische Oxidationsreaktionen, einschließlich der Charakterisierung und Strukturbestimmung der Enzyme
  • die Untersuchung reaktiver Sauerstoffspezies in Lebewesen.

Goals, structure and programme

Non-conventional aspects of a central chemical reaction – the oxidation reaction - are studied within an interdisciplinary research programme which forms the backbone of modern training for a doctoral degree (Dr. rer. nat.).
The main targets of the research programme of the Research Training Group are

  • the development of new oxidizing agents
  • their application in syntheses
  • enzymatic oxidation reactions, including characterization and structure determination of the enzymes
  • investigation of reactive oxygen species in living organisms

Graduiertenkolleg: Wissenrepresentation
Knowledge Representation

Sprecher Professor Dr. Gerhard Brewka
  Fakultät für Mathematik und Informatik
Institut für Informatik
Sitz Johannisgasse, 04103 Leipzig
Telefon (0341) 97 32 235
Telefax (0341) 97 32 299
E-Mail brewka@informatik.uni-leipzig.de
URL www.informatik.uni-leipzig.de/~brewka/gk

Laufzeiten

01.10.1998 - 30.09.2007 (Auslauffinanzierung 1.10.2007 - 30.09.2008)

Beteiligte Einrichtungen

Fakultät für Mathematik und Informatik

  • Institut für Informatik

Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie

  • Institut für Logik und Wissenschaftstheorie

Medizinische Fakultät

  • Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie

Eingebundener Personenkreis

14 Stipendiaten, 1 Postdoktorand, 11 Hochschullehrer

Ziele, Programm und Struktur

Forschungsgegenstand des Graduiertenkollegs ist die Repräsentation und Verarbeitung von Wissen. Neuere theoretische Ergebnisse aus dem Bereich der philosophischen Logik und Wissenschaftstheorie sowie aus der eher grundlagenorientierten Forschung innerhalb der Künstlichen Intelligenz haben bisher nur wenig Eingang gefunden in konkrete Anwendungssysteme. Umgekehrt werden Erfordernisse an Repräsentations- und Verarbeitungstechniken, die sich aus konkreten Anwendungsfragestellungen ergeben, von den Theoretikern oft nicht genügend zur Kenntnis genommen.

Eines der wesentlichen Ziele des Kollegs ist es deshalb, in der Ausbildung der Graduierten eine Brücke zu schlagen von grundlagenorientierten Fragestellungen der Wissensrepräsentation über die informationstechnische Umsetzung entsprechender Methoden bis hin zu konkreten Anwendungen aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik und Medizininformatik.

Der Begriff Wissensrepräsentation wird dabei von uns bewusst weit gefasst: er beinhaltet neben den Repräsentationsformalismen und -sprachen sowie ihren Anwendungen auch Techniken der Wissensstrukturierung, der Generierung von Erklärungen, der Integration verschiedener Wissensquellen sowie der Visualisierung. All diese Aspekte sind unabdingbare Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz und die Akzeptanz wissensbasierter Techniken.

Die Forschung im Graduiertenkolleg ist gegliedert in die folgenden vier eng miteinander verzahnten Schwerpunkte:

  • Methodische Grundlagen
  • Repräsentationssprachen und -systeme
  • Präsentation und Visualisierung
  • Entscheidungsunterstützende Systeme

Insgesamt soll den Kollegiaten die Fähigkeit vermittelt werden, Theorie und Anwendung füreinander fruchtbar zu machen: sie sollen lernen, sowohl Lösungen für schwierige Grundlagenprobleme zu entwickeln als auch diese Lösungen in praxisrelevante Systeme umzusetzen.

Goals, Structure and Programme

The topic of the Graduiertenkolleg is the representation and processing of knowledge. Recent theoretical results in philosophical logic and Artificial Intelligence so far have not lead to new kinds of application systems. On the other hand, requirements stemming from specific applications often are not sufficiently taken into account by theoretical researchers.

A major goal of our research is to bridge the gap between application and theory in knowledge representation. We want to investigate foundational questions in the light of specific applications stemming from business and medical informatics. We work on the following topics:

  • Foundations of knowledge representation
  • Representation systems and languages
  • Presentation and visualization
  • Decision support systems

Graduiertenkolleg: Analysis, Geometrie und ihre Verbindung zu den Naturwissenschaften
Analysis, Geometry and Interaction with Natural Sciences

Sprecher Professor Dr. Hans-Bert Rademacher
  Fakultät für Mathematik und Informatik,
Mathematisches Institut
Sitz Johannisgasse, 04103 Leipzig
Telefon (0341) 97 32 191
Telefax (0341) 97 32 198
E-Mail rademacher@mathematik.uni-leipzig.de
URL www.mathematik.uni-leipzig.de/GK

Laufzeiten

01.05.2000 – 30.04.2009

Beteiligte Einrichtungen

Fakultät für Mathematik und Informatik

  • Mathematisches Institut
  • Institut für Informatik

Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften

Fakultät für Physik und Geowissenschaften

  • Institut für Theoretische Physik

Eingebundener Personenkreis

Kollegiaten: 16 Doktoranden, darunter 10 Stipendiaten, und 5 Postdoktoranden

Ziele, Programm und Struktur

Es ist das zentrale Anliegen des Graduiertenkollegs, die Wechselwirkungen zwischen Mathematik und Naturwissenschaften herauszustellen und in der Ausbildung von Doktoranden der Mathematik nutzbar zu machen. Dieses Anliegen soll zum einen durch das breit angelegte Forschungsprogramm verwirklicht werden. Zum anderen soll das Ausbildungsprogramm die Doktoranden mit den Anwendungen verschiedener analytischer und geometrischer Methoden auf Fragen der Naturwissenschaften vertraut machen.

Das Forschungsprogramm ist grob unterteilt in einen analytischen und einen geometrischen Bereich. In die Forschungsprojekte finden Fragestellungen aus sehr verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaften Eingang, so der Materialwissenschaften, des Mikromagnetismus, der Neuronalen Netze, der Allgemeinen Relativitätstheorie, der Quantenfeldtheorie, der Kapillarität und der Stringtheorie. Darüber hinaus beschäftigt sich ein Projekt auch mit Anwendungen analytischer Methoden in der Finanzmathematik. Ein Charakteristikum unseres Kollegs ist das weite Spektrum der Projekte. Das Forschungsprogramm ist ein mathematisches Programm, geprägt wird es durch Methoden der Variationsrechnung, der partiellen Differentialgleichungen, der Riemannschen und Symplektischen Geometrie sowie der Algebraischen, Arithmetischen und Komplexen Geometrie und durch den Zusammenhang von Numerik und Analysis.
Das Studienprogramm soll die Doktoranden mit den Wechselwirkungen von Naturwissenschaften und Mathematik von der mathematischen Seite aus vertraut machen. Deshalb sieht das Studienprogramm eine Fülle von Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften zu sehr verschiedenen Aspekten dieser Zusammenhänge vor. Durch die Einbeziehung der Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPI) und das umfangreiche Gästeprogramm des MPI ergeben sich besondere Möglichkeiten für die Ausbildung der Doktoranden. Eine wichtige Rolle spielen auch die Arbeitsgemeinschaften von Mitarbeitern der Universität und des MPI sowie von Gästen zu Fragestellungen des Forschungsprogramms. Darüber hinaus werden regelmäßig Winterschulen und Vortragsreihen veranstaltet.

Zentrale Punkte des Forschungsprogramms mit den verantwortlichen Wissenschaftlern sind:

I. Analysis
I.1 Mikrostrukturen und Phasenübergänge (Der, Luckhaus, Müller)
I.2 Neuronale Netze und komplexe Systeme (Der, Jost)
I.3 Effiziente Berechnung der Magnetisierungsenergie (Hackbusch)
I.4 Mathematische Theorie der Kapillarität (Miersemann)
I.5 Stochastische und analytische Methoden der Finanzmathematik (Frey, Schmidt)

II. Geometrie
II.1 Symplektische Geometrie (Schwarz)
II.2 Motive und L-Funktionen (Huber-Klawitter)
II.3 Quantisierung, Spiegelsymmetrie und Motive (Huber-Klawitter, Schwarz)
II.4 Geometrische Analysis, insbesondere Variationsprobleme der Quantenfeldtheorie (Jost)
II.5 Konforme Symmetrien, Spinoren und Twistoren (Prüfer, Rademacher)
II.6 Vergleichskonstruktionen der Finsler-Geometrie (Rademacher)
II.7 Komplexe geometrische Analysis (Brinkschulte)
II.8 Castelnuovo-Mumford-Regularität (Gräbe, Stückrad)

Goals, structure and programme

The main aim of the graduate college is to point out the interplay between mathematics and the natural sciences and to make use of this interplay in the education of doctor students. This aim shall be achieved on the one hand by a broad scientific program. By the study program on the other hand the doctor students shall become familiar with the applications of various analytic and geometric methods to problems of the natural sciences.

The research program is roughly devided into an analytic and a geometric part. The research projects deal with problems arising in many different fields of the natural sciences such as material sciences, micromagnetism, neural networks, general relativity, quantum field theory, capillarity and string theory. Moreover, one project is devoted to the applications of analytic methods in mathematics of finance. A characteristic feature of our college is the diversity of the projects. The research program is a mathematical program, coined by the methods of the calculus of variations, partial differential equations, Riemannian and symplectic geometry, algebraic, arithmetic and complex geometry and by the connection between numerics and analysis.

The study program shall lead the doctor students to a mathematical understanding of the interplay between the natural sciences and mathematics. Therefore lectures and seminars covering various aspects of this interplay are provided. The participation of researchers of the Max-Planck-Institute for Mathematics in the Sciences (MPI) and the vast guest program of the MPI enhance the options for scientific education. An important role is played by seminars focussing on the fields of the research program. These seminars are held by members of the university, the MPI and guests. Moreover, winter schools and lecture series take place regularly.

Graduiertenkolleg: InterNeuro (Interdisziplinäre Ansätze in den zellulären Neurowissenschaften)
InterNeuro (Interdisciplinary Approaches in Cellular Neuroscience)

Sprecher Professor Dr. Andreas Reichenbach
  Medizinische Fakultät,
Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung
Sitz Jahnallee 59, 04109 Leipzig
Telefon (0341) 97 25 731
Telefax (0341) 97 25 739
E-Mail reia@medizin.uni-leipzig.de
URL www.interneuro.de

Laufzeit

01.04.2005 – 31.10.2009

Beteiligte Einrichtungen

Medizinische Fakultät

  • Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung (PFI)
  • Carl-Ludwig-Institut für Physiologie (CLI)
  • Institut für Biochemie
  • Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde (Ophthalmologie)

Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

  • Institut für Biologie II
  • Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum (BBZ)

Fakultät für Physik und Geowissenschaften

  • Institut für Experimentelle Physik I (IEP I)
  • Institut für Experimentelle Physik II (IEP II)

Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPI)

Eingebundener Personenkreis

14 Stipendiaten, 1 Postdoktorand, 11 Hochschullehrer

Ziele, Programm und Struktur

In diesem Kolleg haben sich Mediziner, Biologen, Physiker und Mathematiker zusammengeschlossen, um aktuelle Fragen der zellulären Neurowissenschaften mit neuartigen Methoden- und Ideenkombinationen zu verfolgen. Insgesamt elf Arbeitsgruppen aus verschiedenen Instituten und Kliniken der Universität Leipzig sowie aus dem Leipziger Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften halten eine Reihe von hochspezialisierten Forschungstechnologien bereit, um die folgenden interdisziplinären Fragestellungen zu beantworten:

  • Pathophysiologie des Makula-Ödems
  • Entwicklungsmechanik der Fovea centralis
  • Retinale Angiogenese: Diabetische Retinopathie
  • Räumlich-zeitliche Strukturbildung retinaler Sphäroide
  • Lichtleitereigenschaften von Netzhautzellen
  • GNDF-abhängige Photorezeptor-Reifung
  • Aktive Biomechanik der Growth Cone-Bewegung
  • Ortsaufgelöster Spurenelement-Nachweis im ZNS
  • Passive und aktive Mechanik der Neurodegeneration
  • Molekulare Pathophysiologie der zentralen Osmoregulation
  • Regulation der IP3-Signalkaskade durch Calbindin D28k
  • Neuronale Ca2+-Signale in vitro und in silico
  • GABAerge und glycinerge Inhibition im auditorischen Hirnstamm
  • Exzitation und Inhibition im auditorischen Hirnstamm

Moderne Lasertechnologien wie 'Optical Stretcher' und konfokale sowie Multiphoton-Lasermikroskopie, biophysikalische Methoden wie Fluoreszenzlebenszeit (FLIM) und Fluoreszenzerholungszeitmessungen (FRAP), Nanosonde, Bioreaktoren und Atomic Force Microscopy (AFM), biochemische Methoden wie Microarray-Analyse und AlphaScreen-Technologie, aber auch hochtechnologisierte medizinische Verfahren wie die Netzhaut-Mikrochirurgie und die optische Kohärenztomographie (OCT) sowie mathematische Methoden zur Beschreibung komplexer biologischer Phänomene kommen dabei zum Einsatz.

Für die Doktoranden und den Postdoktoranden wird damit eine Ausbildung in der zukunftsorientierten neurowissenschaftlichen Forschung sowie in der zunehmend wichtiger werdenden interdisziplinären Kommunikation und Kooperation angeboten. Dieses Angebot ist Chance und Herausforderung zugleich - immerhin ist die Arbeit in Grenzbereichen zwischen den etablierten Wissenschaftsdisziplinen für die meisten Absolventen ungewohnt. Um den Einstieg zu erleichtern, wird jeder Stipendiat von zwei Hochschullehrern gemeinsam angeleitet. Diese Tandem-Betreuung (in der Regel durch einen Lebens- und einen Naturwissenschaftler) garantiert die Anwendung der zur Beantwortung der jeweiligen Frage erforderlichen spezialisierten Methodik und schafft zugleich ein Umfeld, in dem die Stipendiaten sich schnell zurechtfinden und etablieren können. Ein interdisziplinäres Vorlesungs- und Kursprogramm unterstützt zusätzlich den Integrationsprozess.

Goals, structure and programme

The neurosciences are a long-standing distinct research topic of the involved faculties which has been further strenghtened by several recent appointments. This basis will be used to offer the fellows an internationally appreciated training in method-oriented neuroscientific research. Moreover, the fellows will be enabled to perform an efficient interdisciplinary communication and co-operation, as a crucial precondition for their future research activities. This will be guaranteed by establishing co-operative research projects in which each fellow will be jointly supervised by two principal investigators. As a rule, this 'tandem supervision' will involve one life and one natural scientist, and will guarantee the appropriate use of the specialized methods necessary to solve a given scientific problem.

It is an advantage of Leipzig as a research location that several highly advanced research technologies are established which are not available (at least, in this combination) at other places. Among these are laser technologies such as the 'Optical Stretcher' and confocal and multiphoton laser microscopy, biophysical methods such as fluorescence life time (FLIM) and fluorescence recovery measurements (FRAP), ion nanoprobe, bioreactors, and atomic force microscopy (AFM), biochemical methods such as microarray analysis and AlphaScreen technology, as well as high-tech medical methods such as retina microsurgery and optical coherence tomography (OCT) and mathematical methods for modeling and analysis of complex phenomena in biology.

The specialized combination of methods and models will be supplemented by a systematic course of study which consists of lectures, seminars, colloquia, and technical courses, and will involve internationally leading guest scientists. In particular, the lecture series - representing the entire field of neurosciences on selected topics - is aimed at a comprehensive systematic training of the fellows. Special emphasis will be put on the training of scientific communication (winter school, instructions, exercises).

Internationales Graduiertenkolleg: Diffusion in porösen Materialien
Diffusion in Porous Materials

Sprecher Professor Dr. Jörg Kärger
  Fakultät für Physik und Geowissenschaften,
Institut für Experimentelle Physik I
Sprecher Professor Dr. Freek Kapteijn
  Delft University of Technology
Sitz Linnéstr. 5, 04103 Leipzig
Telefon (0341) 97 32 502
Telefax (0341) 97 32 549
E-Mail kaerger@physik.uni-leipzig.de
URL http://www.pore-diffusion.org

Laufzeit

01.04.2004 – 09.2008

Beteiligte Fachgebiete

Technische Universiteit Delft

Technische Universiteit Eindhoven

Universiteit van Amsterdam

Universität Leipzig

  • Fakultät für Physik und Geowissenschaften
  • Fakultät für Chemie und Mineralogie

Eingebundener Personenkreis an der Universität Leipzig

9 Stipendiaten

2 Postdoktoranden

6 assoziierte Kollegiaten

3 studentische Hilfskräfte

6 antragstellende Hochschullehrer

2 assoziierte Hochschullehrer

Ziele, Programm und Struktur

Diffusion, d. h. die ungeordnete Bewegung von Teilchen aufgrund ihrer thermischen Energie, ist ein grundlegendes Phänomen in der Natur. Sie kommt in allen Aggregatzuständen vor und ist von interdisziplinärer Bedeutung, da sie Gesichtspunkte der theoretischen Beschreibung, experimentellen Beobachtung und technischen Anwendung einschließt. In porösen Stoffen ist die Diffusion einer der entscheidenden Prozesse für den praktischen Nutzen dieser Materialien.

Brennpunkte der Forschungsaktivitäten dieses Internationalen Graduiertenkollegs, in dem international renommierte Wissenschaftler des Niederländischen Instituts für Katalyseforschung (NIOK) und der Universität Leipzig ein Konsortium bilden, sind (A) die intrakristalline zeolithische Diffusion, (B) die diffusionskontrollierte Katalyse und (C) der Zusammenhang zwischen Diffusion und Massentransport in porösen Medien als gegenwärtig die wohl spannendsten Problemkreise bei der Betrachtung der „Diffusion in porösen Medien“.

Das Graduiertenkollegs profitiert von den Lehrerfahrungen des gut etablierten niederländischen Doktoranden-Ausbildungs-Programmes, wobei insbesondere die Lehrgänge in "Rechnergestützter Molekularer Modellierung" (organisiert durch das NIOK) sowie für die Gebiete "Stofftransport“ und „Adsorption" (organisiert durch das OSPT) eine wichtige Rolle spielen. Die Leipziger Gruppe trägt zum Konsortium mit ihren Forschungs- und Lehrerfahrungen, die in den Graduiertenkollegs "Physikalische Chemie der Grenzflächen" und "Quantenfeldtheorie" sowie im Sonderforschungsbereich "Moleküle in Wechselwirkung mit Grenzflächen" gewonnen wurden, bei.

Projekte an der Universität Leipzig

NMR-Untersuchungen zur molekularen Diffusion und Umorientierung in Lipidmembranen
NMR studies of molecular diffusion and reorientation in lipid membranes

PD Farida Grinberg (grinberg@physik.uni-leipzig.de), Prof. Dr. Sergey Vasenkov (Univ. Florida, Gainesville), Dr. Petrik Galvosas, DP Konstantin Ulrich
Mit Hilfe der NMR werden Diffusionsvorgänge und Umorientierungsvorgänge von Lipidmolekülen in periodischen Strukturen, die aus orientierten Lipid-Doppelschichten und Wasserschichten bestehen, untersucht. Da diese Strukturen auf der Nanometer Skala periodisch und orientiert sind, ähneln viele Eigenschaften dieser Strukturen den Eigenschaften nanoporöser Materialien. Die NMR-Untersuchungen werden durchgeführt, um die Struktur-Beweglichkeits-Beziehungen in Lipid-Doppelschichten zu erforschen. Diese Untersuchungen liefern einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung der dynamischen Prozesse in Zellmembranen.

Diffusion in mesoporösen Materialien
Diffusion in Mesoporous Materials

Dr. Rustem Valiullin (valiulli@physik.uni-leipzig.de), Prof. Dr. Wolf-Dietrich Einicke (Institut für Technische Chemie), Prof. Dr. Freek Kapteijn (Univ. Delft), DP Muslim Dvoyashkin, DP Sergej Naumov

Mit Methoden der kernmagnetischen Resonanz werden molekulare Transportvorgänge in mesoporösen Materialien, insbesondere in porösen Gläsern und porösen Silizium-Einkristallen untersucht. Besondere Aufmerksamkeit finden hierbei die Besonderheiten des Stofftransportes unter den Bedingungen der Sorptionshysterese sowie im überkritischen Zustand. Es werden der Einfluss von Oberflächenbeschaffenheit, Porenvernetzung und der Natur der Moleküle betrachtet sowie Möglichkeiten der praktischen Nutzanwendungen der gefundenen Struktur-Beweglichkeits-Relationen bei der Stofftrennung und heterogenen Katalyse erforscht.

PFG NMR-Experimente zur Partikeldiffusion in Kanälen
PFG NMR Experiments of Diffusion in Channels

Dr. Petrik Galvosas (galvosas@physik.uni-leipzig.de), Dr. Rustem Valiullin, DP Constantijn Blondel

Eindimensionale Kanalsysteme mit darin eingeschlossenen Diffusanten, deren Durchmesser bis hin zu den Kanaldurchmessern reichen können, stellen ein interessantes Modellsystem zur Untersuchung eines in der Natur sehr verbreiteten Mechanismus behinderter Diffusion dar. Es werden Möglichkeiten zur Realisierung derartiger Diffusionsexperimente erforscht, für die zunächst die geeigneten Diffusanten (monodispers und mit hinreichend langen kernmagnetischen Relaxationszeiten) und Wirtsysteme (einheitliche, unverzweigte Kanalsysteme) gefunden und in ihrer strukturellen Eignung erprobt werden müssen. Im Zentrum der Diffusionsmessung steht die Beobachtung des Überganges zwischen Normal- und Single-file-Diffusion sowie des Einflusses der Kanaloberfläche.

Modellrechnungen zur Gasdiffusion in Mesoporen
Modelling Gas Diffusion in Mesopores

Prof. Dr. Jörg Kärger (kaerger@physik.uni-leipzig.de), Prof. Dr. Armin Bunde (Univ. Gießen), Prof. Marc-Olivier Coppens (Univ. Delft), DP Stephan Zschiegner

Mit der Einführung hierarchischer Porenstrukturen zur Optimierung der Gebrauchseigenschaften von porösen Materialien bei ihrem Einsatz in der heterogenen Katalyse und bei der Stofftrennung ergaben sich eine Reihe neuartiger Fragestellungen, wie z.B. zum Einfluss der Oberflächenrauhigkeit, zum Zusammenhang zwischen Transport- und Selbstdiffusion und zwischen Oberflächen- und Gasdiffusion sowie zur Tortuosität. Mit analytischen Ansätzen (Methode der Levy walks) und dynamischen Monte-Carlo-Simulationen sollen die Gesetzmäßigkeiten in diesen Zusammenhängen erforscht und im engen Kontakt mit den Experimentatoren in geeigneten Versuchsanordnungen bestätigt werden.

Diffusionsmessung an Zeolithen mit mikroskopischen Methoden
Measuring Zeolitic Diffusion by Microscopic Methods

Prof. Dr. Jörg Kärger (kaerger@physik.uni-leipzig.de), Dr. Frank Stallmach, Dr. Pavel Kortunov, Prof. R. van Santen (Univ. Eindhoven), DP Christian Chmelik

Interferenz- und IR-Mikroskopie sowie PFG NMR werden zur Beobachtung der intrakristallinen Diffusion in Zeolithen eingesetzt, um das Zusammenspiel der zum Stofftransport beitragenden Prozesse zu erforschen. Hierzu zählen neben der "unverfälschten" intrakristallinen Diffusion, wie sie z.B. in molekulardynamischen Simulationen betrachtet wird, auch Permeationsvorgänge durch die Kristalloberflächenschicht sowie durch innere Barrieren und andere Fehlstrukturen, die in vielen Fällen sogar den limitierenden Prozess darstellen. Die Beobachtung erfolgt sowohl unter den Bedingungen der Einzelstoff- als auch der Gemisch-Adsorption. Methodische Entwicklungen, die die Untersuchung des molekularen Stofftransportes bei katalytischen Reaktionen erlauben, sind vorgesehen.

Combined NMR Studies of Diffusion and Reaction
Kombinierte NMR-Untersuchungen der Diffusion und Reaktion

Prof. Dr. Dieter Freude (freude@uni-leipzig.de), Dr. Horst Ernst, DI Bernd Knorr.
DP Moisés Fernandez, Ing. Dagmar Prager

Festkörper-NMR-Techniken zum Studium der Struktur poröser Substanzen und der chemischen Reaktionen absorbierter Moleküle werden mit PFG-Techniken kombiniert, um eine getrennte Beobachtung der Diffusivität unterschiedlicher adsorbierter Moleküle möglich zu machen. Für die Kombination von PFG NMR und MAS NMR wird der für die Untersuchung der Transportprozesse üblicherweise in Richtung des äußeren Magnetfeldes angelegte gepulste Feldgradient in die Richtung der Achse des MAS-Rotors angelegt. Damit wird in einigen Systemen erstmals der Diffusionskoeffizient unterschiedlicher Komponenten bei Gemischadsorption messbar.

MD- Simulationen und Analytische Rechnungen zu Rotation und Langzeit - Diffusion von Gastmolekülen in Zeolithen
MD Simulations and Analytical Calculations of Rotation and Longtime Diffusion of Guest Molecules in Zeolites

PD Dr. S. Fritzsche (siegfried.fritzsche@uni-leipzig.de), Dr. A. Schüring, Dr. P. Biswas, MSc O. Saengsawang

Die Diffusion von Gastmolekülen in Zeolithen ist wegen der regelmäßigen wohldefinierten Struktur der Zeolithe theoretisch außerordentlich interessant und für praktisch alle Anwendungen dieser Materialien von entscheidender Bedeutung. Dabei ist bei größeren Molekülen auch das Wechselspiel von Diffusion und Rotation wichtig und interessant. Dabei ergaben sich Anknüpfpunkte zu Arbeiten niederländischer Kollegen. Die Software der Abteilung konnte für die untersuchten Systeme weiterentwickelt werden und interessante Ergebnisse für die Rotation von Pentanmolekülen im Zeolithe ZK5 und für die Diffusion von Wasser im Zeolithen Chabazit gefunden werden. Die Diffusionskoeffizienten sind in beiden Systemen sehr klein und sollen nun mittels Transition State Theorie analytisch berechnet werden. Diese sollen auch während eines Gastaufenthaltes einer Studentin (MSc O. S.) in den Niederlanden vorangetrieben werden.

Isomerisierung von Arylalkanen in porösen Festsäuren. Diffusion und Reaktion
Isomerization of Arylalkanes in Porous Solid Acids. Diffusional Transport and Reaction

Prof. Dr. Helmut Papp (papp@uni-leipzig.de),
Dipl.-Chem. Polad Poladli (poladli@chemie.uni-leipzig.de)
Kooperation mit Prof. F. Kapteijn und Prof. I. A. Moulijn (TU Delft, f.kapteijn@tnw.tudelft.nl)

Reaktionsgeschwindigkeiten der Isomerisierung und Diffusionskoeffizienten von Arylalkanen mit unterschiedlichen Seitenketten (von Xylolen bis zu di-tertiär-Propyl-Benzolen) in unterschiedlichen Zeolithen (ZSM-5, FER, β, etc.) sollen bestimmt werden. Die katalytischen Arbeiten sollen zur Aufklärung des Reaktionsmechanismus (monomolekular bzw. bimolekular) der Isomerisierung in kleinen bzw. großen Poren der Festsäuren beitragen. Diffusionskoeffizienten und reaktive Zwischenprodukte sollen mit dem TAP-Reaktorsystem (temporal analysis of products) bestimmt werden. Bisher wurden die Isomerisierung der Xylole und der di-tertiär-Propyl-Benzole an unterschiedlichen Zeolithen sowie Diffusionsphänomene von Xylolen an Silikalith untersucht.

NMR-Untersuchungen des Transport von Porenflüssigkeiten in Gesteinen und Sedimenten aus oberflächennahen Grundwasserleitern
Fluid Transport in Porous Rocks and Sediments from Near-Surface Aquifers Studied by NMR

Dr. habil. Frank Stallmach (stallmac@physik.uni-leipzig.de), Dipl.-Geophys. Wiete Schönfelder (w.schoenfelder@physik.uni-leipzig.de)
Kooperation mit Prof. Klaas Kopinga (TU Eindhoven, k.kopinga@tue.nl) und Hans-Reinhard Gläser (UFZ Halle GmbH, hr.glaeser@ufz.de)

NMR-Untersuchungen der Relaxation und der Diffusion von Porenwasser in dolomitischen Aquifergesteinen aus dem Raum Deuben/Profen (ca. 50 km süd-westlich von Leipzig) werden mit dem Ziel durchgeführt, für den Stofftransport wichtigen Porenstrukturparameter wie Porosität, effektive Porosität, Porenradius und Tortuosität an Bohrkernproben zerstörungsfrei zu messen. Dabei kommen verschiedene Verfahren der Niedrigfeld-NMR-Relaxometrie und der PFG NMR-Diffusometrie, die in unserer Abteilung für solche heterogenen Proben entwickelt werden, zum Einsatz. Begleitende Untersuchungen mittels NMR-Cryoporometrie erfolgen im Rahmen des IRTG in Kooperation mit der TU Eindhoven, wo u.a. ein erster, dreiwöchiger Arbeitaufenthalt im Jahr 2005 absolviert wurde. Die hydrogeologische Interpretation der Messergebnisse erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Department Hydrogeologie des Umweltforschungszentrums Halle.

Weitere Projekte werden an den niederländischen Universitäten bearbeitet.

Goals, structure and programme

Diffusion, i.e. the irregular movement of particles induced by their thermal energy, is one of the fundamental phenomena in nature. It occurs in all states of matter. Involving aspects of theoretical description, experimental observation and technical application, it is a subject of really interdisciplinary relevance. In porous materials, diffusion is one of the decisive processes, which may control the rate of their practical use.

The activities of this international research training group, which bring together the expertise of world leading scientists from the Netherlands Institute for Catalysis Research (NIOK) and the Leipzig University, concentrate on three focal subjects viz. (A) intracrystalline zeolitic diffusion, (B) diffusion-controlled catalysis and (C) diffusion-transport correlation in porous media, being presently the probably "hottest" topics in this field.

The complementary specialization of the involved groups guarantees a comprehensive education programme and provides best conditions for exploring the synergism of collaboration. The consortium will substantially benefit from the teaching experience with the well-established Dutch PhD training programmes, in particular in the courses on Computational Molecular Modelling (organized through NIOK), and on Mass Transfer and on Adsorption (organized through OSPT). The Leipzig groups contribute to the consortium with their research and teaching expertise from the Graduate Colleges "Physical Chemistry of Interfaces" and "Quantum Field Theory", and from the Collaborative Research Centre "Molecules in Interaction with Interfaces".

Graduiertenkolleg: Funktion von Aufmerksamkeit bei kognitiven Prozessen
Function of Attention in Cognition

Sprecher Professor Dr. Matthias M. Müller
  Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie,
Institut für Psychologie I
Sitz Seeburgstraße 14-20, 04103 Leipzig
Telefon (0341) 97 35 962
Telefax (0341) 97 35 969
E-Mail m.mueller@uni-leipzig.de
URL www.uni-leipzig.de/~gkattent/

Laufzeit

01.10.2005 – 31.03.2010

Beteiligte Einrichtungen

Universität Leipzig

  • Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie
  • Medizinische Fakultät
  • Zentrum für Kognitionswissenschaften im Zentrum für Höhere Studien
  • Research Academy Leipzig/ Forschungsakademie

Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie

Eingebundener Personenkreis an der Universität Leipzig

16 Kollegiaten
12 Betreuer

Ziele, Programm und Struktur

Ziel des Graduiertenkollegs ist die interdisziplinäre Erforschung der Funktion von Aufmerksamkeit und perzeptuellen Prozessen bei höheren kognitiven Verarbeitungsprozessen. Im Laufe des Forschungsprojektes soll die Frage weiter geklärt werden, wie die limitierte Anzahl von Aufmerksamkeitsressourcen bei kognitiven Prozessen wie Spracherwerb und Sprachverständnis, Gedächtnis und Handlungskontrolle verteilt werden und somit andere Prozesse eventuell beeinträchtigen. Dies ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bekannt. Um diese komplexe Fragestellung zu bearbeiten, sollen alle Methoden der modernen kognitiven Neurowissenschaften, wie z.B. EEG/MEG, Bildgebung (fMRI), Patientenstudien und Studien mit Kindern genutzt werden.

Das wissenschaftliche Umfeld wird von drei Institutionen in Leipzig zur Verfügung gestellt. Acht Arbeitsgruppen aus der Universität Leipzig (Psychologie und Biologie), den Max-Planck-Instituten für Kognitions- und Neurowissenschaften und Evolutionärer Anthropologie bilden die Kerngruppe, um den Kollegiaten interdisziplinäre, innovative Forschung zu dieser Fragestellung zu ermöglichen.

Das GK ist Bestandteil eines Internationalen Promotionsprogramms (IPP) „Von der Signalverarbeitung zum Verhalten“, in dem die Universität Leipzig und die am Ort ansässigen außeruniversitären Forschungsinstitute ihre Kompetenzen in einer strukturierten Ausbildung von Promovenden bündeln. Es baut hierfür auf Erfahrungen in einem Promotionsstudiengang „Kognitionswissenschaften“ seit 1997 auf, die eine Unterscheidung in Allgemein- und Spezialwissen auf dem Niveau einer exzellenten Promotionsausbildung unterstützen.

Goals, structure and programme

The present Graduiertenkolleg (GK) aims to investigate the role of attention in higher cognitive function, beyond perception. In an interdisciplinary approach, we intend to investigate the allocation of attentional resources in higher cognitive operations such as language acquisition and comprehension, memory and action control. Despite the pure functional role of attention in these processes, our aim is to find answers to the question whether such processes interact with perceptual processes and might impair or mediate perceptual processes such as selective stimulus processing. Very little is known as of today with regard to these interactions. To answer these highly complex questions, all methods of contemporary cognitive neuroscience will be employed, such as EEG/MEG, imaging (fMRI), patient studies and studies with children all of which are available here in Leipzig, combined with excellent expertise in these methods.

The scientific environment is provided by 8 groups from three institutions, namely the Universität Leipzig (Psychology and Biology) and the Max Planck Institutes of Human Cognitive and Brain Sciences and Evolutionary Anthropology. These groups offer students enrolled in the degree program innovative and interdisciplinary research with regard to the theme of the GK.

Besides teaching the scientific background of the proposed theme, the program intends to communicate basic knowledge in the management of science. The major aim of the program, however, is to guide students to independent scientific work. International research exchange is as important as inviting experts to colloquia, workshops and summer schools. This allows students to achieve the international highest standards in the field. The program intends to attract the best students in the world in the fields on psychology, biology, linguistics and to some extend physics. Leipzig offers a unique environment to guarantee scientific exchange with all facilities and participating institutions within a radius of one kilometer.

Graduiertenkolleg: Bruchzonen der Globalisierung
Critical Junctures of Globalization

Sprecher Professor Dr. Ulf Engel
  Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften
Institut für Afrikanistik
Sitz  
Telefon (0341) 97 37 038
Telefax (0341) 97 37 048
E-Mail keilbach@uni-leipzig.de
URL www.uni-leipzig.de/zhs/

Kollegiaten

21

Betreuer

Prof. Dr. Markus A. Denzel
Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften, Historisches Seminar

Prof. Dr. Hartmut Elsenhans
Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Politikwissenschaft

Prof. Dr. Ulf Engel
Zentrum für Höhere Studien / Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften, Institut für Afrikanistik

Prof. Dr. Jörg Gertel
Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften, Orientalisches Institut

Prof. Dr. Günther Heeg
Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften, Institut für Theaterwissenschaft

Prof. Dr. Adam Jones
Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften, Institut für Afrikanistik

Prof. Dr. Sebastian Lentz
Leibniz-Institut für Länderkunde e.V. / Fakultät für Chemie und Mineralogie

Prof. Dr. Matthias Middell
Zentrum für Höhere Studien / Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Kulturwissenschaften

Dr. Rachid Ouaissa
Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Politikwissenschaft

Prof. Dr. Steffi Richter
Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften, Ostasiatisches Institut

Prof. Dr. Stefan Troebst
Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. an der Universität Leipzig / Philologische Fakultät, Institut für Slavistik

Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr
Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Kulturwissenschaften

Assoziierte Mitglieder

Prof. Dr. Georg Vobruba
Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Soziologie,

Prof. Dr. Keebet Benda-Beckmann
Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle

Bruchzonen der Globalisierung

Das Graduiertenkolleg analysiert Globalisierungsprozesse anhand der in ihnen entstehenden Bruchzonen. Wir bezeichnen damit jene historischen Räume, Momente und Arenen von Globalisierung, in denen um die Herstellung neuer Raumbezüge gerungen wird. Hier macht sich die Neusegmentierung der Welt besonders markant bemerkbar. In Form von Fragmentierungen und Rekonfigurationen sind die Bruchzonen der Globalisierung durch die Destabilisierung alter und die Entfaltung neuer Raumbezüge gekennzeichnet. Die Bruchzonen erzeugen spezifische Ressourcen für soziales und kulturelles Handeln. Ziel des Kollegs ist es, diese Bruchzonen genauer zu beschreiben und aus der Analyse von empirisch gesättigten Fallstudien sowie entsprechenden typologisch-theoretischen Überlegungen eine begründete Kategorie für eine ebenso historisch wie kultur- und sozialwissenschaftlich informierte Globalisierungsforschung zu entwickeln. Eine dezidiert interdisziplinäre Zusammensetzung der Antragstellergruppe gewährleistet ein komparatistisch und durch Verflechtungsanalysen gekennzeichnetes Forschungsprogramm, das mit einer historischen Tiefe bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Fallstudien zu West- und Osteuropa, dem Nahen Osten, Ostasien und dem subsaharischen Afrika in Beziehung setzt. Eingebettet in ein dichtes Netz internationaler Kooperationen – und unterstützt durch ein modularisiertes Studienprogramm, ein internationales Gastwissenschaftlerprogramm sowie durch eine interdisziplinäre Kobetreuung in Arbeitsgruppen – bietet das Arbeitsprogramm exzellenten Doktoranden eine hervorragende Möglichkeit, innovative Dissertationen in einem sehr dynamischen Forschungsfeld von hoher gesellschaftlicher Relevanz zu verfassen.

Zentrale Forschungsidee

Das Graduiertenkolleg beschäftigt sich mit der Analyse von Globalisierungsprozessen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bruchzonen der Globalisierung, also jene historischen Situationen, in denen um die Herstellung neuer Raumbezüge gerungen wird. Im Hintergrund steht die Annahme, dass Globalisierung durch eine permanente Dialektik von Deterritorialisierung durch Verflechtung, Beschleunigung von Kommunikation und Mobilität einerseits und Reterritorialisierung durch das Streben nach möglichst souveräner Ausgestaltung von Handlungsmöglichkeiten und Identifikationsprozessen andererseits gekennzeichnet ist. Dementsprechend fokussieren sich in bestimmten Krisen und Entscheidungslagen Konflikte um angemessene Raumbezüge sozialen und kulturellen Handelns. Bruchzonen der Globalisierung (critical junctures of globalisation) lassen sich auf den verschiedenen Ebenen der Auflösung und Rekonfigurationen von sozialen Räumen beobachten. Sie verweisen auf das zentrale Charakteristikum von Globalisierungsprozessen, das trotz der Vielzahl ganz unterschiedlicher Phänomene in der De- und Reterritorialisierung des sozialen und kulturellen Handelns in einem globalen Kontext besteht.

Beim gegenwärtigen Stand der Diskussion, der durch zahlreiche Hypothesen, die empirisch noch zu validieren sind, und durch eine starke Fragmentierung der Erörterung von Globalisierung nach Perspektiven und Disziplinen gekennzeichnet ist, gebrauchen wir die Bezeichnung „Bruchzonen der Globalisierung“ vorläufig eher als eine Metapher. Das Ziel des Forschungsprogramms im Kolleg ist es allerdings, diesen Gebrauch mit empirischen Befunden so aufzufüllen und durch typologisch-theoretische Überlegungen so zu präzisieren, dass wir ihn schließlich zu einer begründeten Kategorie für eine ebenso historisch wie kultur- und sozialwissenschaftlich informierte Globalisierungsforschung entwickeln können.

Forschungsprogramm

Ziel des Forschungsprogramms ist es, die vorläufig mit der Metapher von den Bruchzonen der Globalisierung beschriebene Beobachtung, dass die Neusegmentierung der Welt im Zuge von machtasymmetrisch verlaufenden globalen Vernetzungen bei gleichzeitigem Beharren auf Souveränitätsrechten einzelner Gruppen und Gesellschaften abläuft, durch empirische Befunde aufgefüllt und durch typologisch-theoretische Überlegungen präzisiert wird. Auf diese Weise soll aus einer noch tentativ zu verwendenden Kategorie eine abgesicherte und begründete Kategorie für eine ebenso historisch wie kultur- und sozialwissenschaftlich informierte Globalisierungsforschung entwickelt werden.
Wir gehen dabei davon aus, dass Bruchzonen der Globalisierung jene Regionen, Momente und Arenen von Globalisierungsprozessen sind, in denen (gewissermaßen wie in Laboratorien) Aushandlungen stattfinden und Entscheidungen getroffen werden, die anschließend auch für andere Regionen der Welt Bedeutung gewinnen, weil sie sich (aus Sicht relevanter Akteure) in der Überwindung massiver Krisen und eruptiver Konflikte bewährt haben. Solche Bruchzonen sind gekennzeichnet durch eine deutlich wahrnehmbare Zuspitzung von Krisen und Krisenwahrnehmungen. Diese werden zurückgeführt auf häufig eng miteinander verwobene Prozesse der Fragmentierung / Rekonfiguration und der De- und Reterritoralisierung im Zuge einer nicht mehr hintergehbaren weltweiten Vernetzung.

Die Ergebnisse sozialer Dynamiken in den Bruchzonen, die sich als gewalttätige innere oder grenzüberschreitende Auseinandersetzungen, als Revolten, Putschversuche und Revolutionen, aber auch als scharfe Deutungskämpfe oder diskursive Inszenierungen im Angesicht sozialer, ökonomischer und kultureller Destabilisierungen manifestieren, gestalten wesentlich den Fortgang individueller wie kollektiver Schicksale – im Negativen wie im Positiven. Das Forschungsprogramm ist deshalb darauf angelegt, die Beschaffenheit und die soziale Dynamik der Bruchzonen der Globalisierung zu ergründen.
Wir gehen aufgrund der vorliegenden Studien zum Thema davon aus, dass Bruchzonen vor allem an den Rändern etablierter Strukturen oder an der Nahtstelle unterschiedlich konzipierter Ordnungen von Territorialisierung gesellschaftlicher Prozesse auftreten. Die politischen und kulturellen Manifestationen der sozialen Dynamik in solchen Bruchzonen bilden historische Zäsuren, die in ihrer Tragweite erkannt werden, wenn sich die gefundenen Problemlösungen ausbreiten, was (selten) zeitgleich oder (öfter) mit einem gewissen Verzug geschehen kann. Hieraus ergibt sich ein methodisches Problem, dass Bruchzonen häufig als solche erst ex post erkannt und definiert werden können. Wir versuchen dieses methodische Problem durch die Kombination von historischer und gegenwartsbezogener Expertise aufzulösen, indem diachron vergleichend auf die Erfahrungen aus der Herausbildung früherer Bruchzonen Bezug genommen wird. Zugleich kann sich ein solches Forschungsprogramm nicht allein auf die ökonomisch und politisch hegemonialen Teile der Welt beschränken, sondern muss jene Randbereiche der OECD-Welt gründlicher einbeziehen, die sowohl scheinbar weiter entfernt (etwa im Schwarzmeergebiet oder in der Mittelmeerzone, aber auch in Japan oder im subsaharischen Afrika) liegen oder an den Peripherien der Metropolen bzw. der ökonomischen Prosperitätszonen Europas situiert sind.

Das Forschungsprogramm nimmt aber zugleich Bezug auf die kulturelle Dimension von Globalisierung, indem Entwicklungen in verschiedenen Weltregionen vergleichend betrachtet werden und damit eine Schranke gegen die Gefahr eines latenten Eurozentrismus errichtet wird. Der Rolle künstlerischer Entwürfe von Weltordnungen wird nicht nur in ihrer reflektierenden, sondern auch in ihrer gestaltenden Rolle nachgegangen, die neben politischen und intellektuellen Entwürfen ebenfalls eine zunehmende Rolle bei der Beeinflussung von Positionierungen in der aktuellen Globalität gewinnen. Ein Blick auf die aktuell ablaufende Rekonfiguration Europas zeigt, in welch starkem Maße künstlerische Imagination fehlende Fantasie der Politik zu ersetzen sucht und dies teilweise auch bei der Überwindung fest eingeschliffener Urteile schafft.

The Critical Juncture of Globalisation

The postgraduate programme analyses the process of globalization in relation to its critical junctures. What we mean by this are the historical spaces, moments and arenas of globalization, which produce a struggle for new spatial reference points and in which a new segmentation of the world becomes evident. In the form of fragmentation and reconfiguration, critical junctures of globalization are characterized by the destabilization and unfolding of spatial reference points. The critical junctures generate specific resources and circumstances for social and cultural action.

The aim of the programme is to describe these critical junctures in more detail and, from the analysis of empirical case studies as well as appropriate theoretical considerations, a cogent form of globalization research will be developed, which is informed by history, the social sciences and cultural studies.

A decidedly interdisciplinary composition of applicants guarantees a comparative research programme marked by a distinct approach based upon the analysis of networks and cultural entanglements. The programme consists of a historical depth of the end of the 18th century and includes case studies on Western and Eastern Europe, the Middle East, East Asia and Sub-Saharan Africa.

Involving a large network of international cooperation, and supported by a modular study programme, an international guest lecturer programme as well as interdisciplinary co-supervision in work groups, the postgraduate programme offers excellent PhD candidates the possibility of writing a dissertation in a dynamic field which has deep resonance for society as a whole.

Research Programme

The aim of the research programme is to substantiate the assertion, which goes hand in hand with the metaphor of “critical junctures of globalization”, that the new segmentation of the world within asymmetrical power and global networks takes place simultaneously with the wearing down of the insistence upon the sovereignty of individual groups and societies. This contention will be investigated empirically and will be explored theoretically. Through this academic investigation this rather tentatively used category will be developed into a well reasoned and confirmed category for globalization research informed by History, Cultural Studies and Social Science.

We work according to the assumption that “critical junctures of globalization” are regions, moments and arenas of globalization processes, in which negotiations take place and decisions are made. These processes gain in importance for other regions of the world as they prove their value (from the perspective of relevant agents), with regard to the overcoming of crisis situations and eruptive conflicts. Junctures are characterized by a clearly perceived worsening of crisis situations. They are frequently a result of deeply interwoven processes of fragmentation/reconfiguration and de- and re-territorialization in relation to irreversible worldwide networks.

The results of social dynamics in the junctures, which manifest themselves as violent internal or cross border conflicts, as revolts, attempted rebellions and revolutions, but are also struggles of interpretation or discursive productions in the face of social, economic and cultural destabilization, mould, both in a positive and negative sense, the progress of individual and collective fate. The research programme is, thus, organised in order to establish reasons for the creation and social dynamics of “critical junctures of globalization”.

We approach the theme, as a result of already existing studies, with the assumption that junctures appear at the edges of established structures or at the seams of differently conceived orders of territorialization and societal processes. The political and cultural manifestations of social dynamics in such junctures create historical breakages, which are recognized in their range when the solutions to problems are widened, which happens (infrequently) simultaneously or (more often) after a certain delay. Therefore, a certain methodological problem results as junctures are often recognized and defined as such after a certain period. We will try to solve this methodological problem by combining historical as well as contemporary expertise, in which reference will be made, in a diachronically and comparative fashion, to the experience and the creation of earlier junctures. At the same time one cannot restrict such a research programme to the economically and politically dominant regions of the world, rather the peripheral areas of the OECD world must also be examined, which are situated far away from (in the Black Sea region or in the Mediterranean zone, but also in Japan and sub-Sahara Africa) or on the periphery of, the economically prosperous areas of Europe.

The research programme also takes account of the cultural dimension of globalization, as developments in various world regions are considered comparatively and, as a result, a defence against a latent Euro-centricity will be erected. The role of superficial frameworks for world order will not only be examined in their reflective role but also in their creative role, which, as well as political and intellectual frameworks, have increased responsibility with regard to the influencing and positioning within contemporary global affairs. A look at the contemporary reconfiguration of Europe shows to what extent artificial imaginings have tried to replace the lack of creativity in politics, and has also tried to overcome long established prejudices.


 

 

Home Zusammenstellung: Forschungskontaktstelle, 28.08.2008