| Das Jahr 2007 war in mehrfacher Hinsicht für uns ein besonderes Jahr: Es zeigten sich erste Erfolge der entschlossen vorangetriebenen Profilbildung der universitären Forschung, es brachte mit der Exzellenzinitiative eine besondere Herausforderung, und es war mit der Aufnahme der Tätigkeit der Research Academy Leipzig (RAL) als Dachstruktur unserer Doktorandenqualifizierung besonders aufregend.
Ihre Wettbewerbsfähigkeit in der Forschung hat die Universität Leipzig einmal mehr unter Beweis gestellt. Sie wurde im Januar 2007 im Rahmen der 2. Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Antragstellung für das Exzellenzcluster „Felix Klein Center for Mathematical Sciences and their Application“ und die Graduiertenschule „BuildMoNa. Leipzig School of Natural Sciences – Building with Molecules and Nano-objects“ aufgefordert. Damit war Leipzig als einzige sächsische Universität in dieser Stufe des Wettbewerbs vertreten. Am 19. Oktober 2007 hat der Bewilligungsausschuss entschieden, die Graduiertenschule für fünf Jahre mit jährlich über 1 Mio. Euro zu fördern. Dieser Erfolg ist von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung unserer Universität zu einer international sichtbaren Forschungsstätte und ausgewiesenen Bildungsstätte für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Eine weitere wichtige Perspektive für unsere Forschungsstrategie bietet die Sächsische Landesexzellenzinitiative, an der sich die Universität Leipzig im Jahr 2007 mit sechs Antragsskizzen beteiligte. Für drei Skizzen wurde die Universität zur Antragstellung aufgefordert. Da die Landesexzellenzinitiative des Freistaates auf die Förderung von Spitzentechnologieclustern und damit wirtschaftsnahe Forschung zielt, bewerben sich hier vorrangig Projekte aus den Naturwissenschaften, der Medizin und der Informatik/ Mathematik.
Den Prozess der Profilbildung in unseren sechs Profilbildenden Forschungsbereichen als sich entwickelnde, drittmittelstarke, interdisziplinäre Forschungsverbünde auf Zeit hat die Exzellenzinitiative wesentlich befördert. Mit der Verabschiedung der Musterordnung durch das Rektoratskollegium wurde die inneruniversitäre Grundlage für deren Tätigkeit geschaffen, die durch eine Zielvereinbarung mit der Universitätsleitung und den jeweils beteiligten Fakultäten mit Leben erfüllt werden soll.
Als übergreifende Einrichtung für die strukturierte Nachwuchsförderung hat die Research Academy Leipzig (RAL) im Dezember 2006 ihre Arbeit aufgenommen. Als eine Basis unserer Forschungsstrategie wird sie vor allem die internationale Doktorandenqualifizierung ausbauen. Gegenwärtig umfasst die RAL das Graduiertenzentrum Mathematik/Informatik und Naturwissenschaften, das Graduiertenzentrum Lebenswissenschaften sowie das Graduiertenzentrum Geistes- und Sozialwissenschaften. Es wurde ein fachübergreifendes Qualifikationsprogramm aufgenommen, das unter Beteiligung der Doktoranden ständig weiter ausgebaut wird.
Auch im Jahre 2007 war die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) der wichtigste Förderer universitärer Forschung. Für die Universität Leipzig ist besonders erfreulich, dass im Ergebnis der Begutachtung die DFG zwei wichtige Vorhaben fördern wird.
- Der Bewilligungsausschuss der DFG hat in seiner Sitzung am 20./21.11.2007 die Einrichtung und Finanzierung des Sonderforschungsbereiches 762 „Funktionalität Oxidischer Grenzflächen“ in Sprecherschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum 01.01.2008 beschlossen. Der mit rund zehn Millionen Euro in den nächsten vier Jahren geförderte SFB 762 ist eine gemeinschaftliche Initiative der Universitäten Halle-Wittenberg, Leipzig und Magdeburg sowie des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik Halle, die spezielle Nanostrukturen mit neuen Funktionalitäten hervorbringen soll.
- Am 01.11.2007 hat die sächsische Forschergruppe 877 „From Local Constraints to Macroscopic Transport“ ihre Arbeit aufgenommen, an der in Sprecherschaft der Universität Leipzig die Technischen Universitäten Chemnitz und Dresden beteiligt sind. Die aus Bereichen der experimentellen und theoretischen Physik stammenden Mitglieder beschäftigen sich mit elementaren Transportprozessen in Materialien mit komplexer räumlicher und somit auch energetischer Struktur, wie z.B. der Diffusion in porösen Strukturen oder biologischen Membranen, in denen der Grenzfall eines stabilen Gleichgewichtes bisheriger statistischer Betrachtungen nicht oder nur unzureichend gegeben ist. Erhofft werden neue Informationen über die Transportmechanismen auf der Nanometerskala, welche die Grundlagen für Entwicklungen neuartiger nano- und biotechnologischer Anwendungen schaffen werden.
Bei Aufzählung dieser sichtbaren Erfolge darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Voraussetzungen hierfür oft in jahrelanger, fundierter, kontinuierlicher und häufig zunächst nicht spektakulärer Forschungsarbeit geschaffen wurden. In den verschiedenen Hochschulrankings nimmt die Höhe der eingeworbenen Drittmittel und hier insbesondere der Anteil der Drittmittel aus evaluierten Projekten bei der Bewertung der Forschung eine zentrale Rolle ein. Mit 60,9 Mio. Euro eingeworbener Drittmittel wurde das bisher beste Ergebnis erreicht. Als einen Ausweis wissenschaftlicher Exzellenz in ausgewählten Wissenschaftsfeldern betrachtet die Universität, dass der Anteil von im Wettbewerbsverfahren evaluierten Projekten der EU, des Bundes und der DFG mit 57 % bezogen auf das Gesamtaufkommen an Drittmitteln wiederum hoch ist. Die DFG bleibt mit einem Anteil von 24% der wichtigste Drittmittelgeber der Universität.
Die Einwerbung von Drittmitteln eröffnet der Universität zugleich die Möglichkeit, zusätzlich Personal für die Bearbeitung von Forschungsprojekten einzustellen. 1.165 Arbeitsverträge im Jahre 2007 bedeuten eine weitere Erhöhung gegenüber den Vorjahren (bisher bestes Ergebnis: 1.038 Arbeitsverträge). Mit den Ergebnissen des Jahres 2007 und mit Blick auf das 600-jährige Universitätsjubiläum im Jahre 2009 ist die Universität Leipzig gut aufgestellt, ihr zentrales Ziel einer führenden europäischen Forschungsuniversität durch die Weiterentwicklung der Profilbildenden Forschungsbereiche und des Ausbaus der strukturierten Doktorandenqualifizierung in den nächsten 5 bis 10 Jahren zu erreichen.
Professor Dr. Franz Häuser
Rektor |
Professor Dr. Martin Schlegel
Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs |
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