Soll ich Deutsch als Fremdsprache (DaF) studieren?
Diese Frage kann Ihnen eine Webseite natürlich nicht verbindlich beantworten. Einer brauchbaren Antwort kommen Sie näher, wenn Sie zu uns in die Studienberatung kommen. Hier sind jedoch ein paar Anhaltspunkte für Ihren Selbsttest vor Studienbeginn:
3. Beherrschung der deutschen Sprache
5. Sprachwissenschaftliche (linguistische) Kompetenz
9. Deutsche Literatur, Landeskunde und Kultur
10. Stimme und Sprache als Arbeitsinstrumente
Ein solches Studium soll dazu befähigen, Deutsch als Fremdsprache im In- und Ausland zu unterrichten und als Kulturmittler tätig zu werden. Das heißt insbesondere,
Ziel des Studiums ist es, den Studierenden unter Berücksichtigung der Anforderungen und Veränderungen im Fach Deutsch als Fremdsprache die erforderlichen Kenntnisse und Methoden zu vermitteln, damit sie zu wissenschaftlicher Arbeit, zu kritischer Einordnung der Erkenntnisse und zu verantwortlichem Handeln befähigt werden (vgl. Studienordnung DaF).
2.1. Im Grundstudium (Magisterstudium, Hauptfach) studieren Sie folgende Bereiche mit folgender Gewichtung (1 SWS = Semesterwochenstunde; das entspricht 45 min. Unterricht pro Woche, ein Semester lang):
Wie Sie aus dieser Auflistung entnehmen können, nehmen die Sprachwissenschaften den größten Teil des DaF-Studiums ein. Sie sollten also ein großes Interesse für Linguistik mitbringen, wenn Sie DaF studieren wollen.
2.2. Sie erhalten keinen festen Stundenplan, an den Sie sich zu halten haben, sondern müssen sich selbst Ihren Stundenplan anhand der Studienordnung zusammenstellen und entscheiden, wann Sie welche Veranstaltungen besuchen. Studium ist immer zu einem erheblichen Teil auch Selbststudium. Sie erhalten in den Seminaren Literaturhinweise und eignen sich den Stoff in erheblichem Umfang durch Lektüre an. Sie haben mithin eine hohe Eigenverantwortung für Ihren Lernerfolg. Haben Sie in der Schule bisher Ihren Lernerfolg in erster Linie durch Aufmerksamkeit im Unterricht erzielt, müssten Sie sich umorientieren. Wissenschaft setzt Auseinandersetzung, kritische Reflexion und damit Ihren aktiven Beitrag dazu voraus.
2.3. Sie sollten eine gehörige Portion Neugier für das Fach DaF mitbringen und bereit sein, sich Standards des wissenschaftlichen Arbeitens und bestimmte Präsentationstechniken, die Sie für dieses Studium unbedingt benötigen, „abzuschauen" und anzueignen. Wenn Sie sich nicht nur für die Praxis, sondern auch - besonders - für die Theorie interessieren, sind Sie an unserem Institut gut aufgehoben. Da die theoretische Fundierung gerade das Eigentliche der Universität ausmacht, konzentriert die Lehre (und die Forschung) sich häufig darauf. Die praktische Anwendung der dargebotenen Theorien auf die Lösung konkreter Probleme bleibt vielfach Ihnen überlassen. Nur wenn Sie bereit sind, sich diesem Umstand aktiv zu stellen, werden Sie erfolgreich studieren können.
2.4. An der Universität wird Ihr Lerneifer nicht regelmäßig überprüft. Sie müssen folglich längere Zeit ohne positive Rückkoppelung konzentriert durchhalten.
Da zu wichtigen allgemeintheoretischen Aspekten auch englischsprachige Fachliteratur unverzichtbar ist, könnte Ihr Schulenglisch unter Umständen dafür nicht ausreichen. Daher sollten Sie die englischsprachige Lektüre sofort gezielt und beharrlich aufnehmen.
3. Beherrschung der deutschen Sprache
3.1. Natürlich benötigen Lehrende in der unterrichteten Sprache eine nativ-nahe Sprachkompetenz. Sie ist Voraussetzung dafür, dass sie adäquat in der Zielkultur interagieren bzw. als Lehrende eine Sprache angemessen unterrichten können. Wenn Ihre Klassenarbeiten sich durch untadelige sprachliche Form auszeichneten und Sie mit grammatischen, orthographischen und Ausdrucksfehlern keine Last hatten, haben Sie eine nützliche Voraussetzung für ein DaF-Studium erfüllt.
3.2. Was hier steht, gilt für ausländische DaF-Studierende ganz besonders. DaF ist innerhalb des Fächerkanons der Universität derjenige Studiengang, der mit Abstand die besten Deutschkenntnisse und -fertigkeiten von Ihnen verlangt, denn Sie sollen DaF später ausländischen Lernenden vermitteln. Dabei fungieren Sie als Sprachexperte und -vorbild. Es wäre ein großer Irrtum zu glauben, das DaF-Studium wäre vor allem dafür geeignet, Ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Sie lernen im DaF-Studium nicht mehr oder weniger Deutsch als in anderen Studienfächern. Sicher erfahren Sie viel ÜBER die deutsche Sprache, aber der gezielte Ausbau der Sprachfertigkeiten, d.h. die SPRACHPRAXIS, ist nicht Bestandteil des DaF-Studiums. Für ausländische Studierende gelten deshalb dieselben Studienanforderungen wie für deutsche Muttersprachler.
3.3. Ihre Sprachpraxis können Sie durch den Besuch von studienbegleitenden Deutschkursen (für Hörer aller Fakultäten) verbessern, vor allem aber auch durch Lektüre deutschsprachiger Literatur und Kommunikation in Alltag und Studium. Dafür sollten Sie über entsprechende Lernstrategien und die Fähigkeit zur Selbstreflexion verfügen, um ihre Lernziele und -wege selbst planen und sie entsprechend überprüfen zu können.
Wenn es Ihnen Spaß macht, fremde Sprachen zu lernen und zu sprechen, haben Sie eine wichtige Basis für ein DaF-Studium. Es ist sinnvoll, auch während des Studiums weiterhin (andere) Fremdsprachen zu lernen und nachzudenken, was in Ihrem Kopf dabei vor sich geht. Das wird Ihnen helfen, über Probleme bei Ihren zukünftigen Lernern reflektieren zu können.
5. Sprachwissenschaftliche (linguistische) Kompetenz
5.1. Linguisten zerlegen, ähnlich wie Chemiker, komplexe Einheiten in ihre Bestandteile. Sie wollen wissen, was die Elemente der Sprache sind, nach welchen Gesetzen sie miteinander kombiniert werden und wie alles miteinander zusammenhängt. Sie haben also einerseits (wie viele Wissenschaftler) einen Hang zur Detailgenauigkeit. Andererseits begnügen sie sich aber nicht mit einer präzisen und umfassenden Bestandsaufnahme, sondern fragen immer nach dem Allgemeinen, Prinzipiellen, das hinter dem Einzelnen steht, nach dem Zusammenwirken sprachlicher Mittel in Texten und Diskursen. Hier wird von Ihnen also analytisches Vermögen und Reflexion über Sprachen verlangt.
5.2. Wir haben im vorigen Satz absichtlich von „Sprachen" gesprochen: In den linguistischen Lehrveranstaltungen werden Sie auch angeregt, das Deutsche mit anderen Sprachen zu vergleichen, Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten und Kontraste zwischen den Sprachen zu erkennen und für Ihren künftigen DaF-Unterricht nutzbar zu machen.
5.3. Wenn Ihnen an dem, was andere sagen, der Dialekt oder sonstige sprachliche Eigentümlichkeiten auffallen, und wenn Sie hierzu nicht lediglich Vorurteile reproduzieren ("Sächsisch klingt primitiv.", "Fremdwörter sind hässlich."), sondern ein begründetes Urteil abgeben können, haben Sie einen Hinweis auf Ihr linguistisches Interesse. Wenn Sie engagiert an Debatten über die Rechtschreibreform oder über Spracheigenheiten teilnehmen (wieso müssen wir "trotz" mit dem Genitiv konstruieren, wenn es doch "trotzdem" heißt?), wenn Sie gern über den Ursprung von Wörtern grübeln (wie bringen Sie "glimpflich" mit "verunglimpfen" zusammen?) und die Bedeutung eines Wortes gut erklären können (erklären Sie bitte mal „auseinandersetzen"), dann üben Sie sich in linguistischen Fertigkeiten.
5.4. Dabei sollten Sie von Anfang an Ihre spätere Lehrtätigkeit im Blick haben, d.h. Ihr theoretisches Wissen auch an praktischen Beispielen zu erproben. Es reicht bspw. nicht aus, wenn Sie viele grammatische Regeln oder alle deutschen Vokale mit ihren Merkmalen auswendig wissen; es muss Ihnen auch klar sein, an welcher Stelle Sie im Unterricht mit welchen Problemen rechnen müssen und wie Sie dann reagieren könnten. Sie müssten also in der Lage sein, ihr Wissen auch zu transferieren, anzuwenden und dessen Bedeutung zu hinterfragen.
Als zukünftige DaF-Lehrende sollten Sie keine Probleme haben, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen, sondern in der Lage sein, auf Menschen zuzugehen. Sie sollten verschiedene sprachliche Register beherrschen und Begriffe und Sachverhalte gut erklären können (etwas mit anderen Worten umschreiben, einfache Erklärungen finden, anschauliche Beispiele für abstrakte Regeln usw.). Für das DaF-Studium ist es erforderlich, sich am Seminargeschehen und an Diskussionen aktiv zu beteiligen, eine eigene Meinung zu vertreten, selbstständig Projekte durchzuführen und Arbeitsergebnisse vor der Seminargruppe präsentieren zu können.
Interesse an anderen Menschen, Ländern, ihren Sprachen und Kulturen ist eine unabdingbare Voraussetzung für (zukünftige) DaF-Lehrende. Der Studiengang DaF bietet Ihnen eine hervorragende Möglichkeit, Ihre interkulturelle Kompetenz zu erweitern. Das heißt z.B. auch, dass Sie auf Ihre ausländischen Kommilitonen zugehen sollen, Ihre Hilfe anbieten, gemeinsam an Projekten arbeiten und sich beim Lernen gegenseitig unterstützen. Wem das zu viel Aufwand ist, der ist eigentlich falsch im Studiengang DaF. Sie sollten also nicht nur daran interessiert sein, anderen die eigene Sprache und Kultur zu „vermitteln", sondern auch bereit sein, von anderen (auch von Ihren Kommilitonen) zu lernen.
8.1. Als zukünftige Lehrende benötigen Sie Empathie – das Vermögen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen –, die Motivation, Lernstile und subjektive Theorien Ihrer zukünftigen Lernenden zu erkennen sowie die Fähigkeit, auch ihr Niveau, ihre Vorlieben, Fähigkeiten und Fertigkeiten einschätzen zu können. Dies ist Voraussetzung für einen guten Fremdsprachenunterricht und für die Beratung Ihrer (zukünftigen) Lernenden.
8.2. Sie arbeiten gern mit Menschen zusammen und es macht Ihnen Spaß, anderen etwas beizubringen. Ein wichtiger Teil der pädagogischen Kompetenz ist das Erklärverhalten von Lehrern. (Wie bringe ich Sprache von dem abstrakten Niveau, wie sie in wissenschaftlichen Grammatiken beschrieben wird, auf eine Ebene, auf der ich sie Deutschlernenden vermitteln kann? Wie erkläre ich ausländischen Lernern die Bedeutung und den richtigen Gebrauch von Redewendungen und Sprichwörtern, für die es in ihrer Muttersprache kein Äquivalent gibt?)
9. Deutsche Literatur, Landeskunde und Kultur
9.1. Lernt ein Mensch eine neue Sprache, dann dringt er zwangsläufig in eine neue Welt ein. Sprache und Wortschatz sind kulturell geprägt und transportieren kulturelle Inhalte, in denen sich Mentalität, Lebensweise, kulturelle Traditionen und Geschichte der Menschen widerspiegeln. Sprachenlernen ist also immer auch Kulturlernen und trägt zum Umgang mit Verschiedenheit, Andersartigkeit und Fremdem bei. Deshalb ist die Vermittlung von politischem, historischem, regionalem und kulturellem Wissen im Fach Landeskunde, Kulturkunde und Literaturwissenschaft in einer Verbindung von Sprachvermittlung und Kulturvermittlung zu studieren.
9.2. Sie sollten sich also nicht nur für andere Länder, Sprachen und deren Bevölkerung interessieren, sondern auch gut Bescheid wissen über das politische System in Deutschland, sich für deutsche Literatur und Geschichte interessieren und Spaß daran haben, Ihre Kenntnisse weiter zu vermitteln.
10. Stimme und Sprache als Arbeitsinstrumente
10.1. Die Stimme ist ein wichtiges Werkzeug für Lehrende. Wir empfehlen allen DaF-Studierenden sich vor dem Studium einer logopädischen Stimmüberprüfung zu unterziehen, wenn Sie nicht sicher sind, dass Sie über die stimmlichen Qualitäten für den Lehrerberuf verfügen. Sollten Sie stimmliche Probleme haben und nichts dagegen tun, werden Sie möglicherweise bald Schwierigkeiten in Ihrem zukünftigen Beruf bekommen.
10.2. Als Fremdsprachenlehrer sind Sie Ihren Lernern Aussprachevorbild. Sagt man auf Hochdeutsch „Chemie", „Schemie" oder „Kemie"? Sie bringen die Bereitschaft mit, über Fragen dieser Art zu reflektieren und an Ihrer eigenen Aussprache zu feilen.
Wenn Sie Ihr Studium abgeschlossen haben und eine Arbeitsstelle suchen, zählen nicht nur Ihre Prüfungsergebnisse, sondern auch praktische Erfahrungen in den verschiedensten Berufsfeldern für Deutsch als Fremdsprache. Während Ihres Studiums müssen Sie mindestens ein Hospitations- und Unterrichtspraktikum absolvieren - nach Möglichkeit im Ausland. Im Hospitationspraktikum beobachten Sie DaF-Unterricht und fertigen Protokolle zu unterschiedlichen Aspekten des Unterrichts an. Unterrichtspraktikum bedeutet, dass Sie eigenständig Unterricht planen und durchführen. Das heißt, Sie werden bereits während Ihres Studiums vor ausländischen Deutschlernern stehen und für Ihren Unterricht selbst verantwortlich sein. Dafür muss von Anfang an genügend Zeit in Ihrem Studium eingeplant werden (ein Semester Ihrer Regelstudienzeit sollten Sie dafür schon opfern). Auch Ihre Praktika müssen Sie sich in Eigenverantwortung organisieren ( siehe Infos zu den Praktika ).
Wenn Sie einen der genannten Punkte (noch) nicht positiv für sich beantworten können, heißt das nicht, dass Sie nicht DaF studieren können. Aber Sie sollten auf jeden Fall genügend Interesse für das Fach mitbringen und bereit sein, eventuelle Defizite in den entsprechenden Bereichen engagiert anzugehen. Wenn alles „stimmt", dann wird es Ihnen bei uns sicherlich gefallen.
HERZLICH WILLKOMMEN!
Ihre Mitarbeiter des Herder-Instituts