Umbau der Universität

»Alma Mater im neuen Kleid«

Von Claudia Sander

Leipzig ist eine Stadt der Superlativen: sie ist die älteste Messestadt der Welt, die Deutsche Bücherei wurde in Leipzig gegründet und hier erschien die erste Tageszeitung. Mit knapp 30.000 Studenten und über 3.000 Mitarbeitern zählt die Universität außerdem zu einer der größten Hochschulen in Ostdeutschland und ist mit knapp 600 Jahren durchgängiger Bildungsgeschichte die zweitälteste Uni Deutschlands. Pünktlich zum Jubiläum im Jahre 2009 soll die Universität schließlich mit einem neuen Gebäudekomplex am Augustusplatz geehrt werden. Eine große Baustelle am Augustusplatz prägt seit Anfang des Jahres das Stadtbild. Ob die Frist der Fertigstellung jedoch bis zum Jubiläum eingehalten werden kann, steht in den Sternen.

Uni-UmbauUni-UmbauUni-UmbauUni-Umbau
Klicken Sie auf ein Bild, um die Slideshow zu starten.

Planung und Verzögerung

Schon im Vorfeld der Planungen mussten Kompromisse gefunden und Widerstände überwunden werden. Für den Uni-Komplex am Augustusplatz wurde 2001 ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Das Architektenbüro behet + bondzio aus Münster haben die Ausschreibung zunächst gewonnen. Allerdings sind heftige Diskussionen um eine Neuerrichtung der 1968 gesprengten Paulinerkirche die Folge gewesen, die den Baubeginn verzögert haben. Der Paulinerverein, eine Bürgerinitiative, die hohen politischen Rückhalt aus der Landesregierung erhalten hat, spricht sich entgegen der Mehrheit der Leipziger Bürger für einen Wiederaufbau der Paulinerkirche aus. Diese gehörte seit dem 15. Jahrhundert zum Stadtbild und ist 1968 zusammen mit dem kriegsbeschädigten Uni-Hauptgebäude, dem Augusteum, abgerissen worden.
Die Streitigkeiten haben Anfang 2003 zum Eklat geführt: Rektor Volker Bigl und die Prorektoren sind daraufhin zurück getreten. Es folgte die Ausschreibung eines zweiten Architekturwettbewerbs für das Bauvorhaben "Aula/Kirche" am Augustusplatz, um einen Kompromiss mit dem Paulinerverein zu finden. Aus diesem Wettbewerb ist das Konzept des Rotterdamer Architekten van Egeraat als Sieger hervorgegangen. Am ehemaligen Standort der Paulinerkirche wird nun die Fassade der Aula so verändert, dass sie an das Gotteshaus erinnert. Der niederländische Architekt hat die Silhouette der Kirche zum Leitmotiv des Neubaus gemacht, um Geschichte und Zukunft miteinander zu verbinden. Die anderen Gebäude werden weiterhin von behet + bondzio gestaltet

Uni im Bau

Seit dem 24. März 2004 steht der endgültige Entwurf fest. Seit 2005 wandelt sich das Uni-Areal am Augustusplatz immer mehr zur Großbaustelle. Im alten Hörsaalgebäude findet schon seit 2005 kein Lehrbetrieb mehr statt, dort sind die Arbeiten in vollem Gange. Auch die Umgestaltung der Bibliothek, Zweigstelle 1, am Augustusplatz, und der Neubau der Mensa sind 2005 angelaufen.
Im Februar dieses Jahres sollten die Arbeiten an diesen drei Objekten jedoch abgeschlossen sein, damit die nächste Etappe begonnen werden kann. Dass diese Frist nicht eingehalten werden kann, ist heute offensichtlich. Baudezernent Martin zur Nedden sagte mephisto 97.6, dass das Hörsaalgebäude und die Mensa erst mit einem Jahr Verspätung fertig gestellt werden könnten. Allerdings sei eine Einhaltung des Zeitplan für die übrigen Arbeiten, darunter das Seminargebäude, nicht gefährdet. Gründe für diesen Bauverzug seien durch Probleme in der Planung und im Bau entstanden. Die Kosten, die durch diese Verzögerung entstünden, würden sich aber im Rahmen halten, so zur Nedden. Insgesamt belaufen sich die geplanten Kosten für den Neu- und Umbau auf 104,2 Millionen Euro. Die Baukosten werden zum Teil vom Land Sachsen und zum Teil vom Bund finanziert. Für die Ausstattung der Gebäude muss die Universität selbst aufkommen.

Teil 2

 

Campus 2009