
Zwischen Medienkrise, Online-Revolution und Aufrüstung der PR-Branche sucht der Journalismus seinen Weg.
In einer Vortragsreihe im Wintersemester sprachen renommierte Journalisten und ein Verleger über die Zukunft unserer Mediendemokratie.
Zur Veranstaltungsreihe »Perspektiven des Journalismus« hatte die Leipziger Journalistik (Professur I) wieder hochkarätige Medienprofis eingeladen. 24 Studenten eines Projektseminars organisierten die Vorträge, begleiteten und interviewten die Gäste.
Sophia Schülke, Master-Studentin Journalistik: »Es war spannend mit solchen großen Namen zu debattieren und sie live zu erleben. Dadurch konnte man auch die Person hinter der Position erkennen.« Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig und das Zeitgeschichtliche Forum ermöglichten die Veranstaltungen.
Rüdiger Ditz, Chefredakteur von Spiegel Online, sprach zum Thema: »Revolutioniert das Web den Journalismus?«. In seinem Vortrag diskutierte er Chancen und Risiken des Online-Journalismus: Welche neuen journalistischen Erzählformen und visuellen Gestaltungsmöglichkeiten etablieren sich im Netz? Drückt der Aktualitätszwang die journalistische Qualität? (mehr dazu) Sein Kollege Georg Mascolo, Chefredakteur vom gedruckten Spiegel, meinte: Die Plattform auf der Journalismus präsentiert werde, sei nicht ausschlaggebend für dessen Qualität. Von einer »Journalismuskrise« könne beim Spiegel – im Gegensatz zur Situation bei vielen Lokal- und Regionalmedien – nicht die Rede sein. (mehr dazu)
Günther Nonnenmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erklärte, wie unverzichtbar die gedruckte Zeitung auch in Zukunft für den politischen Diskurs sei. Internet-Nachrichtenportale generierten mehr Nutzer mit Fotostrecken als mit hintergründigen Politikbeiträgen. Viele User suchten dort offenbar nur den schnellen Überblick statt vertiefende Analysen. (mehr dazu)
Auch Chefredakteur Peter-Matthias Gaede beobachtet die Entwicklungen im Internet interessiert aber entspannt. Er erklärte, wie Geo mit hintergründigem Journalismus, Hochglanz und einer ganzen Produktfamilie die Medienkrise umschifft. Gedruckte Zeilen treffen im Alltag zwar auf ein zunehmend ungeduldiges und hektisches Publikum – doch offenbar gibt es auch einen umgekehrten Trend. Seine Leser setzen auf die gut recherchierte, ausführliche Reportage. Die hyperaktuelle, seichte Story verdränge diese Beiträge nicht und hintergründiger Journalismus bliebe sehr wohl gefragt. (mehr dazu)
Konstantin Neven DuMont, Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg, bereicherte die Veranstaltungsreihe mit seiner Sicht als Verleger. Er gab Einblicke in die Diskussionen über neue Bezahlmodelle im Internet und erklärte, weshalb er den investigativen Journalismus in seinem Haus stärken möchte. Kritisch hinterfragte das Publikum die verlegerische Strategie, die etwa zur Zusammenlegung von Redaktionen, dem Abbau von Arbeitsplätzen oder der Schließung der Redaktion der Netzeitung führte. (mehr dazu)
Der Intendant des Deutschlandradios, Dr. Willi Steul, ist überzeugt vom Erfolgsmodell öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Um die Zukunft des Qualitätsradios sorgt er sich nicht. Im Gegenteil: Es braucht verlässliche Informationen, die Journalisten jenseits von Quotendruck kompetent und hintergründig recherchieren und präsentieren.Dafür stehe sein Haus. Die Vorteile des Internets will Steul nutzen, um auch jüngeren Hörern – etwa mit Dradio Wissen – eine Plattform für anspruchsvollen Journalismus zu bieten. (mehr dazu)
Die Veranstaltungsreihe unter der Leitung von Dr. Lutz Mükke und Franziska Dähn erfreute sich regen Zuspruchs.
Pressestimmen:
Berliner Zeitung
zum Vortrag von Konstantin Neven DuMont
Kölner Stadtanzeiger
zum Vortrag von Konstantin Neven DuMont
Leipziger Volkszeitung (LVZ-online)
zum Vortrag von Peter-Matthias Gaede
zum Vortrag von Günther Nonnemacher
Leipziger Internet Zeitung
zum Vortrag von Georg Mascolo
zum Vortrag von Rüdiger Ditz
zum Vortrag von Konstantin Neven DuMont
Mitteldeutsche Zeitung
zum Vortrag von Konstantin Neven DuMont
news.de
zum Vortrag von Günther Nonnenmacher
zum Vortrag von Rüdiger Ditz
zum Vortrag von Peter-Matthias Gaede
zum Vortrag von Georg Mascolo
zum Vortrag von Konstantin Neven DuMont
Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2010