Das erste redguläre Rendezvous der Journalistik-Studenten war in der Lehrredaktion Fernsehen. Nach einem halben Jahr in Leipzig trafen sich erstmals Journalistik-Studenten des Diplom- und Masterstudiengangs im Rahmen eines regulären Seminars. Und prompt kam es zum Konflikt: Dozent Johannes Gerstner hatte lediglich 15 Plätze zur Verfügung, die überschüssigen Teilnehmer konnten nicht am Kurs teilnehmen. Es handelte sich dabei ausschließlich um Diplom-Studenten. „Das wirkt schon etwas unfair, wenn Diplomer den Master-Leuten Platz machen müssen“, sagt Claudia Reiser. Sie kam als eine der letzten Vertreterin des alten Studiengangs in die Lehrredaktion.
Unklarheit bei Einschreibung
Ihre Kollegin aus dem Master-Studiengang, Anne Kabacinski, sieht das verständlicherweise anders: „Ich kann den Ärger nachvollziehen. Aber das Problem war die Online-Einschreibung, in der die Master-Leute nicht erfasst wurden.“ Theoretisch konnten sich Interessenten online für das Seminar einschreiben, aber praktisch waren nur die Diplom-Studenten erfasst. Demnach gingen zunächst alle verfügbaren Seminar-Plätze an Diplom-Studenten. In der ersten Sitzung waren indes auch Master-Studenten zugegen und forderten ihren Platz ein.
Studienfachberater Dr. Martin Welker erklärt: „Der große Ansturm kommt daher, dass viele Diplomer eine zweite oder dritte Lehrredaktion besuchen. Die Master-Studenten werden in den Seminaren, die für sie vorgesehen sind, primär eingestuft“.
Probleme im Fachschaftsrat
Das Beispiel der Lehrredaktion Fernsehen zeigt, dass es zwischen alt und neu, zwischen Diplom- und Master-Studiengang, noch knirscht. Kein Wunder, ist es doch die von vielen gefürchtete und verdammte Übergangszeit bis zum Ende des Diplom-Studiengangs. Dennoch: Die Premiere hat gezeigt, dass nicht nur der Abschluss unterschiedlich ist, sondern auch die Einstellung in mancher Angelegenheit jenseits des Seminarraums. Zur Wahl des Fachschaftsrats Ende Mai ließ sich kein einziger der 25 Journalistik-Master-Studenten aufstellen. Arno Bausemer vom Fachschaftsrat, erklärt sich das so: „Die Master-Studenten haben alle schon einen Studiengang beendet und wollen ihr zweites Studium jetzt möglichst ohne Ablenkung durchziehen. Das bleibt dann keine Zeit für die Arbeit im Fachschaftsrat.“ Was das für die Durchsetzung der Interessen der Master-Studenten bedeutet, bleibt abzuwarten, wenngleich Bausemer versichert: „Wir kümmern uns natürlich auch um ihre Angelegenheiten.“
Überhang bei Volo-Plätzen
Sind die Probleme durch fehlende Präsenz im Fachschaftsrat unterschwellig, offenbaren sich die Schwierigkeiten bei der Vergabe von Volontariats-Plätzen sofort. Auf etwa 45 Stellen bewerben sich über 70 Studenten aus beiden Studiengängen. Die Volontariats-Verantwortliche Manuela Lonitz ist skeptisch:„Ich kann mir schon vorstellen, dass in diesem Jahr der eine oder andere Bewerber ohne Zusage bleiben wird. Besonders das Interesse an einer Ausbildung in den Funkmedien ist gestiegen. Hier ist die Zahl der Interessenten viel höher als die freien Plätze.“
Dem hält Professor Marcel Machill, Leiter des Lehrstuhls II, Mitglied des Institutsrats und Vorsitzender der Prüfungskommission, entgegen: „Der Andrang ist nicht größer als sonst auch. Wir haben im Jahr 2006 keinen einzigen Studenten immatrikuliert, deswegen dürfte die Bewerberzahl im Zweifelsfall sogar kleiner sein. In einem Master-Jahrgang sind nämlich deutlich weniger Studenten als in einer Diplom-Runde.“ Fakt ist: In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der vermittelten Volontariatsplätze stetig gewachsen, zuletzt konnten 55 Studenten eine Stelle antreten.
WDR macht den Anfang
„Es ist eine spannende Situation. Allerdings sehe ich bei den Lebensläufen keine großen Unterschiede zwischen den Studiengängen, was ich sehr beruhigend finde“, meint Lonitz. Der Wettbewerb um Volo-Plätze scheint im Vorfeld ausgeglichener als der um die in der Lehrredaktion Fernsehen. Ein Anfang ist zumindest auf dem Papier gemacht: Zur ersten Runde für die traditionell sehr begehrten Volo-Plätze beim WDR wurden paritätisch je sieben Master und sieben Diplom-Studenten eingeladen.


